Heft 3/2022, afrika süd-dossier: Sprachen- und Bildungspolitik

BBCDC – eine andere Art der Ausbildung

DAS BETHEL BUSINESS AND DEVELOPMENT CENTRE IN LESOTHO

Von Brigitte Reinhardt

Im Juli 1987 kam Ivan Yaholnitsky als Entwicklungshefer des World University Service of Canada an die Bethel Highschool nach Lesotho. Fünf Jahre lang unterrichtete er verschiedene Fächer – konventionell, wie im Lehrplan vorgesehen. Während dieser Zeit bemerkte er, dass die meisten seiner Schülerinnen und Schüler nur widerwillig dem Unterricht folgten und dementsprechend mäßige Leistungen ablieferten. Ganz anders, wenn er mit ihnen praktisch arbeitete, z. B. in der Werkstatt mit Werkzeugen und verschiedenen Materialien. Der Enthusiasmus war grenzenlos und ging weit über die Unterrichtszeit hinaus.

So entstand die Idee eines Unterrichtsmodells mit praktischer Orientierung. Vermittelt werden sollten Fähigkeiten, die sowohl im ländlichen als auch im städtischen Raum nützlich sein würden. Die katholische Kirche stellte ungenutztes Gelände für den Bau des ersten Gebäudes zur Verfügung und mit der Unterstützung von Uniceff startete das Bethel Business and Development Centre (BBCDC) 1993 mit 10 Schüler:innen und vier festangestellten Mitarbeiter:innen. Inzwischen werden die Kurse von über 250 jungen Männern und Frauen besucht. Die meisten haben zuvor die Schule abgebrochen oder verschiedene Bildungseinrichtungen mit schlechten Ergebnissen verlassen. Das Durchschnittsalter beträgt 21 Jahre. Die Zahl der Mitarbeiter:innen hat sich auf 18 erhöht.

Das Programm ist auf zwei Jahre angelegt und schließt mit einem Certificate of Applied Science and Technology ab. Angeboten werden die Fächer Solartechnologie, Bauhandwerk, Metall- und Holzarbeit, Umweltwissenschaften, Betriebswirtschaft, Tourismus, Ernährungswissenschaft und Kochen. Die Schüler:innen können sich ihr Lernprogramm individuell zusammenstellen und bis zu vier Kurse auswählen. Prinzipien der Ausbildung sind experimentelles, ergebnisorientiertes Lernen. Eigeninitiative, Geschäftssinn und Selbständigkeit werden gefördert.

Praxisorientiertes Lernen

Grundlage des Ausbildungskonzepts sind die Sustainable Development Goals (SDG) der Vereinten Nationen mit dem Ziel einer nachhaltigen Entwicklung – basiered auf der Erkenntnis, dass alle Probleme miteinander zusammenhängen und ein Umdenken nötig ist. Von daher stehen Umweltwissenschaften im Mittelpunkt des Programms. Durch die rasche Entwicklung der Solartechnologie, zum Beispiel, und ihre sinkenden Anschaffungskosten, ist es heutzutage auch in Lesotho möglich, ein durchschnittliches Wohnhaus mit Solarpanelen und Sonnenkollektoren auszustatten und damit für Strom zu sorgen. Regenwasser kann für den Bedarf im Haushalt gesammelt werden, und eigener Gartenbau kann einen Beitrag zur Ernährungssicherung leisten.

Ein Beispiel dafür, wie mit Projekten Erfahrungslernen ermöglicht wird, ist derzeit im Gang: Eine 200 m² große Halle wird für die Schule gebaut – ein Vorhaben, in das die Schüler:innen von der Planung bis zur Fertigstellung einbezogen sind. Der Bau ist in vieler Hinsicht innovativ. Zum Beispiel bestehen zwei 60 m² große Wände aus alten Autoreifen, die mit Erde gefüllt werden Dies trägt dazu bei, das Gebäude im Sommer kühl und im Winter warm zu halten. Auf ein Fundament wird verzichtet. Drainage und Wahl der Fenster werden ebenfalls sorgfältig geplant. Das ganze Vorhaben soll als Beweis dafür gesehen werden, dass mit kostengünstigen Materialien ein hocheffizientes Gebäude errichtet werden kann.

Durch dieses praxisorientierte Lernen erwirtschaftet die Schule einen Teil ihrer Einnahmen. Darüber hinaus werden auf dem Campus eine Lodge und ein Restaurant betrieben. Landesweit werden von den Schüler:innen Bauaufträge durchgeführt und Solaranlagen installiert. Auch ein großer Teil der benötigten Lebensmittel wird auf dem Campus produziert – in Gärten, Feldern und Obstplantagen. Konzepte zur Wiedernutzbarmachung von Brachland werden vermittelt und umgesetzt. Die Bedeutung von Permakultur für die Umwelt, aber auch für die finanzielle Entlastung der Haushalte durch Eigenkonsum bzw. Verkauf von Produkten, wird deutlich.

Nachverfolgungsstudien haben gezeigt, dass das Ausbildungskonzept von BBCDC erfolgreich ist. Absolvent:innen haben gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Manche machen sich selbstständig und gründen kleine Unternehmen.

 


Warum BBCDC?

Was bringt junge Menschen dazu, zwei Jahre in diese abgelegene Gegend zu ziehen? Hier die Antwort von vier Teilnehmerinnen aus dem zweiten Ausbildungsjahr.

Majimi Mokabo

Bei BBCDC ist die Sonne unsere Freundin. Hier werde ich ermutigt, nachhaltig mit Ressourcen umzugehen. Ich bin zu dieser Schule gekommen, weil hier Unabhängigkeit und Eigenständigkeit gefördert werden. Ich kann mir vorstellen, im Bereich Solarenergie zu arbeiten und mitzuhelfen, ländliche Gebiete zu entwickeln.

Reitumetse Mohai

BBCDC bietet interessante Fächer. Der Lehrgang dauert nur zwei Jahre und die Gebühren sind erschwinglich. Solartechnologie, Ernährungswissenschaft und Kochen sind meine Lieblingskurse. Der Markt für Solarenergie wächst. Ich glaube, dass es auch im Bereich Ernährung viele Möglichkeiten gibt, entweder als Angestellte oder selbständig.

Kharebe Tsoelipe

Mich beeindruckt, wie viel Wert hier auf betriebswirtschaftliche Kenntnisse gelegt wird. Dies gibt mir die Zuversicht, dass ich mein eigenes Unternehmen führen und damit mehr für meine Gemeinschaft tun kann. Wenn ich mir hier die ganzen Projekte ansehe, dann wird mir klar, dass mir als Frau keine Grenzen gesetzt sind. Meine Fähigkeiten geben mir Selbstbewusstsein.

Ithabeleng Skhulumi

Ich bin zu BBCDC gekommen, weil ich Absolventinnen der Schule getroffen habe, die gute Erfahrungen gemacht hatten und erfolgreich wurden. Mich beeindruckte ihre Arbeitsmoral und die Vielfalt ihrer Fähigkeiten. Ich könnte mir vorstellen, in Zukunft Geschäftsfrau zu werden. Mit Kopf und Hand im Einklang werde ich die Zukunft bekommen, die ich möchte.