Tansanias Ruf als „Insel des Friedens" gehört der Vergangenheit an. Die umstrittenen Wahlen vom 29. Oktober (vgl. Beitrag in afrika süd 4/25) waren von heftigen Protesten und staatlicher Repression begleitet. Angesichts des sichtbaren Zerfalls Tansanias stellt sich für den Autor die Frage: Was muss getan und was vermieden werden, um den Frieden wiederherzustellen und den Wiederaufbau des Landes zu sichern?
Von Evans Rubara
Jahrzehntelang trug Tansania seinen Ruf als afrikanische „Insel des Friedens" wie einen perfekt sitzenden Anzug. Bequem, an den Ärmeln leicht abgenutzt, aber immer noch zum Neid der Nachbarn, die ihren Anzug im Bürgerkrieg oder unter Diktaturen verschlissen hatten. Am 29. Oktober 2025 fing dieser Anzug Feuer. Als Samia Suluhu Hassan mit 98,2 Prozent der Stimmen zur Wahlsiegerin erklärt wurde, glitt das Land nicht still und leise in eine weitere fünfjährige Amtszeit unter der Chama Cha Mapinduzi (CCM) hinein. Es explodierte. Innerhalb weniger Stunden gingen Universitätsstudierende, Fahrer von Motorradtaxis (sog. Boda-Boda), Marktleute und Schüler*innen auf die Straßen von Daressalam, Mbeya, Ruvuma, Arusha, Mwanza und Mara und stellten sich gegen die Bereitschaftspolizei, die mit scharfer Munition antwortete. Als das Militär die Stadtzentren abriegelte, sprachen unabhängige Quellen wie Human Rights Watch und Amnesty International von Hunderten – möglicherweise Tausenden – Toten und tausenden weiteren Verhafteten. Und eine Nation fragte sich, ob ihr ältester Stolz nun endgültig unter der Erde liegt. ...
Evans Rubara ist ein in Tansania ansässiger Experte für Ressourcenmanagement und soziopolitischer Analyst.
Sein Beitrag erschien am 19.12.2025 auf Pambazuka News
https://pambazuka.org/index.php/Tanzania-Reckoning
übersetzt aus dem Englischen

