Heft 5/2018, Simbabwe: Ökologie

Wir werden immer noch kolonisiert

INVASIVE PFLANZEN BEDROHEN DIE BIODIVERSITÄT IN SIMBABWE. Was bei uns als Zierpflanze geschätzt wird, breitet sich in Simbabwe ungehindert aus: das Wandelröschen. Auch andere invasive Arten wie die Zypresse oder Eukalyptus wurden einst sorglos eingeführt. Umweltaktivisten rufen nach gesetzlichen Maßnahmen gegen die ungehinderte Ausbreitung solcher die einheimischen Pflanzen bedrohenden Arten.

Die romantische afrikanische Landschaft der endlosen Savanne, gesprenkelt mit Akazienbäumen oder Miombowäldern wie in Simbabwe, kämpft um ihr Überleben. Unser einst kolonialisiertes Land wird immer noch von „Fremdem" eingenommen – dieses Mal von invasiven Pflanzenarten. Leider gewinnen diese „Aliens" hier den Krieg, da es – im Gegensatz zu unseren südlichen Nachbarn Südafrika – in Simbabwe nur wenige gibt, die das Problem der invasiven Arten aktiv angehen. Südafrika dagegen ist Vorreiter in Bezug auf aktive und fortschrittliche Gesetze, die jeden Gärtner oder Landwirt dazu bringen werden, zweimal darüber nachzudenken, eine invasive Art zu pflanzen.

Was aber sind invasive Arten? Warum sollte man ihnen nicht mit Geringschätzigkeit begegnen? Und warum sollte eine Pflanze, die wegen ihrer Schönheit als nützlich oder schätzenswert gilt, entfernt werden? Invasive Pflanzen sind fremde oder exotische Arten in einem Gebiet, Land oder Kontinent. Sie haben sich in ihrem neuen Lebensraum aufgrund des Klimas und des Mangels an natürlichen Feinden ausgebreitet. Dabei übernehmen und zerstören sie die endemische Biodiversität und bedrohen dadurch alle einheimischen Pflanzen, die Bodenphysik, die Tierwelt und manchmal sogar unsere Gesundheit und Lebensgrundlage.

Ausbreitung invasiver Arten
Vor allem die Lantana camara (Wandelröschen) aus Südamerika ist eine invasive Art, die laut Gesetz in Simbabwe vernichtet werden sollte. Sie ist nicht nur giftig für Menschen und Haustiere, sondern breitet sich auch schnell aus und bedroht unsere einheimische Pflanzenpopulation. In anderen Teilen der Welt bewundert, ist diese buschige giftige Pflanze heute im ganzen Land verbreitet. Der Ausrottungsprozess gestaltet sich schwieriger als gedacht, da es sich um eine äußerst hartnäckige Pflanze handelt. Es bedarf einer kontinuierlichen Behandlung, um sie erfolgreich auszurotten. Wegen des Mangels an Ressourcen ergreift die lokale Umweltbehörde nicht die erforderlichen Maßnahmen, um sie zu beseitigen.

Auch kleinere Organisationen nehmen sich der Aufgabe an. Gavin Stephens, Vorsitzender der Matobo Conservation Society, setzt sich aktiv mit dem Problem im Matopo-Nationalpark auseinander, da dort eine Reihe von invasiven Arten vorkommen, von denen Lantana camara wahrscheinlich die bedrohlichste ist; sie kommt inzwischen an vier der fünf Welterbestätten Simbabwes vor. Gavin Stephens drängt die Regierung, eine neue Politik zu entwerfen, die sich mit invasiven Arten befasst.

Bedrohte Wasserqualität
Invasive Pflanzen ersticken nicht nur unser Land, sondern auch unsere Wasserwege. Das schädliche Kariba-Unkraut, der Azolla-Farn und die Wasserhyazinthe breiten sich in rasantem Tempo aus und bedecken große Gewässer mit einer dicken Vegetationsmatte, die im Gegenzug der Wasserflora und -fauna Sauerstoff und Licht entzieht. Dies beeinflusst die Wasserqualität, und die dichte Vegetation wird auch als Brutgebiet für Bilharziose tragende Schnecken und Moskitos angesehen, was in Malariagebieten ein Problem darstellt. Die Hauptwasserversorgung von Harare, der Chivero-See, wird ständig von einer Decke aus wassergetragenen Exoten bedeckt. Das Kariba-Unkraut, Salvinia molesta, das in Brasilien beheimatet ist, ist in viele Wasserwege des afrikanischen Kontinents eingedrungen. Mehrere afrikanische Länder haben es geschafft, das Unkraut zu kontrollieren, indem sie den Salvinia-Rüsselkäfer, Cyrtobagus salviniae, eingeführt haben.

In kleinerem Umfang gibt es noch unzählige weitere invasive Arten, die in der Kolonialzeit als Gartenpflanzen eingeführt wurden. Einige von ihnen verbreiten sich vielleicht nicht so stark wie Lantana, aber sie wirken sich dennoch auf unsere Umwelt aus, indem sie Böden sterilisieren, unsere einheimischen Pflanzen zerstören und ersetzen. Die Jacaranda aus Südamerika ist heute eine Ikone in Simbabwe, da sie die Straßen von Harare säumt und die Städte lila färbt, wenn sie im Oktober blüht. Es handelt sich jedoch um eine Invasion, die sich nun auf dem Land ausbreitet und mit dem einheimischen Busch konkurriert. Jacaranda-Bäume dürfen nicht mehr gepflanzt werden, aber die bereits bestehenden werden in Ruhe gelassen.

Zypressen und Eukalyptus
Ann Sinclair, eine Baumberaterin in Harare, wird oft gerufen, um die Bäume auf den Grundstücken der Menschen zu beurteilen. Sie erklärt, dass Zypressen oft das größte Problem sind. Während des Wachstums der jungen Vororte von Harare vor über siebzig Jahren empfahl die Forstverwaltung den Anbau von Zypressen, um die Grenzen der neuen Grundstücke zu definieren und sie als Windschutz zu nutzen. Jetzt sind wir mit Zypressen überschwemmt und haben ein großes Problem. Diese hoch aufragenden Bäume sind für die Vorstädte nicht geeignet, da ihre flachen Wurzeln sie nicht festhalten; sie werden jedes Jahr während unserer stürmischen Regenzeit mehr und mehr ausgerissen und beschädigen dadurch elektrische Oberleitungen, Häuser und Autos. Die Probleme, die sie mit sich bringen, sind immens. Da sie auch den Boden steril machen, kann unter ihnen nichts wachsen. Darüber hinaus sind diese durstigen Bäume nicht für unser trockenes Klima geeignet, da sie aus feuchteren Gebieten der nördlichen Hemisphäre stammen.

Allerdings bestehen im Bezug auf die Ausrottung einer invasiven Art manchmal auch Grauzonen, da einige wenige sich als vorteilhaft erweisen, wenn sie unter kontrollierten Maßnahmen angebaut werden. Die Eukalyptusarten wurden vor über hundert Jahren nach Simbabwe eingeführt, um dort als schnell wachsender Baum für Holz verwendet zu werden. Eukalyptusbäume wachsen rasch nach, wenn sie zurückgeschnitten werden. Bevor man mit der Verwendung von Kohle begann, wurde Eukalyptus in der kommerziellen Landwirtschaft angebaut, um für die Trocknung von Tabak genutzt zu werden. Tabak ist eine der führenden Industrien in Simbabwe. Viele Kleinbauern haben den finanziellen Nutzen des Tabakanbaus erkannt und können sich die Kosten für Kohle nicht leisten, weshalb sie unsere langsam wachsenden einheimischen Bäume als Brennholz abgeholzt haben. Die Zimbabwe Tobacco Association hat Verfahren eingeführt, mit denen Kleinbauern ihre eigenen Eukalyptusbäume anbauen können, bis heute werden trotzdem noch immer einheimische Bäume für die Trocknung des Tabaks verwendet.

Leider hat sich der Eukalyptus durch Misswirtschaft der Parzellen verbreitet und ist im ganzen Land einschließlich der Städte zu finden. Diese großen australischen Bäume sind im Gegensatz zu unseren einheimischen Bäumen als starke Trinker bekannt und trocknen viele unserer Feuchtgebiete, Wasservorräte in den Städten und kleinere Wasserwege aus. Vor einem Jahrhundert wurde im Quellgebiet des Maleme River ein Arboretum aus verschiedenen Gehölzen errichtet. Nachdem er aufgegeben wurde, breiteten sich der Eukalyptus und ein weiterer australischer Baum, die Flaschenbürste, im Tal aus, schädigten die einheimische Flora und trockneten das Flussbecken aus. Unter diesen Umständen sollte die Regierung gesetzliche Bepflanzungsmaßnahmen über die Bewirtschaftung von Eukalyptusfeldern und deren Beseitigung an anderer Stelle erlassen, da Simbabwe Jahr für Jahr unter Wassermangel leidet, der auf unregelmäßige Regenfälle und einen Mangel an kommunalem Wasser zurückzuführen ist.

Aufgrund der Wasserknappheit in Simbabwe sehen wir einen Wandel in der Gartenwirtschaft. Menschen ersetzen exotische Pflanzen durch einheimische, wassereffiziente Bäume und Pflanzen. Allerdings sehen noch viele Menschen die Entfernung von Pflanzen von ihrem Grundstück eher als kostspielige Belästigung denn als Hilfe für unsere Umwelt. Es ist noch ein weiter Weg, die Öffentlichkeit über invasive Arten und deren Auswirkungen auf unser Land aufzuklären, daher sollte die Regierung eingreifen, bevor unsere Savanne durch Lantana-Büsche und Eukalyptusbäume überwuchert wird.

Kari Olivey

Die Autorin ist eine Umweltaktivistin, Journalistin und Herausgeberin der Zeitschrift „The Zimbabwean Gardener" (http://www.zimgardener.com/).