Heft 2/2022, DR Kongo

Goldene Gelegenheit?

DIE DR KONGO WILL WELTMARKTFÜHRER BEI AUTOBATTERIEN WERDEN. Angesichts der steigenden Nachfrage nach Elektroautos wittert die Demokratische Republik Kongo ihre Chance, von ihrem beträchtlichen Reichtum an Bodenschätzen zu profitieren. Kobalt, Lithium, Mangan oder Seltene Erden sind reichlich vorhanden, doch die Herausforderungen für den Aufbau einer eigenen Produktion sind gewaltig. Das Land gewinnt zwar mehr denn je an strategischer Bedeutung, bleibt aber in puncto Sicherheit extrem anfällig.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bezeichnete der belgische Geologe Jules Cornet den Kongo als „geologischen Skandal" und meinte damit, dass das Land mit Bodenschätzen gesegnet sei. Ein Jahrhundert später gilt diese Aussage mehr denn je.

Neben seinen Kupferminen und den legendären Goldminen König Salomos ist der Kongo auch mit den Mineralien der Energiewende ausgestattet. Auf der Ministerratstagung der DR Kongo vom 21. Januar beauftragte Präsident Félix Tshisekedi die Bergbauministerin Antoinette N'Samba mit der Ausarbeitung eines Aktionsplans für die Aufwertung dieser Mineralien. Diese Initiative erfolgte im Anschluss an das DR Kongo-Afrika-Wirtschaftsforum, das am 24. November 2021 in Kinshasa stattfand und auf dem Präsident Tshisekedi sein Land als das wettbewerbsfähigste Ziel für Investitionen in Batterien für Elektroautos vorstellte. Darüber hinaus lud Tshisekedi andere afrikanische Staatsoberhäupter ein, sich an künftigen Projekten zur Herstellung von Batterien in der DR Kongo zu beteiligen.

Anlass für diesen Aufruf war eine von BloombergNEF (BNEF) erstellte und von der UN-Wirtschaftskommission für Afrika (ECA) in Auftrag gegebene Studie, die die DR Kongo als bestes Ziel für die Herstellung nachhaltiger Batteriematerialien für Batterien mit hohem Nickelgehalt identifizierte, da der Kongo sowohl reichlich vorhandene Kobaltressourcen als auch Wasserkraft nutzen kann, um ein kostengünstiger und emissionsarmer Produzent von Ausgangsmaterialien für Lithium-Ionen-Batterien zu werden. Die Afreximbank, die Afrikanische Entwicklungsbank, die Africa Finance Corporation, die Arabische Bank für wirtschaftliche Entwicklung in Afrika, die African Legal Support Facility und der UN Global Compact haben zugesagt, den Plan finanziell zu unterstützen.

Der Studie zufolge würde eine solche Anlage mit einer Kapazität von 10.000 Tonnen an Kathodenvorprodukten nur 39 Mio. US-Dollar kosten. Das wäre dreimal billiger als in den USA. Günstiger Zugang zu Land sowie niedrige technische Beschaffungs- und Baukosten seien die Hauptelemente der Wettbewerbsfähigkeit der DR Kongo. Der erwartete Boom von Elektroautos, der laut der Studie zwischen heute und 2030 einen Markt von sieben Billionen US-Dollar darstellt, bietet eine goldene Gelegenheit für die DR Kongo, heißt es in dem Bericht.

Das Saudi-Arabien des Kobalts
Einer der Hauptgründe für den Enthusiasmus von BNEF ist die beherrschende Stellung Kongos auf den Weltkobaltmärkten. Nach Angaben des United States Geological Survey (USGS) produzierte das Land im Jahr 2020 95.000 Tonnen Kobalt, was 67,8 Prozent der weltweiten Gesamtproduktion entspricht. Außerdem verfügt das Land über 50,7 Prozent der weltweiten Reserven, die auf 3,6 Millionen Tonnen geschätzt werden, was einer Produktion von 36 Jahren entspricht. Das Paradoxe ist jedoch, dass die DR Kongo nur drei Prozent der Wertschöpfungskette für Batterien und Elektrofahrzeuge abdeckt.

Die Position des Kongo als sogenannter Swing-Produzent mit marktbeherrschender Stellung dürfte sogar noch zunehmen, da der Absatz von Elektrofahrzeugen voraussichtlich jährlich um 30 Prozent steigen und der Kobaltbedarf des Batteriesektors voraussichtlich in ähnlichem Maße zunehmen wird. Der Batteriesektor ist für 57 Prozent der Nachfrage nach dem blauen Metall verantwortlich und liegt damit noch vor der Luft- und Raumfahrt und dem verarbeitenden Gewerbe.

Der größte Produzent ist das Schweizer Handelsunternehmen Glencore, das die Mutanda-Mine in der Nähe von Kolwezi in der Provinz Lualaba in Partnerschaft mit dem kongolesischen Staatsunternehmen Gécamines und einem kleineren lokalen Unternehmen betreibt, das im Jahr 2020 23.900 Tonnen des blauen Metalls produzierte. Zweitgrößte Produzentin ist die Tochtergesellschaft der kasachischen Eurasian Resources Group, Metalkol SA, die in ihrer Mine in der Nähe von Kolwezi im Jahr 2020 16.500 Tonnen Kobalt produzierte. Mit seinem neuen Partner, der China Nonferrous Metal Industry's Foreign Engineering and Construction Company (NFC), plant Metalkol, bei voller Kapazität 24.000 Tonnen Kobalt zu produzieren.

Die drei anderen Hauptakteure werden von chinesischem Kapital kontrolliert. Dies ist der Fall bei Tenke Fungurume Mining SA (TFM), das 106 km von Kolwezi entfernt liegt und 2016 von der in Hongkong notierten China Molybdenum Company übernommen wurde. TFM, dessen 20-prozentiger Minderheitsaktionär Gécamines ist, produzierte 2020 15.436 Tonnen Kobalt. Im August 2021 kündigte China Molybdenum Pläne an, die Größe seines TFM-Betriebs bis 2023 zu verdoppeln.

Ein weiterer wichtiger Akteur ist die Sino-Congolaise des Mines SA (Sicomines), ein Joint Venture, das zu 68 Prozent einer Gruppe von Unternehmen gehört, darunter die China Railway Group, Sinohydro und Zhehang Huayou Cobalt Co. Ltd. Die restlichen 32 Prozent werden von Gécamines und einem kleineren kongolesischen Unternehmen gehalten. In der zweiten Phase des Projekts, die im Juli 2021 anlief, soll die Produktion in der Mine in Kapata in der Nähe von Kolwezi auf 5.180 Tonnen Kobalt pro Jahr gesteigert werden. Die künftige Entwicklung der Mine hängt jedoch von einer Überprüfung des ursprünglichen Vertrags durch die Regierung in Kinshasa ab.

Die Société Minière de Deziwa (Somidez) ist das dritte chinesische Kobaltunternehmen. Das Unternehmen, dessen Minen Deziwa und Ecaille sich ebenfalls in der Nähe von Kolwezi befinden, gehört zu 49 Prozent Gécamines und zu 51 Prozent der China Nonferrous Metal Mining Company. Es nahm die Produktion im Januar 2020 auf und strebt eine Jahresproduktion von 8.000 Tonnen Kobalt an. Die verbleibenden 20 Prozent des kongolesischen Kobalts werden von 200.000 größtenteils informell Beschäftigten im Kleinbergbau gewonnen.

Der Vorsitzende der Bergbaukammer der DR Kongo, Louis Watum, ist jedoch skeptisch, was die Zukunft der kongolesischen Kobaltindustrie angeht. „Die Nachfrage nach Kobalt ist eine Blase, die platzen wird, wenn neue Batterietechnologien den Bedarf an dem Metall verringern", so Watum.

Das weltweit größte Lithiumvorkommen
Die DR Kongo hält ebenfalls große Lithiumreserven, die vom USGS im Januar 2021 auf drei Millionen Tonnen und vom Betreiber der Hauptmine, dem australischen Unternehmen AVZ Minerals, auf 6,61 Millionen Tonnen geschätzt wurden. Sein Manono-Projekt in der Provinz Tanganyika, das AVZ zusammen mit der Congolaise de l'exploitation minière (Cominière) als kleinerem Partner besitzt, ist nach den von AVZ erhobenen Vergleichsdaten die größte Lagerstätte der Welt. Aber auch hier ist China in der Pole-Position, um vom Goldregen zu profitieren. Die Produktion soll im Jahr 2023 beginnen.

Im September 2021 sicherte sich AVZ Minerals eine Investition in Höhe von 400 Mio. US-Dollar von CATH Energy Technologies aus Suzhou, China, zur Erschließung seiner Manono-Mine. CATH Energy, das sich im Besitz des chinesischen Batterieriesen CATL befindet, hält damit einen Anteil von 24 Prozent an dem Projekt. Vor dieser Investition hatte AVZ bereits vier andere chinesische Aktionäre (Yibin Tinayi Lithium Industry Co, Huayou International Mining aus Hongkong, Liyun Huang und Kai Guo). Außerdem hat AVZ eine Vereinbarung mit der in Shenzhen ansässigen Chengxin Lithium Group über den Verkauf von Spodumen, ein Lithiumerzmineral, aus Manono getroffen. Chengxin wird voraussichtlich etwa 170.000 Tonnen pro Jahr kaufen, was etwa einem Fünftel der prognostizierten Produktion von Manono entspricht (eine Million Tonnen Spodumen-Konzentrat und 45.000 Tonnen primäres Lithiumsulfat). Das Unternehmen besitzt außerdem Abnahmevereinbarungen mit GFL International und Yibin Tianyi Lithium Industry Co. Alles in allem sind die Marktaussichten vielversprechend. Einem Bericht der Internationalen Energieagentur zufolge könnte der Lithiumbedarf in den nächsten 20 Jahren um das 40-fache steigen.

AVZ unternimmt Schritte, um die steigende Nachfrage zu decken. Im Februar 2020 unterzeichnete das Unternehmen eine Absichtserklärung mit dem kongolesischen Ministerium für Wasser und Energie, um das Wasserkraftwerk Mpiana-Mwanga am Luvua-Fluss, 87 km von der Mine entfernt, zu sanieren und seine Kapazität von 18 MW auf 54 MW zu erhöhen.

Auch andere Unternehmen sind auf der Suche nach Lithium. Das kanadische Unternehmen Tantalex Resources entwickelt ein Projekt auf der Halde in Manono-Kitotolo für Lithium, Zinn und Tantal und plant, bis 2023 mit der Produktion zu beginnen. Das australische Unternehmen Critical Resources entwickelt zusammen mit Cominière das Projekt Kitotolo-Katamba in demselben Gebiet und die Mine Kanuka in der Provinz Haut-Katanga in Zusammenarbeit mit Mining Mineral Resources (MMR), einer Tochtergesellschaft der indischen Vinmart-Gruppe. In der Nachbarprovinz Haut-Lomami planen MMR und Cominière die gemeinsame Erschließung der Lagerstätten Malemba-Nkulu.

Mangan: 400.000 Tonnen bereit für Export
Die DR Kongo verfügt auch über beträchtliche Manganvorkommen, die für die Batterieindustrie von Nutzen sein könnten. Martin Kepman, der CEO der Manganese X Energy Corporation, ist überzeugt, dass Mangan bald Kobalt in der Lithium-Ionen-Batterieindustrie ersetzen kann. Der CEO von Tesla, Elon Musk, hat versprochen, Kobalt aus den von seinem Unternehmen verwendeten Batterien zu verbannen, und plant die Herstellung eigener kobaltfreier Batterien. Die Technologie schreitet voran. Im Jahr 2020 fanden Forscher der University of Texas eine kobaltfreie Kathodenzusammensetzung, die mit Mangan, Nickel und Aluminium gleichwertig funktioniert. Einer der Vorteile von Mangan besteht darin, dass es weitaus erschwinglicher ist als Kobalt, mit einem Handelswert von 1.300 US-Dollar pro Tonne im Vergleich zu 65.480 US-Dollar pro Tonne Kobalt.

Die DR Kongo bietet einen einzigartigen Vorteil, da ihr staatliches Unternehmen Société commerciale minière de Kisenge-Manganese (SCMK-M) in seinem Tagebau Kisenge in der Provinz Lualaba bereits 400.000 Tonnen Mangan auf Halde hat. Seit 1982 ist die Förderung jedoch fast zum Erliegen gekommen und das Unternehmen liegt de facto brach. Die Rentabilität des Projekts hängt jedoch von der Instandsetzung der 432 km langen Eisenbahnstrecke zwischen Kolwezi und Dilolo an der angolanischen Grenze ab, damit das Erz oder die verarbeiteten Produkte über den Hafen von Lobito am Atlantik abtransportiert werden können. Im August letzten Jahres empfing der kongolesische Bergbauminister eine Delegation des in Dubai ansässigen Unternehmens Navodaya DMCC, das seine Absicht bekundete, den Betrieb in Kisenge wieder aufzunehmen.

Seltene Erden: vielversprechende Potenziale
Die DR Kongo hat noch keine Schürfgenehmigungen für Seltene Erden (REE) erteilt, die insbesondere für Nickel-Metallhydrid-Batterien verwendet werden. Forscher des Instituts für Lebens-, Erd- und Biowissenschaften der Panafrikanischen Universität erwähnen jedoch in einem im April 2021 veröffentlichten Papier potenzielle REE-Vorkommen in Karbonatitkomplexen wie Lueshe und Kirumba in Nord-Kivu.

Weitere potenzielle Vorkommen finden sich in Pegmatitvorkommen in der Provinz Maniema. Im Jahr 1968 erwähnte die Wirtschaftskommission für Afrika das Vorhandensein von Beryllium in Süd-Kivu und in der nordöstlichen Orientale-Provinz, in Verbindung mit Pegmatiten. In vielen Flüssen in Haut-Uele, Ituri, Maniema und Katanga können auch Seltene Erden in Schwemmland und Flusssedimenten gefunden werden.

Nach Angaben der in Dakar ansässigen „Alliance pour refonder la gouvernance en Afrique" sind Seltene Erden in Kamoto (in der Provinz Lualaba) zu finden, wo der östliche Teil der Mine uranhaltige Mineralisierungen birgt. In derselben Provinz beherbergen die Kasompi-Hügel, etwa 100 km westlich von Kambove, REE in Nickel-Kupfer-Kobalt-Lagerstätten.

Die belgischen Geologen Frank Vanhaecke und Philippe Muchez von der Universität Gent und der KU Leuven berichten außerdem über das Vorkommen von potenziell REE-reichem Monazit in Luputa (Provinz Kasai). Das Gebiet Boma an der Atlantikküste beherbergt eine Seifenlagerstätte (sekundäre Ablagerungen von Mineralien, d. Red.), die als REE-Ziel in Frage kommt, so der Bericht der Pan African University. Angesichts dieses Potenzials ist der Rechnungshof der Ansicht, dass die DR Kongo mit einer funktionierenden kontinentalen Freihandelszone (ACFTA) zusätzlich zu ihren eigenen Ressourcen auch andere für Lithium-Ionen-Batterien benötigte Mineralien erhalten könnte – etwa Mangan aus Südafrika, Kupfer aus Sambia, Graphit aus Mosambik, Phosphat aus Marokko und Lithium aus Simbabwe.

Herausforderungen und Hindernisse
Die kongolesische Führung ist fest entschlossen, diese Ressourcen zu erschließen, um das Land zum Weltmarktführer in der Batterieindustrie zu machen. Auf der Konferenz in Kinshasa kündigte der kongolesische Premierminister Jean-Michel Sama Lukonde die Gründung eines neuen Gremiums an, das die Politik der Regierung lenken und die Wertschöpfungskette der Elektrobatterieindustrie entwickeln soll: den Nationalen Batterierat. Er kündigte auch die Absicht der Regierung an, einen Rahmen zu schaffen, der es dem kongolesischen privaten und öffentlichen Sektor ermöglicht, sich an der Finanzierung dieser Industrie zu beteiligen.

Die schwierige Mission der Aufbereitung
Um diese vollmundigen Ambitionen in die Tat umzusetzen, müssen jedoch mehrere Herausforderungen bewältigt werden. Die Exekutivsekretärin der ECA, Vera Songwe, betonte auf der Konferenz in Kinshasa, dass die Verwirklichung solcher Projekte „eine ausreichende Menge an zuverlässiger und erschwinglicher Energie erfordert, die durch die Verbindung der afrikanischen Energiesysteme mit dem Grand Inga-Staudamm als Kernstück erreicht werden kann". Aber bis dahin ist es noch ein langer Weg. Seit dem Rückzug des chinesischen Konsortiums unter der Leitung der Three Gorges Corporation aus dem Inga-Projekt im Jahr 2021 haben die Verhandlungen mit dem australischen Unternehmen Fortescue über die Entwicklung des Projekts noch nicht zu einem umfassenden Bau- und Finanzplan geführt. Zudem ist die Umsetzung der ersten Phase von Grand Inga nicht vor dem nächsten Jahrzehnt absehbar.

Vielmehr muss die DR Kongo ihre Strategie zur Förderung von Rohstoffen derzeit auf Eis legen. Nach Angaben der Bergbaukammer ist die Bergbauindustrie mit einer Stromversorgungslücke von über 1.000 MW konfrontiert. Aus diesem Grund kündigte die Regierung im April 2021 an, dass sie Kupfer- und Kobaltbergbauunternehmen, die von der gesetzlichen Verpflichtung zur Umwandlung ihrer Erze und Konzentrate vor Ort befreit werden wollen, weiterhin von Fall zu Fall Ausfuhrgenehmigungen erteilen wird, gemäß dem überarbeiteten Bergbaugesetz von 2018, das die Ausfuhr von Rohprodukten und unfertigen Konzentraten verbietet.

Die Aufbereitung von kongolesischen Mineralien ist keine leichte Aufgabe. Selbst Südafrika, das über eine weitaus bessere Energieinfrastruktur und technische Fähigkeiten verfügt (darunter auch ehemalige Gécamines-Ingenieure), tut sich schwer mit der Umwandlung all seiner Bergbauprodukte. Laut der US-Coaching-Firma M.J. Morgan ist nicht so sehr der komparative Vorteil (der Besitz von Mineralien) entscheidend, sondern der Wettbewerbsvorteil (die Fähigkeit, wettbewerbsfähig zu produzieren). Gegenwärtig werden über 80 Prozent der südafrikanischen Platingruppenmetalle (PGM) unverarbeitet exportiert.

Probleme von Transport und Sicherheit
Was die Manono-Lithiumvorkommen betrifft, so hat die DR Kongo ein großes logistisches Handicap. Die Lagerstätte befindet sich in einer der entlegensten Provinzen Kongos, Tanganyika, 640 km von Lubumbashi entfernt, und die Straße ist auf den 200 km zwischen Manono und Mitwaba in einem sehr schlechten Zustand. Aufgrund von vier Steilhängen ist sie sehr gefährlich und es kommt häufig zu Unfällen. Eine vollständige Sanierung der Straße wäre notwendig, um den Transport mit Lastwagen zu ermöglichen. Der Verkehr mit Tansania bedeutet eine weitere Einschränkung, nämlich den Transfer der Mineralien oder verarbeiteten Produkte per Schiff auf dem Tanganjikasee, die entladen werden müssen, bevor sie per LKW oder Zug nach Daressalam transportiert werden.

Die Pläne der Regierung zur Batterieproduktion bergen auch politische Probleme. Die Abgeordneten der Provinz Tanganyika beschwerten sich darüber, dass die lokale Bevölkerung in die Diskussionen über die Aufbereitung des Lithiumerzes auf dem Wirtschaftsforum DR Kongo-Afrika überhaupt nicht einbezogen wurde, auch nicht in Bezug auf den Standort künftiger Verarbeitungsfabriken.

Ein weiterer Aspekt, der nicht diskutiert wurde, aber sehr real ist, ist die Sicherheitsfrage. Während die Kobalt- und Manganvorkommen in Katanga in einem relativ sicheren Umfeld abgebaut werden können, stellt sich die Situation bei REE und Lithium ganz anders dar. Die Provinzen von Nord-Kivu befinden sich seit Mai 2021 im Belagerungszustand. Laut einem Bericht des Kivu Security Tracker, einem gemeinsamen Projekt der Congo Research Group und Human Rights Watch, sind nach fünf Monaten Belagerungszustand „keine positiven Auswirkungen erkennbar". Die endemische Gewalt, die durch die Zusammenstöße zwischen den Twa- und Lubakat-Milizen ausgelöst wird, stellt auch eine potenzielle Bedrohung für die Lithiumprojekte in der Region Manono in der Provinz Tanganyika dar. Die DR Kongo scheint strategischer denn je, ist aber nach wie vor äußerst fragil.

François Misser

Der Autor ist in Brüssel ansässiger Experte für Zentralafrika und Korrespondent für den BBC und verschiedene Zeitungen.