Der Zentralafrikaexperte François Misser geht in seiner Antwort auf den Beitrag von Toussaint Nothias auf noch weitere Aspekte des Konflikts im Osten der DR Kongo ein.
Als Journalist belehre ich Kolleg*innen nicht gern darüber, was sie schreiben sollen. Lieber vergleiche ich meine eigene Meinung mit ihrer, als ihnen Ungenauigkeiten, Fehler oder Lücken vorzuwerfen. Ich gestehe ihnen auch lieber Zweifel zu, anstatt sie der Voreingenommenheit zu bezichtigen. Kurz gesagt: Ich mag keine Verschwörungstheorien.
Niemand ist perfekt, auch nicht der Autor des Artikels „Wie man nicht über den Ostkongo berichten sollte". Obwohl einige Textstellen bemerkenswert sind, ist auch er nicht frei von einer sachlichen Ungenauigkeit. Er sagt, die FDLR (Demokratische Kräfte zur Befreiung Ruandas) seien von den ruandischen Hutu-extremistischen Interahamwe-Milizen gegründet worden. Tatsächlich wurden die FDLR von ehemaligen Offizieren der ruandischen Streitkräfte gegründet, die die rassistische und Völkermordideologie der Interahamwe teilten, aber Militärs und keine zivilen Milizionäre waren. Ehemalige Interhamwe-Milizen schlossen sich der FDLR an, gründeten diese Organisation jedoch nicht. Diese Behauptung ist aus historischer Sicht ebenso falsch wie die Verwechslung der Wehrmacht mit Röhms Sturmabteilungen (SA). ...
François Misser ist in Brüssel ansässiger Experte für Zentralafrika.
Übersetzt aus dem Englischen.

