Heft 4/2018, Service

Kunst zur Förderung der eigenen Identität

Das Cover der vorliegenden Ausgabe von afrika süd stammt von der simbabwischen Künstlerin Irene Karuva aus Ruwa nahe Harare. Sie malt im Stil der Weya-Kunst. Diese hat ihren Ursprung in der Provinz Manicaland und sichert heute das Überleben vieler Künstlerinnen und Künstler in Simbabwe.

Die Weya-Kunst entstand in den 1980er-Jahren im ländlichen Chiendambuya in Rusape und verdankt ihren Namen dem von Amon Shonge gegründeten „Weya Community Training Centre". Pioniere der Weya-Kunst arbeiteten unter der Leitung der Deutschen Ilse Noy, die ab Ende 1987 im Weya Community Training Centre tätig war. Die besondere Kunstrichtung wird von Künstlerinnen dominiert. Diese verwenden verschiedenste Medien, darunter Holz, Leinwand, Karton, Stickereien u.a., um ihre einzigartigen, farbenfrohe Werke zu schaffen.
Irene Karuva (43) aus Ruwa ist heute eine der erfolgreichsten Künstlerinnen, die vom Verkauf ihrer Werke leben kann und auch muss. 2003 wurde im Weya Community Centre in Rusape ihr großes Talent entdeckt.

2005 schloss sie sich dem Zimbabwe Artists Project an. Ab 2012 engagierte sie sich auch in Seminaren und Workshops zum Thema „Good Governance", „Demokratieförderung" und „politische Karikatur".

„Ich habe durch die Weya-Kunst überlebt. Mein Kundenstamm lebt vornehmlich im Stadtteil Borrowdale [Harare], wo ich jeden Sonntag meine Waren verkaufe", erläutert Irene gegenüber afrika süd. „Ich konnte meine drei Kinder mit dem Geld, das ich durch den Verkauf der Weya-Artefakten erhalte, zur Schule schicken."

Irene und einige ihrer Kolleginnen haben während der Fußball-Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika gearbeitet. Beim „Harare International Festival of the Arts" ab 2011 und an der „Borrowdale Art Fair" sowie der „Wild Geese Lodge Art Fair" hat sie auf Einladung teilgenommen. Ihre Werke finden sich heute auch in der „National Art Gallery of Zimbabwe", privaten Galerien in Harare, Bulawayo und Johannesburg. Illustrationen für Kinderbücher, Magazine und Bücher runden ihr Portfolio ab.

Irene Karuvas Interpretation der Weya- Kunst hat eine hohe Relevanz in der Kunstpädagogik und der Demokratieförderung, da sie junge Menschen dazu motiviert, ihre eigene Geschichte und Kultur zurückzugewinnen und zu rekonstruieren. Weya-Kunst ist originell, sie ahmt nicht nach, sie stützt sich nicht auf westliche Symbolik und Vorbilder, sondern fördert die eigene (afrikanische) Identität.

Auf dem Cover von afrika süd Nr. 4, Juli-August 2018, beschreibt Irene Karuva ihr Idealbild einer freien, friedlichen und demokratischen Wahl in ihrem Heimatland Simbabwe und reflektiert auch die Entwicklungen seit November 2017.

JÜRGEN LANGEN