Heft 5/2021, afrika süd-dossier: Klimakrise im südlichen Afrika

Ein Plan zum Ausstieg aus der Kohle?

Massive Kohlendioxidemissionen gelten als Hauptursache für die globale Erderwärmung. Südafrika steht im globalen Vergleich auf Platz 14 der größten Treibhausgasemittenten. Der Thinktank Trade & Industrial Policy Strategies (TIPS) gibt an, dass 60 Prozent von Südafrikas Treibhausgasemissionen auf die Kohle-Wertschöpfungskette zurückzuführen sind. Allein das südafrikanische Stromversorgungsunternehmen Eskom ist für 45 Prozent der nationalen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Das zu Eskom gehörende Kohlekraftwerk Kendal ist – gemessen an der Leistung – das größte Kohlekraftwerk der Welt.

Um der Kohleabhängigkeit Südafrikas entgegenzuwirken und zugleich die globale Erderwärmung im Sinne des Pariser Abkommens abzuschwächen, soll nun die Just Transition Transaction (JTT), eine Form der multilateralen Klimafinanzierung zwischen Regierungen der Industrieländer auf der einen und der südafrikanischen Regierung auf der anderen Seite, in Kraft treten. Das Pariser Abkommen sieht vor, die globale Erderwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen. Werden weltweit aber weiterhin so viele Treibhausgase ausgestoßen wie derzeit, dann wird die globale Erderhitzung dieses Ziel deutlich überschreiten. JTT ermöglicht mit einem Darlehen von 750 Mio. Rand (rd. 43 Mio. Euro) über die kommenden zehn Jahre die Erschließung der Marktfinanzierung von Infrastrukturprojekten des südafrikanischen Stromsektors. Sie ist als Finanzierung für die Zeit gedacht, mit der sich das Land von der Kohle trennt und zugleich den erneuerbaren Energiesektor ausbaut.

Das übergeordnete Ziel – die Dekarbonisierung der südafrikanischen Stromerzeugung – soll in diesem Sinne zugleich zur Senkung der nationalen Treibhausgasemissionen beitragen. Hierbei sieht die Vereinbarung auch vor, dass Südafrika ein bestimmter Dollar-Wert pro eingesparter Tonne Kohlestrom zugestanden wird, um die Klimaschutzleistungen weiter zu beschleunigen. Dies soll u. a. dazu führen, dass die Treibhausgasemissionen Südafrikas um fast die Hälfte eingespart werden können. Hierfür sollen im Hinblick auf Südafrikas Energiekonzept – Integrated Resources Plan 2019 – Kohlekraftwerke von Eskom (u. a. Komati, Hendrina, Grootvlei, Medpui und Kusile) stillgelegt werden. Dies würde zu einer Einsparung von 10.500 Megawatt Kohlestrom führen. Neben der Reduktion von laufenden Kohlekraftwerken sollen zugleich auch keine neuen Werke geplant bzw. bereits vorhandene Pläne verworfen werden. Diese Maßnahmen helfen zugleich auch, die Ziele der Nationally Determined Contribution (NDC) und somit das Netto-Null-Ziel der Low Emission Development Strategy von Südafrika bis 2050 zu erreichen.

Der Abbau von Kohlekraftwerken führt jedoch zu einer eklatanten Lücke im südafrikanischen Stromversorgungssystem, die mit erneuerbaren Energiequellen geschlossen werden müsste. Außerdem sind derzeit rund 200.000 Menschen von der Kohle-Wertschöpfungskette abhängig. Folgt man dieser Argumentation, dürfe eine Abkehr von der Kohlestromerzeugung nicht vorschnell geschehen, da ansonsten diese Personengruppe in finanzielle Engpässe gestürzt werden könnte, was zu einer Verschlechterung der ohnehin schon defizitären Ökonomie Südafrikas führen könnte. Diese ist durch eine hohe Arbeitslosenquote, eine Vielzahl an Menschen, die unter der Armutsgrenze leben, sowie eine starke Ungleichverteilung des Einkommens gekennzeichnet.

Eine Studie von Meridian Economics, einem südafrikanischen Beratungsunternehmen für Energie- und Infrastrukturwirtschaft, sieht JTT zwar nur als einen Baustein, aber als eine berechenbare Einnahmequelle für einen Just Transition Fund (JTF). Die jährlichen Zahlungen könnten über den Darlehenszeitraum als Impulsfinanzierungen eingesetzt werden, um so Kohlearbeiter*innen sowie die betroffenen Gemeinden – u. a. Mpumalanga – in ihrer Entwicklung hin zu einer alternativen und nachhaltigen Wirtschaft zu unterstützen. Diese finanziellen Mittel könnten somit als Anker für eine neue, umweltfreundlichere und nachhaltigere Wirtschaft dienen. Das dreckige Kohlegeschäft könnte bald der südafrikanischen Geschichte angehören, allerdings nur wenn es gelingt, den erneuerbaren Energiesektor zu stärken und somit die nationalen wie auch internationalen Klimaziele zu erreichen.

Annika Heck