Angola

Chronologie

Vor- und Frühgeschichte
ca. 20.000 v. Chr. Die Funde von Steinwerkzeugen im Nordosten und Süden des heutigen Angola weisen auf die frühe Existenz paläolithischer San-Gruppen (Buschleute) hin. In den ariden Zonen im Gebiet von Namibe wurden beachtliche Felszeichnungen entdeckt. Die San lebten vorwiegend von der Jagd.
um 500 n. Chr. Bantuvölker wandern in das Gebiet des Kongo-Flusses ein.
um 1200 Der Bantustamm der Bakongo breitet sich weiter südlich des Kongo aus. Die Einwanderung ist um 1300 abgeschlossen.
1350 Es entsteht das mittelalterliche Kongoreich, das verschiedene Provinzen und Vasallenkönigreiche vereinigt. Wirtschaftliche Basis des Zentralstaates bilden Eisenverarbeitung, Landwirtschaft, Handel und ein entwickeltes Handwerk. Weiter südlich bilden sich zur gleichen Zeit weitere kleinere Staatswesen und das Königreich Ndongo.
   
Europäische Landnahme
1482 Eine portugiesische Expeditionsflotte kommt erstmals an die Küste Angolas.
1487 Beginn der Zusammenarbeit zwischen Portugal und dem Kongoreich.
1575 Gründung von Luanda; Beginn der Kolonisierung Angolas.
1836 Verbot des jahrhundertealten Sklavenhandels.
1882 Portugal übernimmt die Kontrolle über die Enklave Cabinda.
1884/5 Auf der Konferenz in Berlin erkennen die europäischen Großmächte die portugiesische Herrschaft über Angola (einschließlich Cabinda) an.
1924 Portugal kontrolliert erstmals das gesamte Territorium von Angola. Nach 400 Jahren endet der letzte bewaffnete Widerstand gegen die Kolonialmacht.
1929 Die afrikanische Nationalliga, eine indirekte Vorläuferin der späteren Befreiungsbewegung MPLA, wird gegründet.
1951 In Lissabon wird das Centro de Estudos Africanos gegründet, dem die späteren Begründer der Befreiungsbewegung in den portugiesischen Kolonien, Neto (Angola), Cabral (Guinea Bissao) und Mondlane (Mosambik), angehören.
1940-1960 In den beiden Jahrzehnten entstehen eine Vielzahl von nationalistischen und ethno-nationalistischen politischen und kulturellen Aktivitäten, Organisationen, Gruppierungen und Zirkeln. Sie haben ihren Schwerpunkt in Luanda, Belgisch-Kongo und Portugal. Aus ihnen entwickeln sich:
1956 die Volksbewegung für die Befreiung Angolas (MPLA)
1957 die Union der Völker Nordangolas (UPNA)
1958 die Union der Völker Angolas (UPA)
1959/60 die Bewegung für die Befreiung Angolas (MLEC, später FLEC)
   
Vom Widerstand zur Unabhängigkeit
1959/60 Die Kolonialverwaltung geht mit Verhaftungen gegen die nationalistischen Bewegungen vor.
1960/61 Im Baumwollanbaugebiet von Cassange rebellieren Landarbeiter.
1961 Im März bricht in Nordangola ein großer Aufstand aus. In Luanda werden die Gefängnisse gestürmt.
1962 Holden Roberto gründet die FNLA (Nationale Befreiungsfront Angolas).
1963 Die FNLA gründet eine Exilregierung (GRAE), die von der OAU anerkannt wird. Außenminister wird Jonas Savimbi, der aber bereits ein Jahr später GRAE und FNLA verlässt.
1966 Savimbi gründet die UNITA (Union zur vollständigen Befreiung Angolas.)
1964-1966 Die MPLA eröffnet Fronten in Cabinda, Luanda und im Osten.
1968 Die Portugiesen antworten mit einer Großoffensive. Bis zur Unabhängigkeit dauern die schweren Kämpfe mit wechselnden Fronten an.
1974 Im April putschen Offiziere in Portugal gegen die Diktatur. Die Befreiungsbewegungen schließen im Juni und Oktober einen Waffenstillstand mit Portugal und beginnen Verhandlungen über die Unabhängigkeit.
1975

Im Abkommen von Alvor vom 15. Januar vereinbaren die Befreiungsbewegungen mit Portugal eine gemeinsame Übergangsregierung. Die Unabhängigkeit wird für den 11. November festgesetzt. Im März brechen in Luanda schwere Kämpfe zwischen UNITA und MPLA aus. Die Übergangsregierung wird damit funktionsunfähig. Im August ziehen sich FNLA und UNITA aus Luanda zurück. Ab Mitte Oktober kontrolliert die MPLA zwei Drittel des Landes. Südafrikanische Truppen greifen auf Seiten der UNITA vom Süden aus an. Im Norden starten Truppen aus Zaire eine Offensive. Die MPLA ruft kubanische Truppen zu Hilfe. Die südafrikanischen und zairischen Truppen werden zurückgeschlagen.

 
Unabhängigkeit - Die Volksrepublik Angola
11. Nov. 1975 Die MPLA erklärt die Volksrepublik Angola für unabhängig. UNITA und FNLA rufen eine Gegenregierung aus, die international nicht anerkannt wird.
1977 Nach Meinungsverschiedenheiten um die Ausrichtung der Partei kommt es am 27. Mai zu einer Demonstration für den angolanischen Innenminister Nito Alves. Alves wendet sich gegen die blockfreie, unabhängige Linie Netos und will Angola fest mit der Sowjetunion liiert sehen. Die MPLA spricht von einem Putschversuch und nutzt die Zerschlagung der "Poder Popular"-Strukturen zu einer Säuberubgsaktion innerhalb der Partei, bei der je nach Schätzungen von Historikern zwischen 10.000 und 80.000 Menschen gestorben sind. Bis heute wird dieses Massaker tabuisiert.
  In den folgenden anderthalb Jahrzehnten erlebt Angola einen Stellvertreterkrieg, in dem die Regierung aus der Sowjetunion und die UNITA von den USA massive Unterstützung erhalten. Auf Seiten der Regierung kämpfen kubanische Truppen, auf Seiten der UNITA südafrikanische Truppen. Südafrika startet Anfang der 80er Jahre mehrere Großoffensiven und hält den Süden Angolas bis zum 15. Breitengrad unter Kontrolle.
1979 Am 10. September stirbt Angolas erster Präsident António Agostinho Neto im Alter von nur 56 Jahren in Moskau.
1988 Schwere Niederlagen der südafrikanischen Truppen und die Veränderung der politischen Großwetterlage (Ende des West-Ost-Konfliktes) führen im Dezember zum Abkommen von New York. Es bietet erstmals eine fundierte Möglichkeit, aus der Eigengesetzlichkeit des Krieges auszubrechen. Es wird der Abzug der südafrikanischen und kubanischen Truppen aus Angola vereinbart.
   
Die Republik Angola
1990 Nach mehreren vergeblichen Anläufen beginnen die internen Konfliktparteien im April neue Friedensgespräche.
1991 Im Abkommen von Bicesse vereinbaren MPLA-Regierung und UNITA einen Waffenstillstand und die Einführung einer Mehrparteiendemokratie. Die Verfassung wird dementsprechend geändert und der Staat in Republik Angola umbenannt.
1992 Im September finden Parlaments- und Präsidentenwahlen unter Aufsicht der Vereinten Nationen statt. Der Wahlverlauf findet internationale Anerkennung. Savimbi unterliegt als Präsidentschaftskandidat der UNITA knapp, lässt sich jedoch auf die notwendige Stichwahl nicht mehr ein. Noch in der Wahlnacht brechen die Kämpfe erneut mit unerhörter Gewalt aus. Die Kontrahenten versuchen in den Folgejahren mit militärischen Mitteln die Oberhand zu gewinnen.
1994 Unter internationalem Druck vereinbaren die Parteien in Lusaka die Demobilisierung und Bildung einer Koalitionsregierung.
1997 Diese Regierung der Nationalen Einheit (GURN) kommt zustande. Savimbi weigert sich jedoch, seinen Platz in Lusaka einzunehmen, da er um seine Sicherheit fürchtet.
1999 Der Krieg, aus Öl- (Regierung) und Diamantengeschäften (UNITA) finanziert, geht unvermindert weiter. Die Friedenbemühungen gelten als gescheitert, die letzten Blauhelme ziehen ab.
2002 Im Februar wird Savimbi im Gefecht getötet. Der militärische Flügel der UNITA gibt auf. Im März kommt es zum Waffenstillstand. Das Lusaka-Abkommen von 1994 wird umgesetzt. Die Demobilisierung beginnt. Die Flüchtlinge und im Lande Vertriebenen kehren zurück.
2003 Anfang des Jahres wird die Demobilisierung erfolgreich abgeschlossen. Wahlen werden für Ende 2004 geplant.
2008 Nach mehrmaligem Verschieben der Wahlen können die Angolaner am 5. und 6. September 2008 erstmals seit Ende des Bürgerkrieges ein neues Parlament wählen. Die als "allgemein frei und fair" eingestuften Wahlen gewinnt die MPLA deutlich vor der UNITA. Die Präsidentschaftswahlen finden frühestens 2009 statt.
2010

Die Nationalversammlung hat am 21. Januar eine neue Verfassung gebilligt, die das provisorische Grundgesetz von 1991 ablöst. Die neue Verfassung tritt am 5.2.2010 in Kraft. Neu geregelt wird u.a. das Verfahren der Wahl des Staatspräsidenten, der künftig nicht mehr direkt vom Volk, sondern über die Liste einer Partei im Rahmen der Parlamentswahlen gewählt wird. Neu ist auch die Abschaffung des Amtes des Premierministers und die Schaffung des Postens eines Vize-Staatspräsidenten, der den Präsidenten als Chef der Exekutive unterstützt. Die ersten Wahlen auf der Grundlage der neuen Verfassung sollen nach bisheriger Planung Anfang September 2012 durchgeführt werden.

 

Im März werden in Lubango über 3000 Familien mit Bulldozern aus ihren Häusern vertrieben. Die Menschen müssen neuen Infrastrukturprojekten und Landansprüchen der Elite weichen. Menschenrechtsorganisationen kritisieren das brutale Vorgehen der Behörden. Bereits 2009 sind in Angola 15.000 Menschen mit Gewalt aus ihren Häusern vertrieben worden.

2011

Inspiriert von den Aufständen in den arabischen Staaten Nordafrikas ruft im März eine anonyme Gruppe von Oppositionellen für den 7. März zu einer Demonstration gegen Staatspräsident dos Santos auf. Die MPLA reagiert nervös und versucht, einen Aufstand im Keime zu ersticken. In den Folgemonaten kommt es immer wieder zu Demonstrationen von Jugendlichen, die sich über Mobiltelefone vernetzen. Die Regierung geht mit zunehmender Härte und mit Hilfe von privaten Sicherheitskräften gegen die Demonstranten vor. Auch die unabhängigen Medien sind von der Repression betroffen.

 

Der Journalist Rafael Marques de Morais hat im November gegen hohe Generäle Strafanzeige gestellt. Sie sind Anteilseigner von Privatunternehmen im Diamantenbergbau. Er wirft ihnen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor.

2012

Staatspräsident José Eduardo dos Santos kündigt im Januar an, dass noch 2012 Parlamentswahlen stattfinden werden. Sie sollen im dritten Quartal durchgeführt werden. Regierung und Opposition haben sich zuvor über strittige Fragen des Wahlprozesses und der Zusammensetzung und Befugnisse der Wahlkommission geeinigt. Die ersten Kommunalwahlen des Landes sind für 2013 oder 2014 geplant. Ein genauerer Termin soll nach den Parlamentswahlen bekannt gegeben werden.

 

Bei erneuten Demonstrationen in Luanda im März wird der Generalsekretär der Oppositionspartei Bloco Democrático von bewaffneten Milizen zusammengeschlagen.

Anfang April 2012 hat sich mit der Convergência Ampla de Salvação de Angola – Coligação Eleitoral (CASA-CE) eine neue Parteienkoalition unter Abel Espalanga Chivukuvuku gegründet, der zuvor als langjähriges Mitglied der Unita zurückgetreten war. Chivukuvuku gehört zu den charismatischen Persönlichkeiten der angolanischen Politik. Sein Rücktritt aus der Unita ist seit dem Tod ihres Präsidenten Jonas Savimbi vor zehn Jahren der härteste Schlag für die frühere Rebellenorganisation. Dem neuen Bündnis hat sich auch der bekannte Journalist Wiliam Tonet angeschlossen.

 

Bei den Wahlen am 31. August wird Präsident dos Santos im Amt bestätigt. Die MPLA gewinnt deutlich, bleibt aber mit knapp 72% 10% unter ihrem Ergebnis von 2008. Die Unita kann ihren Stimmenanteil mit 18,7% nahezu verdoppeln, drittstärkste Kraft wird mit 6% die Parteienkoalition CASA-CE.

2013

Anfang Februar werden Tausende Familien aus dem Stadtteil Cacuaco in Luanda vertrieben. Hunderten weiteren, die sich noch in der Gegend befinden, droht ebenfalls die Zwangsräumung. Am 9. April haben Massenvertreibungen ohne Vorankündigung in Menongue, Provinzhauptstadt von Kuando Kubango, zu heftigen Protesten geführt. Im Laufe des Jahres kommt es zu weiteren Zwangsvertreibungen.

 

Die Spannungen im Land steigen, nachdem die Unita im März Strafanzeige wegen Wahlbetrugs und Machtmissbrauch durch Präsident dos Santos eingereicht hat. Unita-Führer Samakuva übersteht im März ein als Autounfall getarntes vermutliches Attentat unverletzt.

Im April werden neue Banknoten des Kwanza eingeführt. Die Benzinpreise sind im Monat davor um über 100 Prozent gestiegen.

 

Im Süden herrscht seit Jahresbeginn eine Dürre, die sich zu einer Hungerkatastrophe ausweitet. Die Dürre zerstört zigtausend Ackerflächen in fünf Südprovinzen. Im Verlaufe des Jahres sind insgesamt 1,8 Mio. Menschen in zehn Provinzen von Hungersnot betroffen.

Im Intenet verbreitete Videos belegen immer wieder Gewalt und Repression der Behörden. Ein im August veröffentlichtes Video dokumentiert Übergriffe und Misshandlungen von Starfgefangenen durch Gefängniswärter und Polizisten. Die Menschenrechtsorganisation Mãos Livres berichet, Belege über Todesschwadronen in Gefängnissen zu haben.

 

Im November muss die Regierung zum ersten Mal Verantwortung für den Tod von Aktivisten übernehmen, nachdem ein vertraulicher Untersuchungsbericht des Innenministeriums an die Presse gelangt ist. Der Bericht belegt, dass der Staatssicherheitsdienst Luandas (SINSE) die beiden Aktivisten António Alves Kamulingue und Isaías Sebastião Cassule hingerichtet hat, die seit Mai 2012 bei einer Protestdemonstration verschleppt worden waren und seither als "spurlos verschwunden" galten. Gegen vier SINSE-Agenten wird ein Strafverfahren eingeleitet. Präsident dos Santos sieht sich genötigt, sowohl den Chef des Geheimdienstes als auch seinen Stellvertreter zu entlassen.

 

Für seine Verdienste im Kampf gegen Korruption erhält der Journalist und Menschenrechtler Rafael Marques den diesjährigen "Integrety Award" von Transperency International.

 

Die Regierung beschließt Ende November ein weitreichendes Verbotsverfahren gegen 194 religiöse – vornehmlich kleine christliche; aber auch islamische – Gruppierungen. Laut Kultusministerin Rosa Cruz e Silva richtet sich das Verbotsverfahren gegen „im Widerspruch zu Gewohnheiten und Sitten der angolanischen Kultur“ stehende Sekten, insbesondere die der evangelikalen Kirchen. Außerdem sollen diese Verbote das Hexenwesen und die illegale Migration eindämmen. Insbesondere die etablierten Kirchen des Landes fühlen sich schon lange durch die wie Pilze aus dem Boden schießenden evangelikalen Kirchen und Sekten bedroht. Bisher haben nur 83 Gruppen, ausschließlich christliche Kirchen, eine Registrierung erhalten, hunderte von Anträgen wurden abgelehnt, darunter auch der Antrag der Islamischen Gemeinde Angolas (COIA). In der ausländischen Öffentlichkeit, vor allem in islamischen Ländern, wird davon gesprochen, dass zum ersten Mal ein Land den Islam verbiete.

2014

Laut Auswärtigem Amt ist die politische Lage in Angola stabil. Potenzial für Unruhen könnten die fehlenden Zukunftsperspektiven der Jugendlichen sein. 2/3 der Angolaner sind jünger als 25 Jahre, zudem herrscht eine Jugendarbeitslosigkeit von 44 Prozent.

 

Im Verlaufe der Ermittlungen im Mordfall Kamulingue und Cassule gegen acht Tatverdächtige, darunter hochrangige Mitglieder der Nationalpolizei und des Inlandsgeheimdienstes SINSE, kommt heraus, dass einer der Angeklagten, ein gewisser „Tcheu“, im Auftrag der regierenden MPLA gegen Oppositionelle vorgeht und für den Angriff auf den Generalsekretär des Bloco Democrático, Filomeno Vieira Lopes, im März 2013 verantwortlich ist. Lopes hatte damals schwere Kopfverletzungen erlitten, die er in einer Notoperation in Deutschland behandeln konnte. Bei einer Durchsuchung der Wohnung des stellvertretenden Inlandsgeheimdienstchefs von Luanda werden im Januar neben operativen Geheimdienstplänen eine Todesliste gefunden, die eine Reihe von missliebigen zivilgesellschaftlichen Akteuren und Oppositionellen aufzählt, darunter auch Filomeno Vieira Lopes, die als „physisch zu beseitigen“ gelten.

 

Anfang Februar wird Queirós Anastácio Chilúvia in Luanda verhaftet. Der Redakteur von Rádio Despertar, einem Sender im Besitz der Opposition, wird 180 Tage inhaftiert und zwei Jahre von seinem Beruf suspendiert. Neben ihm werden noch weitere Journalisten von der Polizei kurzzeitig inhaftiert und verhört sowie Videos und Bilder zensiert.

 

Im Mai 2014 wird die erste Volkszählung seit der Unabhängigkeit durchgeführt, die vor allem entscheidend für Entwicklungspläne ist. Die letzte Volkszählung fand 1970 statt, fünf Jahre vor der Unabhängigkeit.

 

Im Juli wird der investigative Journalist Rafael Marques aufgrund seines Buches zu den Blutdiamanten und Folter („Diamantes de Sangue: Tortura e Corrupção em Angola") der Verleumdung bezichtigt, da er mehrere Generäle und zwei privaten Bergbauunternehmen mit Menschenrechtsverletzungen in Verbindung gebracht haben soll.

 

Die Regierung verschiebt erneut die längst überfälligen Lokalwahlen und geht weiterhin strikt gegen Menschenrechtsaktivisten und -anwälte sowie Journalisten und jungen Demonstranten vor. Sie berichten von Belästigung, Einschüchterung und Überwachung der Polizei. Trotz der friedlichen Proteste geht die Polizei mit übermäßiger Gewalt gegen Demonstrationen von Jugendlichen vor, viele werden inhaftiert.

 

Weitere gewaltsame Zwangsräumungen von informellen Siedlungen in Luanda drängen 17.500 Menschen aus ihrem Zuhause. Die Regierung bietet 80 km entfernt Grundstücke ohne Infrastruktur, Trinkwasserzugang und sozialen Einrichtungen für die Vertriebenen.

 

Zur Verbesserung der Lebensmittelversorgung bekommt Angola Hilfe von Brasilien. Das zwei Jahre laufende und 2,2 Millionen Dollar umfassende Projekt stellt neben der Ausbildung von Fachkräften auch Wissenschaftler und technische Ausrüstung zur Verfügung.

 

Angola ist mit großer Mehrheit für zwei Jahre in den UN-Sicherheitsrat gewählt worden

 

Die Menschenrechtssituation Angolas ist im November zum zweiten Mal nach 2010 Gegenstand des Universal Periodic Review (UPR) des UN-Menschenrechtsrats in Genf. Von der Angola-Runde deutscher Nichtregierungsorganiationen eingeladene Vertreter zivilgesellschaftlicher Organisationen aus Angola berichten auf einem Side-Event über schwerste Menschenrechtsverletzungen. Delegierte aus 101 Ländern geber auf der UPR-Sitzung Bewertungen über die aktuelle Menschenrechtssituation ab. Darauf folgen 226 Empfehlungen an die Regierung Angolas, von denen Angola 192 akzeptiert. Die restlichen 34 Empfehlungen sollen bis zur 28. Sitzung des UN-Menschenrechtsrats im März 2015 geklärt werden. Doch die Regierung lehnt diese mit der Begründung ab, die Umsetzung sei bereits im Gange.

 

Ende des Jahres fällt der Preis von Rohöl von $104 US-Dollar auf 85 US-Dollar und treibt das Land Richtung Finanzkrise.

2015

Die Lokalwahlen werden erneut verschoben – auf 2018. Die Opposition beschuldigt die MPLA, absichtlich die Wahlen zu verzögern, um ihre Machtposition halten zu können. Außerdem zeigt sie sich besorgt über geplante Veränderungen der Wahlgesetze, mit denen die Neuwählerregistrierung vor den Parlamentswahlen 2017 vereinfacht werden soll.

 

Rafael Marques de Morais wird am 28. März wegen Verleumdung schuldig gesprochen und zu sechs Monaten Haft bzw. zwei Jahren Bewährung ohne „kriminelles Verhalten" verurteilt. Inwiefern dies seine Menschenrechtsarbeit einschränkt, ist aufgrund fehlender Definition des Gerichts nicht einschätzbar. Zudem muss sein Buch vom Markt genommen werden und darf nicht weiter übersetzt werden.

 

Im März werden zwei Menschenrechtsaktivisten festgenommen: Arão Bula Tempo und Marcos Mavungo. Seit 1988 kämpft Tempo gegen die Menschenrechtsverletzungen durch den Staat und setzt sich für die Unabhängigkeit der Anwälte in Cabinda und anderen Regionen ein. Mavungo ist Menschenrechtler, der am Tag einer Demonstration gegen schlechte Regierungsführung und Korruption festgenommen wird. Ihnen wird trotz schlechten Gesundheitszustands die medizinische Versorgung verwehrt.

 

In der Huambo-Provinz tötet die Polizei im April hunderte von Mitgliedern der christlichen Sekte „Seventh-Day Light of the world". Die Oppositionspartei Unita spricht von über 1000 Toten durch die angolanischen Sicherheitskräfte. Die Polizeit hingegen gibt an, dass neun Polizisten und dreizehn Mitglieder der Sekte getötet worden seien und es kein Massaker gegben habe. Der Sektenführer José Kalupeteka wird erst später festgenomment. Ihm wird Mord, ziviler Ungehorsam und illegaler Waffenbesitz vorgeworfen.

 

In einem seltenen Fall wurden sieben Polizisten zu 14-17 Jahren Haft verurteilt wegen Mord an zwei Demonstranten.

 

Die Meinungsfreiheit in Angola ist nach wie vor stark eingeschränkt durch Unterdrückung, Zensur und Selbstzensur der Regierung. Journalisten werden durch verschiedene Gesetze zum Schweigen gebracht. Internet-Blogs und soziale Medien sind daher die wesentlichen Kanäle zu offenen Debatten.

 

Im Juni werden 15 prominente Aktivisten in der Hauptstadt Luanda festgenommen. Sie hatten sich getroffen, um Bücher über gewaltfreies Demonstrieren zu lesen und zu diskutieren. Ihnen wird vorgeworfen, eine Rebellion gegen den Präsidenten und Staatseinrichtungen vorbereitet zu haben. Sollten sie schuldig gesprochen werden, drohen ihnen lange Haftstrafen. Artikel 47 der angolanischen Verfassung verbietet es Bürgern ohne vorherige Genehmigung zu demonstrieren. 2015 wurde offziell keine friedliche Anti-Regierungsdemonstration zugelassen.

 

Der Preis für Rohöl fällt weiter und liegt 2015 bei durchschnittlich 52 US-Dollar. Angola steckt in einer ernsten Finanzkrise und benötigt dringend Geld, um den Haushaltsausgaben wieder gerecht zu werden. Laut Insider-Informationen sichert China Angola einen Kredit von 25 Mrd. US-Dollar zu, fordert aber als Gegenleistung 500.000 Hektar Land und Zugang zu neuen Erdölquellen.

(Stand: Juni 2016)

 

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