"Nur Gott kennt meinen Schmerz"

Heft 4/2013

Südafrika

MEIN NAME IST NTONGA NOMBULELO von Cofimvaba, Guse-Siedlung, wo ich geboren wurde. Dort lebe ich nun mit meinen Kindern. Mein Ehemann stammt aus einem anderen Gebiet, nahe Elliotdale und Mohele, in Xohora.

 

Ich bin bis Standard 9 zur Schule gegangen, meine Eltern konnten keine weiterführende Schulbildung bezahlen. Wir lebten von den staatlichen Pensionszahlungen an meine Eltern, allerdings erhielt nur mein Vater eine Rente. Ich heiratete 2008, meine Kinder wurden 2008 und 2011 geboren. Ich habe meinen Ehemann im Marikana-Massaker verloren. Er lässt mich leidend, kämpfend zurück – mit einem großen Loch in meinem Leben und Schmerzen in meinem Herzen. Er war der einzige, der uns half zu überleben. Wir hingen von ihm ab. Nun habe ich niemanden mehr, an dessen Schulter ich weinen kann. Mein Herz blutet. Ich werde nie vergeben und vergessen. Mir fehlen die Worte, um meine Gefühle auszudrücken.

 

Lonmin hat uns versprochen, uns zu helfen.Sie wollen die gesamte Ausbildung unserer Kinder finanzieren – bis zum College oder zur Universität. Lonmin muss dieses Versprechen einhalten. Aber meinem 2008 geborenen Kind geht es nicht gut. Es hat Epilepsie, es braucht gute Medizin und gute Ärzte. Ich habe keine Krankenversicherung und keine Möglichkeiten, ihm die notwendigen Medikamente zu kaufen, weil ich keine Arbeit habe.

 

Ich kann nähen, das ist das einzige, was ich beherrsche. Aber ich muss das Schneidern lernen und ich brauche eine Nähmaschine. Wenn ich neue Fähigkeiten erlerne, kann ich mit meinem eigenen Geschäft beginnen. Das wird mich voranbringen.

 

Auf meinem Bild falte ich meine Hände zum Gebet, damit mir Gott hilft, meine Schwierigkeiten zu überwinden – und die Trauma, die ich habe, seit mein Mann von der Polizei im Marikana-Massaker getötet wurde. Selbst als die Minenarbeiter um ihr Leben flehten, wurden sie von der Polizei grausam getötet und ihre Körper herumgezerrt, so als ob sie Straftaten verbrochen hätten. Und dabei haben sie nur ihre Menschen- und Arbeitsrechte eingefordert: 12.500 Rand Lohn, damit wir besser leben können.

 

Als ich die Nachricht vom Tod meines Mannes hörte, habe ich Gift getrunken (Chemikalien zur Zeckenabwehr für Kühe), daran wäre ich fast gestorben. Dann halfen mir Ärzte und ich bin noch immer in medizinischer Behandlung. Nach dem Tod meines Mannes habe ich dessen Familie verlassen und bin mit meinen Kindern in meine Heimat zurückgekehrt. Wenn mein Mann nicht von der Polizei wegen der Minengesellschaft Lonmin getötet worden wäre, würde ich noch immer im Haus meines Mannes wohnen. Dort wohnte ich seit unserer Hochzeit, weil er mich liebte. Während seiner Anwesenheit gab es keine Anzeichen, dass ich weggehen sollte. Nun bin ich im Haus meiner Eltern und besuche die Kommission von Cofimvaba aus. Gott ist der einzige, der weiß, wie tief die Schmerzen in meinem Herzen sind.

 

Aus:

Khulumani Support Group: Justice, Redress and Restitution: Voices of the Widows of the Marikana Massacre, Johannesburg 2013. www.khulumani.net

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