Tansania

Chronologie

Frühzeit
vor ca. 1,8 Mio. Jahren Aus dieser Zeit hat man in der Olduvai-Schlucht Frühformen des Menschen gefunden. Diese frühen Menschen werden Homo habilis und Zinjanthropos genannt.
ca. 10.000 - 50.000 v. Chr. Aus dieser Zeit datiert der so genannte Eyasi-Schädel von einer weiteren menschlichen Frühform, der bei Isimila gefunden wurde.
10.000 v. Chr. Höhlenmalereien in Zentraltansania bei Kondoa Irangi belegen die Besiedlung des heutigen Territoriums von Tansania durch den heutigen Menschen.
ab 1.000 v. Chr. Negroide und kaukasische Ackerbauern wandern ein. Sie führen den Bananen- und Knollenfruchtanbau ein.

Große gesellschaftliche Umwälzungen
bis 1.000 n. Chr. Bantustämme wandern ein. Die Bauern vom Westen bringen Hirsesaaten und Viehzucht mit. Die vom Norden einwandernden Stämme sind überwiegend Viehzüchter. An den Küsten gründen Araber Städte. Ein blühender Handel beginnt.
1200 bis 1425. Entlang der Küste und auf den Inseln entwickelt sich eine hochstehende arabische Kultur. Kilwa erfährt im 14. Jahrhundert den Höhepunkt seiner Macht.
ab 1400 Westlich des Viktoriasees lassen sich Hima-Völker nieder.

Ankunft der Europäer
1498 Der Portugiese Vasco Da Gama landet in Kilwa. Die Portugiesen weiten von da an ihren Einfluss im östlichen Afrika aus.
1698 Die Omani-Araber erobern das portugiesische Jesus-Fort in Mombasa und stellen den arabischen Einfluss wieder her.
1800 bis 1850 Die Omani-Araber errichten auf Sansibar ein mächtiges Reich. 1818 wird dort die Gewürznelke eingeführt.
1840 Der Sultan von Oman verlegt seine Residenz nach Sansibar. Der Elfenbein- und Sklavenhandel mit dem Festland wird ausgeweitet.
1846 Die deutschen Missionare Johann Krapf und Johannes Rebmann versuchen ohne Erfolg, die Wanika an der Küste zu christianisieren.
1858 Die Briten Richard Burton und John Hanning Speke erreichen den Lake Tanganyika. Speke erreicht wenig später den Lake Nyanza, den er nach der Britischen Königin Victoria benennt.
1868 Eröffnung der ersten katholischen Missionsstation auf dem ostafrikanischen Festland bei Bagamoyo; es wird eine Station für freigekaufte Sklaven eingerichtet.
1869 David Livingstone erreicht den Nyassasee.
1873 Tod Livingstones.

Die deutsche Kolonialzeit
1884 Der deutsche Kolonialist Karl Peters von der Deutschen Ostafrikanischen Gesellschaft schließt "Schutzverträge" mit heimischen Herrschern entlang der Küste ab.
1885 Bismarck erklärt diese Besitzungen zu deutschen Protektoraten. Die Deutsche Ostafrikanische Gesellschaft erhält einen Schutzbrief Kaiser Wilhelms II. für diese Erwerbungen.
1886 Deutschland und England einigen sich auf eine gemeinsame Grenze zwischen dem Indischen Ozean und dem Victoriasee.
1888 Die Deutsche Ostafrikanische Gesellschaft erwirbt vom Sultanat Sansibar den Küstenstreifen Sansibars.
1890 Der Helgoland-Sansibar-Vertrag steckt die Einflusssphären zwischen Deutschland und Großbritannien ab. Tanganyika, Ruanda und Burundi werden zur Kolonie Deutsch-Ostafrika. Sansibar wird Britisches Protektorat mit einem Sultan als formellem Staatsoberhaupt.
1891 Der afrikanische Widerstand wird niedergeschlagen, und das gesamte Gebiet des heutigen Tansanias (einschließlich des heutigen Ruanda und Burundi) wird vom Deutschen Kaiserreich als Kolonie unter der Bezeichnung Deutsch-Ostafrika übernommen.
1902 Der Zwangsanbau von Baumwolle in den südlichen Regionen wird verkündet; die Usambara-Eisenbahn eröffnet die Strecke Tanga-Korogwe.
1905 Die Zentraleisenbahn von Daressalam nach Tbora am Taganyikasee wird begonnen. Sie erreicht den See 1914.
bis 1907 Weitere Aufstände (Hehe-Kriege, Maji-Maji-Aufstand) werden erst 1907 durch brutale Gewalt gebrochen. 250.000 Menschen sollen dabei ums Leben gekommen sein.
1911 Die Eisenbahnlinie Tanga-Moslu wird fertiggestellt.
1914 bis 1918 Am 5. August 1914 wird der Kriegszustand in Ostafrika erklärt; die große britische Offensive beginnt im März 1916 unter dem südafrikanischen General Smuts. Die deutschen Truppen unter General Von Lettow Vorbeck ziehen sich in den Süden zurück und setzen bei ihrer Guerillataktik vor allem afrikanische Truppen ein. Im November 1918 kapitulieren die deutschen Truppen.

Die britische Zeit
1919 Alle deutschen Schutzgebiete fallen durch den Versailler Vertrag an den Völkerbund.
1922 Tansania wird als Mandatsgebiet des Völkerbundes an Großbritannien übertragen. Im gleichen Jahr wird die Sklaverei aufgehoben.
1925 Mit der "indirekten Herrschaft" stützt sich die britische Verwaltung auf vorhandene Strukturen (z.B. die Chiefs) und gibt den Afrikanern die Möglichkeit, in begrenztem Umfang auf unterster politischer Ebene tätig zu werden. Es bildet sich eine Opposition aus Bauerngenossenschaften gegen die Kolonialherrschaft, die sich später zu politischen Organisationen weiterentwickelt.
1928 Die Tanganyika African Association (TAA) wird gegründet.
1945 Die beiden ersten Afrikaner kommen in den Legislativrat.
1946 Das Mandatsgebiet wird Treuhandgebiet der Vereinten Nationen. Regional- und Zentralregierung werden gekoppelt.

Streben nach Unabhängigkeit
1952 Die Sitze im Legislativrat werden nach Rassen paritätisch vergeben (multi-racial policy).
1953 Julius Nyerere wir zum Präsidenten der Tanganyika African Association (TAA) gewählt.
1954 Daraus entsteht die Tanganyika African National Union (TANU) unter Führung von Julius K. Nyerere. Uhuru na umoja wird ihr Slogan: Friede und Einigkeit. Die TANU wird noch im gleichen Jahr von einer UN-Kommission als Nationale Bewegung anerkannt.
1958 Die TANU erzielt große Erfolge bei den ersten multirassischen Wahlen zum gesetzgebenden Rat und erhält fünf Ministerposten.
1960 Die TANU-Kandidaten besetzen nach Wahlen 26 von 27 Sitzen im gesetzgebenden Rat.

Der Weg zur Union
9. Dez. 1961 Tanganyika erhält die formelle Unabhängigkeit von der britischen Krone.
1962 Tanganyika erklärt sich zur Republik im britischen Commonwealth mit Julius Nyerere als Staatspräsidenten.
1963 Am 10. Dezember werden die Inseln Sansibar und Pemba unabhängig. Nach der Absetzung des Sultans durch eine blutige Revolution werden beide im darauf folgenden Januar zu Volksrepubliken ausgerufen.
1964 Am 26. April vereinbaren das Festland und Sansibar eine Union, die sich ab Oktober Vereinigte Republik Tansania nennt. Sansibar behält weitgehende Autonomie.

Tansania unter Nyerere
1965 Eine Interimsverfassung wird verabschiedet, die den Einparteienstaat begründet. Im September werden erste Präsidentschafts- und Parlamentswahlen nach der neuen Verfassung durchgeführt.
1967 Die Grundsatzerklärung von Arusha (Arusha Declaration) wird verfasst, die den Aufbau eines eigenständigen sozialistischen Tansania ankündigt. Die westlichen Hauptgeberländer wenden sich von Tansania wegen dessen sozialistischer Ausrichtung ab und Nyerere wendet sich dem Osten zu.
1967 Der Außenhandel wird zum Staatsmonopol, die Banken und wichtigsten Industrien werden verstaatlicht.
1967 Die East African Community (EAC) wird zwischen Kenia, Uganda und Tansania gegründet.
1968 Die Schulen werden verstaatlicht. Die Regierung initiiert den Aufbau von Ujamaa-Dörfern (Gemeinschaftsdörfern), um auf dem Land eine Infrastruktur aufbauen zu können.
1971 Mietshäuser, private Landwirtschaftsbetriebe und Krankenhäuser werden enteignet.
1972 Beginn einer Dezentralisierungspolitik, die den Regionen mehr Entscheidungsfreiheit gibt.
1974 Tansania wird durch die Ölkrise und Missernten in eine schwere wirtschaftliche Krise gestürzt.
1974 Dodoma wird als neue Hauptstadt ausersehen.
1975 Die 1870 km lange Great Uhuru Railway (TANZAM) von Daressalam nach Kapiri Mposhi in Sambia wird fertiggestellt. Sie wurde mit chinesischer Hilfe gebaut.
1976 Private Läden werden abgeschafft und in Kooperativläden umgewandelt.
1977

Die TANU und die Afro Shirazi Party Sansibars (ASP) vereinigen sich zur Chama Cha Mapinduzi (CCM), der Partei der Revolution.

Verabschiedung einer neuen Unionsverfassung, mit der die Partei auch verfassungsmäßig der Regierung und dem Parlament übergeordnet wird.

 

EAC bicht auseinander. Wesentliche Gründe waren die Machtübernahme Idi Amins in Uganda und die unterschiedlichen wirtschaftlichen Strukturen der Mitgliedsländer.

1978 Idi Amins Truppen fallen im Oktober in den Norden Tansanias ein und besetzen Gebiete östlich des Kagera Rivers. Nur unter großen Opfern kann die tansanische Volksmiliz die Eindringlinge vertreiben.
1978 Die allgemeinen Schulpflicht wird eingeführt.
1979 Tansania unterstützt die Uganda National Liberation Front beim Sturz Idi Amins.
1980 Nyerere wird für weitere fünf Jahre zum Präsidenten gewählt. Sansibar gibt sich eine eigene Verfassung und wählt ein eigenes Repräsentantenhaus.
1981 Tansania zieht seine Truppen aus Uganda zurück.
1985 Julius Nyerere gibt nach 24 Jahren das Präsidentenamt an Ali Hassan Mwinyi ab, der im Oktober mit 92% der Stimmen zum neuen Präsidenten gewählt wird. Nyerere bleibt Vorsitzender der CCM. Mwinyi lässt die Privatwirtschaft in Tansania wieder zu.

Tansania nach Nyerere
1986 Strukturanpassungsmaßnahmen werden entsprechend der Pläne von IWF und Weltbank eingeleitet.
1990 Nyerere tritt im August als Parteipräsident zurück. Bei den Parlaments- und Präsidentenwahlen im Oktober wird Ali Hassan Mwinyi mit 95,5% der Stimmen im Amt bestätigt.
1992 Das Mehrparteiensystems wird durch Beschluss der Nationalkonferenz der CCM Anfang Juli eingeführt.
1993 Erste freie Kommunalwahl werden abgehalten. Die Presidential Parastatal Sector Reform Commission wird mit dem Ziel eingestzt, die 395 Staatsbetriebe zu privatisieren.
1994

Nach dem Genozid in Ruanda nimmt Tansania 550.000 Flüchtlinge auf. Der Flüchtlingsstrom und die seit Jahren anhaltende Trockenheit veranlassen die Regierung, internationale Hilfe anzufordern.

 

Im Dezember fordern die Geberländer den Rückstritt des unter Verdacht von Steuerbetrug stehenden Finanzministers. Präsident Mwinyi löst die Regierung auf.

1995 Im Oktober finden erste Mehrparteienwhlen statt, aus denen die CCM wegen der Uneinigkeit der Oppositionsparteien als Sieger hervorgeht. Präsident wird Benjamin Mkapa. Auf Sansibar siegt der CCM-Kandidat Salmin Amour nur knapp vor dem Herausforderer von der Civic United Front (CUF), was dort anhaltende Unruhen auslöst.
1996 Im März unterzeichnen die Präsidenten von Tansania, Kenia und Uganda in Arusha eine Vereinbarung, wonach die vor 19 Jahren auseinandergebrochene Ostafrikanische Gemeinschaft wiederbelebt werden soll.
1997 Wegen der anhaltenden Dürre erklärt Präsident Mkapa im Oktober für weite Teile des Landes den Hungernotstand.
1998 Am 12. August wird auf die amerikanische Botschaft in Darssalam ein Bombenanschlag verübt..
Umbildung des Kabinetts und Schaffung eines neuen Ministeriums für regionale Verwaltung und lokale Verwaltungen. Die Opposition fordert im August eine Reform der Verfassung von 1992.
1999

Im Mai vereinbaren Vertreter von Tansania, Kenia und Uganda, den Startschuss für einen gemeinsamen Markt um ein Jahr zu verschieben.

 

Im Juli unterzeichen Regierung und Opposition ein Abkommen zur Beendigung der vierjährigen politischen Blockade. Die CUF hatte die Arbeit des Parlaments seit den umstrittenen Wahlen von 1995 blockiert.

 

Am 14. Oktober stirbt Julius Nyerere im Alter von 77 Jahren in einem Londoner Krankenhaus an Leukämie.

2000 Die CCM gewinnt bei den Wahlen im Oktober die absolute Mehrheit und Mkapa wird als Präsident klar bestätigt; auf Sansibar kommt es bei den Novemberwahlen zu Wahlmanipulationen. Präsident wird dort das CCM-Mitglied Amani Karume. Der Commonwealth fordert Neuwahlen für Sansibar.
2001

Mindestens 30 Menschen werden im Januar bei Demonstrationen der CUF auf Sansibar und Pemba getötet. 2370 Menschen fliehen nach Kenia, darunter auch 14 Parlamentarier aus Sansibar. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International beklagen die zunehmenden Menschenrechtsverletzungen. Die Gefängnisse Tansanias sind überfüllt.

 

Im Oktober unterzeichnen die regierende CCM und die CUF ein Friedensabkommen auf Sansibar.
Tansania werden im November mehr als die Hälfte der Auslandsschulden erlassen.

2002

Die Grundschulbildung wird wieder kostenlos. Viele Schulen sind dem wachsenden Andrang von Schülern nicht gewachsen.

 

Im März suspendiert Großbritannien wegen der umstrittenen Entscheidung der Regierung, ein teures militärisches Radarsystem zu kaufen, seine Entwicklungshilfe an Tansania.
Im Juli erlassen die USA Tansania die restlichen 21 Mio. US-Dollar Schulden.

2003 Seit 1994 waren ca. eine Million Flüchtlinge aus den Krisengebieten in den Nachbarstaaten nach Tansania geflohen. Im September sind auch die letzten ruandischen Flüchtlinge wieder nach Hause geschickt worden.
2004 Tansania hat das erste Forschungsinstitut in Afrika errichtet, das die klimatischen Auswirkungen der Waldzerstörung, von vulkanischen Aktivitäten und der Austrocknung von Seen studieren wird. Das Institut wurde in Zusammenarbeit mit Frankreich aufgebaut. 
2005

Ein Wahljahr steht an. Für den 30. Oktober sind Präsidentschafts- und Parlamentswahlen für Sansibar wie für die Republik angesetzt. Die Gesamtwahlen werden auf den 14. Dezember verlegt, da ein Oppositionskandidat für das Präsidentenamt verstarb.

 

Die Wahlen auf Sansibar finden termingerecht statt. Wählerregistrierung und Wahlkampf sind von gewalttätigen Auseinandersetzungen begleitet. Die Wahlen selbst verlaufen weitgehend friedlich. Der amtierende Präsident Amani Karume kann sich erwartungsgemäß mit absoluter Mehrheit durchsetzen. Im Januar hatte er zum 41. Jahrestag der Umwandlung Sansibars in eine Volksrepublik die neue Flagge der Insel gehisst, dabei aber betont, die Flagge sei ein Zeichen einer eigenen Identität, aber kein Schritt zur Unabhängigkeit der Insel. Sansibar hat bereits ein eigenes Parlament, eine Nationalhymne und eine eigenständige Gerichtsbarkeit.

 

Die Wahlen für den Präsidenten und das Parlament der Republik gewinnt Jakaya Kikwete mit seiner CCM, die schon bisher die Regierung stellte. Kikwete erhält 80 Prozent der Stimmen und löst Benjamin Mkapa ab, der laut Verfassung nicht mehr für eine dritte Amtsperiode kandidieren konnte. Kikwete war unter Mkapa Außenminister.

 

Die Wahl auf dem Festland verläuft friedlich, auf Sansibar gibt es an mehreren Orten Unruhen. 72 Prozent der Wahlberechtigten beteiligen sich an den Wahlen. Das Wahlbeobachterteam der East African Community (EAC) nennt die Wahl frei, fair, transparent und den Willen des Volkes widerspiegelnd. Ähnlich formulieren es die Wahlbeobachter der South African Development Community (SADC) sowie die Afrikanische Union (AU). Einzelne Abgeordnete klagen auf Wahlbetrug. Das Oberste Gericht weist die Klagen zurück.

 

Nach einem Bericht der tansanischen Aids-Kommission (TACAID) ist die Infektionsrate in den letzten zwei Jahren von 10 auf 7 Prozent gesunken. Über zwei Millionen Menschen in einer Bevölkerung von 34 Millionen sind betroffen.

 

Die Regierung macht die Privatisierung der Wasserversorgung in Daressalam rückgängig und kündigt den Vertrag mit den privaten Wasserunternehmen Biwater/HP Gauff. Sie wirft dem britisch-deutschen Unternehmen vor, weniger als 50 Prozent der im Vertrag vorgesehenen Investitionen geleistet zu haben; Investitionen vor allem in ein Wasserprogramme für die Armen seien nicht ausreichend erfolgt Das Unternehmen verklagt die Regierung auf Schadensersatz. 

2007

Statistiken zeigen, das die Sterblichkeitsrate von Frauen bei der Geburt gestiegen ist. Auf 100.000 Neugeborene kamen im Jahr 2005 knapp 600 Todesfälle. Gründe für die hohe Müttersterblichkeit sind die mangelnde Ausstattung der Krankenhäuser, das Fehlen von Ärzten und Hebammen.

 

Die Zahl der Malaria-Todesfälle bei Kindern ist auf der Insel Sansibar um drei Viertel gesunken. Grund ist die flächendeckende Behandlung mit einem neuen Medikament. Seit Anfang 2003 haben Malaria-Patienten freien Zugang zu der neuen von der WHO empfohlenen Kombinationstherapie aus dem pflanzlichen Wirkstoff Artemisinin mit anderen Wirkstoffen. Dadurch hat sich in nur drei Jahren die gesamte Kindersterblichkeit bei den unter Fünfjährigen auf Sansibar halbiert. 

2008

Das Jahr wird beherrscht von Korruptionsskandalen. Im Januar wird der Direktor der Zentralbank, Daudi Ballali, seines Postens enthoben. Eine Rechnungsprüfung ergab, dass er 120 Mio. US-Dollar für die Bank an nicht existierende Firmen ausgezahlt hatte.

 

Im Februar muss Premierminister Edward Lowassa zurücktreten. Ein Parlamentsausschuss beschuldigt ihn einer Falschaussage über einen Regierungsvertrag mit der US-amerikanischen Firma Richmond über Notstromaggregate, die nicht geliefert worden waren. Auch zwei weitere Minister und andere hohe Regierungsbeamte werden beschuldigt.

 

Im April muss der Minister für Infrastruktur, Andrew Chenge, wegen Korruptionsverdacht zurücktreten. Er soll vom britischen Unternehmen BAE System eine Mio. US-Dollar für den Kauf eines überteuerten Flugkontrollsystems auf ein Offshore-Konto erhalten haben.

Um die Korruption unter Kontrolle zu bringen, sollen nun alle Banken, die externe Zahlungsrückstände gehandhabt haben, untersucht werden. Tansania will so den Vorschriften des Internationalen Währungsfonds nachkommen.

 

Im März werden der tansanischen Wasserbehörde DAWASA von einem internationalen Schiedsgericht beinahe acht Millionen US-Dollar zugesprochen. Das Gericht verwirft die Klage der britischen Firma Biwater. Die Wasserwerke von Daressalam waren 2003 privatisiert worden. Der auf zehn Jahre festgelegte Vertrag wurde bereits 2005 wieder gekündigt, da sich die Leistungen seit der Privatisierung nicht verbessert, sondern verschlechtert hatten. 

2009

In Daressalam öffnet die Tanzania Women's Bank ihr erstes Büro. Sie bietet finanziellen Dienstleistungen an, die speziell auf die Bedürfnisse von Frauen zugeschnitten sind. Um ein Konto zu eröffnen, bedarf es lediglich eines Personalausweises. Später will die Bank ihre Aktivitäten auch in ländliche Gebiete ausweiten.

 

Albinos werden in Tansania wie auf dem gesamten Kontinent stigmatisiert. Oft werden sie nach der Geburt getötet, können häufig wegen schlechtem Augenlicht keine Schulbildung absolvieren, werden meist gemieden und finden kaum eine Arbeit. Sie leiden überdurchschnittlich an Hautkrebs. In den letzten Jahren werden sie von Banden ermordet. Ihre wertvollen Körperteile, blaue Augen, helle Haut und weißes Haar sind für Zauberrituale begehrt. In Tansania allein wurden im letzten Jahr mindestens 40 Albinos getötet. Die Regierung hat die Bevölkerung aufgerufen, die Albino-Mörder zu denunzieren. Mit Erfolg. Die Morde sind zurückgegangen. Trotzdem leben immer noch Tausende Albinos, besonders im Nordwesten des Landes, in ständiger Angst.

 

Die US-Universität vom Ohio State hat die Auswirkungen des Klimawandels auf den Kilimandscharo untersucht. Danach ist der Gletscher des Berges in den letzten hundert Jahren um 85 Prozent geschmolzen. Dichte und Größe der Eismasse nehmen kontinuierlich ab, und die typische Gletscherkrone des höchsten Berges Afrikas könnte bald verschwunden sein. Seit 2000 beschleunigt sich die Eisschmelze, allein in den letzten sieben Jahren schmolz ein Viertel des noch vorhandenen Gletschers ab. 

2010

Der Viktoria-See, der weltweit tiefste und zweitälteste See, wird drastisch wärmer und hat bereits 26° C erreicht, was den Fischfang erheblich beeinträchtigt. Dabei sind die angrenzenden Länder Tansania, Burundi, Sambia und DR Kongo für die Ernährung ihrer Bevölkerung auf die Fische vom See (etwa 200.000 Tonnen im Jahr) angewiesen.

 

Vor 60 Jahren wurde der Serengeti-Nationalpark gegründet. Dafür wurden die Massai mit ihren Herden ausgesiedelt. Nun macht man ihnen das zugewiesene Gebiet erneut streitig, weil die Regierung das Land als Revier für Großwildjäger an die Vereinigten Arabischen Emirate verpachtet hat, die mit eigenem Flughafen und Handynetz das Gebiet kontrollieren. Während der Dürrekatastrophe im letzten Jahr wurden die Viehzüchter zu Tausenden vertrieben und von Wasser und Nahrung abgeschnitten. Zurzeit befasst sich eine Untersuchungskommission mit ihrer Klage.

 

Bei den diesjährigen Wahlen ist die Regierungspartei CCM erstmals nicht so siegessicher wie bei den Wahlen zuvor. Trotzdem gewinnt sie immer noch deutlich mit 61 Prozent. In einigen Landesteilen, besonders Daressalam, Mwanza und auf Sansibar, protestieren die Oppositionsparteien gegen die schleppende Veröffentlichung der Wahlergebnisse. Die Polizei muss einschreiten. Anders als die Nachbarländer gilt Tansania als politisch stabil und verzeichnet kontinuierlich hohe Wachstumsraten.  

2011

Tansania hat mit Hilfe von Unicef das Problem des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen systematisch untersucht. Nach dem Unicef-Bericht haben 29 Prozent der Mädchen und 17 Prozent der Jungen unter 18 Jahren die Erfahrung von Missbrauch gemacht. Bildungsminister Shukuru Kawambwa will Maßnahmen vorschlagen, um Kinder besser zu schützen. Tansania ist das erste Land, das eine solcher Studie in Auftrag gegeben hat. Weitere Untersuchungen sollen in Kenia, Ruanda, Malawi, Simbabwe und Südafrika folgen.

 

Die „Ingenieure ohne Grenzen“ haben eine kleine, kostengünstige, leicht zu handhabende Biogasanlage für das ländliche Afrika entwickelt. Weil sie kein Metall enthält, ist sie nicht anfällig für Korrosion und Diebstahl. Mit 50 kg Biomasse, meist Bananenblätter und andere pflanzliche Reste, produziert der Prototyp zwei Kubikmeter Biogas pro Tag. Es wird erwartet, dass die Tansanier, die schon Erfahrung mit erneuerbarer Energie haben, sich schnell für diese Biogasanlagen begeistern werden.

 

Die Regierung will 500 qkm – das entspricht einem Prozent - vom Selous-Nationalpark ausgliedern, um dort Uran abzubauen. Der Park gehört zum Weltnaturerbe. Deshalb will das Welterbe-Komitee erst Umweltuntersuchungen anstellen, um die Belastbarkeit zu prüfen. Vom Uranverkauf werden jährlich 200 Mio. US-Dollar Einkommen erwartet. Von den Einnahmen sowie aus den anfallenden jährlichen Steuern sollen Teile in den Erhalt des Parks fließen. Für 1.600 Tansanier könnten Arbeitsplätze entstehen. 

2012

Die Regierung will neue Regeln für Investitionen in die Landwirtschaft ausarbeiten. Ziel ist es, die Landrechte der lokalen Bevölkerung und die Bedingungen für Kontraktfarmer auf rechtliche Grundlagen zu stellen.. Sie reagiert damit auf die zahlreichen Klagen der ländlichen Bevölkerung über eine skrupellose Ausbeutung durch Investoren, die sich oft nicht an Vereinbarungen halten.

Die norwegische Firma Statoil und ihr Partner Exxon Mobil haben ein „qualitativ gutes“ Erdgasfeld vor der Südküste Tansanias entdeckt. Es wird vermutet, dass sich noch weitere Vorkommen bis Mosambik erstrecken. 

2013

Auf der fünfzehn Kilometer vor dem Festland liegenden Insel Songo Songo werden reiche Gasvorkommen entdeckt. In der Hafenstadt Mtwara kommt es zu gewalttätigen Ausschreitungen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten, die gegen den Bau einer Gasleitung zwischen Mtwara und Daressalam protestieren. Die Bevölkerung befürchtet, dass sie von den Gasvorkommen und anderen Bodenschätzen in der Region nicht profitieren wird.

 

Die Regierung will rund 30.000 Massai von ihrer Heimat und ihren Weidegründen vertreiben. Das Gebiet im Loliondo-Bezirk wurde an die Arabischen Emirate verpachtet. Wohlhabende Touristen sollen in dem an die Serengeti angrenzenden Reservat Großwild jagen dürfen. Die Regierung begründet den Schritt als Schutzmaßnahme für das Safari-Paradies. Die Massai zerstörten das Naturerbe durch Überweidung. Zwölf Menschenrechtsorganisationen unterstützen den Protest der Massai. Der stärkste und lauteste Widerstand kommt von den Frauen, die bei Umsiedlungen um die Bildungschancen ihrer Kinder fürchten.

 

Im Juni legt die Constitution Review Commission (CRC) einen ersten Entwurf für eine neue Verfassung vor. 2011 wurde die Kommission mit der Formulierung beauftragt. Vorschläge wurden zum Jahreswechsel auf landesweiten Versammlungen eingeholt. Der Entwurf wird nun den gewählten Verfassungsräten auf Dorf-, Distrikt- und Regionsebene vorgelegt. Sie sollen ihn diskutieren und Verbesserungsvorschläge einbringen. Auf diesen Vorlagen formuliert die CRC einen zweiten Entwurf, der in einem landesweiten Referendum zur Abstimmung gestellt werden soll. Eine Verfassungsversammlung verabschiedet dann die endgültige Version.

 

Bei den Versammlungen standen die Themen Landbesitz, Bildung und Gesundheit im Vordergrund. Auch eine Veränderung der Struktur der Union wurde vorgeschlagen. Es soll drei Regierungen und Parlamente geben: zwei Regionale Organe (Sansibar – wie bisher – und zusätzlich das Festland Tanganyika mit eigenem Präsidenten und Parlament); die Union mit Präsident und Parlament soll nur noch übergeordnete Themen behandeln. Die Zuständigkeiten und Befugnisse sollen von derzeit zweiundzwanzig auf sieben reduziert werden.

 

Nicht zu Unrecht begrüßen internationale Hilfsorganisationen und Geber die gute Regierungsführung und transparente Politik des Landes, die sich in den letzten Jahren verbessert haben. Das in New York ansässige Komitee zum Schutz von Journalisten moniert dagegen eine zunehmende Repression gegen Medien, Herausgeber und Journalisten. Die Gesetzgebung stammt aus dem Jahre 1972 und wird seit Jahresbeginn restriktiver angewandt. Angriffe gegen die unabhängige Presse häufen sich, Zeitungen werden wegen missliebiger Berichterstattung (Streiks, Folterpraktiken bei Geheimdiensten) verboten, Journalisten werden zusammengeschlagen, ein Journalist wurde getötet, an der Aufklärung zeigt der Staat kein Interesse. Die Regierung hat zwar seit geraumer Zeit eine Überarbeitung der Mediengesetze angekündigt, aber es geschieht nichts. Das Komitee zum Schutz von Journalisten fordert Regierung und Medien auf, gemeinsam ein neues Mediengesetz zu erarbeiten.

2014

Für Mitte des Jahres ist ein Referendum zur neuen Verfassung vorgesehen.

(Stand: 6. Januar 2014)

 

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