Heft 3/2022, afrika süd-dossier: Sprachen- und Bildungspolitik

Dominanz des Portugiesischen

SPRACHPLANUNG UND SPRACHLICHE BILDUNGSPOLITIK IN ANGOLA: Risiken und Perspektiven für afrikanische Sprachen.

Von Manuel Nkiawete

Die Sprachenpolitik in Angola hat ein koloniales Erbe (Manuel & Johnson, 2018, Manuel in Vorbereitung). Sprachplanung und Sprachbildungspolitik sind umstrittene Bereiche im angolanischen Bildungswesen. Seit der Unabhängigkeit im Jahr 1975 verfolgt Angola eine monolinguale Bildungspolitik mit Portugiesisch als Amts- und alleiniger Unterrichtssprache. Englisch und Französisch werden daneben als Fremdsprachen für die internationale Kommunikation anerkannt und unterrichtet. Diese beiden Sprachen werden auch im Hochschulunterricht verwendet, insbesondere an der geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Agostinho Neto.

Obwohl fünf wichtige afrikanische Sprachen 1987 von der Regierung in die Korpusplanung mitaufgenommen wurden, fehlt es dem Land immer noch an einer umfassenden Politik für die Verwendung afrikanischer Sprachen im Schulunterricht oder gar nur als Ergänzung in Schulen. Mit anderen Worten: Der hegemoniale Einfluss der vorherrschend portugiesischen Unterrichtssprachenpolitik schließt die Sprecher:innen afrikanischer Sprachen potenziell aus, diskriminiert sie und marginalisiert diejenigen, die sich der Einsprachigkeit widersetzen (Spolsky 2018).

Obwohl die angolanische Verfassung von 2010 die Förderung afrikanischer Sprachen anerkennt, bleibt ihr effektiver Unterricht in den Schulen eine Illusion. Die Ausbildung von Sprachlehrern folgt immer noch traditionellen Modellen von Lehrerkompetenzen und -bewusstsein, die sich hauptsächlich auf die Beherrschung der Zielsprache konzentrieren. Außerdem wurden Lehrer:innen und Sprachpädagog:innen als politische Akteure nicht in die laufende Bildungsreform einbezogen. Darüber hinaus ist das angolanische Bildungssystem prüfungsorientiert und fördert weitgehend das Auswendiglernen. Eine solche Ausrichtung fördert eine Schulkultur, die kritisches Denken und kritisches Sprachbewusstsein verhindert. In Angola ist das Bildungswesen ein soziokulturelles System, das in erster Linie top-down funktioniert und von Günstlingswirtschaft und der Einhaltung der vom Bildungsministerium aufgestellten Richtlinien und Regeln abhängig ist. Dieses System hat im Laufe der Jahre hegemoniale Praktiken der Alphabetisierung (re)produziert, die andere Positionen und Ansichten zum Sprachgebrauch unterdrücken und marginalisieren.

Was die Verwendungsbereiche betrifft, so ist Portugiesisch die einzige Sprache, die in offiziellen Kontexten verwendet wird, und zwar im Bildungswesen, in der öffentlichen Verwaltung, in den Massenmedien, in der Regierung und als Medium der Alphabetisierung. Die meisten afrikanischen Sprachen gelten zwar als Nationalsprachen, aber was die funktionalen Bereiche angeht, so sind diese Sprachen in den Medien nur sehr begrenzt vertreten und beschränken sich auf liturgische und traditionelle Zeremonien sowie auf den familiären und privaten Bereich. Es ist zu betonen, dass afrikanische Sprachen weder in der öffentlichen Verwaltung noch in der Regierungsarbeit Verwendung finden (Diarra 2003). Der Gebrauch der Sprachen, verteilt auf ihre Funktionsbereiche, zeichnet eindeutig ein düsteres Panorama, in dem Portugiesisch begünstigt und die afrikanischen Sprachen an den Rand gedrängt werden (Manuel, in Vorbereitung).

Rechtlicher Rahmen der Sprachunterrichtspolitik

Seit der Unabhängigkeit im Jahr 1975 hat das Land verschiedene Erklärungen zur Sprachenpolitik abgegeben. Jüngere Entwicklungen zeigen, dass die Regierung 2010 einerseits eine neue Verfassung verabschiedete, die die alte Verfassung ersetzte, die noch auf den Gesetzen der Kolonialregierung basierte, und andererseits 2011 eine Gesetzesreform im Bildungswesen erließ. Die angolanische Verfassung von 2010 enthält allgemeine Sprachbestimmungen sowie auch solche zur Verwendung von Sprachen im Bildungssystem. Zwar verankert die allgemeine Sprachregelung in der neuen Verfassung weiterhin Portugiesisch als die einzige offizielle Sprache. Sie hält jedoch auch das Studium, den Unterricht und den Gebrauch weiterer Sprachen hoch, was den Schutz angolanischer Sprachen afrikanischen Ursprungs einschließt.

Entsprechend heißt es in der Verfassung auch, dass die Bürger und Gemeinden das Recht auf Achtung, Wertschätzung und Erhaltung ihres kulturellen, sprachlichen und künstlerischen Erbes haben sollen. Das neue Bildungsgesetz vom 12. August 2020 enthält eine besondere Klausel zur Sprache in der Bildung. Darauf ist hinzuweisen, obwohl das neue Bildungsgesetz bereits den universellen Charakter des angolanischen Bildungssystems erhält, was bedeutet, dass alle Menschen das gleiche Recht auf Zugang zur Bildung auf allen Ebenen haben.

Die Regelungen zur sprachlichen Bildung haben sich nicht grundlegend geändert und bevorzugen weiterhin Portugiesisch als Unterrichtssprache. Überraschenderweise fördert und garantiert der Staat aber laut Bildungsgesetz auch „die menschlichen, wissenschaftlichen, technischen und finanziellen Bedingungen für die Verbreitung und den Gebrauch anderer Sprachen im Bildungswesen, einschließlich der Gebärdensprachen für Personen mit Hörbeeinträchtigungen".

Betrachtet man jedoch die gesetzlichen Sprachregelungen, muss man sich fragen, ob es einen signifikanten Unterschied zwischen der kolonialen Sprachpolitik, die den Gebrauch afrikanischer Sprachen verbot (Manuel & Johnson, 2018), und der vom Staat in der postkolonialen Zeit verfolgten Politik gibt. Sowohl die angolanische Verfassung als auch das Grundlagengesetz für das Bildungswesen verstärken die Hegemonie des Portugiesischen durch die Richtlinien zur Unterrichtssprache. Sowohl aus der Verfassung als auch aus der Bildungspolitik geht hervor, dass afrikanische Sprachen nicht als vollwertige angolanische Sprachen behandelt werden. Sie werden eher als „angolanische Sprachen afrikanischen Ursprungs" bezeichnet.

Manuel und Johnson (2018:10) belegen, dass die Verfassung zwar den Wert der afrikanischen Sprachen als Teil des kulturellen Erbes, der nationalen Identität und der kulturellen Vielfalt würdige, aber Muttersprachen nicht als Recht anerkenne. Tatsächlich marginalisiert die Verfassung nicht-portugiesische Sprachen ausdrücklich, indem sie sie als „andere angolanische Sprachen" positioniert. Mit anderen Worten: Das buchstäbliche „Othering" afrikanischer Sprachen und die Erklärung des Portugiesischen zur Amtssprache Angolas in Verbindung mit der Aussage der Bildungspolitik, wonach der Unterricht und das Lernen in Portugiesisch erfolgen müssen, zeigen die Ambivalenz der betreffenden Politik und lassen Zweifel an der Bereitschaft der Regierung aufkommen, afrikanische Sprachen tatsächlich ins Bildungssystem mitaufzunehmen.

Darüber hinaus verweist die tautologische Bezeichnung afrikanischer Sprachen als „angolanische Sprachen afrikanischen Ursprungs" auf die privilegierte und dominante Stellung des Portugiesischen. In dieser Hinsicht hat die Sprachpolitikforschung gezeigt, dass es in nahezu allen Fällen eine Diskrepanz zwischen Sprachpolitik und Praxis gibt (Bamgbose, 1991; Kamwangamalu, 1997).

Ideologisch geprägte Debatte

Die Sprachenfrage in Angola und die Debatte über die Sprachenpolitik im Bildungswesen ist voller Widersprüche und ideologischer Spannungen. Die angolanische Verfassung und die derzeitige Bildungspolitik legen den Schwerpunkt auf die Vermittlung und Verbreitung von Englisch und Französisch. Der global wachsende Einfluss des Englischen ist auf seine Rolle als internationale Verkehrs- und Wissenschaftssprache zurückzuführen (Grin, 2001). Untersuchungen (Manuel, 2015; Manuel & Johnson, 2018) haben gezeigt, dass viele Angolaner:innen, unter anderem Eltern und Lernende, eine positive Einstellung zum Englischen zum Nachteil der afrikanischen Sprachen entwickelt haben, weil letztere mit einem Stigma behaftet sind. Daher stellt die Förderung des Portugiesischen zusammen mit Englisch und Französisch, die gut etablierte internationale Sprachen der breiteren Kommunikation (ILWC) sind, eine gewaltige Herausforderung für die afrikanischen Sprachen dar, die auf der Agenda Angolas weiterhin eine marginale Position einnehmen. Kurz gesagt, die Debatte über den Sprachgebrauch im Unterricht ist seit jeher ideologisch geprägt und mit Kontroversen und Spannungen behaftet. Zwar werden afrikanische Sprachen auch an der Universität gelehrt, und zwar an der geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Agostinho Neto, doch gibt es anekdotische Hinweise darauf, dass der Unterricht in diesen Sprachen angesichts der Bedeutung, die dem Portugiesischen im Allgemeinen beigemessen wird, eher oberflächlich ist.

Daraus lässt sich schließen, dass die mangelnde Einbeziehung von interessierten Parteien und Akteuren wie Sprachwissenschaftler:innen, Pädagog:innen, Eltern und der Basis eine große Schwäche der angolanischen Bildungspolitik im Allgemeinen und der Politik für Sprachen im Bildungswesen im Besonderen darstellt. Obwohl Sprachplanung und sprachpolitische Entscheidungen von einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren beeinflusst werden, muss eine evidenzbasierte Bildungspolitik gefördert werden. Kurzum, die Statusdebatte würde erheblich zur Verbesserung des Ansehens der afrikanischen Sprachen beitragen. Bourdieus Metapher des sprachlichen Marktes (Bourdieu 1991) ist eine angemessene Beschreibung des sprachlichen Biotops in Angola. Um die elterliche Akzeptanz der afrikanischen Sprachen als effizientes, dem Portugiesischen gleichwertiges Unterrichtsmedium zu gewährleisten, ist eine Verbesserung ihres Status entscheidend.

Der Autor ist Assistenzprofessor am Department für Englisch und Literatur der Agostinho Neto Universität. Er hat einen Master-Abschluss in Pädagogik an der Southern Illinois University und einen Doktor in Lehren und Lernen an der Washington State University erworben.
Übersetzt aus dem Englischen.