Heft 4/2022, Mosambik

Kidnapping vor den Augen der Polizei

Am 30. Juni wurde Ahmed Anwar, Besitzer des Royal Hotels in Mosambiks Hauptstadt Maputo, von drei bewaffneten Männern vor seinem Haus im noblen Sommerschield-Viertel entführt – in unmittelbarer Nachbarschaft der offiziellen Wohnsitze der Leiter der mosambikanischen Polizei und des Geheimdienstes SISE. Mitglieder der Bereitschaftspolizei UIR sollen Tage vor der Tat in der Nähe beobachtet worden sein. Es war der jüngste Fall in einer Reihe von Entführungen gegen Lösegeld, die Mosambiks Geschäftswelt in den letzten Jahren terrorisiert haben. Und immer wieder fiel die Nähe der Polizeibehörden zu den Tatorten auf. In Maputo erwartet kaum jemand, dass die Täter vor Gericht gestellt werden.

Von Alexandre Nhampossa

Der erste bekannt gewordene Fall von Entführung zur Erpressung von Lösegeld in Mosambik ereignete sich 2008. Eine 55-jährige Niederländerin wurde 18 Stunden lang gefangen gehalten, bevor ihr Ehemann ein Lösegeld von 20.000 US-Dollar zahlte, das von 100.000 Dollar heruntergehandelt wurde. Danach stieg die Zahl der Entführungen laut offiziellen Statistiken stetig an. Die Fälle breiteten sich von Maputo und dem benachbarten Matola (beide Städte stehen nach wie vor im Fokus der Entführer) auf weitere mosambikanische Großstädte wie Beira, Chimoio und Nampula aus. Diese Verbrechen finden am helllichten Tag in voll belebten Straßen statt. ...

Alexandre Nhampossa ist Journalist aus Maputo schreibt für das Nachrichtenportal Zitamar News.

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