Heft 2/2025, Südliches Afrika

SADC-Vorhaben für grüne Energie vor schwierigen Zeiten

Die Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrika (SADC) ist auf nachhaltige Energie angewiesen, will sie ihren aus Industrialisierung und menschlicher Entwicklung resultierenden Bedarf decken. Ihre ambitionierten Vorhaben bei grüner Energie könnten allerdings durch den Handelskrieg zwischen US-Präsident Donald Trump und Südafrika ausgebremst werden. Zudem steht dem Ausbau des für die Stromversorgung der Region so wichtigen Wasserkraftprojekts Grand-Inga der bewaffnete Konflikt in der DR Kongo im Weg.

Von Phathizwe Zulu

Die SADC-Region ist bereit, Strom- und Infrastrukturprojekte zu beschleunigen, die die regionale Integration und das Wirtschaftswachstum vorantreiben. Im Februar fand in der botsuanischen Hauptstadt Gaborone die SADC Sustainable Energy Week statt. Sie stand unter dem Thema „Beschleunigung nachhaltiger Energielösungen für eine energiesichere SADC-Region". Bei der Eröffnung erklärte SADC-Exekutivsekretär Elias Magosi, Energiesicherheit und ihr universeller Zugang seien entscheidende Katalysatoren für die regionale Integration und eine echte wirtschaftliche Entwicklung in den Mitgliedsstaaten. Die SADC-Region leide unter Stromengpässen, verursacht durch eine generell unzureichende Infrastrukturentwicklung und die negativen Auswirkungen des Klimawandels. „Derzeit deckt Kohle 60 Prozent des regionalen Energiemixes ab, Wasserkraft 24 Prozent, erneuerbare Energien liegen mit rund 10 Prozent dahinter. Der Klimawandel hat unsere Grenzen bei der Gewährleistung einer nachhaltigen Energieversorgung und ihrer Sicherheit offengelegt", so Magosi.

Die Woche der nachhaltigen Energie der SADC wurde von einem gemeinsamen Komitee der Ministerien für Energie und Wasser als jährliche Veranstaltung ins Leben gerufen. Neben hochrangigen Präsentationen, Podiumsdiskussionen und Treffen zwischen Unternehmen konzentrierte sich die diesjährige Woche auf die Abstimmung politischer Rahmenbedingungen, Investitionsmöglichkeiten, Finanzierung, Netzintegration und Technologien für erneuerbare Energie für eine gerechte Energiewende.

Laut Exekutivsekretär Magosi ist die Region nicht nur mit der schwierigen Aufgabe konfrontiert, die Umweltverschmutzung durch fossile Brennstoffe zu reduzieren, sondern sich auch gegenüber den zunehmenden schweren Dürren zu behaupten, die angesichts der anhaltenden Abhängigkeit von Wasserressourcen die Region extrem anfällig gemacht haben. Deshalb seien umfassende Investitionen in die Stromerzeugung, -übertragung und Diversifizierung hin zu erneuerbaren Energiequellen wie Wind- und Solarenergie ebenso erforderlich wie gezielte Bemühungen, Energieeffizienz auf allen Ebenen zu erreichen. Bei dem dafür nötigen Ausbau der Erzeugungskapazität arbeitet die SADC mit den Mitgliedsstaaten und ihren Behörden zusammen. So werden mit der DR Kongo die Entwicklung des Wasserkraftprojekts Grand Inga und mit Mosambik der Ausbau des Wasserkraftwerks Mpanda Nkuwa vorangetrieben, mit Sambia und Simbabwe wird das Batoka-Wasserkraftprojekt gemeinsam entwickelt.

Mangelnder Zugang zu Strom

Laut Magosi haben etwa 600 Millionen Menschen in Subsahara-Afrika keinen Zugang zu Elektrizität, allein 172 Millionen davon in den SADC-Staaten, deren Zugangsrate im Schnitt bei 56 Prozent liegt. Deshalb appellierte er an die Region, innovative Finanzierungsmechanismen und alternative Zugangslösungen zu entwickeln und umzusetzen. „Dazu gehören zweckgebundene Mittel für die Elektrifizierung, institutionelle Vorkehrungen wie die Einrichtung von Agenturen für die ländliche Elektrifizierung sowie eine Diversifizierung der technologischen Ansätze, einschließlich Netzerweiterungen, intelligenter Netztechnologien und insbesondere netzunabhängiger Lösungen, um den Großteil unserer ländlichen und benachteiligten Bevölkerung zu erreichen." Er verwies dabei auf erneuerbaren Energien basierende Mikro- oder Mini-Netze und autonome Solarsysteme.

Im Anschluss an die Energiewoche in Botsuana unterzeichnete der EU-Botschafter in Eswatini, Karsten Mecklenburg, mit dem Minister für Wirtschaftsplanung und -entwicklung, Dr. Tambo Gina, dem UNDP-Vertreter Henrik Franklin und einem Vertreter des Ministeriums für natürliche Ressourcen und Energie eine Finanzhilfevereinbarung für ein Projekt, das vom UNDP und Catalyze Eswatini umgesetzt wird. Es bietet Kleinbäuerinnen, landwirtschaftlichen Betrieben, Frauen, Jugendlichen und Menschen in prekären Situationen maßgeschneiderte Unterstützung durch Investitionen in erneuerbare Energien und Energieeffizienz sowie Geschäftsideen, insbesondere zur produktiven Nutzung erneuerbarer Energien.

Mit dieser auf vier Jahre angelegten Initiative (2025-2028) sollen Kleinst-, kleine und mittlere Unternehmen (KKMU), Kleinbauern und Agrarunternehmen bei der Einführung von Energie und energieeffizienten Lösungen unterstützt werden, um so die Wirtschaft zu stärken, die Geschäftskosten zu senken, den finanziellen Zugang für KKMU zu verbessern und zur Schaffung von Arbeitsplätzen beizutragen. Das Projekt zielt zudem auf die Förderung von Frauen an der Spitze solcher Betriebe ab. Mindestens 40 Prozent der geförderten Unternehmen sollen in Frauenbesitz sein oder von ihnen geführt werden.

„Die wichtigsten Wertschöpfungsketten im Rahmen dieser Maßnahme sind diejenigen, die für die ländliche Entwicklung und den Handel im Rahmen des Wirtschaftspartnerschaftsabkommens (EPA) zwischen der SADC und der EU sowie für ihr Potenzial für nachhaltiges und inklusives Wachstum sowie die Schaffung von Arbeitsplätzen von größter Bedeutung sind", so Mecklenburg.

Trump bedroht den gerechten Übergang der Region

Die Bemühungen um eine gerechte Energiewende im südlichen Afrika könnten jedoch durch den von US-Präsident Trump angezettelten Handelskrieg gegen Südafrika verzögert werden. Nach dem dramatischen Ausstieg der USA aus dem Pariser Abkommen im Januar kündigte Washington im März an, die Zusage von 1,5 Mrd. US-Dollar für die Just Energy Transition Partnership (JETP), deren Hauptbegünstigter Südafrika war, zurückzuziehen.

Die südafrikanische Daily Maverick kritisierte den Rückzug und erklärte, mit dem Schritt der Trump-Regierung verliere Südafrika 56 Mio. US-Dollar an Zuschüssen und eine Mrd. US-Dollar an potenziellen kommerziellen Investitionen durch die US International Development Finance Corporation. Der Ausstieg der USA aus der Partnerschaft reduziere die internationalen Finanzierungszusagen an Südafrika von 13,8 Mrd. auf 12,8 Mrd. Dollar, was sich vor allem auf potenzielle private Investitionen auswirke.

Südafrika nimmt eine strategische Position als „Powerhouse" im südlichen Afrika ein und spielt eine entscheidende Rolle bei der regionalen Integration. Nach Weltbankangaben dominiert es die Subregion wirtschaftlich mit einem Anteil von 60 Prozent am Gesamthandel der SADC sowie rund 70 Prozent ihres BIP. Mit Simbabwe, Sambia, Namibia, Mosambik, Lesotho, Eswatini und Botsuana kaufen sieben SADC-Staaten Kohlestrom aus Südafrika.

Laut Internationaler Energieagentur (IEA) ist Kohle die Hauptstütze des südafrikanischen Energiesystems, sie deckt rund 70 Prozent der installierten Stromerzeugungskapazität. „Der Integrierte Ressourcenplan 2019 sieht jedoch eine langfristige Diversifizierung des Strommixes bis 2030 vor und zielt darauf ab, den CO2-Fußabdruck des Energiesektors zu verringern und gleichzeitig den wachsenden Energiebedarf zu decken und einen sozioökonomisch gerechten Übergang zu gewährleisten", heißt es im IEA-Bericht.

Der deutsche Staatssekretär für Entwicklungspolitik, Jochen Flasbarth, bezeichnete die Entscheidung der USA, aus der JETP auszusteigen, laut Climate Homes News als „bedauerlich". Seine Regierung sei überzeugt, dass die Arbeit der Energiepartnerschaft erfolgreich fortgesetzt werden könne. So kündigte die EU noch im März ein Investitionspaket in Höhe von 4,7 Mrd. Euro für Südafrika an, um Projekte im Bereich grüne Energie zu finanzieren und die Impfstoffherstellung anzukurbeln. Die Deutsche Welle berichtete, dass die finanzielle Unterstützung aus Brüssel in Wasserstoffenergieprojekte fließen und „Südafrika dabei helfen wird, eine gerechte Energiewende zu vollziehen, was bedeutet, dass die Umstellung des Landes von fossilen Brennstoffen auf saubere Energie keine negativen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt oder die von Produkten wie Kohle abhängigen Gemeinden haben wird."

Probleme beim Grand-Inga-Staudamm-Projekt

Das Großprojekt Inga 3 im Kongo wurde 2013 mit Unterstützung der Weltbank angekündigt und sollte 11 GW Strom liefern, hauptsächlich für den Export nach Südafrika und für Minen im Osten Kongos. Die Weltbank sagte ihre Beteiligung jedoch 2016 aufgrund angeblicher strategischer Differenzen ab. Laut SADC-Exekutivsekretär Magosi ist das Grand-Inga-Wasserkraftprojekt – eine Reihe von sieben geplanten Wasserkraftwerken am Standort der Inga-Fälle – aber wichtig für die Energiesicherheit der SADC-Mitgliedsstaaten. Die Region leidet unter einem akuten Stromdefizit und so sind Südafrikas Nachbarn gezwungen, Strom von Südafrika zu kaufen, das aber selbst mit Phasen von Stromausfällen konfrontiert ist, was wiederum Afrikas am stärksten industrialisierte Volkswirtschaft schwächt. Das Grand-Inga-Staudamm-Projekt könnte die gesamte Region mit Strom versorgen und so die gesamte SADC-Region energieautark machen.

Das Projekt leidet seit Jahrzehnten unter Verzögerungen. Die DR Kongo und Südafrika wollen den Plan jedoch trotz der Herausforderungen unbedingt fortsetzen. Im Juli 2023 verpflichteten sich beide, Inga 3 wiederzubeleben. Südafrika hofft damit, eine Lösung für die wirtschaftlich verheerenden Stromausfälle zu finden. Im gleichen Monat erklärte Kongos Präsident Félix Tshisekedi, er habe Gespräche mit potenziellen neuen Partnern, darunter China und die Weltbank, geführt. Reuters meldete, die Weltbank sei wieder daran interessiert, sich an dem Projekt zu beteiligen.

„Wir sind uns einig, dass dringende Schritte unternommen werden müssen, um die vollständige Umsetzung dieses Projekts zu beschleunigen", sagte die ehemalige südafrikanische Außenministerin Naledi Pandor.

Im Januar 2025 berichtete die BBC, dass sich das chinesische Staatsunternehmen Three Gorges Corporation aus dem Projekt zurückgezogen habe. „Und dann ist da noch die horrende Rechnung, die sich Berichten zufolge auf bis zu 80 Mrd. US-Dollar (63 Mrd. Pfund) beläuft – und das in einem der ärmsten Länder der Welt", so die BBC.

Das investigative Nachrichtenportal Great Lakes Eye lieferte indessen eine interessante Perspektive auf die Energiepartnerschaft zwischen Südafrika und der DR Kongo. Südafrikas Präsident Ramaphosa habe nicht nur den Bergbausektor im Visier, sondern auch Truppen in den Kongo entsandt, nachdem Tshisekedi gedroht hatte, das Inga-Damm-Projekt zu vereiteln. Great Lakes Eye wies auch darauf hin, dass Südafrika seit 2022 ständig unter Stromausfällen leide und dieses Problem durch die DR Kongo gelöst werden könne. 2013 unterzeichneten daher beide Länder einen Vertrag, in dem sich Südafrika darauf verpflichtete, 2.500 Megawatt aus dem als Inga 3 bekannten Staudamm zu beziehen.

„Da Kinshasa wusste, wo und wie es Pretoria schädigen konnte, drohte es damit, den Stecker zu ziehen, falls Ramaphosa keine Truppen in den Osten der DR Kongo entsenden würde. Der südafrikanische Präsident geriet in Panik", so Great Lakes Eye. Schließlich genehmigte die SADC die Entsendung einer Mission in die DR Kongo (SAMIDRC), die die kongolesische Regierung bei der Wiederherstellung von Frieden und Sicherheit im Osten des Landes unterstützen sollte.


 Umweltbedenken gegen das Inga-3-Projekt

Bei Umweltaktivist*innen der DR Kongo stößt das Inga-Projekt auf wenig Gegenliebe. Der kongolesischen Bevölkerung werde der Zugang zu Elektrizität vorenthalten, stattdessen profitiere nur Südafrika davon. Zuzdem warnen sie vor den Umweltauswirkungen. Eine Veränderung der Flussströmung werde sich auf die Fische und alle Wasserlebewesen auswirken. Außerdem drohe die entschädigungslose Vertreibung von etwa 37.000 Menschen im Inga-Gebiet. Laut einem BBC-Bericht sind Vertreter*innen der kongolesischen Zivilgesellschaft mit Unterstützung von International Rivers am 5. März 2025 im Hauptsitz der Weltbank in Washington D.C. vorstellig geworden, um ein Überdenken der Finanzierung von Inga 3 zu erreichen.
Die Behörden der DR Kongo erkennen zwar die Risiken für die lokale Umwelt an, versprechen aber, die Bewohner in Gebiete mit Grundversorgung und mit „fairer Entschädigung" umzusiedeln.


Suche nach einem nachhaltigen Energiemarkt

Der offiziellen Website der SADC ist zu entnehmen, dass die Region bei der Entwicklung und Nutzung von Energie noch vor großen Herausforderungen steht. Der Bericht über die Bewertung des regionalen Masterplans für die Infrastrukturentwicklung aus dem Jahr 2019 enthält dazu einige interessante Hinweise. Demnach haben nur 32 Prozent der ländlichen Gebiete in der Region Zugang zu Elektrizität, was bedeutet, dass die SADC beim Stromzugang in Afrika zurückliegt. Während der durchschnittliche Stromzugang in Subsahara-Afrika bei 50 Prozent liege, haben die nordafrikanischen Länder einen 100-prozentigen Zugang zu Elektrizität erreicht.

„Seit 2007 leidet die Region unter einer Stromknappheit. Obwohl dieser Mangel bis 2019 behoben sein sollte, verzögern sich die Projekte zur Behebung des Mangels aufgrund fehlender Finanzmittel; die langsame Umstellung auf kostendeckende Tarife, eine unzureichende Projektvorbereitung, Probleme mit Stromabnahmeverträgen und fehlende rechtliche Rahmenbedingungen hemmen Investitionen und Finanzierungen im Energiesektor. Preis- und Infrastrukturhürden bei Netzanschlüssen, Fertigung und Qualitätsprüfungen behindern die Entwicklung des Potenzials der Region für erneuerbare Energien", heißt es in dem Bericht.

Magosi erklärte auf der Energiewoche jedoch, das SADC-Sekretariat werde weiterhin mit dem Southern Africa Power Pool (SAPP) und dem SADC-Zentrum für erneuerbare Energien und Energieeffizienz (SACREEE) als Kompetenzzentrum zusammenarbeiten, um erneuerbare Energien und Energieeffizienz zu fördern und das enorme Potenzial erneuerbarer Energiequellen auszuschöpfen. Somit gehe die Region unvermindert gegen den eingeschränkten Energiezugang und die Energieunsicherheit an.

Er betonte außerdem die Bedeutung des regionalen Stromhandels innerhalb der Region. Es würden Anstrengungen unternommen, Angola, Malawi und Tansania an das Netz des Southern African Power Pool anzuschließen. „Dies soll sicherstellen, dass wir den Stromüberschuss in einigen Ländern nutzen, um das Defizit in anderen zu reduzieren", sagte er. „Ein regionaler Ansatz ist entscheidend für den Ausbau der Energiemärkte, die Optimierung der Infrastrukturentwicklung und die Bewältigung der Schwankungen bei den erneuerbaren Energien." Stromleitungen zwischen Angola und Namibia, Tansania und Sambia sowie Malawi und Mosambik würden den intraregionalen Stromhandel im SAPP-Netz verbessern. Das erleichtert „den Abtransport von Strom aus bestehenden und geplanten Kraftwerken wie dem Grand Inga in der DR Kongo und dem Baynes-Wasserkraftwerk zwischen Namibia und Angola."

Phathizwe Zulu ist freiberuflicher Journalist aus Swasiland.
Übersetzt aus dem Englischen.