Heft 2/2026, Namibia

Namibias Uran – Rohstoff, Risiko und geopolitisches Instrument

Von Günter Wippel

Trotz seiner globalen Bedeutung wird Uranabbau in Afrika nur selten thematisiert – und noch seltener kritisch hinterfragt. Dabei hat der Uranbergbau auf dem Kontinent eine lange und problematische Geschichte. Bemerkenswert ist, dass ausgerechnet die namibische Rössing-Mine im südlichen Afrika vergleichsweise bekannt ist.

Bereits das Bergwerk Shinkolobwe in der Region Haut-Katanga der heutigen DR Kongo spielte eine historische Schlüsselrolle. Nach der Entdeckung der Kernspaltung 1938 wurde dort Uran gefördert, das später für jene US-Atombomben verwendet wurde, die 1945 über Hiroshima abgeworfen wurden.

1956 entdeckte die französische Behörde für geologische und bergbauliche Forschung (BRGM) Uranvorkommen in Niger. Ab 1976 begann die französisch-staatliche Cogema dort mit dem Uranabbau; erst nach dem Militärputsch 2023 kam dieser weitgehend zum Erliegen. Auch in Gabun förderte Cogema Uran und hinterließ in beiden Ländern Millionen Tonnen radioaktiven und toxischen Abraums („Tailings"). Gesundheitsschäden bei Bergarbeitern und Anwohner*innen wurden trotz jahrzehntelanger Bemühungen kaum entschädigt. Die Sanierung blieb unzureichend; in Niger wurde sie nach dem Militärputsch 2023 eingestellt.

Auch Namibia schaut auf eine lange Uran-Historie zurück. Während der südafrikanischen Besatzungszeit wurden dort bereits 1928 Uranvorkommen entdeckt. Der Abbau begann jedoch erst 1976 durch das britische Unternehmen Rio Tinto Zinc (heute Rio Tinto) mit dem Rössing-Uranbergwerk nahe Swakopmund. Die Ausbeutung namibischer Rohstoffe verstieß gegen das UN Decree No. 1 des United Nations Council for Namibia, das den Rohstoffabbau im damals besetzten Gebiet ausdrücklich untersagte.

Das Uran aus Rössing wurde unter anderem nach Großbritannien exportiert und dort teilweise auch militärisch genutzt. Gewerkschaften protestierten massiv gegen den Abbau und die Transporte. Die namibische Unabhängigkeitsbewegung Swapo sprach sich in den 1980er Jahren ebenfalls gegen den Uranbergbau aus – allerdings ohne Erfolg. Nach der Unabhängigkeit Namibias 1990 wurde der Abbau wegen seiner wirtschaftlichen Bedeutung und der Arbeitsplätze fortgeführt.

Mit sinkendem Urangehalt geriet das Rössing-Bergwerk zunehmend unter wirtschaftlichen Druck. Rio Tinto erwog ab 2017 die Schließung der Mine, verkaufte sie schließlich jedoch 2018/19 an das chinesische Staatsunternehmen CNNC. Auch das benachbarte Husab-Uranbergwerk, vormals „Rössing South", befindet sich inzwischen in chinesischer Hand. Damit kontrollieren chinesische Staatsunternehmen heute den größten Teil der namibischen Uranproduktion.

Ein weiteres Uranbergwerk, Langer Heinrich, geriet mehrfach in wirtschaftliche Schwierigkeiten, nachdem die Muttergesellschaft Paladin ihr Bergwerk Kayelekera in Malawi schließen und verkaufen musste. Die starke Abhängigkeit vieler Uranprojekte vom Weltmarktpreis macht deutlich, wie instabil und spekulativ dieser Wirtschaftszweig ist.

Weltmarkt und Atomkraft-Renaissance

Der Uranmarkt gilt als hoch volatil und wird von wenigen Unternehmen dominiert. In Kasachstan, China, Russland, Frankreich und Usbekistan handelt es sich um Staatsunternehmen; während einzig die kanadische Cameco ein börsennotierter Wettbewerber ist. Gemeinsam kontrollierten diese Unternehmen 2024 84,9 Prozent des Weltmarktes – mit steigender Tendenz.

Der aktuell hohe Uranpreis motiviert Unternehmen weltweit, neue Lagerstätten zu erschließen oder stillgelegte Minen wieder zu aktivieren. Gleichzeitig wird seit Jahren versucht, eine „Renaissance" der Atomenergie herbeizureden. Tatsächlich fällt die Bilanz deutlich nüchterner aus: Zwischen 2000 und 2026 gingen weltweit 132 neue AKWs ans Netz, während nahezu ebenso viele stillgelegt wurden.

Rosatom und die neue Uranpolitik in Afrika

Russland verfolgt mit dem Staatskonzern Rosatom nicht nur wirtschaftliche, sondern auch geopolitische Interessen. Bereits in den 2010er Jahren versuchte Rosatom, Südafrika neue Atomkraftwerke zu verkaufen, um die alternden Reaktoren in Koeberg zu ersetzen. Der damalige Präsident Jacob Zuma hatte die Entscheidung über den Kauf von Atomkraftwerken vom russischen Unternehmen Rosatom an sich gezogen, das Parlament, dem die Entscheidung zusteht, übergangen und keine vorgeschriebene Kostenanalyse durch das Schatzamt durchführen lassen. Der Kauf der AKWs wurde schließlich von zwei Frauen – Makoma Lekalakala (von EARTHLIFE Südafrika) und von Liz McDaid (vom Southern African Faith Communities' Environment Institute, SAFCEI) zum Platzen gebracht.

Parallel versuchte Rosatom über die Firma Peninsula Uranabbau in der südafrikanischen Karoo-Region durchzusetzen – ebenfalls erfolglos.

Inzwischen konzentriert sich Rosatom verstärkt auf Namibia. Über die Firma Headspring Investment beantragte das Unternehmen in der Omaheke-Region eine Genehmigung für Uranabbau mittels „in-situ Leaching" (ISL). Dieses Verfahren macht heute bereits mehr als die Hälfte des weltweiten Uranabbaus aus.

Beim ISL-Verfahren bleibt das Uranerz im Untergrund. Über Bohrlöcher werden chemische Lösungen in die Lagerstätte gepumpt, die das Uran aus dem Gestein lösen. Anschließend wird die uranhaltige Flüssigkeit wieder an die Oberfläche gefördert und das Uran herausgefiltert. Zurück bleiben kontaminierte Lösungen in Absetzbecken und ein erhebliches Risiko für Boden und Grundwasser.

Befürworter*innen bezeichnen ISL häufig als „umweltfreundlicher" als klassischen Tage- oder Untertagebau, weil keine riesigen Abraumhalden entstehen. Tatsächlich verbleiben die Risiken jedoch im Untergrund. Internationale Aufsichtsbehörden dokumentieren immer wieder Unfälle: undichte Leitungen, austretende Säurelösungen oder Kontaminationen des Grundwassers.

Besonders problematisch ist dies in der semi-ariden Omaheke-Region. Bevölkerung und Landwirtschaft hängen dort vom Stampriet Transboundary Aquifer System (STAS) ab – einem grenzüberschreitenden Grundwassersystem, das sich bis nach Botswana und Südafrika erstreckt.

Uran zerfällt kontinuierlich in weitere radioaktive und toxische Stoffe. Diese Zerfallsprodukte sowie Schwermetalle können durch das ISL-Verfahren mobilisiert werden und ins Grundwasser gelangen. Laut Umweltgutachten stehen die verschiedenen Wasserschichten des STAS teilweise miteinander in Verbindung. Dadurch besteht die Gefahr, dass sich radioaktive oder chemische Verunreinigungen großräumig ausbreiten.

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) definiert ISL eigentlich als Verfahren, bei dem eine vom übrigen Grundwasser isolierte Lagerstätte ausgebeutet wird. Genau diese Voraussetzung scheint in der Omaheke-Region jedoch nicht gegeben zu sein. Kritiker*innen warnen deshalb vor irreversiblen Schäden an lebenswichtigen Wasservorkommen.

Eine Studie des US Geological Survey ergab zudem, dass die ursprüngliche Wasserqualität nach ISL-Abbau oft selbst nach jahrelangen Reinigungsmaßnahmen nicht wiederhergestellt werden konnte. In einer trockenen Region wie Omaheke hätte dies potenziell katastrophale Folgen.

Widerstand gegen den geplanten Uranbergbau in Namibia

In Namibia gibt es seit Jahren Kritik am Uranbergbau. Organisationen wie Earthlife Namibia und deren langjährige Aktivistin Bertchen Kohrs, das Labour Resource and Research Institute (LARRI) sowie ehemalige Beschäftigte des Rössing-Bergwerks machten wiederholt auf Gesundheitsrisiken und radioaktive Belastungen aufmerksam.

Auch die Namibia Agricultural Union warnte früh vor den Risiken für das STAS. Der frühere Direktor des namibischen Geologischen Dienstes, Roy Miller, erklärte, eine Verschmutzung des Aquifers sei praktisch unvermeidlich und bedrohe Menschen, Tiere und Landwirtschaft in der gesamten Region sowie in den Nachbarstaaten Botswana und Südafrika.

2021 entzog das namibische Ministerium für Landwirtschaft, Wasser und Landreformen Headspring die Genehmigung für Probebohrungen, weil Auflagen nicht eingehalten worden waren. Auch politische Parteien wie das Landless Peoples Movement und die National Unity Democratic Organisation äußerten sich kritisch gegenüber dem Projekt.

2022 zog sich das damalige Umweltberatungsunternehmen von Headspring wegen „unüberbrückbarer Differenzen" aus dem Projekt zurück. Im Dezember 2025 verweigerte schließlich der damalige Minister Calle Schlettwein die Genehmigung für das geplante Pilotprojekt.

Rosatom gibt jedoch nicht auf. Das Unternehmen strebt weiterhin einen Produktionsbeginn bis 2029 an. Gegner*innen des Projekts haben sich inzwischen in der Stampriet Aquifer Uranium Mining Association (SAUMA) zusammengeschlossen. Ihr Motto lautet: „Water is Life".

Rosatom wirbt zugleich offensiv um Unterstützung – mit Versprechen wirtschaftlicher Entwicklung, Ausbildungsplätzen und Stipendien. In namibischen Medien erscheinen regelmäßig Artikel, die den Uranabbau als Fortschrittsmodell darstellen, während ökologische Risiken oft nur am Rande erwähnt werden.

Zusätzlich bringt Rosatom den Bau eines Atomkraftwerks in Namibia ins Gespräch. Angeboten wird dabei ein „Build-Own-Operate"-Modell: Rosatom finanziert, baut und betreibt das Kraftwerk selbst; Namibia würde die Kosten langfristig über Strompreise begleichen.

Kritiker*innen warnen dagegen vor einer dauerhaften wirtschaftlichen und politischen Abhängigkeit. Zwischen Uranabbau und der Nutzung in Atomkraftwerken liegen weitere Verarbeitungsschritte wie Konversion, Anreicherung und Brennelementeproduktion – Technologien, über die weder Namibia noch andere afrikanische Länder verfügen. Russland besitzt weltweit die größten Kapazitäten zur Urananreicherung und könnte damit seinen Einfluss weiter ausbauen.

Dass Rosatom mit solchen Projekten auch geopolitische Interessen verfolgt, zeigt sich nicht nur in Namibia. Ähnliche Aktivitäten gibt es unter anderem in Tansania mit dem Mkuju River Project. Uranabbau und Atomenergie werden damit Teil außenpolitischer Strategien.

Die Erfahrungen aus Niger, Gabun, den USA, Kanada oder Australien zeigen zudem, dass Uranbergbau häufig massive Umwelt- und Gesundheitsschäden hinterlässt, während die versprochenen wirtschaftlichen Vorteile oft ausbleiben. Niger gehörte bereits vor Beginn des Uranabbaus zu den ärmsten Ländern der Welt – und zählt trotz jahrzehntelanger Förderung bis heute zu den Schlusslichtern des Human Development Index der Vereinten Nationen.

Gerade in der Omaheke-Region wäre eine Kontamination des Stampriet Transboundary Aquifer nicht reversibel. Oder wie Gegner*innen des Projekts formulieren: „Wir können ohne Uran leben – aber nicht ohne sauberes Wasser."

Ein weiterer Aspekt, der in Debatten über Uranabbau häufig ausgeblendet wird, betrifft die langfristigen Folgekosten. Selbst Jahrzehnte nach der Schließung von Uranminen müssen kontaminierte Standorte überwacht, gesichert und teilweise aufwendig saniert werden. In vielen Ländern tragen letztlich Staaten – und damit die Allgemeinheit – einen erheblichen Teil dieser Kosten, während die Gewinne zuvor privatisiert wurden. Gerade Länder des Globalen Südens verfügen jedoch oft weder über ausreichende finanzielle Mittel noch über die technischen Kapazitäten, um radioaktiv belastete Standorte über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte zu kontrollieren.

Hinzu kommt, dass Uranabbau häufig in Regionen stattfindet, die von kleinbäuerlicher Landwirtschaft oder von indigenen Gemeinschaften geprägt sind. Konflikte um Wasser, Landrechte und Umweltzerstörung treten deshalb immer wieder auf. Die Auseinandersetzungen in Namibia stehen damit exemplarisch für eine größere globale Debatte: Wer trägt die Risiken der Rohstoffförderung – und wer profitiert davon?

Befürworter*innen des Uranabbaus verweisen häufig auf Arbeitsplätze, Infrastruktur und Exporterlöse. Kritiker*innen halten dagegen, dass viele dieser Versprechen nur kurzfristig wirken, während ökologische Schäden und gesundheitliche Belastungen langfristig bestehen bleiben. Gerade in trockenen Regionen wie Omaheke hat Wasser einen wesentlich höheren strategischen Wert als ein begrenzter Rohstoffboom.

Auch international wächst die Kritik an sogenannten „Opferzonen" des Rohstoffabbaus. Während AKW-Betreiber Atomenergie als klimafreundliche Technologie darstellen, werden die ökologischen und sozialen Folgen des Uranabbaus oft in andere Weltregionen ausgelagert. Afrika liefert dabei nicht nur Rohstoffe, sondern trägt häufig auch die Risiken.

Günter Wippel befasst sich seit den 1980er Jahren mit Uranbergbau und dessen Folgen auf internationaler Ebene; er hat uranium-network.org mitbegründet und klärt zusammen mit weiteren Aktiven vor Ort Menschen über die Folgen von Uranbergbau auf.