Der lange Weg zur Freiheit

Südafrika

Als langjährige Streiter gegen Apartheid und Rassismus trauern wir um Nelson Mandela, der uns Anregungen, Mut und Inspiration gegeben hat.

 

Kaum ein anderer Mensch unserer Zeit verkörpert die Ideale von Freiheit, Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung so sehr wie Nelson Mandela, der am 5. Dezember 2013, im Alter von 95 Jahren gestorben ist. Mandela stand für diese Ideale als Freiheitskämpfer, Gefangener, Politiker und als Person. Integrität, Unbeugsamkeit, Lebenslust und Humor zeichneten seinen Charakter aus. Mandela wurde deshalb schon zu Lebzeiten zu einem Mythos.

 

Weltweit sehnen sich die Menschen nach Politikerinnen und Politikern, die menschenrechtlichen Zielen inhaltlich und persönlich treu bleiben. Übersehen wird oft, dass diese von politischen Bewegungen und persönlichen Bindungen getragen werden müssen. Trotz jahrzehntelanger Inhaftierung Mandelas und anderer Führer des Befreiungskampfes erlebte der Anti-Apartheid-Widerstand in Südafrika seit den 1980er Jahren einen breiten Aufschwung. Dieser war den Zielen der Freiheitscharta aus dem Jahre 1955, des Programms des African National Congress (ANC), verpflichtet. Untergrundkampf und Exil, Entbehrungen und menschliche Verluste durch den Aggressionskrieg der Apartheidregierungen gegen die schwarze Bevölkerung konnten den südafrikanischen Widerstand nicht brechen. Nelson Mandela wurde auf der Gefangeneninsel Robben Island nicht nur durch seine politischen Ideale, sondern auch durch enge Freundschaften getragen. Seit Mitte der 1960er Jahre wurde Mandela weltweit zu einem Symbol besonders der kirchlichen und bürgerlichen Anti-Apartheid-Bewegung, mit dem Motto „Freiheit für Nelson Mandela“.

 

Bis weit in die 1980er Jahre war Mandela für die Spitzen von Politik und Wirtschaft der westlichen Welt ein Feindbild. Noch 1988 geißelten der US-Präsident Ronald Reagan und die britische Premierministerin Margret Thatcher Mandela als „Terroristen“. Hintergrund hierfür war die enge Verbundenheit ihrer Länder mit dem Apartheidstaat als Bastion der antikommunistisch verstandenen „Freiheit“ sowie als Land der unbegrenzten Gewinnmöglichkeiten für die Wirtschaft ihrer Länder.

 

Neben den USA und Großbritannien gehörte auch die Bundesrepublik Deutschland zu den Verbündeten des Apartheidregimes, wobei besonders die militärisch-nukleare Kooperation eine Rolle spielte. Die Zusammenarbeit wurde Mitte der 1970er Jahre vom ANC und der Anti-Apartheid-Bewegung aufgedeckt. Die Bundesrepublik hatte Südafrika sogar völkerrechtswidrig zu einem Nuklearstaat mit aufgerüstet, so dass das Land Anfang der 1990er Jahre über eigene Atombomben verfügte.

 

Als erster demokratisch gewählter Staatspräsident Südafrikas setzte sich Nelson Mandela für eine Aufarbeitung der Geschichte des Apartheidstaates ein. Die Arbeit der „Wahrheits- und Versöhnungskommission“ unter Leitung von Erzbischof Desmond Tutu gilt als weltweit vorbildlicher Versuch, die unter einem drakonischen staatlichen Repressionsregime begangenen Verbrechen gesellschaftlich ohne Rückgriff auf das Strafrecht aufzuarbeiten. Da sich wichtige Akteure aus der früheren Regierung und dem alten Militärapparat dem Versöhnungsgedanken verweigerten, gelang dieser Versuch nur in Ansätzen. Auch viele ausländische Firmen lehnten eine Mitverantwortung ab und wiesen die Vorstellung von Entschädigung für früheres Unrecht weit von sich. Noch heute warten die meisten Apartheidopfer auf eine ausreichende Entschädigung.

 

Die demokratischen Wahlen von 1994 haben Südafrika die politische Freiheit gebracht. Der ANC stellt seither die Regierungen. Doch die mit dem Programm der Befreiungsbewegung ANC verbundenen Forderungen nach Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums, sozialer Gerechtigkeit und wirtschaftlicher Mitsprache sind in weiten Teilen nicht eingelöst. Trotz 20-jähriger ANC-Regierung ist Südafrikas Gesellschaft von Arbeitslosigkeit, Wohnungsnot, Armut, Frauendiskriminierung, Kriminalität und wachsender Spaltung in Arm und Reich geprägt. Die Korruption in Politik und Verwaltung ist ein Dauerproblem wie auch die Gewalt in den zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen.

 

Zur Freiheit Südafrikas ist es noch ein langer Weg.

 

Nelson Mandela rief schon im Wahlkampf 1994 seine Anhängerinnen und Anhänger zu kritischer Wachsamkeit gegenüber Partei und Regierung im zukünftigen Südafrika auf. Die vielen zivilgesellschaftlichen Gruppen, die heute für ein gerechtes Südafrika eintreten, können sich auf ihn berufen.

 

Peter Ripken, 1. Vorsitzender der issa; Hein Möllers, Redaktion afrika süd;

Monika Scheffler, Koordination Südliches Afrika (KOSA);

Ingeborg Wick, ehemalige Gechäftsführerin der AAB

 

Bonn/Bielefeld, 6. Dezember 2013

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