Aufstieg und baldiger Niedergang der mosambikanischen Kohle

Heft 4/2016

Mosambik

2011 erreichten Preise für Heizkohle einen Höhepunkt von 330 US-Dollar pro Tonne; aber Mitte 2016 lag ihr Höchstpreis bei 43,54 US-Dollar/t und der Tiefstpreis bei 39,50 US-Dollar – auch während der letzten 52 Wochen bewegte er sich auf einem ähnlichen Niveau. Die Preise für Koks und Steinkohle für die Stahlindustrie fielen nicht ganz so tief: von 300 US-Dollar/t auf aktuell 81 US-Dollar. Der Preisverfall wurde durch ein Überangebot an Kohle und die rückläufige Nachfrage nach Kohle durch die Eisen- und Stahlindustrie in Indien und China motiviert.


Mosambik hat in seiner Provinz Tete reiche Koks- und Steinkohlevorkommen von geschätzten 20 Mrd. Tonnen. Aber angesichts des oben erwähnten Preisverfalls gerieten die logistischen Engpässe des Kohlebergbaus, die geförderte Kohle in die Exporthäfen zu transportieren, in den Mittelpunkt der Kritik der Investoren. Die Eisenbahnlinie von Tete bis zum Hafen von Beira hatte auch nach ihrer Generalüberholung nur eine Transportkapazität von sechs Mio. Tonnen pro Jahr. Die Eisenbahnverbindung zum Tiefseehafen von Nacala benötigte noch eine umfassende Renovierung und eine zusätzliche Streckenführung durch Malawi hindurch.


Im November 2014 gab es 124 Kohle-Sondierungslizenzen in Tete. Das zuständige Ministerium hatte elf Bergbau-Konzessionen erteilt (sie signalisieren, dass man die Hälfte des Weges bis zum Start eines Bergbauprojektes erreicht hat). Aber nur vier Bergbauunternehmungen produzierten tatsächlich Kohle in großem Maßstab. Dies waren Konzerne, die reich genug waren, um einige Jahre an Verlusten tolerieren zu können. Einige Konzerne waren zu diesem Zeitpunkt auch schon gescheitert. Dazu gehörten Rio Tinto – dieser Konzern hatte 2011 vom australischen Riversdale-Konzern die Konzessionen am Zambezi und in Moatize für die stolze Summe von 3,8 Mrd. US-Dollar erworben, nur um ihre Anlagen drei Jahre später an den indischen Konzern ICVL für den Schnäppchenpreis von 50 Mio. US-Dollar zu verkaufen. Gescheitert war auch das Londoner Unternehmen Beacon Hill Resources, das pro Jahr etwa 600.000 t Steinkohle hatte produzieren wollen. BHR ging 2014 in den Konkurs; das Bergwerk hat neue Besitzer, scheint aber nicht in Betrieb zu sein. Das Bergwerk von Revuboe ist im Besitz der australischen Talbotgruppe, des japanischen Nippon Steel und der südkoreanischen Posco. 2012 wollte sich auch Anglo-American daran beteiligen, zog sich aber schon 2013 aus dem Geschäft zurück. Revuboe erhielt eine Betriebskonzession, hat aber bis dato anscheinend nichts produziert.


2014/15 gab es also nur noch vier produzierende Kohlehütten, betrieben von der brasilianischen Vale, dem indischen Konzern Jindal Africa, der indischen Gruppe ICVL (Nachfolger von Rio Tinto) und dem britischen Nkondezi Energy.


Der brasilianische Konzern Vale schreibt zwar noch Verluste, hat sich aber auf eine langfristige Investition festgelegt. Sein Bergwerk in Moatize hat in der ersten Phase eine Produktionskapazität von 11 Millionen Tonnen pro Jahr, kann aber diese Kapazität nicht voll ausfahren, weil die Sena-Eisenbahnlinie diese Mengen gar nicht transportieren könnte. Zur Überwindung dieses logistischen Engpasses hat Vale 4,4 Mrd. US-Dollar in den Nacala-Korridor investiert: Renovierung von 684 km existierender Bahngleise und Bau von 228 km neuer Bahngleise, die zum Teil durch Malawi führen, zusätzlich zum Bau eines Kohleterminals am Tiefseehafen von Nacala. Vale möchte schon 2017 jährlich 22 Mio. Tonnen Koks und Steinkohle exportieren. Mitte 2015 lag die Vale-Produktion in Moatize bei etwa 7 Mio. t/Jahr.


Um die Logistikkosten zu verringern, ist Vale in Verhandlungen mit dem japanischen Mitsui-Konzern. Im Juni 2016 erklärte Vale nach zwei Angriffen der Renamo auf die Kohleexportzüge der Sena-Linie nach Beira, es werde diesen Exportkorridor nicht mehr nutzen, sondern alle Exporte über den Hafen von Nacala laufen lassen.


Die Investoren, die den weltweiten Kollaps des Kohlepreises überlebt haben, beklagten sich 2015 darüber, dass die mosambikanische Regierung ihr Interesse an der Entwicklung der Kohleindustrie und an der Überwindung ihrer logistischen Engpässe verloren zu haben schien. Ein Jindal-Vertreter sagte Mitte 2015: „Es gibt keinen Dialog mit der Regierung über die Probleme des Kohle-Bergbaus oder über ihre Pläne zur Entwicklung des Landes insgesamt." Die südafrikanische Financial Mail kommentierte Ende August 2015: „Vielleicht sagt sich die Frelimo, dass der Aufwand, Mosambiks kranken Kohlebergbau wieder gesund zu pflegen, nicht länger der Mühe wert ist." Thea Fourie, Ökonomin einer Risiko-Beratungsfirma, wird noch deutlicher: „Derzeit ist Mosambik nicht länger eine Kohlegeschichte. Kohleabbau und -export sind sehr teuer, in keiner Weise wettbewerbsfähig. Sie bräuchten sehr viele zusätzliche (logistische) Kapazität... Jetzt dreht sich alles ausschließlich um die Story von verflüssigtem Erdgas (LNG)." Aber die Gasindustrie bringt zur Zeit noch keine Devisen in das Steuersäckel Mosambiks, von den Geldbeuteln der „normalen" Bürger des Landes ganz zu schweigen.


Anfang Juni 2016 hieß es, die indischen Konzerne ICVL und Jindal Africa hätten ihre Kohleexporte eingestellt. ICVL erwägt den Bau eines Kohlekraftwerkes zur Elektrizitätsgewinnung. Nkondezi Energy hat wegen der logistischen Exportengpässe schon 80 Prozent des Wertes seiner Kohlevorräte abgeschrieben. Nun möchte das Unternehmen ein Kohlekraftwerk mit einer Kapazität von 1.800 Megawatt aufbauen, um Strom an die aufzubauende Industrie Mosambiks und der umliegenden Länder wie Sambia, Malawi etc. zu verkaufen.


Mosambik wird noch weitere 30 Jahre Kohle produzieren. Aber das Zeitalter der Kohle geht weltweit zu Ende, ehe es im unterentwickelten Mosambik richtig starten konnte. Ökologisch mag sich das noch als verborgener Segen für Mosambiks Gewässer im Einzugsbereich des Zambezi erweisen.
Gottfried Wellmer

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