Figuren wie Elon Musk und Peter Thiel gehören zu einer Gruppe libertärer Milliardäre, die ihre Wurzeln in Südafrika haben und von rassistischen Dominanzgebahren geleitet sind.
Von Andreas Bohne
Es ist – leider – eindrücklich, wie Personen wie Elon Musk und US-Präsident Donald Trump die Diskurse über Südafrika bestimmen. Ihre Sichtweisen auf die (notwendige) Landreform, über angeblichen anti-weißen Rassismus und den vermeintlichen Handelsnachteilen bestimmen die globale Medienberichterstattung, während Stimmen aus Südafrika nicht zu Wort kommen und Richtigstellungen kaum durchdringen.
Dass sich Trump über die Situation in Südafrika äußert, ist nicht neu. Bereits während seiner ersten Amtszeit attackierte er Südafrika und propagierte mit Unterstützung der rechten südafrikanischen Lobbygruppe AfriForum einen angeblichen „white genocide" an Buren. Mit Elon Musk hatte er zu Beginn seiner zweiten Amtsperiode einen neuen einflussreichen Einflüsterer, der sogar in Südafrika geboren ist und Trump für seine Aussagen daher weitere vermeintliche Legitimation verschaffte.
Musk ist dabei nur das bekannteste Gesicht der sogenannten „PayPal-Mafia". Prägend für den Begriff ist der britische Journalist Chris McGreal, langjähriger Korrespondent des Guardian in Südafrika. Er fasst unter „PayPal-Mafia" vier libertäre Milliardäre mit Wurzeln in Südafrika, die heute großen Einfluss auf die US-Tech-Industrie und die Politik haben – bzw. hatten, wenn die Spannungen bis zum Bruch zwischen Trump und Musk beachtet werden.
Ähnliche Biografien! Prägende Biografien?!
Autor*innen, die sich mit dem Quartett der „PayPal-Mafia" beschäftigen, verweisen auf die südafrikanischen Geburtsorte, dort verbrachte Jugendzeiten und die familiären Biografien der vier Personen. Zu nennen ist zuerst Elon Musk, der 1971 in Pretoria geboren wurde. Zu der Zeit regierte Premierminister John Vorster, der aus seiner Sympathie für Nazi-Deutschland nie einen Hehl machte und sich einem „christlichem Nationalismus" verpflichtet sah. Sein Vater, Errol Musk, machte sein stattliches Vermögen durch Investitionen wie in Bergbauunternehmen in Sambia. McGreal betont u. a., wie Errol Musk die Idee eines „one person, one vote" ablehnte. Bereits der Großvater von Musk wanderte aus Sympathien für die Apartheid 1950 nach Südafrika aus, nachdem er in Kanada mit technokratischen und rechten Kreisen sympathisierte. (Democracy Now, 27.3.25)
Die zweite Person ist Peter Thiel, mit Musk zusammen Gründer von PayPal. Thiel wurde in Deutschland geboren, kam aber schon als kleines Kind nach Südafrika. Sein Vater war Bergbauingenieur, lebte in Johannesburg und zog dann nach Swakopmund zur Arbeit in einer Uranmine, während Namibia noch eine südafrikanische Kolonie war. Schon im ersten Wahlkampf 2016 unterstützte Thiel Trump. Heute ist er Eigentümer von Palantir, dem weltweit führenden Cybersicherheitsunternehmen und Zulieferer für das Pentagon und die CIA. Dieses „Überwachungsimperium", wie es in der neuesten Ausgabe der „Blätter für deutsche und internationale Politik" heißt, fand zuletzt auch bei Protesten gegen Massenabschiebungen in Los Angeles Einsatz.
In Kapstadt geboren ist David Sacks, der eine bedeutende Rolle bei PayPal einnahm und jetzt Trumps KI- und Krypto-Zar ist. Er wuchs in der weißen südafrikanischen Diaspora in Amerika auf. Mitte der 1990er-Jahre veröffentlichten beide – Sacks und Thiel – als Studenten der kalifornischen Eliteuniversität Stanford das Buch „The Diversity Myth", ein Pamphlet gegen politische Korrektheit. Vierte Person im Bunde ist Roelof Botha, der Enkel von Pik Botha, dem letzten Außenminister des südafrikanischen Apartheidstaates.
Es ist ein Disput ausgebrochen, ob anhand der Biografien, der familiären Prägung und das Aufwachsen unter dem Apartheidregime das politische Agieren erklärbar ist oder zumindest in Ansätze zu finden ist. Auf der einen Seite stehen Personen wie der südafrikanische Schriftsteller Jonny Steinberg, der diese Erklärungen als „schlechte Idee" und „oberflächlich" empfindet (Business Day, 17.1.25). Unter anderem wirft Steinberg Kritiker*innen vor, dass sie weder Südafrika noch Elon Musk persönlich kennen würden, und versteift sich in der These, dass rassistische Ideen in Südafrika „in den 1980er-Jahren zurückgedrängt" wurden – also in der Zeit, die prägend für die Personen gewesen wären. Auf der anderen Seite stehen Wissenschaftler*innen, Aktivist*innen und Journalist*innen wie Simon Kuper, der bereits letztes Jahr auf die „frappierenden Parallelen zwischen Südafrika damals und den USA heute" hinwies und das an Thiel und Musk nachzeichnete (Financial Times, 19.9.24). Oder Adekeye Adebajo, Professor an der Universität Pretoria, der dezidiert Steinbergs Aussagen hinterfragt und auf die Kontinuität rassistischen Denkens in Südafrika hinweist. Ein Dritter ist William Shoki, der in einem Beitrag in der New York Times (28.2.25) betont, dass die systemische Rassenhierarchie der Apartheid Musks Widerstand gegen eine Umverteilung des Reichtums und seine Befürwortung der Deregulierung erklären könnte, die von einigen als Mittel zur Erhaltung der Kontrolle durch die Elite angesehen wird, ähnlich wie die Machtstrukturen in seinem Heimatland. Shoki verweist hier auf dessen Widerstand gegen die Landreform in Südafrika (siehe afrika süd 2-25). In seinem Kommentar in der New York Times schreibt Shoki:
„Musks Rolle in der Kontroverse deutet darauf hin, dass er die Logik der Apartheid nicht so sehr hinter sich gelassen, sondern vielmehr in sich aufgenommen hat. Seine ideologischen Verpflichtungen – deregulierte Märkte, Feindseligkeit gegenüber gewerkschaftlicher Organisierung und Trumpistischer Nationalismus – tragen ihre Spuren. In der Tat ist seine Politik eine Wiederholung der wirtschaftlichen Grundsätze der Apartheid auf globaler Ebene: Aufrechterhaltung von Privilegien unter dem Deckmantel des freien Unternehmertums bei gleichzeitigem Widerstand gegen jegliche Umverteilungsmaßnahmen als Bedrohung."
Diesem ist zu folgen, jedoch geht es nicht weit genug – auch weil in den meisten Analysen lediglich auf Musk und das Landgesetz geschaut wird. Dem oben angesprochenen Männerbund der „PayPal-Mafia" sind weitere Punkte zuzuschreiben.
Mär eines „white Genocide"
Erstens handelt es sich um eine Gruppe weißer Suprematisten, die sich nicht von der Apartheid distanzierten oder diese kritisierten, sondern verteidigten. Von Thiel ist überliefert, dass er während seiner Studentenzeit die Apartheid mit „it works" und wirtschaftlich funktionierend verteidigte. Nach der Übernahme von Twitter durch Musk wurde die Plattform erneut für Rechtsextremist*innen geöffnet, indem er sie mit der Rechtfertigung willkommen hieß, die Meinungsfreiheit zu schützen. Und Musk selbst nutzt seine Plattform extensiv, um immer wieder die südafrikanische Politik zu kritisieren. Dabei dockt er an einen der beliebtesten Diskurse der extremen Rechten weltweit an: die Mär eines vermeintlichen „white genocide", einer anscheinend inkompetenten schwarzen südafrikanischen Regierung, die Rassismus duldet und fördert, sowie die Rolle der Medien. Auf ein Video von Julius Malema, der den Song „Kill the Boers" singt, behauptet er 2023 – ein Jahr nach seiner Übernahme von Twitter: „They are openly pushing for genocide of white people in South Africa." (X, 13.7.23) In einem jüngeren anderen Tweet schreibt er: „Vor einem Monat hat die südafrikanische Regierung ein Gesetz verabschiedet, das es erlaubt, Weißen nach Belieben und ohne Bezahlung ihr Eigentum wegzunehmen. Wo bleibt die Empörung? Warum gibt es keine Berichterstattung in den traditionellen Medien?" (X, 22.3.35) Dass die Fakten keinen Beweis für erhöhte Mordraten an weißen Farmer*innen belegen, wird überhört und nicht berücksichtigt.
Musk kann auf weitere Programme unter seiner Kontrolle zurückgreifen, so auf das KI-Produkt „Grok" seiner Firma xAI. Der Chatbot „Grok" stand den Nutzer*innen von X zur Verfügung, bevor es jüngst vorläufig deaktiviert wurde. Wenn Menschen eine Frage auf X posten und „@grok" hinzufügen, tauchte der Chatbot mit einer Antwort auf. Dabei wurde nicht nur das antisemitische Narrative und Lob für Adolf Hitler verbreitet (FAZ, 9.7.25). Wie der britische Guardian Mitte Mai meldete, erwähnte „Grok" in seinen Antworten auf nicht verwandte Themen auch wiederholt den „weißen Völkermord" in Südafrika und hat den Nutzer*innen mitgeteilt, dass er „von meinen Schöpfern angewiesen" wurde, den Völkermord „als real und rassistisch motiviert" anzusehen.
Zweitens geht es den Personen nicht um die Aufrechterhaltung von Privilegien und Einfluss, wie Shoki in seinem Artikel andeutet, sondern um Machtausbau. Ähnlich wie in Apartheid-Südafrika geschieht es durch die Verzahnung der ökonomischen und der politischen Macht. Der persönliche Machtausbau geht einher mit einem Anti-Regierungs-Libertarismus, wobei das Versagen des ANC als eine Steilvorlage dient. Ferner decken sie hiermit einen weiteren Punkt ab, der oftmals übersehen wird: Immanent für die Apartheid war ihre anti-kommunistische Propaganda und Politik – ein wesentliches Bindeglied zwischen konservativer und extremer Rechter auf globaler Ebene bis heute. Es ist offensichtlich, dass diese Ansichten in den libertären Kreisen von Musk und anderen ihren augenscheinlichen Widerhall finden.
Drittens ist es verkürzt, wenn immer nur auf die rechte Ablehnung der Landreform – die einen hohen rechten Mobilisierungseffekt besitzt – geschaut wird. Denn Musk will Südafrika sein Satellitennetzwerk Starlink anbieten. Dazu wird derzeit eine Investition vorbereitet, um den Breitbandzugang in der gesamten Region der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrikas (SADC) zu fördern. Nach der Black-Economic-Empowerment-Politik (BEE) des Landes müssen Telekommunikationsunternehmen jedoch zu 30 Prozent von historisch benachteiligten Gruppen gehalten werden. Musk bezeichnete BEE daher wenig überraschend als „rassistisch" und behauptet in einer Täter-Opfer-Umkehr: „Starlink darf in Südafrika nicht operieren, weil ich nicht schwarz bin." (X, 7.3.25) Dabei verschweigt er, dass derzeit nur 3 Prozent der führenden Unternehmen des Landes von schwarzen Südafrikaner*innen kontrolliert werden und dass Musk nie einen Antrag auf eine Lizenz gestellt hat (BBC, 16.4.25). Dabei ist sich Musk nicht zu schade, Nelson Mandela als Kronzeugen für seine Logik zu missbrauchen, wenn er mit Blick auf neue Gesetze schreibt, dies sei „eine Schande für das Erbe des großen Nelson Mandela, der sich für die Gleichbehandlung aller Ethnien in Südafrika einsetzte." (X, 15.5.25).
Und die deutsche Rechte?
Ausgehend von dem Aspekt, dass die Apartheidvergangenheit für Elon Musk und andere Tech-Millionäre prägend war, stellt sich andersrum die Frage, wie denn die Politik und die Sichtweise von Elon Musk aufgegriffen werden. Dass Elon Musk Sympathien für die AfD und umgekehrt hegt, ist nicht neu. Verwiesen sei nur auf dessen Beitrag in der „Welt am Sonntag", der einen AfD-Wahlaufruf beinhaltete, oder das Interview mit Alice Weidel, wo diese die perfide Argumentation, Adolf Hitler wäre ein Kommunist gewesen, preisgeben konnte. Neben der Bekämpfung alles vermeintlich „Woken" oder „Linken" finden sich beide Seiten erneut in ihrer Ansicht eines „white genocides" wieder – der auch von Donald Trump mantraartig vor sich hergetragen wird.
Mit den jüngsten Äußerungen von Musk und Trump nahmen rechte Medien den Diskurs – der zuletzt in den Jahren 2018 bis 2020 um den Film „Farmland" verstärkt auftrat – erneut auf. Konservative Blätter wie „Tichys Einblick" bis zu rechten Magazinen wie „Junge Freiheit" und „Compact" räumten dem Thema Platz ein und argumentierten ähnlich. Nicht nur, dass auch hier Fakten nicht aufgegriffen wurden, behauptet werden vor allem eine vermeintliche „umgekehrte Diskriminierung" und „umgekehrter Apartheid", von der die weiße Bevölkerung in Südafrika betroffen sei. Es wird Hochachtung für die Trump'sche Entscheidung ausgedrückt, den „white genocide" auf die weltpolitische Bühne gehoben zu haben. Ebenso wird die schnelle Einbürgerung von 59 weißen Südafrikaner*innen in die USA im Mai als „ein starkes Engagement" gesehen, an dem sich Deutschland ein Beispiel nehmen und dem folgen sollte. Eine Forderung, die bereits 2018 von der AfD aufgegriffen wurde. Daher ist es nicht überraschend, dass sich die Partei dem Thema annahm – sei es durch Tweets oder durch persönlichen Austausch. So traf der AfD-Europaabgeordnete Petr Bystron Vertreter*innen der Organisation „Solidariteit". Bereits Anfang dieses Jahres besuchten Vertreter:innen von „Solidariteit" gemeinsam mit Kollegen von AfriForum und Solidarity Movement das Weiße Haus.
Wie lassen sich die Entwicklungen einordnen?
Mit der rhetorischen und der tatsächlichen Unterstützung von Trump und Musk fühlen sich rechte südafrikanische Kreise erneut – wie während der ersten Amtszeit Trumps – ermutigt. So nehmen Reisefrequenzen weiter zu. Ende Juni besuchte eine Gruppe – darunter der Vorsitzende der Freiheitsfront Plus, Corné Mulder – die USA für politische Gespräche. In einer gemeinsamen Erklärung werden einzig die US-amerikanischen Vorbedingungen für die Normalisierung der bilateralen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Südafrika genannt, darunter die Einstufung von Anschlägen auf Farmen als „vorrangiges Verbrechen"; eine öffentliche Verurteilung von „Kill the Boer, kill the Farmer" durch den ANC; keine Enteignung von Land ohne eine marktgerechte Entschädigung und die Befreiung von Unternehmen aus den USA von allen Anforderungen des BEE. In diesen Forderungen zeigt sich erneut mehr als deutlich, dass südafrikanische Rechte in der amerikanischen extremen Rechten ein Adressat und Publikum gefunden haben.
Ein deutliches Zeichen ist die Ende Juli beschlossene Weiterleitung des „U.S.-South Africa Bilateral Relations Review Act" an das US-amerikanische Repräsentantenhaus. Der Gesetzentwurf wurde im April von Ronny Jackson, einem republikanischen Kongressabgeordneten aus Texas, eingebracht, der diese Entscheidung auf X begrüßte und schrieb: „Südafrika hat seine Entscheidung getroffen, als es Amerika und unsere Verbündeten im Stich gelassen und sich auf die Seite der Kommunisten und Terroristen gestellt hat." Der Vorschlag sieht mögliche Sanktionen gegen ANC-Politiker*innen vor und stützt die geplanten 30 Prozent Zoll auf südafrikanische Produkte, die vom 1. August an gelten. Dass Trump und seine Gefolgsleute jedoch damit dem landwirtschaftlichen Exportsektor schaden, von dem viele weiße Landbesitzer abhängig sind, wird geflissentlich übergangen. Die Times kommentierte daher nicht ohne Ironie: „Trump's beloved Afrikaners now face a real threat — from him".
Nicht erst jetzt – aber mit dem Beginn der zweiten Amtszeit Donald Trumps und der Aufwertung Musks noch stärker – wird von einer „neuen autoritären Konjunktur" gesprochen, um die gegenwärtigen Entwicklungen zu erklären. Nun lässt sich mit Blick auf Thiel oder Musk keine Konjunktur feststellen, sondern eine Kontinuität aus Anarcho-Kapitalismus, rassistischem Dominanzgedanken und affektiven Strukturen, in den vermeintliche Bedrohung, Angst und Überlegenheit kumulieren.
Andreas Bohne arbeitet als freier Journalist in Berlin.

