Raubbau mit Gütesiegel

Heft 4/2012

Mosambik

EUKALYPTUSPLANTAGEN IM NORDEN MOSAMBIKS. Im Norden von Mosambik will das norwegische Unternehmen Green Resources auf einer Fläche von bis zu 126.000 Hektar Fläche Eukalyptus und Kiefern anpflanzen. Wird das Projekt umgesetzt, drohen der lokalen Bevölkerung massive Verletzungen des Rechts auf angemessene Ernährung, denn abgesehen von der verlorenen Fläche für den Nahrungsmittelanbau benötigt Eukalyptus riesige Mengen an Wasser.

 

Wer die Homepage der norwegischen Firma Green Resources (www.greenresources.no) besucht, wird nicht an ein gewinnorientiertes Unternehmen denken. Der erste Gedanke ist eher: Das ist die Organisation, die den Klimawandel stoppen kann. Hier ist alles grün und öko. Unter den aktuellen Meldungen wird berichtet, dass eine Plantage in der Provinz Niassa das Siegel des Forest Stewardship Council (FSC) für nachhaltige Forstwirtschaft erhalten hat.

 

Ich hatte im August 2011 die Gelegenheit, mir das Projekt „Lúrio Green Resources" (LGR) in der Provinz Nampula im Norden Mosambiks genauer anzusehen. In den drei Distrikten Mecuburi, Ribaué und Nampula hat Green Resources einen provisorischen Landnutzungstitel für 126.000 Hektar erhalten. Großflächig sollen dort eine besonders schnell wachsende Eukalyptusart (60 Prozent der Fläche) und Kiefern (40 Prozent) angepflanzt werden. Meine Bewertung des Megaprojekts ist nach diesem Besuch extrem konträr zu den ökologischen Ansprüchen, die die Firma auf ihrer Homepage erhebt. Ich halte die geplanten Plantagen aktuell für eine der größten Bedrohungen der Umwelt und der Menschenrechte in der bevölkerungsreichsten Provinz Mosambiks.

 

Negative Umweltbilanz

Zunächst zur Umwelt: Laut den Umweltverbänden, die zu der Problematik der Eukalyptusplantagen arbeiten, ist Eukalyptus unter anderem deshalb problematisch, weil er durch seine langen Wurzeln und den hohen Wasserverbrauch den Boden bis in die Tiefe austrocknet. Außerdem werden andere Baumarten aggressiv verdrängt, die Plantagen bieten den heimischen Tieren keinen Lebensraum und die brennbaren Öle der Bäume erhöhen die Gefahr von Waldbränden und tragen zur Versauerung der Böden bei. Das größte Risiko von Eukalyptusplantagen in Mosambik ist dabei ohne Zweifel der immense Wasserverbrauch der Bäume und das großflächige Absinken des Wasserspiegels. Schon jetzt ist Wasser knapp und mit dem großflächigen Anbau von Eukalyptus wird das Überleben bereits in wenigen Jahren extrem schwierig sein.

 

Bisher steckt das Projekt von Green Resources in Nampula noch in den Kinderschuhen und nutzt lediglich drei Hektar als Baumschule. Aber bereits jetzt beschweren sich die Anwohner der benachbarten Gebiete, dass der Wasserspiegel sinkt. Ein alter Mann, der seine Felder in der Nähe der Baumschule hat, zeigt mir ein ausgetrocknetes Flussbett. Dieser Fluss habe früher immer ganzjährig Wasser geführt. In diesem Jahr sei er zum ersten Mal ausgetrocknet. Für ihn und die Dorfbewohner/innen weiter flussabwärts ist klar, dass als Ursache nur die Baumschule in Frage kommt. Sie wollen gar nicht darüber nachdenken, was passiert, wenn hier tausende von Hektar mit Eukalyptus bepflanzt sind.

 

Extrem durstig

Eukalyptusbäume sind deshalb so gewinnträchtig, weil sie in nur acht Jahren auf 20 Meter Höhe wachsen und „geerntet" werden können. Meist werden sie dann, wie auch im Fall Lúrio Green Resources geplant, zur Papierherstellung genutzt. Ein einziger Eukalyptusbaum verbraucht aber pro Tag rund 30 Liter Wasser. Bei durchschnittlich 400 Bäumen pro Hektar ergibt sich der unvorstellbare tägliche Wasserverbrauch von 840 Millionen Litern oder 840.000 Kubikmetern pro Tag. Zwar verweist die Firma LGR darauf, dass hier eine weniger durstige Eukalyptusart angepflanzt werden soll und dicht besiedelte Gebiete ausgespart werden sollen. Das kann das Problem aber höchstens mindern und ändert wenig an der Grundproblematik.

 

Ein Blick auf ältere Plantagen in Zambezia oder Sofala genügt, um sich auszumalen, dass auch hier im dicht besiedelten Nampula bald ganze Regionen ökologisch tot sein werden. Der Mangel an Wasser für Mensch und Tier wird nur eine der katastrophalen Folgen sein. Die benachbarten Ackerbauflächen müssen wegen zunehmend trockener Böden mit hohen Ernteverlusten rechnen. Da über 90 Prozent der Bevölkerung in den betroffenen Gebieten von der Landwirtschaft leben, ist ihre Existenzgrundlage gefährdet.

 

Eine weitere negative Folge wird die großflächige Abholzung ökologisch wertvoller und artenreicher Miombo-Wälder sein. Sie wurden kurzerhand zu „degradiertem Land" erklärt, denn auch diese Plantagen sollen das „Güte"siegel des FSC erhalten. Dass die Organisation ihr Siegel für solche Projekte hergibt, ist ein weiterer Skandal um den für seine zunehmende Zahl dubioser Zertifizierungen in die Kritik geratenen FSC.

 

Eine von Green Resources in Auftrag gegebene Vorstudie zu den ökologischen Folgen des Projekts erwähnt alle diese Probleme. Ohne nähere Begründung kommen die Autor/innen der in Maputo ansässigen Firma IMPACTO aber zu dem Schluss, dass die ökologischen und sozialen Veränderungen kleinflächig sein werden und mit Gegenmaßnahmen leicht zu bewältigen seien. Die dann genannten Maßnahmen sind so absurd, dass allein schon deshalb die Seriosität der Autor/innen infrage gestellt werden muss.

 

Vertreibung tausender Familien droht

Das mosambikanische Landgesetz sieht einen recht komplizierten Prozess der Vergabe von Landnutzungskonzessionen vor. Ein wichtiger Bestandteil ist die Information und Einbeziehung der Betroffenen durch öffentliche Anhörungen („Consultas Comunitárias"). Ohne diese darf laut Landgesetz keine Konzession vergeben werden.

 

In sechs von mir besuchten Gemeinden hatte aber niemand von dem Projekt gehört. Keiner wusste, dass das Land, auf dem rund 35.000 Menschen leben und das sie seit Generationen bearbeiten, längst einer norwegischen Firma zur langfristigen Nutzung überlassen wurde.

 

Der Permanente Sekretär (Secretário Permanente) eines der betroffenen Distrikte klärte mich dann über den Verlauf der angeblichen „Consultas Comunitárias" auf: Das seien öffentliche Veranstaltungen in den Distrikthauptorten gewesen. Er selbst habe an einer davon teilgenommen. Die Vertreter/innen von Green Resources hätten die Vorzüge des Projekts und geplante Sozialprojekte mit Powerpoint präsentiert. Über Landkonzessionen sei überhaupt nicht gesprochen worden. Die anwesenden traditionellen Führer (regulos) der Dörfer seien dann gebeten worden, eine Teilnehmendenliste zu unterschreiben. Genau diese Teilnehmendenliste sei dann später von Green Resources als Beweis dafür eingereicht worden, dass die regulos und die dörflichen Gemeinschaften mit der Landvergabe und der daraus folgenden Umsiedlung zahlreicher Dörfer einverstanden seien.

 

Noch wissen wenige der Betroffenen von der heimlichen Enteignung und der anstehenden Umsiedlung tausender Familien in den fünf Distrikten. Erste Reaktionen von Betroffenen zeigen aber, dass der Prozess nicht ganz friedlich verlaufen könnte. Denn im Jahr 2011 sind die Preise für wichtige landwirtschaftliche Produkte der Bäuerinnen und Bauern der Region wie Tabak, Baumwolle und Sesam kräftig angestiegen. Für viele ist es das erste Mal, dass sie erleben, dass sich Landwirtschaft wirklich lohnt. Diese Entwicklung wird es für Lúrio Green Resources nicht einfach machen, das Projekt durchzusetzen.

 

Vor diesem Hintergrund hat LGR Ende 2011 damit begonnen, der lokalen Bevölkerung Zugeständnisse in Hinsicht der Nutzungsfläche und Entschädigungszahlen zu machen. Auch Einkommen schaffende Maßnahmen und das maschinelle Pflügen der landwirtschaftlich genutzten Felder sollen dazu beitragen, die Unterstützung der Bevölkerung für das Projekt zu gewinnen.

 

Was ist zu tun?

Auch wenn die Konzession an Lúrio Green Resources schon erteilt wurde, ist es noch nicht zu spät, um das Projekt zu verhindern oder zumindest so zu verändern, dass die ökologischen und sozialen Folgen nicht ganz so katastrophal sind. Hier ist zunächst die Zivilgesellschaft in Nampula und Mosambik gefragt, die sich bislang zu passiv verhalten hat. Es wird darauf verwiesen, dass mosambikanische Spitzenpolitiker/innen am Projekt beteiligt sind und Widerstand deshalb aussichtslos wäre. Wichtig ist in dieser Phase vor allem die Unterstützung der lokalen Bevölkerung bei den Verhandlungen über die Flächen, die für Eukalyptus- und Kiefern-Plantagen genutzt werden, und solche, die weiterhin als landwirtschaftliche Flächen dienen oder als Naturwälder erhalten bleiben. Auch bei den Verhandlungen über eine angemessene Entschädigung der von Enteignung und Umsiedlung betroffenen Bevölkerung ist Unterstützung von außen nötig. Darüber hinaus sind gut recherchierte Berichte in den mosambikanischen Medien über den Fortgang des Projektes und über die Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung wichtig, um die Öffentlichkeit zu informieren. Transparenz ist für den weiteren Prozess extrem wichtig.

 

Aber auch in Europa können wir aktiv werden. Die Firma Green Resources ist sehr auf seinen Ruf als „ökologisches Unternehmen" bedacht. Es dürfte der Unternehmensführung in Oslo gar nicht recht sein, wenn Zwangsumsiedlungen unter Umgehung geltender Gesetze, Korruption und enorme Umweltschäden an die Öffentlichkeit kommen. Denn nicht zuletzt erhält das Unternehmen auch Fördergelder aus dem Norwegian Investment Fund for Developing Countries (Norfund), dessen Eigentümer das norwegische Außenministerium ist.

 

Rainer Tump

 

Der Autor hat als freier Consultant des öfteren Angola und Mosambik besucht.

Sein Beitrag ist eine aktualisierte Version eines ursprünglich im ARA-Magazin 17 – 1/12 erschienenen Berichtes.

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