Heft 2/2022, Junge Stimmen

Brief aus Kolwezi

Die Autorin: Libuseng Rakhomo ist 25 Jahre alt und kommt aus Maseru in Lesotho.

Seit drei Monaten arbeite ich nun hier im Auftrag einer südafrikanischen NRO. Wir unterstützen unsere kongolesischen Partnerorganisationen, die auf dem Gebiet HIV/Aids arbeiten, mit angepassten digitalen Programmen. Zuerst war ich etwas panisch, da ich nicht viel über den Ort Kolwezi ergooglen konnte, an den ich für die Arbeit geschickt werden sollte. Aber nun, wo ich vor Ort bin und mich ein wenig eingelebt habe, kann ich einige Eindrücke teilen.

Kolwezi ist die zweitgrößte Stadt der Region Katanga und die DR Kongo ist ein unglaublich großes Land. Obwohl die Bergbaustadt eigentlich nicht gerade klein ist, ist sie dennoch nicht sehr entwickelt, sodass ich hier bei der Arbeit erleben konnte, dass für manche Leute Smartphones eine Neuerscheinung sind. Die Art sich zu ernähren kann man guten Gewissens als „biologisch" bezeichnen. Die Gerichte sind hier aufgrund des tropischen Klimas nicht sehr deftig und wir erfreuen uns an der großen Bandbreite hier wachsender Früchte und Gemüsesorten. Zum Beispiel gibt es Ananas, Kochbanane, Mangos und je nach Saison Aubergine, Süßkartoffel, Nüsse, und Honig gibt es auch im Überfluss.

Bei uns gilt normalerweise „Pap" als Grundnahrungsmittel. Das haben die Leute hier auch! Der Unterschied ist, dass „Pap" hier „Bukari" genannt wird und eine geschmeidigere Konsistenz hat, so wie es auch in manchen Regionen Südafrikas, wie Limpopo und Mpumalanga, zubereitet wird. Ich mag das Essen hier wirklich gerne, besonders auch den „Kabambari"-Fisch.

An den Wochenenden wird es allerdings manchmal ein wenig einsam, da es mir durch die Sprachbarriere nicht leichtfällt, Anschluss zu finden. Ich habe aber kürzlich bemerkt, dass es einige Leute gibt, die etwas Englisch sprechen oder zumindest verstehen. Zum Beispiel habe ich ein paar Libanesen kennengelernt, denen auch die Restaurants direkt unter meiner Wohnung gehören. Dort habe ich tatsächlich bisher die meiste Zeit verbracht mit interessanten und weitschweifenden Gesprächen, oder ich höre auch einfach nur zu, wenn sie sich auf Arabisch unterhalten, was mich fasziniert.
Die Kongoles:innen und die Basotho haben nicht viele Gemeinsamkeiten, zum Beispiel in Bezug darauf, wie sich Leute in beiden Kulturen kleiden. Die Kongoles:innen tragen ihre traditionelle Kleidung auch im Alltag und nicht nur bei besonderen Anlässen, wie es in Lesotho üblich ist. Wenn Besuch der Großfamilie aus Thaba-Tseka, Butha-Buthe oder Mokhotlong nach Maseru kommt, trägt man immer die schönsten Seshoeshoe-Kleider. Ansonsten ist die beste Gelegenheit, diese in allen Farben und Mustern zu sehen, zu einer Hochzeit zu gehen. Das ist hier aber gar nicht nötig, da die Frauen selbst die Straßen von Kolwezi durch ihre bunten und würdevollen Kleider verschönern. Aber es gibt noch ein zusätzliches Add-on, nämlich wird ein Stück desselben Stoffes, aus dem auch das Kleid gemacht ist, um die Hüfte gebunden. Besonders ist mir aufgefallen, wie respektvoll und konservativ die Leute sind. Bis zu einem gewissen Grad ist das gut, aber bei meiner Arbeit habe ich gemerkt, dass das auch Probleme verursachen kann. Bestimmte Krankheiten werden stigmatisiert und ich glaube, dass Bildung hierbei eine wichtige Rolle spielt.

Zu Hause diskutieren wir oft über das Coronavirus. Aber die Gespräche über die „globale Pandemie" sind anscheinend nicht so global wie man denkt, wenn man den Kongo betrachtet. Schon bei meiner Ankunft bin ich mit dem Tragen einer Maske völlig aus dem Rahmen gefallen. Die Leute haben mich angestarrt und sogar gesagt: „Wir haben dieses Virus hier nicht, hast du gehört, dass irgendjemand im Kongo an Corona gestorben wäre?" Ich kann tatsächlich an einer Hand abzählen, wie viele Leute überhaupt eine Maske richtig tragen. Ich glaube, was mich daran beunruhigt, sind die grundlegenden hygienischen Umstände. Da die meisten Gemeinden nicht genügend Zugang zu frischem Wasser haben, sind die Möglichkeiten einfach ziemlich gering. Ich arbeite mit Ärzten zusammen, die mir ebenfalls bestätigen, dass die Anzahl der Coronainfektionen in der DR Kongo sehr niedrig ist im Vergleich zum Rest der Welt und besonders zu Südafrika. Ich bin nicht sicher, ob irgendjemand das überprüft, aber es wäre sicher spannend, genaue Zahlen zu Corona im Kongo zu haben.

Seit kurzem mache ich Ausflüge in die Umgebung und bin offen für noch viele neue Erfahrungen im Herzen Afrikas.