Heft 5/2019, Südafrika

Armut, Ungleichheit und Charity

DIE HINTERLASSENSCHAFTEN VON APARTHEID UND KOLONIALISMUS SIND MIT WOHLTÄTIGKEITEN NICHT ZU BEWÄLTIGEN.

Nkosikho Mbele arbeitet als Tankwart in einer Shell-Station an der N2-Autobahn in der Nähe von Makhaza, einer informellen Siedlung von Khayelitsha im westlichen Kap. Niemand wäre auf ihn aufmerksam geworden, wenn nicht das lokale Nachrichtenportal News24 am 28. Mai 2019 darüber berichtet hätte, dass Mbele 100 Rand (etwa 8 US-Dollar) aus eigener Tasche bezahlt habe, um die Tankrechnung einer Kundin zu begleichen. Monet van Deventer hatte nämlich ihre Kreditkarten zu Hause vergessen. Als Reaktion auf Mbeles Freundlichkeit richtete sie eine Spendenkampagne ein, um 100.000 Rand zugunsten von Mbele einzuwerben.

Dass die südafrikanischen Medien aus naheliegenden Gründen von der Story besessen waren, überrascht nicht: Mbele ist schwarz und van Deventer ist weiß. Mbele gehört offensichtlich der Arbeiterklasse an, van Deventer ist eine Mittelklassefrau. Südafrika ist „rassisch" gespalten, und die Geschichte bot den liberalen Medien des Landes so etwas wie Hoffnung auf Kontakt „über die Farblinien" hinweg. Die Geschichte entwickelte sich und wurde in verschiedener vorhersehbarer Form präsentiert: Mbele wurde als selbstlose Person gefeiert; van Deventer wurde als tugendhafte Person und ihr Verhalten als etwas dargestellt, dem Südafrikaner aller Lebensbereiche nacheifern sollten. Und schließlich, „trotz allem", sollten wir dem Geist der Menschlichenkeit hoffnungsvoll vertrauen. ...

Mpho Ndaba

Der Autor ist Aktivist, Wissenschaftler, Schriftsteller und Produzent aus Südafrika.
Der Beitrag erschien am 22.7.2019 auf „africasacountry.com"
https://africasacountry.com/2019/07/poverty-inequality-and-virtuosity-in-south-africa

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