Ohne Flügel fliegen

Heft 5/2017

Südafrika: Tanz

WIE DIE UNMUTE DANCE COMPANY AUS KAPSTADT ÜBERGÄNGE SCHAFFT. In gemeinsamen Performances überwinden südafrikanische Tänzerinnen und Tänzer Zuschreibungen und Barrieren zwischen Menschen mit und ohne Behinderungen.

 

„Mami, sind die echt?" Ein kleines Kind in den Zuschauerreihen ist irritiert. Auf der Bühne sind schaurige Figuren zu sehen. Manche leben – manche nicht. Sie tragen hautenge dunkelbraune Overalls, die jeden Flecken Menschlichkeit abdecken. Ihre Gesichter sind hinter ausdruckslosen Masken verborgen. Ihnen fehlt jede Mimik, nur Einbuchtungen weisen auf verflossene Gesichtszüge hin. Mit ruckartigen, kraftvollen, kämpfenden und immer wieder erstarrenden Bewegungen beginnen die Figuren, auf einem Meer aus Holzspänen zu erwachen. Zudem sind leblose, schmerzverkrümmte Skulpturen derart gut in das Bild integriert, dass scheinbar alle Grenzen verwischen. Und doch sind es nur den menschlichen Körpern nachempfundene Drahtgestelle – mit feinen Stoffen umwoben und aus Südafrika eingeflogen, wo das Stück „Ashed", auf Deutsch „Eingäschert", der Unmute Dance Company 2015 zum ersten Mal gezeigt wurde. ...

 

Livia Kern

 

Die Autorin wirkte an internationalen Tanzfestivals, -workshops und -ausbildungen mit. Sie studiert Philosophie und Ethnologie in Basel und schrieb ihre BA-Arbeit über den kenianischen Tänzer James Mweu.

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