Heft 2/2024, Redaktion

Abschied von Jürgen Langen

English original below

Nach zwei Jahren mutigen Kampfes gegen den Krebs ist Jürgen Langen im Alter von 63 Jahren am 22. März verstorben. Mit viel Wissen und Ideen hat er 7 Jahre lang zur Redaktion von afrika süd beigetragen. Schmerzlich vermisst wird sein Engagement auch in Simbabwe, wo er über seine Zeit als Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung (2012-2016) hinaus viel für die Verbindung von Kulturen geleistet hat.
Ein Nachruf von Henry Munangatire

In seiner Heimatgemeinde Bad Honnef mag er relativ unbekannt gewesen sein, doch Jürgen Langens Einfluss auf Simbabwe und darüber hinaus ist unermesslich. Durch sein Handeln hat er unzählige Leben verändert und gleichzeitig eine Nation geprägt.

Im Jahr 2015 hatte ich die Gelegenheit, Jürgen bei einem Workshop über das Eisenbahnsystem Simbabwes im Meikles Hotel in Harare kennenzulernen. Es war ein ungewöhnliches Thema für junge Führungskräfte, aber es ermöglichte mir, Jürgens Brillanz zu erleben und zu sehen, wie er auf einer anderen Ebene als seine Mitmenschen agierte. Zu dieser Zeit versuchte ich immer noch, meinen politischen Halt und meine Identität zu finden, während ich unter Robert Mugabes repressiver Regierung lebte. Durch unsere Gespräche, Debatten und Kooperationen wurde Jürgen jedoch mehr als nur ein Mentor und Verbündeter – er wurde zu einem unschätzbaren politischen Berater.

In den folgenden Jahren erlebte ich, wie Jürgen zu einer Leitfigur für einige der talentiertesten Köpfe Simbabwes in verschiedenen Bereichen wie Kunst, Wirtschaft, Journalismus und Führung wurde. Sein Einfluss erstreckte sich auf einflussreiche Persönlichkeiten wie den ehemaligen Premierminister Morgan Tsvangirai, den derzeitigen Bürgermeister David Coltart und den Wirtschaftswissenschaftler Eddie Cross.

Doch Jürgens Vermächtnis in Simbabwe geht weit über seine Rolle als Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung und Senior Analyst hinaus. Durch seine Initiativen zur Förderung der Jugendentwicklung und zur Sensibilisierung für Umweltfragen hinterließ er einen unauslöschlichen Eindruck bei den Menschen. So vermittelte er Porträts über die Journalistin Soneni Gwizi, die Künstlerin Irene Karuva, den Choreografen Sean Mambwere, die Jungunternehmer Nqo Mlilo und Kuda Musasiwa oder die Satiriker um Comrade Fatso vor. Daneben förderte er die Zeichnungen von Andrew Mandaza, Lucky Matopo, Irene Karuva und Tito Shangazhika.

Jürgen Langen widersetzte sich dem Klischee, das Europäern, die in Afrika arbeiten, oft auferlegt wird. Er war sich des historischen Hintergrunds und der Machtdynamiken, die in diesen Beziehungen eine Rolle spielen, sehr wohl bewusst, und anstatt sie aufrechtzuerhalten, arbeitete er unermüdlich daran, sie aufzubrechen. Anders als viele seiner Kollegen ging er mit Bescheidenheit und tiefem Respekt vor der lokalen Kultur und den Traditionen an seiner Arbeit heran.

Während seiner gesamten Amtszeit war es Jürgen ein Anliegen, den Stimmen der Simbabwer:innen mit echtem Interesse zuzuhören und ihre Perspektiven und Erfahrungen als gleichwertig mit seinen eigenen zu betrachten. Sein Engagement für den Aufbau echter Partnerschaften, anstatt Lösungen aufzuzwingen, zeugte von seiner Überzeugung, dass Fortschritte nur durch gegenseitigen Respekt und Verständnis erreicht werden können.

Jürgens Engagement für den Abbau von Barrieren ging über bloße Rhetorik hinaus – er beteiligte sich aktiv an den Bemühungen, den Entrechteten zu helfen und ihren Stimmen auf internationaler Ebene Gehör zu verschaffen. Von der Unterstützung von Graswurzelbewegungen bis hin zum Eintreten für eine integrative Politik spiegeln Jürgens Taten seine unerschütterliche Entschlossenheit wider, eine gerechtere Welt zu schaffen.

Damit hat er nicht nur den Status quo in Frage gestellt, sondern auch ein inspirierendes Beispiel für die künftigen Beziehungen zwischen Europa und Afrika gegeben. Er zeigte, dass es möglich ist, die Komplexität des interkulturellen Austauschs mit Anmut, Einfühlungsvermögen und einem echten Wunsch nach gegenseitigem Verständnis zu bewältigen. In einer Welt, die oft durch Rassen-, Klassen- und Nationalitätsgrenzen geteilt ist, war Jürgen ein Leuchtfeuer der Hoffnung und bewies, dass Solidarität keine Grenzen kennt.

Seine umfassende Ausbildung in Politikwissenschaft, Rechtswissenschaft und Kunstgeschichte floss in seine Arbeit zur Förderung von Menschenrechten, guter Regierungsführung, Kultur und globalem Klimawandel ein. Auch nachdem er Simbabwe 2016 verlassen hatte, setzte Jürgen seine Stimme ein, indem er für verschiedene Publikationen, Blogs, Berichte und Videodokumentationen zu diesen wichtigen Themen schrieb.

Sein Wirken wird weiterleben. Ruhe in Frieden, lieber Freund.

 

Eulogy by Henry Munangatire

On the 22nd of March, the world mourned the loss of a colossal figure. Although he may have been relatively unknown in his own Bad Honnef community, Jürgen Langen's impact on Zimbabwe and beyond was immeasurable. Through his presence and actions, he transformed countless lives while shaping a nation and its place in history.

Back in 2015, I had the opportunity to meet Jürgen at a workshop on Zimbabwe's Railway system held at the Meikles Hotel in Harare. It was an unusual topic for young leaders, but it allowed me to witness Juergen's brilliance and how he operated on a different level from those around him. At that time, I was still trying to find my political footing and identity while living under Robert Mugabe's oppressive government. However, through our conversations, debates, and collaborations, Jürgen became more than just a mentor and ally - he became an invaluable political advisor.

In the following years, I witnessed Jürgen become a guiding light for some of Zimbabwe's most talented minds in various fields such as art, economics, journalism, and leadership. His impact extended to influential figures like former Prime Minister Morgan Tsvangirai, current Mayor David Coltart, and economist Eddie Cross.

But Jürgen's legacy in Zimbabwe goes far beyond his role as Resident Representative of the Konrad Adenauer Foundation and Senior Analyst for Southern Africa. He left an indelible mark on ordinary citizens who were inspired to think beyond convention through his initiatives promoting youth development and raising awareness about environmental issues. He facilitated portraits of the journalist Soneni Gwizi, the artist Irene Karuva, the choreographer Sean Mambwere, the young entrepreneurs Nqo Mlilo and Kuda Musasiwa and the satirists around Comrade Fatso. He also promoted the drawings of Andrew Mandaza, Lucky Matopo, Irene Karuva and Tito Shangazhika.

Jürgen Langen defied the stereotype often imposed by Europeans working in Africa. He was keenly aware of the historical baggage and power dynamics at play in these relationships, and instead of perpetuating them, he worked tirelessly to break them down. Unlike many of his peers, Jürgen approached his work with humility and profound respect for the local culture and traditions.

Throughout his tenure, Jürgen made it a point to listen to the voices of Zimbabweans with genuine interest and value their perspectives and experiences as equal to his own. His commitment to building genuine partnerships, rather than imposing solutions, was a testament to his belief that progress can only be achieved through mutual respect and understanding.

Jürgen's commitment to breaking down barriers went beyond mere rhetoric - he actively participated in efforts to uplift the disenfranchised and amplify their voices on an international scale. From assisting grassroots movements to advocating for inclusive policies, Jürgen's deeds mirrored his steadfast resolve to build a fairer world.

In doing so, Jürgen Langen not only challenged the status quo but also set an inspiring example for future European and African relations. He showed that it was possible to navigate the complexities of cross-cultural exchange with grace, empathy, and a true desire for mutual understanding. In a world often divided by lines of race, class, and nationality, Jürgen stood as a beacon of hope, proving that solidarity knows no boundaries.

His extensive education in political science, law, and art history informed his work in promoting human rights, good governance, culture, and global climate change. Even after leaving Zimbabwe in 2016, Jürgen continued to use his voice through writing for various publications, blogs, reports, and video documentaries on these vital issues.

But beyond all of his accomplishments and accolades, Jürgenwill beremembered most for his unshakable belief in using art and culture as powerful tools for promoting democracy in Africa. Though he may no longer be with us physically, his impact will continue to live on for generations to come.
Rest in peace, dear friend.