Angola braucht einen Ruck zum Wandel

Heft 1/2017

Angola

EIN KOMMENTAR ZUR AKTUELLEN LAGE IN ANGOLA. Padre Pio Wakussanga aus dem Süden des Landes ist seit jeher eine mahnende Stimme aus der angolanischen Zivilgesellschaft. Er hat wegen seines Engagements immer wieder Morddrohungen vom Regime erhalten, wie jüngst Mitte Dezember 2016, als er von einem Treffen mit Menschenrechtlern in Cabinda zurückkam und in seiner Mailbox eine unmissverständliche Drohung fand und als „Judas von Angola" beschimpft wurde.

 

Angola befindet sich unter einer Art Spannung. Die Spekulationen mehren sich. „Das geht mir am Arsch vorbei", wie unsere brasilianischen Brüder sagen würden. Was mich interessiert, sind nicht Spekulationen, sondern Lösungsansätze, die dazu führen, ein gesundes Angola aufzubauen.
Wir müssen uns alle über eine neue Phase für das Land Gedanken machen. Wir alle müssen uns, manche mehr, manche weniger, einer kollektiven Therapie unterziehen, indem wir an alten und neuen Wunden rühren und sie bluten lassen, eine Restrukturierung durchziehen, mit Fäden der Liebe unsere sozialen Beziehungen nähren und zu einer gemeinsamen Vision fortfahren, die dazu beiträgt, die verzögerte Nation aufzubauen. Wir müssen über unsere Passivität bezüglich des Todes von Tausenden von Menschen, die zu Unrecht „getötet" wurden, diskutieren.


Die Rolle der Streit- und Sicherheitskräfte muss überdacht werden. Wir müssen die Rolle der Kirche bei Friedensbildung, Versöhnung und Demokratie wiederherstellen. Wir können dieses Killerspiel von Menschenjagd gegen diejenigen, die sich über lästige Dinge äußern, nicht dulden.


Ich hasse es, wenn ich fahrende Motorräder sehe, mit dem Ziel, Menschen einzuschüchtern. Ich hasse Drohungen wie: Sei vorsichtig mit dem, was Du sagst! Du hast Familie! Denk darüber nach!
Wir müssen darüber übereinkommen, was mit dem vielen Geld, das aus der Staatskasse geraubt und irgendwohin außer Landes geschafft wurde, geschehen soll. Dieses Geld muss zurückgeholt werden, um die Wirtschaft anzukurbeln und die Enterbten zu unterstützen.


Wir müssen die Hoffnung auf eine andere Zukunft als die jetzige zurückgewinnen. Wir müssen wieder über ein Angola in einem Übergangsrahmen, der alle einbezieht, nachdenken. Die „Hoffnungslosigkeit" ist enorm. Die Hoffnungstemperatur ist auf einem Niedrigstand. Wir müssen in die Augen eines jeden schauen und ein neues Abkommen treffen, das die Hoffnung eines jeden von uns neu entfacht.


Padre Pio Wakussanga

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