Nelson Mandela: Stationen seines Lebens

Heft 1/2014

Südafrika: Mandela

Juli 1918: Rolihlahla („Der Unruhestifter“) Dalibhunga Mandela wird in dem Dorf Mvezo in der östlichen Kap-Region geboren. Seine frühe Kindheit verbringt er im Haus seiner Mutter Nosikeni Nkedama in Qunu.

 

Frühe Jahre

1927: Der Vater stirbt. Sein Vormund und Onkel Jongintaba Dalinyebo holt ihn zu sich. Dalinyebo ist der damalige Regent des Volkes der Tembu. Die Traditionen der Tembu – wie die Methode der einvernehmlichen Beschlussfassung – prägen ihn. Die traditionellen Chiefs haben in ihrem Bereich noch eine gewisse Autonomie, auch wenn sie unter der Kontrolle der (weißen) Zentralregierung stehen.

Mandela besucht eine weiterführende Schule und erhält dort den Vornamen Nelson.

 

1938: Mandela beginnt ein Jurastudium an der Universität für Farbige in Fort Hare und belegt geisteswissenschaftliche Fächer. Er fliegt von der Uni, nachdem er als Mitglied des Studentenrates eine Petition gegen die schlechte Verpflegung vorgetragen hatte.

 

1940: Mandela flüchtet vor einer arrangierten Heirat und geht nach Johannesburg. Dort schlägt er sich mit Gelegenheitsarbeiten durch.

 

1941: Albertina und Walter Sisulu (beide Mitglied im ANC) nehmen Mandela unter ihre Fittiche. Sie vermitteln ihm eine Lehrstelle in einer Anwaltskanzlei. Mandela schließt in Fernstudien seine geisteswissenschaftlichen Fächer mit dem Bachelor ab. Walter überzeugt ihn von einem Jurastudium. Er schließt dieses Studium erst 1989 am Ende seiner Haft ab. Die Politik nimmt ihn in Beschlag.

 

Politisierung

1944: Mandela tritt dem ANC bei und gründet im selben Jahr zusammen mit Walter Sisulu, Oliver Tambo (dem späteren Generalsekretär) und anderen die Jugendliga des ANC. Die „jungen Wilden“ sind unzufrieden mit der vorsichtigen und wirkungsarmen Politik der ANC-Führung. Die Jugendliga vertritt eine streng afrikanistische Linie. Sie lehnt eine Zusammenarbeit mit der (von Weißen dominierten) Kommunistischen Partei und den Vertretern der Inder ab.

Mandela heiratet die Krankenschwester Evelyn Mase. Zwei Mädchen und zwei Jungen entstammen dieser Ehe.

 

Apartheid wird Regierungspolitik

1948: Die konservative Nationalpartei kommt an die Macht. Sie führt das System der Apartheid ein, die strikte Rassentrennung und Diskriminierung der schwarzen und farbigen Mehrheit. Die neue Ordnung wird in der Verfassung festgeschrieben.

 

1951: Mandela wird zum Präsidenten der Jugendliga gewählt. Er nähert sich dem African Indian Congress und der Kommunistischen Partei an.

 

1952: Mandela organisiert die landesweite Verweigerungskampagne des ANC. Sie ist von den Methoden des gewaltlosen Widerstands Mahatma Gandhis inspiriert. Die Kampagne bringt dem ANC einen großen Zuwachs an Popularität. Mandela wird unter dem Gesetz zur Unterdrückung des Kommunismus verhaftet und zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

 

1955: Der ANC, dessen Vize-Vorsitzender Mandela inzwischen ist, verabschiedet die Freiheitscharta, die auch vom Indian Congress und der Kommunistischen Partei getragen wird. Sie fordert gleiche Rechte für Schwarze und Weiße. Sie beginnt mit den Worten: „Südafrika gehört allen, die darin leben, Schwarzen und Weißen.“

 

1956: Mandela steht erstmals wegen Hochverrats vor Gericht, wird aber freigesprochen.

 

1958: Mandela trennt sich von Evelyn Mase und heiratet Nomzamo Winnie Madikizela. Dieser Ehe entstammen zwei Töchter.

 

1960: Bei friedlichen Protesten in Sharpeville erschießt die Polizei 69 Menschen. Nach dem Massaker von Sharpeville ruft die Regierung den Ausnahmezustand aus. Der ANC wird verboten.

 

Bewaffneter Kampf

1961: Nach dem Verbot entscheiden sich Mandela und der ANC für den gewaltsamen Kampf gegen die Apartheid und gründen die Untergrundorganisation „Umkhonto we Sizwe“ (Speer der Nation) als militärischen Flügel des ANC.

 

1962: Mandela und 150 Mitangeklagte werden vom Vorwurf des Landesverrats freigesprochen. Der ANC erklärt den gewaltlosen Widerstand für nicht ausreichend. Mandela wird Oberbefehlshaber des neu gegründeten militärischen Flügels des ANC. Er flieht ins Ausland, wo er um finanzielle Unterstützung wirbt und eine Guerilla-Ausbildung erhält. Bei seiner Rückkehr wird Mandela verhaftet und für zunächst fünf Jahre auf die Gefängnisinsel Robben Island gebracht.

 

1964: Mandela wird im „Rivonia-Prozess“ wegen Vorbereitung eines bewaffneten Aufstands, Sabotage und Unruhestiftung für schuldig befunden und mit weiteren sieben ANC-Mitgliedern zu lebenslanger Haft verurteilt.

 

1985: Auf internationalen Druck hin bietet Staatspräsident P.W. Botha Mandela die Freilassung an, wenn er öffentlich dem bewaffneten Kampf abschwört. Mandela weigert sich.

 

1986: Mandela beginnt Geheimgespräche mit Ministern der Regierung. Er erhält – inzwischen auf das Festland verlegt – Hafterleichterungen. Er erhält ein eigenes Haus mit Koch und Pool auf dem Gelände des Victor-Vester-Gefängnisses nahe Kapstadt und kann unter Bewachung Ausflüge in die Umgebung machen.

 

1989: Die meisten „Rivonia“-Häftlinge werden freigelassen. Mandela bleibt in Haft.

 

Wieder in Freiheit

1990: Staatspräsident de Klerk hebt das ANC-Verbot auf und entlässt Mandela am 11. Februar nach 27 Jahren Haft aus dem Gefängnis. 17 Jahre davon saß er mit der Häftlingsnummer 466/64 auf Robben Island. Auch das Verbot des ANC und anderer politischer Organisationen wird aufgehoben.

In einer Rede vor 120.000 Zuhörern in einem Stadion in symbolträchtigen Soweto stimmt Mandela die Öffentlichkeit auf seine Politik der Versöhnung ein, er fordert „alle Menschen, die die Apartheid aufgegeben haben“, zur Mitarbeit an einem „nichtrassischen, geeinten und demokratischen Südafrika mit allgemeinen, freien Wahlen und Stimmrecht für alle“ auf.

 

Im Juli 1991 wird Mandela einstimmig zum Präsidenten des ANC gewählt. In dieser Position leitet er Verhandlungen mit der Regierung über die Beseitigung des Apartheidsystems und Schaffung einer neuen, vorläufigen Verfassung.

 

1993: Im Dezember erhalten Mandela und de Klerk den Friedensnobelpreis für ihre „Verdienste um den friedlichen Übergang zu einer multirassischen Demokratie in Südafrika“.

 

1994: Am 27. April findet die erste Parlamentswahl nach dem Ende der Apartheid statt. Der ANC geht mit 62 Prozent der Stimmen als klarer Sieger hervor. Mandela wird Staats-, de Klerk Vizepräsident.

 

1995: In diesem Jahr wird die Rugby-Weltmeisterschaft in Südafrika durchgeführt. Rugby gilt als Sport der Weißen. Mandela zeigt bei diesem Anlass sein Gespür für wirkmächtige Symbolik. Er besucht das Turnier im grüngoldenen Trikot und kann der Mannschaft den Pokal überreichen. Psychologisch war diese Weltmeisterschaft für das neue Südafrika unbezahlbar.

 

1996: Die endgültige Verfassung wird verabschiedet und löst die der Übergangsregierung ab.

Im Februar 1996 beginnt die von Mandela eingesetzte Wahrheits- und Versöhnungskommission (TRC) unter Leitung des Friedensnobelpreisträgers Desmond Tutu die Aufarbeitung der Verbrechen zur Zeit der Apartheid.

Nelson Mandela lässt ich von seiner Frau Winnie Madikizela-Mandela scheiden.

 

1997: Mandela übergibt das Amt des ANC-Präsidenten an Thabo Mbeki.

 

1998: Mandela wird achtzig Jahre alt und heiratet Graça Machel, Witwe des ersten Präsidenten von Mosambik, Samora Machel.

Die Wahrheits- und Versöhnungskommission schließt ihre Arbeit ab. Trotz mancher Kritik – Straflosigkeit geständiger Täter, Ausklammerung der die Apartheid unterstützenden in- und ausländischen Unternehmen – gilt die Arbeit der Kommission als wichtiger Baustein für die Aufarbeitung der Vergangenheit und Vorbeugung gegen Mythenbildung. Der ehemalige Präsident de Klerk setzt eine Streichung zahlreicher Dokumentationen von Verbrechen der Apartheidregime durch. Mandela widersteht dem Druck seiner Partei, ihr zur Last gelegte Menschenrechtsverstöße einzuschwärzen.

 

Rückzug aus der Politik

1999: Mandela verzichtet auf eine zweite Kandidatur als Staatspräsident und zieht sich aus der aktiven Politik zurück, tritt national und international aber weiterhin als moralische Instanz und Vermittler in Erscheinung. Thabo Mbeki, sein bisheriger Stellvertreter, wird als Nachfolger vom südafrikanischen Parlament zum Staatspräsidenten gewählt.

 

2003: Mandela wendet sich wiederholt gegen die militärische Intervention im Irak. Er kritisiert in mehreren Reden das Vorgehen des US-Präsidenten George W. Bush und des britischen Premierministers Tony Blair.

 

2004: Mandela zieht sich weitgehend von allen öffentlichen Aktivitäten zurück.

 

2010: Mandela tritt ein letztes Mal öffentlich bei der Schlussfeier der Fußball-WM in Johannesburg auf.

 

2013: Im Juni wird Mandela wegen schwerer gesundheitlicher Probleme ins Krankenhaus eingeliefert. Man rechnet mit seinem Tod. Im September kann er jedoch noch einmal in sein Haus in Johannesburg zurückkehren. Pflegepersonal begleitet ihn, weil die Folgen einer schweren Lungenentzündung nicht völlig überstanden sind.

Am 5. Dezember stirbt Nelson Mandela um 20.50 Uhr Ortszeit (19.50 Uhr MEZ) in seinem Haus in Johannesburg.

 

Quelle: issa-archiv

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