Während der Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran die globalen Energiemärkte erschüttert, befindet sich das südliche Afrika in einem Spannungsfeld zwischen Chancen und Krisen. Während Exporteure von Öl und Bodenschätzen kurzfristige Gewinne verzeichnen, kämpfen importabhängige Volkswirtschaften mit steigenden Treibstoffkosten, Inflation und einer sich verschärfenden Ernährungsunsicherheit.
Von Phathizwe Zulu
Obwohl sich der Konflikt – gerichtet gegen den Iran – im Persischen Golf abspielt, sind die schmerzhaften Auswirkungen dieser Aggression längst im südlichen Afrika spürbar.
Politische Analysten in der Region merkten an, dass der Konflikt zudem eine ungleiche Lastenverteilung geschaffen habe: Er stellt jene ölimportierenden Nationen, die mit Krisen zu kämpfen haben, potenziellen Nutznießern unerwarteter Gewinne gegenüber.
Insbesondere die SADC sieht sich Bedrohungen ausgesetzt: Rund 58 der insgesamt 263 Millionen Einwohner*innen leiden unter Nahrungsmittelknappheit – eine Situation, die den Druck auf die regionale Zusammenarbeit zur Sicherung der Stabilität bei der Versorgung mit Nahrungsmitteln und Treibstoff erhöht.
Während eines Treffens zur regionalen Integration erklärte Ronald Lamola, Südafrikas Minister für internationale Beziehungen und Vorsitzender des Ministerrates der SADC, das derzeitige geopolitische Klima – einschließlich des Konflikts der USA und Israels mit dem Iran sowie der iranischen Vergeltungsmaßnahmen – sende bereits Schockwellen durch die Gesellschaften der Region. Er führte aus, dass über die unmittelbaren Auswirkungen steigender globaler Ölpreise hinaus ein sprunghafter Anstieg der Düngemittelkosten zu einem weiteren Anstieg der Nahrungsmittelpreise führen und die Ernährungssicherheit in vielen SADC-Mitgliedstaaten zusätzlich gefährden werde.
Lamola hielt am 12. März anlässlich einer Sitzung des Ministerrates in Pretoria, Südafrika, eine Grundsatzrede. Er erklärte, dass die Region aus diesem Chaos nicht unbeschadet hervorgehen werde.
„Unsere öffentlichen Finanzen werden voraussichtlich noch stärker unter Druck geraten, und es sind unsere Bürger*innen, die die Last tragen werden", sagte er und fügte hinzu: „Zudem wächst die Sorge, dass die Golfstaaten ihre Auslandsinvestitionen in Infrastruktur, kritische Rohstoffe, Energie und Technologie neu bewerten könnten, da sich ihre Prioritäten hin zu internen Verteidigungs- und Sicherheitsbelangen verschieben. Dies könnte Folgen für die Investitionsströme, die Wachstumsaussichten und die Entwicklungsfinanzierung in unserer gesamten Region haben."
Krise und Chance
Wirtschaftswissenschaftler*innen haben prognostiziert, dass die Region voraussichtlich mit weiteren negativen Folgen konfrontiert sein wird – darunter Inflationsdruck, höhere Transportkosten, gestiegene Kraftstoffpreise sowie explodierende Düngemittelkosten, die Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Produktion haben könnten.
Nach Angaben von Claver Gatete, dem Exekutivsekretär der Wirtschaftskommission für Afrika, sind das südliche und östliche Afrika die am stärksten betroffenen Regionen.
Die weltweiten Ölpreise sind bis Ende März um mehr als 50 Prozent in die Höhe geschnellt, während 29 afrikanische Währungen an Wert verloren haben; dies verteuert sowohl den Schuldendienst für Auslandsschulden als auch den Import von Lebensmitteln, Kraftstoff und Düngemitteln.
Die Störungen der Schifffahrtsrouten im Persischen Golf, steigende Versicherungskosten und längere Transitzeiten schlugen sich rasch in höheren Importkosten für jene afrikanischen Länder nieder, die stark von der Einfuhr von Kraftstoff, Maschinen und Vorleistungsgütern abhängig sind.
Die Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD) schätzt, dass mehr als 80 Prozent des weltweiten Handelsvolumens auf dem Seeweg transportiert werden – ein Anteil, der bei Entwicklungswirtschaften wie jenen der SADC-Region sogar noch höher liegt.
Der Agrarsektor der Region war exponiert und lief Gefahr, Schaden zu nehmen. Die Weltbank hat aufgezeigt, dass die Düngerpreise eng an die Energiekosten gekoppelt sind; so ist ihr Düngerpreisindex seit Kriegsbeginn um mehr als 20 Prozent gestiegen. Für afrikanische Landwirte bedeutet dies – so betont die Weltbank – „einen verringerten Düngereinsatz, geringere Ernteerträge und steigende Lebensmittelpreise. In Volkswirtschaften, in denen Lebensmittel einen großen Anteil der Haushaltsausgaben ausmachen, entwickelt sich dies nicht nur zu einem Inflationsproblem, sondern auch zu einem sozialen Risiko."
Die Volkswirtschaften des südlichen Afrikas – insbesondere die Republik Südafrika – wurden durch den Konflikt schwer getroffen: durch drastische Anstiege der Kraftstoffpreise, potenzielle Exportverluste in Höhe von 820 Mio. US-Dollar sowie die Schwächung des südafrikanischen Rand. Der Konflikt stört den Schiffsverkehr, erzwingt Routenänderungen und treibt die regionale Inflation in die Höhe; dabei beeinträchtigen Probleme in den Lieferketten und explodierende Ölpreise sowohl die Kraftstoffversorgung als auch die Landwirtschaft in der gesamten Region.
Dennoch wiesen Ökonom*innen auch auf wirtschaftliche Vorteile für einige Länder des südlichen Afrikas hin – insbesondere für solche, die Öl produzieren. Yvonne Mhango, Analystin bei Bloomberg Economics, merkte an, dass Angola eine Verbesserung seiner Leistungsbilanz verzeichnen werde. Ölproduzierende Länder wie Angola profitierten demnach nicht nur vom Anstieg der Rohölpreise, sondern auch von ihren Kraftstoffexporten.
Zwar trifft es zu, dass der Konflikt zwischen Israel, den USA und dem Iran für Südafrika einen wirtschaftlichen und handelspolitischen Schock darstellt – da er die Kraftstoffpreise und die Inflation in die Höhe treibt –, doch bietet er zugleich begrenzte, nischenspezifische Vorteile. Hierzu zählen ein erhöhtes Schiffsaufkommen in den lokalen Häfen sowie ein potenzieller Anstieg der Tourismuseinnahmen, da Reisende die Region des Nahen Ostens meiden. Dies stärkt naturgemäß Südafrikas Position als bedeutendes Logistik- und Schifffahrtsdrehkreuz.
Auch das panafrikanische Magazin African Business bestätigte, dass die Häfen von Durban (Südafrika), Walvis Bay (Namibia) und Mauritius derzeit eine erhöhte Aktivität verzeichnen: Da Schiffsrouten nun um das Kap der Guten Hoffnung herumgeführt werden, erhalten sowohl die Hafendienstleistungen als auch die Schiffsbetankungsdienste in diesen Regionen spürbaren Auftrieb.
Europa und Asien halten derzeit Ausschau nach alternativen Gaslieferanten, da die Versorgung aus der Golfregion als instabil gilt. Reuters merkte hierzu an, dass die afrikanischen Gasproduzenten diese Versorgungslücke bislang nicht vollumfänglich nutzen – eine verpasste Gelegenheit, wie allgemein befunden wird.
Auswirkungen auf den afrikanischen Multilateralismus
Der Konflikt hat dazu geführt, dass viele afrikanische Länder sich schwer damit tun, ihre ideologische Solidarität aufrechtzuerhalten. Viele Regierungen vermieden es, Partei zu ergreifen, um ihre eigenen wirtschaftlichen Interessen zu schützen.
Einige Akteure der Zivilgesellschaft hatten den Mut, ihren Kopf hinzuhalten, um die Notwendigkeit der Stärkung des Multilateralismus zu verteidigen und öffentlich einzufordern.
Die Auswirkungen des Konflikts am Persischen Golf auf den Multilateralismus der SADC machten sich durch wirtschaftliche Destabilisierung, eine Verschiebung maritimer Prioritäten sowie die auf die Probe gestellte regionale diplomatische Geschlossenheit bemerkbar.
Unter Verweis auf diese Diskrepanz kritisierten angolanische Bischöfe Anfang März, dass die Schwächung multilateraler Organisationen all jene Kriege befeuert, die derzeit weltweit – einschließlich im Nahen Osten – stattfinden. „Wir befinden uns in einer globalen Realität, in der multilaterale Organisationen heute recht schwach erscheinen", merkte Belmiro Chissengueti, der Sprecher der Bischofskonferenz von Angola und São Tomé (CEAST), an. „Vor Jahren, wenn wir von den Vereinten Nationen sprachen, fand man Gehör; heute jedoch spüren wir praktisch die Auswirkungen des Endes des Multilateralismus."
Der anhaltende Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran hat für die SADC eine komplexe Gemengelage von Belastungen geschaffen.
Der Multilateralismus hat sich in einigen afrikanischen Ländern hin zu einem interessengeleiteten, pragmatischen Engagement gewandelt.
Innerhalb der afrikanischen Staaten – insbesondere im südlichen Afrika – zeichnet sich allmählich eine Entwicklung hin zu einer pragmatischen Autonomie ab: Der staatliche Multilateralismus löst sich von der Abhängigkeit von externer Hilfe und Diplomatie und entwickelt sich zu einem widerstandsfähigeren, eigenständigeren System – wenngleich dies kurzfristig erhebliche Gefahren für Wirtschaft und Sicherheit birgt.
Diese autonome Haltung bringt den Geist der Afrikanischen Kontinentalen Freihandelszone (AfCFTA) in eine gefährliche Lage. Jegliche Entwicklungen, die die AfCFTA weiter ins Stocken bringen könnten, könnten möglicherweise auch den Binnenhandel der SADC beeinträchtigen – einen Handel, dessen Anteil zuletzt auf 23 Prozent gestiegen ist (nach 19 Prozent im Jahr 2021).
Die kriegsbedingte Störung der globalen Lieferketten der Region hat die Diskussionen darüber, die AfCFTA zur Vertiefung des regionalen Binnenhandels zu nutzen und die Abhängigkeit von Energie- und Düngemittelimporten aus dem Nahen Osten zu verringern, teilweise beschleunigt.
Wie sollte Afrika reagieren?
Anfang April kündigte Südafrika eine vorübergehende Senkung der allgemeinen Kraftstoffsteuer um 3 Rand pro Liter an, um die Verbraucher*innen vor den rekordverdächtigen Kraftstoffpreisanstiegen zu schützen, die durch den eskalierenden Konflikt im Nahen Osten und die stark steigenden weltweiten Ölpreise ausgelöst wurden.
Daniel Bradlow von der Universität Pretoria schrieb in einem Beitrag für The Conversation, dass afrikanische Länder nicht vermeiden könnten, durch den aktuellen Konflikt am Golf Schaden zu nehmen. Dennoch erklärte er auf der Grundlage seiner Arbeit im Bereich des internationalen Wirtschaftsrechts und der globalen Wirtschaftsordnung, es gebe zwei Lehren, die – sofern sie beherzigt würden – dem Kontinent helfen könnten, gestärkt aus der Krise hervorzugehen:
„Erstens müssen Regierungen und Gesellschaften pragmatisch sein. Ihre oberste Priorität muss darin bestehen, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um die Auswirkungen des Krieges abzumildern – insbesondere für ihre am stärksten gefährdeten Bürger*innen. Dies wird den Regierungen abverlangen, schwierige Entscheidungen abzuwägen.
Sie werden Haushaltsmittel umschichten müssen, um zumindest das Importniveau aufrechtzuerhalten, das zur Deckung der Grundbedürfnisse der Gesellschaft erforderlich ist. Sie werden ihre Gläubiger davon überzeugen müssen, bei der Finanzierung dieser notwendigen Importe zu helfen. Zudem werden sie diese dazu bewegen müssen, ausreichend Flexibilität zu zeigen, um den Regierungen zumindest einen gewissen politischen Gestaltungsspielraum zu belassen."
Er merkte an, dass die afrikanischen Staaten – einschließlich der SADC-Mitglieder – innerhalb der Krise Chancen für Maßnahmen identifizieren müssten, die ihnen mittelfristig dabei helfen können, ihre finanziellen, wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Herausforderungen zu bewältigen. „Dies erfordert eine Zusammenarbeit zwischen dem Staat und seinen nichtstaatlichen Akteuren. Wirtschaft, Arbeitnehmerschaft, religiöse Gruppen, zivilgesellschaftliche Organisationen und internationale Institutionen – sie alle können einen Beitrag leisten."
Religion, Glaube und Solidarität
Während Papst Leo auf seiner Afrikareise in Angola weilte, erhielt er überwältigende Unterstützung von den katholischen Bischöfen des südlichen Afrikas in seiner Auseinandersetzung mit US-Präsident Donald Trump bezüglich des Konflikts am Persischen Golf.
Die Bischöfe bezeichneten Trump als arrogant und riefen die gesamte Welt – insbesondere die Kriegstreiber – dazu auf, auf die Schreie der Kinder zu hören und das Leid derer zu beachten, die unter Gewalt zu leiden haben.
„Wir rufen zur Umkehr von der Arroganz sowie vom Vertrauen auf Macht und Herrschaft auf und beten darum, dass steinerne Herzen durch Herzen aus Fleisch ersetzt werden (vgl. Ezechiel 36,26)", erklärte Kardinal Brislin-Kalemba.
„Die Bischöfe des südlichen Afrikas möchten ihre Verbundenheit mit Papst Leo bekräftigen – ebenso wie seine Sorge um die Rechte und das Wohlergehen von Migrant*innen und Kriegsopfern sowie seine Haltung gegen die Unmoral, sich vor den falschen Göttern der Macht und des Geldes zu verneigen."
Tatsächlich wurde der Krieg im gesamten südlichen Afrika – jenseits der wirtschaftlichen Aspekte – von verschiedenen religiösen Akteuren betrachtet. Auch wenn der Konflikt keine direkte Konfrontation zwischen Christentum und Islam darstellt, wird er doch häufig durch diese Sichtweisen interpretiert.
Ein feierliches, zutiefst menschliches Bild wurde vom „Jewish Report South Africa" eingefangen.
Am 16. April versammelten sich über 600 Menschen – darunter Iraner*innen, Christ*innen, Jüd*innen, Muslim*innen sowie Menschen weiterer Herkünfte und Glaubensrichtungen – vor dem US-Konsulat in Johannesburg, um ihre Solidarität mit der Bevölkerung des Iran zu bekunden.
„Es war zutiefst bewegend zu sehen, wie südafrikanische Jüdinnen und Juden Schulter an Schulter mit iranischen Exilant*innen standen. Pastoren der „South African Friends of Israel" standen Seite an Seite mit muslimischen Stimmen. Die jüdische Gemeinschaft Südafrikas erschien voller Überzeugung und Mitgefühl – wie so oft –, und auch die „South African Zionist Federation" war unterstützend anwesend. In einer Welt, die zunehmend zerrissen wirkt, fühlte sich diese Zusammenkunft an wie ein flüchtiger Blick darauf, wie Solidarität aussehen kann, wenn sie in der Wahrheit verwurzelt ist und nicht in der Politik", kommentierte die unabhängige Wochenzeitung.
Phathizwe Zulu ist freiberuflicher Journalist aus Swasiland.
Übersetzt aus dem Englischen.

