Im Jahr 2024 hatte sie ihren 100. Geburtstag gefeiert. Bis zuletzt war Ruth Weiss, Schriftstellerin, Journalistin und Kämpferin gegen Apartheid und Rassismus, aktiv. Gerade erst ist im Herder Verlag ihr letztes Buch erschienen: „Erinnern heißt Handeln – Mein Jahrhundertleben für Demokratie und Menschlichkeit" (2025, 176 Seiten).
Am 5. September ist Ruth Weiss im gesegneten Alter von 101 Jahren in den frühen Morgenstunden friedlich eingeschlafen. „Es erfüllt uns große Trauer, und gleichzeitig eine große Dankbarkeit, diese wunderbare Frau gekannt zu haben und sie in ihrem Kampf gegen jegliche Form vom Diskriminierung und Ausgrenzung haben unterstützen dürfen", heißt es in einer Mitteilung der Ruth-Weiss-Gesellschaft.
Dem kann sich die Redaktion von afrika süd nur anschließen. Ruth Weiss dürfte langjährigen afrika süd-Leser*innen nicht nur durch ihre Beiträge in der Zeitschrift bekannt sein: „Ausgegrenzt in zwei Welten" hieß ihr Beitrag zu ihrer frühen Erfahrung mit Antisemitismus und Rassismus in Ausgabe 3-2014. In Ausgabe 3-2020 verfasste sie selbst einen Nachruf auf Denis Goldberg, den „sanften Riesen" des Anti-Apartheid-Kampfes. Und in Ausgabe 3-23 schließlich berichtete Melanie Boehi über die späte Ehrung von Ruth Weiss durch Südafrikas Präsidenten Cyril Ramaphosa.
Ruth wurde 1924 in eine jüdische Familie in Fürth geboren und musste Deutschland mit ihrer Familie während der dunklen Zeit der Nazidiktatur verlassen, um Verfolgung und Shoa zu entkommen. „Mein Leben war geprägt durch zwei besondere Umstände", schreibt sie in ihrem jüngsten Buch: „meine Geburt als Jüdin im Deutschland vor dem Nationalsozialismus, die Erfahrung von Rassismus als Antisemitismus und die Flucht vor Verfolgung und Vernichtung, wie sie Millionen von Jüdinnen und Juden erleiden mussten. Und durch das Ziel meiner Flucht: Südafrika, ein Land, in dem ich den Rassismus als Ablehnung und Ausgrenzung aller ‚nicht-weißen' Menschen unter dem menschenverachtenden System der Apartheid, der Rassentrennung, erlebte."
Diese beiden Erfahrungen bestimmten ihr Leben: Sie wurde Journalistin und kämpfte mit der Waffe des Wortes gegen jede Art von Rassismus und Ungerechtigkeit. „Mein Handeln war das Schreiben, meine Waffe war die Feder, oder besser gesagt: die Schreibmaschine. Als Journalistin wollte ich die Ungerechtigkeit bekämpfen, Missstände aufdecken, Fakten für sich sprechen lassen, und zwar so klar und deutlich, dass die Menschen, die meine Artikel lasen, ihre Schlüsse selbst ziehen konnten. Und im besten Fall selbst zum Handeln motiviert und ermutigt wurden."
Ohne Rücksicht auf Leib und Leben schrieb sie als Journalistin gegen das Unrecht an, verfasste bis zuletzt Romane über die Geschichte des Judentums oder politischen Verhältnisse in Afrika und begab sich auch noch in hohem Alter auf Lesereisen, um vor allem in Schulen den jüngeren Generationen ihre Erfahrungen als Zeitzeugin weiterzugeben.
Ruth wurde am 15. September 2025 auf dem jüdischen Friedhof in Münster zur Ruhe gebettet.

