Heft 4/2025, Mosambik

Kann Mosambik eine „Jacaranda-Revolution“ vermeiden?

50 Jahre nach seiner Unabhängigkeit steht Mosambik am Abgrund, die Bevölkerung, insbesondere die junge Generation, hat die Korruption und das herrschende Regime satt. Joseph Hanlon hat die Machtübernahme der Frelimo nach dem Zusammenbruch der portugiesischen Kolonialmacht von Anfang an kritisch begleitet. In einem Vortrag auf der Jahreskonferenz der OMR (Observatório do Meio Rural) in Maputo spricht er von einer möglichen „Jacaranda-Revolution", nicht ohne darauf hinzuweisen, dass die Frelimo nur mit Hilfe von IWF und Weltbank so korrupt werden konnte.

Von Dr. Joseph Hanlon

Als der faschistische Staat in Portugal vor 51 Jahren ohne einen einzigen Schuss zusammenbrach, sprach man von einer „Nelkenrevolution". Die regierende Frelimo in Mosambik verliert zunehmend an Unterstützung in der professionellen Mittelschicht und bei jungen Menschen, die von Universitäten im Ausland zurückkehren. Könnte es sein, dass die mosambikanische Elite einfach zusammenbricht und nach Dubai oder Kapstadt flieht? Würden wir es dann eine „Jacaranda-Revolution" nennen?

Die Regierung gibt zu, dass Armut und Ungleichheit zunehmen. Laut Weltbank ist Mosambik eines der korruptesten Länder der Welt. Ich habe in den letzten Jahren für das Centro de Integridade Pública (CIP) und mit Hunderten von Korrespondent*innen vor Ort über alle Mehrparteienwahlen in Mosambik berichtet. Zuletzt war die Wahlmanipulation so groß, dass niemand mehr weiß, wer tatsächlich gewonnen hat.

Viele Staaten stecken heute in einer Krise. In jedem einzelnen ist die Form der Krise anders. Historische Untersuchungen zeigen, dass drei Dinge zum Zusammenbruch von Staaten führen. Erstens: zunehmende Ungleichheit. Zweitens: die Konzentration politischer und wirtschaftlicher Macht durch eine korrupte Elite. Und drittens: mangelnde Demokratie. Es sind nicht nur die unfairen Wahlen, sondern auch das Fehlen anderer Mechanismen, durch die die Menschen das Gefühl haben, Entscheidungen beeinflussen zu können. Fünfzig Jahre nach der Unabhängigkeit passt Mosambik in dieses Muster. Die Menschen fühlen sich ausgegrenzt und sind unruhig. ...

Dr. Joseph Hanlon lehrt an der London School of Economics und Open University und gibt u. a. den Mozambique News Reprt heraus. Im Oktober erschien sein neues Buch „Moçambique recolonizado atraves da corrupçao – Como o FMI criou um estado oligarquico" (Recolonising Mozambique by corruption – How the IMF created the oligarch state).

Seine hier gekürzte Rede hielt er am 7. Oktober 2025 auf einer Konferenz von OMR (Conferencia Anual do OMR – Observatório do Meio Rural) in Indy Village, Maputo.

Übersetzt aus dem Englischen.

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