Heft 3/2022, afrika süd-dossier: Sprachen- und Bildungspolitik

Bilinguale Bildung braucht Förderung

ANMERKUNGEN ZUR SPRACHBILDUNGSPOLITIK MOSAMBIKS. Lange galt die Verwendung afrikanischer Sprachen als rückständig. Doch anhaltender Widerstand hat dazu geführt, das seit 2017 neben dem Unterricht in der Amtssprache Portugiesisch auch zweisprachiger Unterricht angeboten wird. Die mosambikanische Öffentlichkeit braucht für bilinguale Bildung allerdings noch viel Sensibilisierung.

Von Eliseu Mabasso

Mosambik ist ein lusophones Land im südlichen Afrika, das am 25. Juni 1975 seine Unabhängigkeit von Portugal erlangte. Bei einer Bevölkerung von aktuell geschätzten 31,7 Millionen Einwohner:innen werden rund 43 Sprachen gesprochen, von denen Emakhwa im Norden und Shangaan im Süden die am häufigsten gesprochenen afrikanischen Sprachen sind, die vor Ort als Bantusprachen bekannt sind. Trotz dieser Vielfalt an Sprachen, die im ganzen Land gesprochen werden, ist Portugiesisch nach wie vor die einzige Amtssprache und damit auch die Sprache des Bildungswesens.

Zur Sprachenpolitik in Mosambik

Weder die bei der Unabhängigkeit 1975 verabschiedete mosambikanische Verfassung noch ihre überarbeitete Fassung von 1978 machen eine klare Aussage über die Sprachenpolitik des Landes. Auch in der Verfassung von 1990 und in den aktualisierten Fassungen von 2004 und 2018 ist kein einziger Artikel über eine integrative Sprachenpolitik zu finden. Die Sprachenfrage ist in der Verfassung der Republik in Artikel 9 wie folgt verankert: „Der Staat schätzt die Nationalsprachen als Kultur- und Bildungsgut und fördert ihre Entwicklung und ihren zunehmenden Gebrauch als Verkehrssprachen unserer Identität." (Constituição da República de Moçambique, 2004:7)

Schaut man sich die Verfassung an, so kann man schließlich keinen klaren Hinweis auf die Rolle der Bantusprachen finden. Vielmehr könnten die Lesenden zu einer eher vagen Interpretation verleiten, wonach die Verwendung der Bantusprachen in allen nicht-offiziellen Bereichen toleriert würde.

Demnach gibt es in Mosambik also kein klares Bekenntnis zu einer inklusiven Sprachpolitik. Vielmehr ist die Verwendung von Bantusprachen, die für mehr als 90 Prozent der Bevölkerung Muttersprachen sind, in offiziellen Bereichen implizit verboten.

Das Recht der Mehrheit, deren Erstsprache afrikanische Sprachen in Mosambik sind, die sogenannten Bantusprachen in allen offiziellen Bereichen zu verwenden, ist in der Tat von entscheidender Bedeutung. Denn einerseits ist dieses Recht in der Allgemeinen Erklärung sprachlicher Rechte der Unesco verankert. Andererseits würde dieses sprachliche Recht, wenn es denn klar deklariert würde, zudem allen Mosambikaner:innen ermöglichen, in der Sprache unterrichtet zu werden, die sie am besten beherrschen, und so eine ausgewogene und nachhaltige Zweisprachigkeit im gesamten Bildungssystem schaffen.

Bildungssprachpolitik damals und heute

In den Jahren nach der Unabhängigkeit Mosambiks und als Folge der von der ehemaligen Kolonialmacht übernommenen Bildungssprache Portugiesisch waren die Bildungsbehörden des Landes bestrebt, den Status quo in Bezug auf die Vorherrschaft der Amtssprache zu erhalten.

Mit anderen Worten, keine andere Sprache als Portugiesisch wurde in der formellen Schulbildung erlaubt. Denn selbst zu Zeiten des Befreiungskampfes wurde der Gebrauch indigener Sprachen unter Mosambikaner:innen meist als Grundlage für Spaltung und Tribalismus angesehen, die eine potenzielle Bedrohung für die Homogenität unter den Freiheitskämpfern darstellten. Dieser Glaube hielt sich auch nach der Unabhängigkeit von 1975, sodass der Gebrauch von Bantusprachen in öffentlichen Bereichen als Bedrohung für die nationale Einheit angesehen wurde.

Nach jahrzehntelangem Widerstand der Regierungsbehörden gegen eine Änderung laufen jedoch seit 2003 zwei Bildungsprogramme in den Grundschulen Mosambiks parallel zueinander: ein einsprachiges Programm mit portugiesischer Unterrichtssprache, wie es bereits vor und nach der Unabhängigkeit bestand, sowie des Weiteren ein bilinguales Programm, in dem seit 2017 16 indigene Sprachen im Unterricht verwendet werden. Diese Sprachen wurden auf der Grundlage des prozentualen Anteils ihrer Sprecher:innen im Land ausgewählt.

Zweisprachiges Übergangsmodell

Mosambik hat sich für ein Übergangsmodell entschieden, das eine Grundalphabetisierung in einer der 16 indigenen Sprachen im Wechsel mit Portugiesisch vorsieht. In den ersten drei Grundschuljahren wird eine indigene Sprache gesprochen, während in der vierten Klasse hauptsächlich Portugiesisch übernommen wird. Während der ersten Lernphase, in der die Grundkenntnisse des Zahlenlesens vermittelt werden, wird die indigene Sprache nicht nur als Unterrichtsmedium, sondern auch als Fach unterrichtet. In ähnlicher Weise wird Portugiesisch drei Jahre lang als Fach unterrichtet, bevor es die Rolle der Unterrichtssprache übernimmt.

Das Übergangsmodell legt im engeren Sinne Wert auf die einheimischen Sprachen, die für die überwiegende Mehrheit die Muttersprache darstellen, indem es den Schüler:innen erlaubt, in ihrer Erstsprache unterrichtet zu werden. Dies dürfte zu guten Ergebnissen bei Kindern in der Einschulungsphase führen. Eine Studie des Nationalen Instituts für Bildungsentwicklung in Mosambik (INDE) aus dem Jahr 2006 hat gezeigt, dass bei einem Portugiesisch-Test, der mit mono- und bilingualen Schüler:innen durchgeführt wurde, letztere in folgenden Bereichen besser abschnitten: Lesen, Vokallesen, Silbenlesen, Wortlesen, Satzlesen, Sprechen und Bildzuordnung auf Portugiesisch.

Einige Wissenschaftler:innen argumentieren jedoch auf der Grundlage von innerhalb und außerhalb Afrikas durchgeführten Untersuchungen, dass der Übergang von einer L1 zu einer L2 oder einer Fremdsprache, bevor die Schüler:innen die letztere ausreichend beherrschen, für die sprachliche Entwicklung und das Lernen des Kindes nachteilig sein kann. Ein Kind benötige mindestens sieben oder acht Jahre Lehre in L1, bevor es zu einer L2 wechseln sollte.

Ist „Zweisprachigkeit von Beginn an" sinnvoll?

Beim Modell der Zweisprachigkeit von Beginn an wird erwartet, dass die Schüler:innen in denselben Fächern sowohl in der gewählten Landessprache als auch in Portugiesisch unterrichtet werden, was dem Kind – abgesehen von den Lehrplänen selbst – die Möglichkeit gibt, die Sprachkenntnisse in der L2 zu verbessern und die Beherrschung der L1 weiter auszubauen. Wenn der Wechsel zum portugiesischen Medium in der vierten Klasse erfolgt, ist es daher wahrscheinlicher, dass das Kind ausreichende Lese- und Schreibfähigkeiten in der L1 entwickelt hat, so dass es über die notwendigen Fähigkeiten verfügt, seine Studien in der offiziellen Sprache fortzusetzen. Denn im Gegensatz zum Modell der Übergangszweisprachigkeit erfordert dies eine angemessene Ausbildung von zwei- oder wahrscheinlich sogar mehrsprachigen Lehrer:innen, sodass der Unterrichtsstoff in beiden Sprachen wiedergegeben werden kann, insbesondere bei komplexen Themen, die Schüler:innen in allen Sprachen kompliziert erscheinen.

Man sollte sich daran erinnern, dass die Verwendung der Muttersprache für den Unterricht in der Grundschule immer noch neu ist und von den meisten Eltern, Erziehungsberechtigten und sogar Lehrer:innen, die selbst im einsprachigen portugiesischen System erzogen wurden, als „seltsame" Entscheidung angesehen wird. Um mit dem Mythos aufzuräumen, dass die Verwendung von Muttersprachen im Bildungssystem den kognitiven Fähigkeiten der Kinder schaden kann, muss daher im ganzen Land eine umfassende Aufklärungskampagne zu bilingualem Unterricht durchgeführt werden.

Notwendigkeit einer Aufklärungskampagne

Um die zweisprachige Erziehung zu einem erfolgreichen Programm zu machen, ist eine koordinierte und umfassende Sensibilisierungskampagne erforderlich, die das Bewusstsein der Menschen für die Verwendung afrikanischer Sprachen im Bildungssystem weckt. Angesichts der Tatsache, dass die zweisprachige Bildung bereits stattfindet, müssen die Bildungsbehörden sich an die Medien wenden und die Botschaft an die Allgemeinheit verbreiten. Dies könnte durch kurze Werbespots über bilinguale Bildung geschehen, die im privaten und öffentlichen Rundfunk ausgestrahlt werden, insbesondere in kurzen Pausen zwischen den Nachrichten. Die sogenannten Rádios Comunitárias (Lokalradios), die die Hauptinformationsquelle in den Gemeinden sind, in denen große Menschenmengen leben, spielen eine Schlüsselrolle bei der Verbreitung von Botschaften über die pädagogischen Vorteile der Einführung des muttersprachlichen Unterrichts.

Der Autor ist Assistenzprofessor an der Eduardo Mondlane Universität in Maputo. Er hat seinen Doktortitel in Angewandter Linguistik an der Universität von Sydney erworben. Sein Interesse gilt der sprachen- und kulturübergreifenden Kommunikation.
Übersetzt aus dem Englischen.