Heft 1/2025, Editorial

Trump, Anthropolis, M23 und die EU

Das Jahr 2025 beschert uns keine Atempause. Kaum hat Donald Trump das Ruder in Washington übernommen, treibt er die Welt mit immer neuen Zoll-Ankündigungen und Drohungen vor sich her. Da wird aus dem Golf von Mexiko mal soeben der Golf von Amerika, die Presseagentur AP wird abgestraft, weil sie sich der pubertären Umbenennung verweigert, während Trumps unverhohlene Ansprüche auf den Panama-Kanal und Grönland ebenso wie seine Erpressung der Ukraine und der Stopp der Entwicklungshilfe der USA tatsächlich aufschrecken müssen. Man fühlt sich geradezu zurück in das 19. Jahrhundert versetzt, als die Kolonialmächte die Welt unter sich aufteilten. China baut an seiner Seidenstraße zur Sicherung seiner Rohstoffzufuhr, Putins Traum von der Wiederherstellung der russischen Großmacht spürt die ukrainische Bevölkerung seit drei Jahren schmerzlich am eigenen Leib und Trump drückt offen aus, was zumindest die Falken in den Vorgänger-Administrationen in Washington eher im Geheimen dachten.

Dass Trumps nützlicher Idiot (oder ist es andersrum?) Elon Musk in Südafrika geboren wurde, hilft auch nicht. Im Gegenteil, der lange Arm des Tech-Milliardärs, der Zuhause gerade mit grobem Besen den Laden aufräumt und Tausende Staatsangestellte in die Arbeitslosigkeit treibt, reicht nicht nur mit Wahlaufrufen für die AFD nach Deutschland, auch die südafrikanische Regierung wird abgestraft: Das im Januar verabschiedete Gesetz zur Landenteignung sei rassistisch, weil die „ethnische Minderheit" der Weißen ohne Entschädigung enteignet würden. Nach entsprechender Lobbyarbeit weißer Unternehmerverbände wettert Elon Musk kräftig gegen die südafrikanische Regierung. Die „Opfer ungerechter Rassendiskriminierung" könnten gerne in die USA umsiedeln, so Trump, und ordnete prompt an, sämtliche Finanzmittel für Südafrika einzufrieren.

Dass das Landgesetz entschädigungslose Enteignungen nur in Ausnahmefällen öffentlichen Interesses, etwa bei Nichtnutzung des Farmlandes, erlaubt, kümmert den Fake-news-Präsidenten der USA nicht. Für ihn zählt, dass Südafrika zum „falschen" Lager gehört. Trump lieferte sich mit Südafrikas Präsident Ramaphosa einen Schlagabtausch und drohte damit, Gelder für das Land zu kürzen. Eine Drohung, die er Ende Februar wahr machte: Die Finanzierung für jegliche Programme zur Bekämpfung von HIV und Aids in Südafrika wurde gestoppt. Ramaphosa erwiderte anlässlich seiner jährlichen Rede zur Lage der Nation, sein Land werde sich nicht einschüchtern lassen.

Der Schaden aber ist angerichtet, die Einmischung der USA in die höchst emotionale Debatte um eine gerechte Landverteilung in einem Land, in dem immer noch 90 Prozent des Farmlandes im Eigentum von Weißen bleibt, hat einen Keil in die bis dahin recht stabile GNU, die Regierung der nationalen Einheit, getrieben. Die konservative neoliberale Democratic Alliance fühlt sich gestärkt in ihrer Ablehnung des Landgesetzes. Der Streit um den Haushalt 2025/26 nach einer von Finanzminister Enoch Godongwana angekündigten Mehrwertsteuererhöhung, der zur Verschiebung der Haushalts führte, bringt die GNU in zusätzliche Bedrängnis – und ließ den Rand gegenüber dem US-Dollar abstürzen.

Im Hamburger Schauspielhaus hat die großartige Regisseurin Karin Beier gerade fünf Episoden der Entstehung des antiken Thebens in aufeinanderfolgenden Theaterstücken von Dionysos und Laios über Ödipus und Iokaste bis hin zu Antigone unter dem Titel „Anthropolis" inszeniert, bei klug mit den alten griechischen Vorlagen verschränkten Texten von Roland Schimmelpfenning. Als ich mich Anfang des Monats gedankenversunken ob der frappierenden aktuellen Bezüge zur heutigen Weltpolitik zu einer der Aufführungen des Theatermarathons über den Bahnhofplatz zum Theater begab, geriet ich gerade mitten in eine Demonstration der kongolesischen Diaspora gegen den Krieg in ihrem Heimatland. Das jahrelange Leiden und Sterben in der rohstoffreichen DR Kongo gehört wie der Sudankrieg zu den Konflikten in der Welt, über die man gerne hinweg schaut. Zu weit weg, zu kompliziert? Dabei lohnt es sich, genauer hinzuschauen, welche Rolle die Europäische Kommission mit ihrer Umarmung des ruandischen Herrschers Kagame spielt. Der liefert nämlich Europa die begehrten Rohstoffe, die er über die Milizen der M23 im Nachbarland klauen lässt. Daher die nur zahnlose EU-Verurteilung der Besetzung von Goma und Bukavu durch die Miliz. Der Ostkongokonflikt bedroht die Stabilität einer ganzen Region, wie eine Analyse des Ostafrikabeauftragten des britischen Chatam House sagt, die wir in dieser Ausgabe abdrucken.

Wir freuen uns auch, dass wir drei Beiträge von jungen Afrikanist*innen aufnehmen konnten, die erfolgreich ein Seminar an der Kölner Universität zum „journalistischen Schreiben" absolviert haben. Es wird an der Zeit, dass auch jüngere Stimmen ihren Platz in afrika süd finden.

Lothar Berger