Heft 3/2022, afrika süd-dossier: Sprachen- und Bildungspolitik

Unesco-Weltbildungsbericht 2021/22

Der jährliche Weltbildungsbericht dient dem Monitoring und der Berichterstattung des SDG (VN-Nachhaltigkeitsziel) 4: „Inklusive, gleichberechtigte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten lebenslangen Lernens für alle fördern", sowie dem Thema Bildung in allen anderen Sustainable Development Goals. Das für den Bericht zuständige Team ist unabhängig und international besetzt. Der Bericht wird durch mehrere Regierungen, multilaterale Organisationen und private Stiftungen finanziert und durch die Unesco unterstützt und gefördert. Seit der Beschlussfassung zu den SDG in 2015 ist dies nunmehr der 5. Weltbildungsbericht mit Blick auf die Agenda Bildung 2030.

Davor stand das weltweite Aktionsprogramm „Bildung für alle" (Education for all 2000-2015) im Fokus der Betrachtung. Dabei ergab der letzte Bericht 2015 ein eher ernüchterndes Fazit. Demnach erreichten die sechs Bildungsziele (Ausbau der frühkindlichen Bildung, Grundschulbildung für alle Kinder, Absicherung der Lernbedürfnisse Jugendlicher, die Reduzierung der Analphabetenrate unter Erwachsenen um die Hälfte, die Überwindung von Geschlechterdisparitäten und die Verbesserung der Bildungsqualität), zu denen sich die Staaten 2000 im Rahmen der sog. Millenium Development Goals (MDG) verpflichtet hatten, nur etwa ein Drittel der Weltgemeinschaft.

Jeder der Weltbildungsberichte ist einem bestimmten Aspekt gewidmet. So zeigt der Bericht 2016 unter dem Titel „Bildung für Mensch und Erde: Eine nachhaltige Zukunft für alle schaffen" auf, dass Bildung für das Erreichen aller 17 SDG von essenzieller Bedeutung ist. Im Bericht 2017 geht es um das Thema „Inklusion und Bildung: Für alle heißt für alle", zum Stand der Inklusion in den Bildungssystemen der Weltgemeinschaft. Der Weltbildungsbericht 2017/18 verdeutlicht, dass die ehrgeizigen Ziele der Bildungsagenda 2030 nur durch das Zusammenwirken einer Vielzahl von Akteur:innen erreicht werden kann. Sein Titel: „Verantwortung für Bildung: Unsere Verpflichtungen erfüllen". 2019 befasst sich der Bericht zum Thema „Migration, Flucht und Bildung: Brücken bauen statt Mauern" mit den Wechselwirkungen und Zusammenhängen von Migration, Flucht und Bildung.

Der aktuelle Bericht 2021/22 mit dem Titel „Nichtstaatliche Akteure in der Bildung: Wer hat die Wahl? Wer verliert?" beleuchtet die Rolle nichtstaatlicher Akteur:innen in der Bildung. Dabei warnt die Unesco vor zunehmender Ungleichheit durch hohe Kosten und unzureichende staatliche Regulierung im privaten Bildungssektor. So besuchen allein 350 Millionen Kinder und Jugendliche weltweit nicht-staatliche Schulen. Und nur 27 Prozent der Länder untersagen ausdrücklich eine Gewinnorientierung von Grund- und weiterführenden Schulen. Insbesondere Haushalte in den am wenigsten entwickelten Ländern wenden einen großen Anteil ihres Einkommens für die Bildung ihrer Kinder auf. So beträgt der Anteil privater Ausgaben an den Bildungskosten in ärmeren Ländern bis zu 39 Prozent.

Im Ergebnis fordert die Unesco die Staatengemeinschaft auf, ihre gesetzlichen Vorschriften zu prüfen, und legt fünf Empfehlungen für mehr Gerechtigkeit im Bildungswesen vor. Dabei geht es um die Intensivierung der Bemühungen, den Zugang zu zwölf Jahren kostenfreier, öffentlich finanzierter schulischer und einem Jahr vorschulischer Bildung für alle Kinder und Jugendlichen zu erleichtern, um die Etablierung von Qualitätsstandards für staatliche und nicht-staatliche Bildungseinrichtungen, Stärkung von Regierungskompetenzen in der Aufsicht und Durchsetzung von Vorschriften, Förderung von Innovationen im Sinne des Gemeinwohls und das Zusammenbringen aller Beteiligten sowie um den Schutz der Bildung vor Partikularinteressen Einzelner.

Klaus-Dieter Seidel