Heft 4/2017, afrika süd-Dossier: Angola vor den Wahlen

Der Kambwá-Hund bringt uns alle um

AUSZÜGE AUS „O KAMBWÁ ESTÁ NOS MATAR" VON BRIGADEIRO 10 PACOTES

 

Yo, Yo, Yo, Angola – keiner hat mehr Lust drauf
weil die Verantwortlichen nur halb so viel denken
Es gibt kein ernstzunehmendes Gesellschaftsprojekt
dem Bürger ein Leben in Würde zu schenken

 

Gesundheitspolitik hat noch nie an erster Stelle gestanden
Sumpffieber, Malaria sind die häufigsten Todesursachen
Mehr als sechstausend Leute kommen daran um, jedes Jahr
Mehr als 100 Beerdigungen pro Tag in Luanda sind normal
Sterben ist Mode geworden, dem Hund ist das Leben egal

 

Wir leben mit Wassermangel, ohne elektrischen Strom
in verdreckten Wohnvierteln in prekärer hygienischer Situation
in Städten und an Stadträndern umgeben vom Müll
Das Gesundheitssystem ist völlig marode
Abwassersysteme sind nicht existent
Offene Kloaken, stehendes Wasser, Überschwemmungsgebiete
die noch mehr dazu beitragen, dass sich die Mücken vermehren
Auf den Straßen kein Teer mehr, in den Hochhäusern gehen die Aufzüge nicht
In Gebäuden mit Einschusslöchern, die noch vom Krieg sind
und die schon zusammenbrechen, während noch Leute drin wohnen

 

Es fehlt an Bildung überall, das Bildungsniveau ist erschreckend gering
Es ist besorgniserregend, es gibt keine Lesekultur mehr bei der Jugend
Und anstatt für ihr Geld Bücher zu kaufen, gehen sie lieber Trinken
Das haben sie so gelernt, die Partei hat ihnen die Schule genommen
und ihnen dafür die Getränke gegeben
Deswegen ist jedes Wochenende hier Marathon
und erst recht in den Zeiten vor einer Wahl
Sie vergiften die Köpfe der Leute mit Cuca und Nocal
geben den Hungernden Häppchen und Hühnchen vom Grill

 

Der Kambwá-Hund bringt uns alle um

 

Sie haben den Import von Autos verboten, die älter sind als drei Jahre
weil die Importeure von Neuwagen Freunde des Chefs sind
Und um die Konkurrenz anderer Importeure damit auszuschalten
haben sie das Leben aller Angolaner erschwert
für die Geschäfte der Kinder des Chefs

 

Dies ist ein Land, so gesegnet von Gott
das über gigantische Bodenschätze verfügt
genug, um all seinen Kindern ein Auskommen zu bieten
Dieses Land besitzt eine riesige Landwirtschaft
die alle Familien unseres Kontinents satt machen könnte
Ist das Land mit dem weltweit größten Wirtschaftswachstum
doch davon kommt leider nichts bei den Leuten an
die unter der Armutsgrenze leben, es ist eine Schande
Es ist kaum zu glauben, doch was ich hier belle, ist wahr
Die Straßen sind Marktplätze geworden, Überlebenscamps
Fluchtpunkte im Überlebenskampf
Männer und Frauen und Kinder, gezwungen, in der Gosse mit jedem Geschäfte zu machen
Werden brutal gefoltert von der Polizei
von der Polizei, die den Leuten, die schon nichts haben, ihre Sachen wegnimmt
Leuten, die längst schon am Rad des Ruins sind
So sieht es aus, für die Augen, die sehen wollen

 

Arme Frauen, die sie anbieten, als billige Ware der Lust
Junge Leute, die Taxi fahren, um etwas zu Essen zu haben
Autos waschen, Schuhe putzen und betteln am Straßenrand
Das Volk ist zur Geisel der derzeit Regierenden geworden
die nichts tun für das Individuum

 

Der Kambwá-Hund bringt uns alle um

 

Der Kambwá hat die Basis geschaffen für den Machterhalt
Das System hat gehorsame Marionetten hervorgebracht
Nach den Wünschen der MPLA und ihres Präsidenten
hat kongolesische Bürger als Milizionäre engagiert
Vorsicht, Polizei, geheime Agenten des Staates
Arbeiten nach Anweisung der Macht, vergewaltigen
Foltern gnadenlos, sperren ein
mit Schilden, Eisenstangen, Stromkabeln
Akte der Barbarei gegen friedliche Demonstranten
die nach politischen, wirtschaftlichen Verbesserungen schreien
und nach einer Gesellschaft, die gerecht ist und frei

 

Übersetzung: Michael Kegler
Video: https://www.youtube.com/watch?v=eVrGenr5EKw