Heft 4/2024, Sambia

Der Schuldenfalle endlich entkommen?

Sambia gehört zu den kritisch verschuldeten Ländern im Globalen Süden. Umschuldungsverhandlungen ziehen sich in der Regel in die Länge und private Gläubiger sind wenig bereit, sich an ausgehandelten Schuldenerleichterungen zu beteiligen. So bleibt der Effekt von Zinserleichterungen gering. Erzwungene Kreditaufnahmen beim Internationalen Währungsfonds führen dann leicht zu sozialen Spannungen wie zuletzt in Kenia.
Von Malina Stutz

Spätestens seit Ausbruch der Covid-19-Pandemie 2020 ist die weltweite Verschuldung wieder auf einem besorgniserregenden Stand. Laut Schuldenreport 2024 des deutschen Entschuldungsbündnisses erlassjahr.de sind mehr als die Hälfte der 152 untersuchten Staaten im Globalen Süden kritisch oder sehr kritisch verschuldet. Regierungen von verschuldeten Staaten im Globalen Süden müssen 2024 so viel wie noch nie an ausländische Gläubiger zurückzahlen: mehr als eine Milliarde US-Dollar pro Tag. Dieses Geld fehlt vor Ort, etwa für Investitionen in Gesundheit, Bildung und Klimaschutz.
Neben länderspezifischen Faktoren sind vor allem globale Faktoren verantwortlich für diese Krise: Die Niedrigzinspolitik in Ländern des Globalen Nordens infolge der Globalen Finanzkrise hat dazu geführt, dass ab 2010 Kredite im großen Umfang an Länder des Globalen Südens vergeben wurden, da dort höhere Zinsen lockten. So hat sich im Globalen Süden ein großer Schuldenberg aufgebaut. Die Rückzahlung dieser Schulden wird für viele Staaten im Kontext von Corona, Krieg und Klimakrise nun zunehmend unmöglich.

Auch Sambia ist betroffen. Schon vor der Corona-Pandemie hatte Sambia ein hohes U?berschuldungsrisiko. Von 2019 bis 2021 fielen die Sozialausgaben im Land um mehr als 20 Prozent. An den Sozialausgaben wurde unter anderem gespart, um die hohen Schuldendienstzahlungen an ausländische Gläubiger leisten zu können. Dabei handelt es sich um ein vielfach zu beobachtendes Muster: Regierungen von Schuldnerstaaten versuchen häufig, die Zahlungsverpflichtungen an ausländische Gläubiger unter allen Umständen zu bedienen, selbst wenn dies bedeutet, dass sie die Verpflichtungen gegenüber der eigenen Bevölkerung – etwa in öffentliche Bildung und Gesundheitsversorgung zu investieren – dadurch verletzen. ...

Malina Stutz ist politische Referentin bei erlassjahr.de – Entwicklung braucht Entschuldung e.V.

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