Heft 1/2026, Sambia

Wettlauf um begehrtes Kupfer

Sambias Wirtschaft ist seit jeher vom Kupfer abhängig. Nachdem es in den Anfangsjahren seiner Unabhängigkeit eine Diversifizierung seiner Wirtschaft versäumt hat, könnten die Einnahmen aus dem globalen Run um das strategische Metall heute in eine weitergehende Kupferverarbeitung gesteckt werden, gäbe es da nicht das „Recht des Stärkeren".

Von Lothar Berger

In einer Zeit der geopolitischen Neuordnung der Welt, bei der das Recht des Stärkeren mehr zählt als eine regelbasierte Ordnung, bestimmt der globale Wettlauf um kritische Rohstoffe die politische Agenda und lässt nicht nur Bemühungen um Friedens- und Konfliktlösungen ins Leere laufen, sondern konterkariert auch Entwicklungsbestrebungen. Kein US-Präsident hat diesen Anspruch auf Rohstoffe im Konkurrenzkampf vor allem mit China unverhohlener formuliert als Donald Trump – „Venezuela" und „Grönland" lassen grüßen. Die Absicherung der Lieferketten ist nicht nur für Trump und Chinas Präsidenten Xi Jinping zu einem zentralen Anliegen geworden, auch die übrigen Staats- und Regierungschefs der G7 und G20 haben kritische Rohstoffe auf ihren letzten Gipfeltreffen zu einer ihrer obersten Prioritäten erklärt.

Neben Lithium und Seltenen Erden prägt auch der Wettkampf um Kupfer die neue Weltordnung. Dabei rückt eine Region im südlichen Afrika zunehmend ins Blickfeld – der sog. Copperbelt, Afrikas bedeutendstes Kupferbergbaugebiet, das sich auf einer Hochebene über 800 km Länge und 250 km Breite vom Zentrum Sambias bis in den Südosten der DR Kongo zieht. Die Bergwerke, Schmelz- und Aufbereitungsanlagen im Kupfergürtel – die meisten davon im Besitz kanadischer, asiatischer, nahöstlicher und US-amerikanischer Investoren – befinden sich rund um die Städte Ndola, Kitwe und Solwezi in Sambia und Lubumbashi und Kolwezi in der DR Kongo.

Die rasant steigende Kupfernachfrage und Rekordpreise haben Sambia und die benachbarte DR Kongo zu einem wichtigen Schauplatz im globalen Wettbewerb gemacht. Zehn Prozent der weltweit gesicherten Reserven von 1 Mrd. Tonnen Kupfer befinden sich in den beiden Ländern. Daneben werden dort auch Kobalt und andere wertvolle Metalle gewonnen.

Konkurrierende Projekte zur Sicherung der Lieferketten in der Region zielen darauf ab, die Eisenbahnlinien, Straßen und Häfen zu restaurieren, um die schnell wachsenden Minen besser an den Weltmarkt anzubinden. China konzentriert sich dabei auf die Modernisierung der lahmenden Tazara-Eisenbahn, die Anfang der 1970er-Jahre mit chinesischer Unterstützung erbaut worden ist. Investitionen von 1,4 Mrd. US-Dollar sollen nun dafür sorgen, das Kupfererzkonzentrat und die Rohkupferbarren schneller zum Hafen Daressalam am Indischen Ozean und von dort weiter zu Chinas unersättlichen Fabriken zu transportieren. Die USA und die EU wiederum wollen mit Milliardenbeträgen den Ausbau des Lobito-Korridors vorantreiben, der sich vom südlichen Kongo westwärts bis zum angolanischen Hafen Lobito am Atlantik erstreckt, um die Kupferprodukte auf die westlichen Märkte zu bringen. Ein neuer, 830 km langer Abschnitt soll die bereits 1300 km lange Bahnstrecke des Lobito-Korridors bis nach Chingola im sambischen Kupfergürtel verlängern. Von den auf 4,5 Mrd. US-Dollar veranschlagten Kosten für die Erweiterung sind allerdings erst weniger als ein Fünftel aufgebracht worden, was die Bergbauinvestoren ungeduldig werden lässt und den Fokus wieder auf die Tazarabahn richtet, die keinen Neubau von Strecken, sondern nur eine Modernisierung benötigt. Ein Wettlauf zwischen dem Westen und China, der sich als „Überholen ohne einzuholen" erweisen könnte (vgl. afrika süd 2/24).

Kupfer als Rückgrat von Sambias Wirtschaft

Sambia hat sich im Bereich kritischer Mineralien zu einem bevorzugten Ziel für Investoren entwickelt, deren Hauptsitze von Kalifornien und Abu Dhabi bis Mumbai und Peking reichen. „Niemand will von diesen wichtigen Rohstoffen ausgeschlossen werden", zitiert Geoffrey York in The Globe and Mail (10.1.2026) den Geschäftsführer von ZCCM Investment Holdings PLC, dem staatlichen Unternehmen, das Minderheitsbeteiligungen an vielen der größten Minen Sambias hält. „Sie drängen sich um einen Platz am Verhandlungstisch. Aber wir freuen uns über die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten. Das sind großartige Neuigkeiten für Sambia."

Wenn es so einfach wäre. In der Regel sind reichhaltige Rohstoffvorkommen, die im Globalen Norden zu Begehrlichkeiten führen, eher ein Fluch als ein Segen. Länder wie Mosambik oder die DR Kongo haben dies schmerzlich erfahren. Sambia, das nach der DR Kongo der zweitgrößte Kupferproduzent Afrikas ist und rund 70 Prozent seiner Exporterlöse mit diesem Halbedelmetall erzielt, hat seine eigene Erfahrungen mit dem Auf und Ab des Kupferpreises machen müssen.

Seit vielen Jahrzehnten bilden die Vorkommen im Kupfergürtel das Rückgrat der Wirtschaft Sambias, das war bereits zu Kolonialzeiten im damaligen Nordrhodesien ebenso der Fall wie nach der Unabhängigkeit 1964 unter dem Gründervater Sambias, Kenneth Kaunda. In den ersten Jahren der Unabhängigkeit profitierte Sambia noch von den seit dem Zweiten Weltkrieg steigenden Kupferpreisen. Kaunda nutzte den Kupferboom und enteignete 1969 die noch aus der Kolonialzeit stammenden Besitzer. Mit seiner Mehrheit an den Minen schuf der Staat 1982 die Zambia Consolidated Copper Mines (ZCCM) als riesigen Staatskonzern. Die Einnahmen aus den Kupferexporten flossen in die öffentlichen Ausgaben und Entwicklungsprojekte: Der Sektor schuf Arbeitsplätze und trug zur Finanzierung von Krankenhäusern, Gesundheitseinrichtungen und Stipendien bei

Doch Sambia versäumte es, sich mit einer Diversifizierung seiner Wirtschaft von der Abhängigkeit von Kupfer zu befreien. In den folgenden Jahrzehnten sank der Kupferpreis, Sambia ging das Geld aus und verschuldete sich bei internationalen Banken. Die Minen verrotteten mangels Investitionen, die Kupferproduktion sank von 750.000 Tonnen auf jährlich 257.000 Tonnen und Sambia musste seine Minen „unter Wert verkaufen", wie Tilmann Elliesen in welt-sichten vom 6.8.2012 schrieb.

In Zeiten des Klimawandels und der notwendigen Reduzierung von Treibhausgasemissionen ist das rötlich glänzende Schwermetall für den zunehmenden Bedarf nach Elektrifizierung der globalen Strom-, Transport- und Heizsysteme wieder heiß begehrt. Ohne Kupfer geht nichts beim Bau von Elektrofahrzeugmotoren und Akkus oder bei Solarstromleitungen und -kabeln für Energiespeichernetze. Die Internationale Energieagentur (IEA) geht bis 2035 von einem weltweiten Kupferdefizit von 30 Prozent aus.

Die stark gestiegene Nachfrage nach Kupfer hat Sambia und die DR Kongo also wieder in den Mittelpunkt der Interessen im globalen Wettbewerb gerückt. Der Ausbau der Kupferproduktion erfordert allerdings mehr Investitionen als bei anderen vergleichbaren Mineralien. Wenn Sambias Regierung vom wieder boomenden Kupfermarkt profitieren und seine ehrgeizigen Pläne von einer Vervierfachung der Produktion bis 2035 umsetzen will, ist es nach der erzwungenen Privatisierung der Minen auf ausländische Großinvestitionen angewiesen.

Vielfach sind es größere chinesische Unternehmen, die die Minen betreiben, während der Staat allenfalls noch mit einer Minderheit von 10 bis 30 Prozent beteiligt ist. Seit Ende der 1990er-Jahre haben chinesische Firmen mehr als 3,5 Mrd. Dollar in den sambischen Bergbau gesteckt, in den nächsten fünf Jahren sollen weitere 5 Mrd. US-Dollar investiert werden.

Laut Weltbank erhielt Sambia zwischen 2022 und Ende Juni 2024 Investitionszusagen für neue und erweiterte Bergbauprojekte in Höhe von über 7 Mrd. US-Dollar. Zu den neuen Investoren zählt KoBold Metals, ein KI-gestütztes Start-up-Unternehmen für die Exploration kritischer Mineralien. Hinter dem Unternehmen stecken die US-Milliardäre Bill Gates und Jeff Bezos. Es plant 3 Mrd. US-Dollar in eine riesige Kupferlagerstätte in Mingomba nahe der Grenze zum Kongo zu investieren.

Der Kupferabbau hat allerdings ebenso wie bei Kobalt kaum Arbeitsplätze vor Ort geschaffen. Entstanden sind Enklavenwirtschaften, von denen die lokale Bevölkerung nur minimal profitiert. Die Kleinbetriebe (artisanal small-scale mining, ASM) müssen meist unter illegalen Bedingungen handwerkliche Vorprodukte wie Silikate, Granit oder Halbedelsteine abbauen. Während Sambia 2022 als weltweit größter Exporteur von Kupfer einem Umsatz von 6,6 Mrd. US-Dollar erwirtschaftete, lebten im gleichen Jahr fast zwei Drittel der sambischen Bevölkerung in extremer Armut.

Hoffnung auf Armutsbekämpfung

In einem von African Arguments veröffentlichten Beitrag geht Pamela Kapekele der Frage nach, wer vom Kupferboom tatsächlich profitiert, und zitiert als Beispiel eine Markthändlerin in der Bergbaustadt Chingola, die von umgerechnet 4 US-Dollar pro Woche auskommen muss. Sie überlebt nur dank einer Kooperative von Marktfrauen, die gemeinsam Geld für Lebensmittel ausgeben. Die Hoffnung sei groß, dass der Staat mit den sprunghaft gestiegenen Investitionen in den Bergbau die Armut bekämpfen, das Land von Schulden befreien und seine Entwicklungsziele erreichen könne. Allerdings verweist Kapekele auf die Warnung von Fachleuten, dass bei der Umsetzung der ambitionierten Pläne die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung nicht übergangen werden dürfen. Dafür müssten das intransparente Steuersystem abgeschafft und gesetzliche Maßnahmen zur besseren Regulierung des Sektors ergriffen werden. „In Chingola bedeutet dies ein hartes Vorgehen gegen eine gefährliche – und mitunter gewalttätige – illegale Industrie, in der Jugendbanden Rohkupfer sammeln und an kleine chinesische Verarbeiter liefern." (21.2.25)

Nach der Privatisierung der Minen unter Präsident Frederick Chiluba in den 1990er-Jahren wurden Arbeitsplätze abgebaut und Chingolas Wohlstand schwand. Die Kupfergewinnung stützt sich seither teilweise auf einen parallelen informellen Bergbausektor – eine Schattenwirtschaft, die durch die hohe Jugendarbeitslosigkeit befeuert wird und Tausenden von Menschen den Lebensunterhalt sichert. „Im gesamten Kupfergürtel suchen Banden junger Kleinbergleute, die sogenannten Jerabos, nach kupferhaltigen Resten in Abraumhalden – eine gefährliche Arbeit, die oft tödlich endet", wie Kapekele berichtet. „Ohne formale Ausbildung oder Schutzausrüstung graben die Jerabos Hunderte Meter tiefe Tunnel mit minimaler Beleuchtung und ohne jegliche bauliche Sicherung. Sie riskieren, giftigen Abfällen ausgesetzt zu sein und zu sterben, falls die Tunnel einstürzen."

Gerade erst hat es Ende Januar im benachbarten Kongo eine Tragödie unbeschreiblichen Ausmaßes gegeben, als bei einem Erdrutsch in einer großen Coltan-Mine mehr als 200 Menschen ums Leben gekommen sind. Die Gegend wird von der Milizengruppe M23 kontrolliert. Aber auch in anderen Minen im Ostkongo sind die Arbeitsbedingungen äußerst prekär.

Die katastrophalen Folgen von Umweltskandalen, verursacht durch immer wieder gemeldete Dammbrüche in den Absatzbecken von Minen, die giftige Abfälle und Schwermetalle in Flüsse und den Boden schwemmen und zu zerstörten Ernten führen, belasten die Menschen zusätzlich.

Wunsch nach lokaler Wertschöpfung

Sambias Regierung arbeitet daran, die mit der zunehmenden Präsenz von Mini-Aufbereitungsanlagen verbundenen illegalen Bergbauaktivitäten einzudämmen. Sie bereitet ein Gesetz vor, das den Kauf illegal abgebauten Kupfers durch ein Lizenzsystem ersetzen soll. Damit will die Regierung das riesige Arbeitskräftepotenzial nutzen und zu einer besser regulierten und transparenteren Lieferkette beitragen. Allerdings ist es fraglich, ob der zweigleisige Ansatz der Regierung, den informellen Sektor zu reformieren und gleichzeitig die Produktion massiv anzukurbeln, so funktionieren kann.

Nichtregierungsorganisationen fordern schon lange eine faire Steuerpolitik, strengere Gesetze zur sozialen Verantwortung von Unternehmen und die Schaffung lokaler Wertschöpfung, um mehr Bergbauerträge im Land zu halten. Tatsächlich hat die Regierung Pläne zur Reduzierung der ausländischen Dominanz entwickelt, um stärker von seinen umfangreichen Bodenschätzen zu profitierten. Konkret will sie vom Export von Rohkupfer auf die heimische Mineralienverarbeitung umsteigen und Kupfer zu hochwertigen Metallen für Batterien und Akkus verarbeiten. Helfen soll dabei die Gründung einer öffentlichen Investitionsgesellschaft, die mindestens 30 Prozent der Mineralienproduktion zukünftiger Minen kontrollieren soll.

Die Umsetzung der Vereinbarungen zum Aufbau einer gemeinsamen Lieferkette für Elektroauto-Akkus, die Sambia und die DR Kongo 2022 mit der Biden-Administration der USA getroffen haben, ist unter der Trump-Regierung ungewiss. Im Dezember 2025 machte der neu ernannte stellvertretende US-Außenminister Caleb Orr bei einem Besuch in Sambia die geplante Hilfe von 2 Mrd. US-Dollar für Sambias Gesundheitsprogramme von einem Rohstoffdeal abhängig. Auch der anschließende Besuch in einer kongolesischen Mine stand im Zusammenhang mit der Forderung der Trump-Regierung, US-Investoren als Gegenleistung für Washingtons Rolle bei den Vermittlungsbemühungen um ein Friedensabkommen im Ostkongo bevorzugten Zugang zu kritischen Rohstoffen zu gewähren.

Bei allen Bemühungen um eine eigene Kupferverarbeitung im Land: China, der Westen und die anderen globalen Player wollen die Millionen Tonnen Kupfer mit allen dazugehörigen Rohstoffen so schnell und sicher wie möglich außer Landes schaffen. Das marode Straßennetz eignet sich nicht für einen Transport solchen Umfangs. Die Lösung liegt darin, einen Großteil des Materials auf die Schiene zu verlagern. Die geplante Verbindung des Lobito-Korridors mit der Tazara-Eisenbahn würde ein riesiges Infrastrukturnetz schaffen, das die Hoffnung nähren könnte, die Wirtschaft anzukurbeln und weitere Minen und Industrieanlagen anzuziehen. Zudem könnte der Handel nicht nur regional, sondern auch auf dem ganzen Kontinent erleichtert werden. Doch die Geschwindigkeit, mit der der unerbittliche Wettbewerb um die Lieferketten für Rohkupfer geführt wird, könnte dazu führen, dass die Schnellrouten vorwiegend dem Export von Rohmineralien dienen, statt zu der gewünschten inländischen Verarbeitung der Ressourcen beizutragen. „Wenn diese Transportkorridore ausschließlich für den Export von Rohkupfer genutzt werden, riskieren wir, das volle wirtschaftliche Potenzial von Produkten mit höherer Wertschöpfung nicht auszuschöpfen", zitiert Kapekele Ashu Sugar, den Präsidenten des sambischen Herstellerverbands.

Es könnte sich wiederholen, was die meisten Staaten Afrikas im postkolonialen Zeitalter erfahren: Das Bestreben nach wirtschaftlicher Unabhängigkeit wird von den globalen Interessen an strategischen Rohstoffen erstickt – und der Rohstoffreichtum bleibt ein Fluch.