Heft 4/2025, Botsuana

Diamanten als Zukunftsstrategie?

Im November 2024 trat Duma Boko das Amt des Präsidenten von Botsuana an. Die Herausforderungen im ersten Amtsjahr sind angesichts seit Jahren sinkender Staatseinnahmen und des Wertverlustes von Diamanten, wichtigstes Exportgut Botsuanas, gewaltig. Im Zuge der Verhandlungen um den Diamantenkonzern De Beers mit Angola America, das seine Anteile veräußern will, ringt Präsident Boko um die Souveränität über die Bodenschätze seines Landes.

Von Margarete Elisabeth Wolkewitz

Botsuana hat sich in den letzten Jahren zu einem großen Teil auf den Export von Diamanten verlassen. Dieser spülte erhebliche Geldbeträge in die Kassen des Landes. Geld, das es anders als viele andere afrikanische Länder für den Ausbau der eigenen Infrastruktur nutzen konnte. Doch weil im Labor gezüchtete künstliche Diamanten auf den Weltmarkt drängen, verlieren natürliche Diamanten immer mehr an Wert. Zusätzlich drohen mögliche US-Zölle auf Diamanten, die deren Wert weiter fallen lassen könnten.

Zusammen mit den fehlenden US-Auslandshilfen sorgten diese Umstände bereits am 25. August diesen Jahres dafür, dass Boko den Gesundheitsnotstand wegen fehlender staatlicher Mittel für medizinische und personelle Ressourcen ausrufen musste. Zudem hat der größte Diamantenproduzent, Debswana, den Abbau von Diamanten zeitweise gestoppt, um die Preise wieder zu stabilisieren. Der zwischenzeitig ausgerufene Notstand ist zwar wieder beendet, doch die Situation hat Botsuana und seinem Präsidenten nur zu deutlich gezeigt, wie abhängig das Land von den glitzernden Steinen ist.

Boko will De Beers kaufen

Ein weiteres Problem mit den Diamanten: Die Minenindustrie in Botsuana ist abhängig von einer ausländischen Firma. Anglo America, ein englisches Unternehmen, hält 85 Prozent am südafrikanisch-britischen Bergbaukonzern De Beers, während Botsuana die übrigen 15 Prozent des Unternehmens besitzt. Zusammen mit De Beers hat Botsuana ein 50/50-Joint-Venture – Debswana –, das für den Abbau der Diamanten in Botsuana verantwortlich ist. Nach einer gescheiterten Übernahme des konkurrierenden Bergbauunternehmens BHP Group plant Anglo America nun Änderungen an der Unternehmensstruktur. In diesem Zuge möchte der Konzern seinen Anteil an De Beers verkaufen. Ein Schritt, der sich nachhaltig auf die Diamantenindustrie in Botsuana auswirken könnte.

Eine politische Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Bereits kurz nach dem Bekanntwerden der Tatsache, dass der Mehrheitsanteil verkauft werden soll, meldete Botsuanas Präsident Duma Boko sein Interesse an, mindestens 50 Prozent des Unternehmens übernehmen zu wollen. Der Präsident möchte damit die Souveränität über die eigenen Bodenschätze zurückerlangen. Doch dieser Kauf stellt sich als äußert komplex dar, denn Anglo sucht einen angemessenen Käufer und hat nach eigenen Angaben bereits mehrere Angebote erhalten.

Das Kaufvorhaben von Boko muss Botsuana vor allem finanzieren können. Noch im Oktober diesen Jahres wurde der Wert von De Beers in verschiedenen Medienberichten auf 4,9 Mrd. US-Dollar beziffert. Ein hoher Betrag, jedoch hat das Unternehmen in einem Zeitraum von gut zwei Jahren rund 3,5 Mrd. US-Dollar an Wert verloren, wohl auch ein Hauptgrund für den Verkauf. Ein letztendlicher Kaufpreis würde Spekulationen zufolge unterhalb des Unternehmenswertes liegen.

Anglo hatte bereits klargestellt, Botsuana keinen Preisnachlass einräumen zu wollen. Präsident Boko müsste nun einen zusätzlichen Geldgeber finden, der den Kaufpreis teilweise finanzieren würde, und hat sich dafür bereits mit verschiedenen potenziellen Investoren getroffen. So besuchte er im Oktober 2025 die Omani Investment Authority, um über eine Zusammenarbeit zu sprechen. Laut Medienberichten soll ein Thema Bergbau gewesen sein. Inwieweit dabei der Kauf von De Beers im Einzelnen besprochen wurde, ist nicht bekannt. Das Interesse von Omani Investment Authority an der afrikanischen Bergbauindustrie zeigte sich jedoch schon im vergangenen Jahr in dem Kauf von Minen in Angola.

Ein weiterer möglicher Geldgeber ist die Qatars Al Mansour Holdings, eine Investmentfirma, die derzeit nicht nur in Botsuana investieren möchte, sondern bereits in fünf weiteren afrikanischen Staaten Investitionspläne hat. Im August diesen Jahres hatte das Unternehmen bereits einen Investitionsvertrag von 12 Mrd. US-Dollar mit Botsuana abgeschlossen, um unter anderem Infrastruktur und Bergbau im Land zu fördern. Für die Holding ist der afrikanische Kontinent besonders wegen geographischer Gegebenheiten und dem Vorkommen von Bodenschätzen interessant. Ob und wer am Ende den Kauf finanzieren würde, bleibt offen.

Natürlich ist Botsuana nicht der einzige Interessent. Zu den anderen Bietern gehören gleich zwei ehemalige Führungspersönlichkeiten von De Beers, zum einen der ehemalige CEO Gareth Penny und zum anderen der ehemalige Geschäftsführer Bruce Cleaver. Beide sollen ihrerseits bereits mit einigen Inverstoren verhandelt haben, darunter auch der Omani Investment Authority. Auch der Australier Michael O'Keeffe, ein erfahrener Bergbauunternehmer, soll sich auf der Liste der Bieter befinden. Ein weiterer Interessent ist Anil Agarwal, ein indischer Milliardär, der bereits Minen in Sambia und in Südafrika besitzt. Darüber hinaus sollen mit der KGK Group und Kapu Gems zwei indische Diamantenunternehmen getrennt voneinander Gebote abgegeben haben. Entsprechend groß erscheint die Liste potenzieller Käufer. Botsuana hat zwar ein Vorkaufsrecht, müsste aber auf den Kaufpreis eines Konkurrenten einsteigen.

Auch Angola zeigt Interesse

Der wohl bemerkenswerteste Mitbieter jedoch kommt nicht aus der Privatwirtschaft. Mit Angola hat nun auch ein benachbarter Staat Interesse an De Beers geäußert. Nachdem dessen staatliches Bergbauunternehmen Endiama zunächst einen Minderheitsanteil der De Beers-Gruppe kaufen wollte und das mit dem Wunsch nach der Zusammenarbeit in der Region mit Botsuana und Südafrika begründete, wurde unlängst ein Gebot für den Mehrheitsanteil an De Beers abgegeben.

Erst im letzten Jahr konnte Angola seine Diamantenproduktion erheblich steigern und Botsuana diesbezüglich sogar überholen. Zudem sind sich Angola und Anglo American nicht fremd. Endiama, das bereits 2022 mit Anglo American zusammenarbeitete, hat laut eigener Aussage ein wohl überlegtes Angebot für einen Mehrheitsanteil abgegeben. Als Grund wurden technische Möglichkeiten und Marketingfähigkeiten, die De Beers mitbringe, angegeben.

Ein möglicher Kauf von De Beers durch Endiama wäre für das Verhältnis zwischen Botsuana und Angola von immenser Bedeutung, da gut 70 Prozent der abgebauten Diamanten von De Beers aus Minen in Botsuana stammen. In einem Pressestatement machte die angolanische Finanzministerin Vera Daves de Sousa jüngst jedoch deutlich, dass der Kauf nicht aus dem staatlichen Haushalt finanziert werden würde. Entsprechend ungewiss erscheint nun das abgegebene Gebot von Endiama. Klar ist nur: Das Unternehmen müsste die Finanzmittel für den Kauf selbst stemmen oder externe Geldgeber finden.

Der angestrebte Kauf von De Beers verdeutlicht ein neu wachsendes Verständnis von Ländern zu ihren eigenen Bodenschätzen und Ressourcen. Duma Bokos Interesse und seine Forderung nach der Souveränität von Botsuana über die eigenen Diamantenvorkommen ist ein gutes Beispiel dafür. Mit Debswana hatte Botsuana zwar ein 50-prozentiges Mitspracherecht bei den Entscheidungen des Abbaus der Diamanten, doch das dahinterstehende Unternehmen war ein ausländisches mit einer ausländischen Muttergesellschaft. Sollte Botsuana in den Verhandlungen mit Anglo America einen Mehrheitsanteil an De Beers erhalten, könnte es von mehr Möglichkeiten profitieren als dem bloßen Abbau von Rohdiamanten. De Beers besitzt nicht nur die Technik für den Abbau und das Know-how im Bereich Marketing, sondern verfügt darüber hinaus über Schmuckbetriebe und produziert synthetische Diamanten. Ein Kauf von De Beers würde also nicht nur die Souveränität über den Abbau ermöglichen, sondern auch neue industrielle Zweige eröffnen. Dies ist von essenzieller Bedeutung, denn selbst bei einem positiven Ausgang des Verkaufs für Botsuana bleibt der fallende Diamantenpreis bestehen.

Das Land ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch zu abhängig von seinen Diamanten, die in den nächsten Jahren immer weniger wert sein werden, und schon heute hat Angola Botsuana in der Diamantenproduktion übertroffen. Deshalb steht Boko vor der Aufgabe, neue Wirtschaftszweige für das Land zu finden, wo De Beers eine entscheidende Rolle einnehmen könnte. Entscheidend wird auch die Höhe der US-Zölle auf Diamanten sein. Diesbezügliche Verhandlungen scheinen laut Boko einen positiven Verlauf zu nehmen. In einem Interview mit der BBC im Oktober spricht er aber auch über andere wirtschaftliche Wege, die er in Zukunft plane. Die Verarbeitung der Rohdiamanten nach Botsuana zu verlegen und dort eine größere Industrie dafür aufzubauen, soll den Gewinn aus den eigenen Diamanten im Land halten. Weitere Möglichkeiten laut Boko bieten auch der verstärkte Abbau von Kupfer, Nickel, und Kobalt, das sich in Botsuana finden lässt. Auch die Tourismusbranche soll zukünftig gestärkt werden.

Der Verkauf von De Beers bedeutet für Botsuana Chance und Risiko in gleichem Maße. Einerseits könnte es der Beginn für eine breitere wirtschaftliche Aufstellung des Landes sein, andererseits könnte die Zukunft des Unternehmens Probleme aufwerfen.

Margarete Elisabeth Wolkewitz studiert Geschichte, Politik und Gesellschaft.