Heft 3/2025, Mosambik

Mit Gottes Hilfe?

Wie der Glaube einer politischen Bewegung in Mosambik hilft, während die Regierung die irdischen Bedingungen verschärft.

Eine Einschätzung von Fredson Guilengue und Andreas Bohne.

Am 9. Januar 2025 landete der charismatische Oppositionspolitiker Venâncio Mondlane auf dem Mavalene International Airport in Maputo, der Hauptstadt Mosambiks. Sobald Mondlane den internationalen Ankunftsbereich verließ, kniete er mit einer Bibel in der Hand vor einer großen Anzahl seiner Anhänger*innen und Journalist*innen nieder, die ihn erwarteten, um nach den turbulenten Ereignissen seine ersten Eindrücke zu erfahren und Worte zu hören. Schließlich wollten die Menschen wissen, wie es weitergehen würde. Mondlane hatte sich kurz nach den Parlamentswahlen vom 9. Oktober 2024 selbst ins Exil begeben.

Spannungen lagen weiterhin in der Luft. Einige erwarteten daher, dass Mondlane sofort von den Sicherheitskräften verhaftet werden würde. Andere, die pessimistischer waren, befürchteten, dass er ermordet werden würde – ein normales Schicksal und Risiko für Kritiker*innen des mosambikanischen Regimes. Wieder andere, die Optimistischsten, glaubten, dass er sein normales Leben im Land fortsetzen dürfe, da er für das Regime „zu bedeutend geworden war, um zu fallen".

Mit dieser symbolischen Geste schaffte Mondlane Anfang des Jahres ein ikonisches Bild. Am 21. Juli 2025 tat er es erneut, genau auf die gleiche Weise: Mit einer Bibel in der Hand kniete er sich vor seinen Anhänger*innen und den Kameras nieder, betete und sprach dann zur versammelten Presse und seinen Anhänger*innen. Diesmal war Mondlane auf dem Rückweg von einer diplomatischen Reise nach Europa, wo er sich mit mehreren Politiker*innen in Deutschland und Portugal traf.

Diese beiden Ereignisse sind nicht die einzigen Verbindungen zwischen VM7, wie er gerne genannt wird, und dem religiösen Glauben. Vor und während der jüngsten politischen Demonstrationen in Mosambik gab es zahlreiche Gelegenheiten, bei denen religiöser Glaube zum Ausdruck kam. Deshalb ist es wichtig, seine Rolle in der derzeit sehr starken politischen Protestbewegung in Mosambik zu hinterfragen, die die Hegemonie der Frelimo in Frage stellt.

Mondlane und die evangelikalen Kirchen in Mosambik

Die Symbiose ist offensichtlich: Mondlane selbst ist Pastor einer evangelikalen Kirche namens Ministério Divina Esperança (Ministerium der göttlichen Hoffnung) in Maputo. Ihr Gründer, Luís Fole, folgt dem Beispiel des Nigerianers Joshua Iginla, einem Pastor, Fernsehprediger und Verkünder des Wohlstandsevangeliums, der von einigen als Prophet angesehen wird. Iginla ist der Gründer der Champions Royal Assembly, einer Megakirche mit 80.000 Sitzplätzen in Abuja. Die gut gepflegte Facebook-Seite von Ministério Divina Esperança zeigt tägliche Gottesdienste und unterscheidet sich nicht von anderen evangelikalen Gottesdiensten weltweit, bei denen Pastoren emotional auftreten und Gläubige auf die Bühne geholt werden.

Evangelikale Aktivitäten und politische Prozesse sind nichts Neues in Mosambik. Ein sichtbares Zeichen dafür sind die Kirchen der Assembleia de Deus, die seit vielen Jahrzehnten das Stadtbild Mosambiks prägen. Und Arbeiten – wie die des bekannten Wissenschaftlers Terence O. Ranger – zeigen, dass evangelikale Kirchen im Verlauf des Friedensprozesses zur Versöhnung beigetragen haben. Dies ist jedoch nicht ihre primäre Rolle, sondern vielmehr, aus ihrer Sicht, die spirituelle – und aus einer anderen Sicht, die kommerzielle. Wie in anderen Teilen der Welt ist das Wohlstandschristentum auch in Mosambik zu einer sehr starken Bewegung gewachsen. Jüngste Zahlen zeigen, dass es in Mosambik 59 evangelikale Kirchen gibt.

Religiöser Glaube als mobilisierender Faktor

Glaube und Wohlstandsevangelium sind in den frühen Protesten nach den manipulierten Wahlen stark präsent (s. afrika süd 6-24 und 2-25). Mondlane und die Bewegung geben Gott eine zentrale Rolle. Einige seiner Gefolgschaft sehen Mondlane als Messias, der gekommen ist, um Mosambik aus nunmehr 50 Jahren politischer und wirtschaftlicher Unterentwicklung unter der Frelimo zu befreien. Gebete, Fasten und der Verweis auf Gott sind ein fester Bestandteil der aktuellen politischen Bewegung in Mosambik geworden. Vor der großen Demonstration am 7. November 2024 rief Mondlane seine Anhänger*innen dazu auf, einen Fastentag einzuhalten. Sowohl Muslime als auch Christen beteten für den Erfolg der Bewegung, was eine Annäherung von Klasse und Glauben demonstrierte. Im gleichen Monat betete eine Gruppe von Frauen direkt vor dem Verfassungsrat (Verfassungsgericht) des Landes und bat um Weisheit für die Entscheidungen der Richter des Gerichts.

Das nationale und globale spirituelle Terrain für die Politisierung der Religion ist äußerst fruchtbar, wie auch die regierende Frelimo-Partei erkannt hat, die nach den Wahlen und während der Proteste in die Offensive gehen wollte. Einen Tag später, am 8. November 2024, traf sich der damalige mosambikanische Präsident Filipe Nyusi mit „Apostel" Luís Fole, der als „geistlicher Führer" von Mondlane gilt, um „Meinungen" über die damalige „Lage des Landes" auszutauschen. Dies war ein Versuch der Frelimo, die in der Vergangenheit ein angespanntes Verhältnis zur Religion hatte, die religiöse Unterstützung für VM7 zu verringern. Mondlanes religiöser Werdegang und seine Persönlichkeit haben jedoch dazu beigetragen, Dissens zu legitimieren und Widerstand als gerechtfertigt darzustellen.

Neben ihrer Funktion als starker Mobilisierungsfaktor spielen Glaube und Region noch weitere wichtige Rollen in Mondlanes Bewegung. Das Wort „Anamalala", das in der meistgesprochenen Sprache des Landes, eMacua, „genug/es ist vorbei" bedeutet, hat auch eine prophetische Bedeutung, da es das Ende der Unterdrückung und den Beginn einer Erneuerung suggeriert. Diese religiöse Darstellung findet bei Gemeinschaften, die sich von Korruption und Autoritarismus befreien wollen, großen Anklang und positioniert Mondlane als Befreier.

Während die katholische und die protestantische Kirche auf dem Papier an Bedeutung verlieren, gewinnen evangelikale Kirchen weltweit immer mehr Mitglieder. Ihre Gotteshäuser und sozialen Medien sind zu Orten der politischen Mobilisierung von rechts geworden, die keiner staatlichen Kontrolle unterliegen. Von Anfang an versuchten Evangelikale mit ihren konservativen Ansichten, eine Verbindung zwischen Kirche und Politik herzustellen. Dazu gehören nicht nur US-Präsident Donald Trump und der kenianische Präsident William Ruto. Eines der prominentesten Beispiele ist der ehemalige brasilianische Präsident Jair Bolsonaro. Es überrascht nicht, dass Mondlane wiederholt Sympathie für ihn bekundet hat. Mondlanes Bereitschaft, auf seinem Weg zur Macht mit rechten und rechtsextremen Parteien und Personen zusammenzuarbeiten, zeigt sich unter anderem in seinen mehrfachen Besuchen bei der rechten portugiesischen Partei Chega, zuletzt im Juli 2025. Laut einigen Medien haben Venâncio und Chega vereinbart, gemeinsam zu kämpfen, und er habe „in Chega den idealen Partner gefunden". Wenn man religiöse Metaphern verwenden würde, könnte man von einem Pakt mit dem Teufel sprechen.

Der Hund bellt, aber die Karawane zieht weiter...

Sowohl seine Verknüpfung von Religion und Politik als auch seine bewusste Nähe zur europäischen Rechten werfen Fragen auf. Eine wichtige ist, ob Mondlane seine eigenen Interessen über die legitimen Interessen der Demonstrant*innen stellt? Denn die Proteste gegen die Wahlen und die vorherrschenden politischen, sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen in Mosambik sind eine berechtigte Reaktion auf eine anhaltend schwierige Lage – d. h. tiefgreifende, weit verbreitete Armut, Korruption der Elite, wiederkehrende Wahlbetrugsfälle usw., auch wenn diese von Gewaltausbrüchen begleitet wurde.

Der Einschätzung, die viele politische Analyst*innen noch vor einigen Monaten hegten, wonach Präsident Daniel Chapo sich eher als Technokrat statt als Hardliner profiliere – rhetorisch und in seinen Handlungen –, muss final eine Absage erteilt werden. Chapo hat gegenüber Mondlane keine einzige nennenswerte Konzession gemacht. Und das, obwohl Mondlane und Chapo sich bereits in diesem Jahr zu Gesprächen getroffen hatten, die auf eine Entspannung der Lage nach den Wahlen hindeuteten. Gespräche sind jedoch keine Vereinbarungen, wie aus Chapos Aussage hervorgeht, in der er sich auf Mondlanes Behauptung bezieht, dass zwischen den beiden eine Vereinbarung bestehe.

Stattdessen wurden weder die während der Demonstrationen verhafteten Personen freigelassen noch offizielle Ermittlungen zu den Gewalttaten der Sicherheitskräfte eingeleitet, obwohl beispielsweise ein Bericht von Amnesty International die Menschenrechtsverletzungen während der Niederschlagung der Proteste nach den Wahlen aufzeigt. Und Mondlane selbst sowie vier weitere Oppositionspolitiker wurden jüngst angeklagt. Die mosambikanische Staatsanwaltschaft listete fünf Straftaten auf, für die Mondlane vor Gericht gestellt werden soll, darunter Anstiftung zum Terrorismus. Einige sehen darin einen Versuch des Regimes, Mondlane mit einer Vorstrafe zu belasten, um ihn daran zu hindern, bei zukünftigen Wahlen zu kandidieren.

Erneut berief sich Mondlane nach der Anklage auf seinen Glauben an Gott: „Ich bin auf alle Eventualitäten vorbereitet; es gibt nichts Größeres als meine gottgegebene Fähigkeit zum Widerstand", sagte er gegenüber Journalist*innen. Religion in der politischen Auseinandersetzung wird weiterhin bedeutsam bleiben und es ist nicht auszuschließen, dass sie relevanter wird.

Fredson Guilengue arbeitet als Senior-Projektmanager im Johannesburger Büro der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Andreas Bohne arbeitet als freier Journalist. Beide publizieren – oft gemeinsam – zu Mosambik.