Heft 5/2021, afrika süd-dossier: Klimakrise im südlichen Afrika

Es ist Zeit zu handeln!

KLIMAWANDEL IM SÜDLICHEN AFRIKA

Der Zyklon Idai, einer der schlimmsten tropischen Wirbelstürme, der jemals über Afrika und die südliche Hemisphäre hinweggefegt ist, traf am 14. März 2019 auf Mosambik. Innerhalb von nur fünf Tagen traf er mehr als 2,2 Mio. Menschen in Mosambik, Simbabwe und Malawi. Mehr als 1300 Menschen starben und Tausende wurden vertrieben. Es handelt sich um die schlimmste Natur- und Klimakatastrophe, die sich bisher im südlichen Afrika ereignet hat. Sie war ein Signal für das, was noch kommen wird. Idai ist die Folge der sich verändernden Klimabedingungen und des steigenden Meeresspiegels, die weltweit extreme Wetterbedingungen verursachen.

Das südliche Afrika ist die Heimat von schätzungsweise 345 Mio. Menschen. Die Region weist eine unglaubliche Vielfalt an Ökosystemen, natürlichen Ressourcen, wirtschaftlichen Aktivitäten und unterschiedlichen Siedlungen auf. Der Großteil des Lebensunterhalts in der Region wird durch die landwirtschaftliche Produktion gesichert. Der Klimawandel stellt eine neue Bedrohung und Herausforderung für die Region dar, da viele Haushalte nur begrenzt in der Lage sind, sich an Klimaschwankungen und -veränderungen anzupassen. Dies wird durch die bereits bestehenden schlechten Bedingungen an einigen Orten noch verschärft.

Häufigere Dürren
Der Weltklimarat sagt voraus, dass Afrika eine der am stärksten betroffenen Regionen der Welt sein wird. Jüngste Berichte deuten darauf hin, dass sich der größte Teil des südlichen Afrika in diesem Jahrhundert erwärmen wird, wobei sich die trockeneren subtropischen Regionen stärker erwärmen werden als die feuchten Tropen. Die jährlichen Niederschläge werden wahrscheinlich in der gesamten Region abnehmen.

Der Klimawandel wird eine besondere Herausforderung für die Nahrungsmittelproduktion in der Region darstellen. Die Landwirtschaft im südlichen Afrika ist in hohem Maße vom Regenfeldbau abhängig. Häufigere und länger anhaltende Dürren werden daher die Ernteerträge ernsthaft verringern und damit die Ernährungssicherheit beeinträchtigen. Dürregefährdete Gebiete in Namibia, Botswana und Simbabwe werden davon besonders betroffen sein. Dies bedeutet, dass in diesen Regionen die landwirtschaftlich nutzbare Fläche reduziert wird. Dies wird zu Ernteeinbußen bei wichtigen Kulturpflanzen wie Mais, Sorghum oder Weizen führen. Die Verringerung der produktiven Flächen bedeutet außerdem, dass es in der Region weniger Weideflächen für Rinder und anderes Vieh geben wird. Darüber hinaus werden die steigenden Temperaturen in Seen und Meeren zu einem Rückgang der Fischpopulationen in der Region führen.

Wasserknappheit und Migration
Die in der Region bereits bestehenden Wasserprobleme werden sich durch den Klimawandel wahrscheinlich noch weiter verschärfen. Dürreperioden und geringere jährliche Niederschläge werden die Wassermenge in Dämmen und Stauseen stark reduzieren. Andererseits werden intensive Niederschlagsereignisse an einigen Orten die Häufigkeit von Überschwemmungen erhöhen. Der geringere Gesamtabfluss wird jedoch den derzeitigen Wassermangel verschärfen, die Qualität und Quantität des für den häuslichen und industriellen Gebrauch verfügbaren Wassers verringern und die Wasserkrafterzeugung einschränken. Schon jetzt leiden einige Flüsse in der Region wie der Save, der Limpopo und der Sambesi unter Verschlammung, was auch auf den Rückgang der Waldflächen und schlechte Umweltpraktiken zurückzuführen ist.

Anhaltende Dürren, Überschwemmungen und andere extreme Wetterbedingungen werden die Menschen veranlassen, auf der Suche nach fruchtbarem Land, sauberem Wasser und Weideland ihre Heimat zu verlassen. Dies wird zu Druck und Spannungen führen, da die Menschen um den Zugang zu Land, Wasser und neuen Lebensräumen kämpfen. Die globale Erwärmung und der Klimawandel tragen in der SADC-Region bereits jetzt zur Binnenmigration bei. Mit zunehmenden Ernteausfällen in Verbindung mit wiederkehrenden Dürren werden immer mehr Menschen, vor allem Subsistenzbauern, ihr Land aufgeben und in die Städte abwandern, um alternative Einkommensmöglichkeiten zu suchen. Es ist zu erwarten, dass der Klimawandel die umweltbedingten Migrationsmuster noch verschärfen wird, sodass es dringend notwendig ist, sich mit den Auswirkungen des Klimawandels zu befassen, um weitere Katastrophen und Konflikte zu vermeiden.

Was wird unternommen?
In der Region gibt es Maßnahmen, die auf die Verminderung der Auswirkungen des Klimawandels abzielen. Diese reichen von regierungspolitischen Entscheidungen bis hin zu praktischen Maßnahmen. Alle Länder der Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrika sind Vertragsparteien des UNFCCC, der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen. Die meisten Länder haben ihre ersten Berichte (Nationally Determined Contributions; NDC) vorgelegt; andere befinden sich in der Phase der Überarbeitung ihrer NDCs, was bereits jetzt ein Fortschritt ist. Auf nationaler Ebene verfügen die meisten Länder über Strategien zur Bewältigung des Klimawandels und über eine eigene Klimaschutzpolitik. Was die Klimapolitik betrifft, so gibt es in der Region eindeutige politische Maßnahmen und Strategien. Die größte Herausforderung bei diesen Maßnahmen ist die Umsetzung und Finanzierung.

Der Großteil der Finanzierung von Klimamaßnahmen und Resilienzaufbau in der Region erfolgt durch Entwicklungspartner sowie bilaterale und multilaterale Geldgeber. Es gibt bereits gute Programme, die von solchen Partnern finanziert wurden. Ein Beispiel ist der Zimbabwe Resilience Building Fund, der mehr als 180.000 Haushalte mit Maßnahmen unterstützt, die darauf abzielen, die Widerstandsfähigkeit von Gemeinschaften gegenüber Schocks und Belastungen zu erhöhen. Der Fonds unterstützt auch nationale Erhebungen, die für die Durchführung von Resilienzprogrammen von entscheidender Bedeutung sind, wie z. B. Bewertungen der Existenzgrundlagen und der Vulnerabilität, Armutserhebungen und Erhebungen zur Landwirtschaft.

In anderen Ländern des südlichen Afrika gibt es weitere interessante Klima- und Resilienzförderungsprogramme. In Malawi heißt ein entsprechendes Projekt „Saving Lives and Protecting Agriculture-based Livelihoods in Malawi: Scaling Up the Use of Modernized Climate Information and Early Warning Systems" (M-CLIMES). Das Projekt wird vom Green Climate Fund (GCF), einem globalen Fonds, der eingerichtet wurde, um die Bemühungen der Entwicklungsländer dabei zu unterstützen, auf die Herausforderungen des Klimawandels zu reagieren, kofinanziert. Es unterstützt Malawis Regierung dabei, wichtige Schritte zu unternehmen, um Leben zu retten und die Lebensgrundlagen zu verbessern, die durch klimabedingte Katastrophen gefährdet sind. Hierbei konzentriert sich das Projekt auf die technischen und finanziellen Kapazitäten Malawis sowie auf die Zugangsbarrieren im Zusammenhang mit Wetter- und Klimainformationen.

Diese und weitere Maßnahmen sind in der aktuellen Phase, in der die Region bereits die Auswirkungen des Klimawandels zu spüren bekommt, wichtig. Es ist notwendig, die Finanzierung solcher Projekte in der Region fortzusetzen, um Haushalte, die von Klimaschocks betroffen sind, zu unterstützen.

Was muss getan werden?
Es besteht kein Zweifel, dass die Welt bei der Bewältigung des Klimawandels zusammenarbeiten muss. Die Prozesse und Verpflichtungen, die auf globaler Ebene eingegangen wurden, um das Problem des Klimawandels anzugehen, müssen dringend eingehalten werden. Denn die Welt hat nur eine begrenzte Zeit, um gegen den Klimawandel vorzugehen. Um die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu vermeiden, müssen wir den globalen Temperaturanstieg auf zwei Grad begrenzen. Im Jahr 2015 haben sich die Länder in Paris darauf geeinigt, den Temperaturanstieg auf unter 1,5 Grad zu begrenzen. Die Länder, die das UNFCCC unterzeichnet haben, haben diesem Plan zugestimmt, aber die aktuellen Pläne auf Länderebene (die NDCs) sind zum Teil weit davon entfernt, den Temperaturanstieg zu reduzieren. Die Wissenschaft sagt uns, dass bei unseren derzeitigen Plänen die Kohlenstoffemissionen wahrscheinlich dazu führen werden, dass die globale Durchschnittstemperatur in den nächsten zwölf Jahren die 2-Grad-Marke überschreitet und bis zum Ende des Jahrhunderts die 3-Grad-Marke erreicht haben wird. Uns bleibt nicht mehr viel Zeit. Es muss jetzt gehandelt werden, um die Klimakatastrophe aufzuhalten. Die Länder müssen Strategien entwickeln, um die Kohlenstoffemissionen zu reduzieren und das Netto-Null-Ziel zu erreichen.

In der SADC-Region müssen die Länder Anstrengungen unternehmen, um den Klimawandel zu bewältigen. Für die SADC-Länder ist die Frage des Klimawandels eine Frage der Klimagerechtigkeit. Doch mit Ausnahme Südafrikas haben die SADC-Länder nur geringfügig zu den weltweiten Emissionen beigetragen. Die Industrieländer sind für den größten Teil der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Das ist eine Tatsache. Deshalb wird darauf hingewiesen, dass die Industrieländer mehr zur Lösung der Krise beitragen müssen. Doch leider müssen auch die Länder im südlichen Afrika mehr tun, um zur Abschwächung des Klimawandels beizutragen. Die einzelnen SADC-Staaten müssen sich besser auf klimabedingte Katastrophen und andere klimabedingte Notfälle vorbereiten. Es muss mehr getan werden, um die Widerstandsfähigkeit der Gemeinschaften gegenüber den Folgen des Klimawandels zu stärken.

Die Länder im südlichen Afrika müssen mehr Anstrengungen unternehmen, um die Kernpunkte ihrer Klimapolitik und Reaktionsstrategien umzusetzen. Es bedarf eines politischen Willens zur Finanzierung von Klimainitiativen in den Ländern. Bislang verfügen nur wenige Länder der Region über Klimafonds oder -programme, die aus ihren jeweiligen Staatshaushalten finanziert werden.

Indigene Wissenssysteme stärken
Die Menschen im südlichen Afrika müssen für den Klimawandel sensibilisiert werden. Es sind bereits jetzt Informationen verfügbar, aber es ist notwendig, gefährdete Gruppen, Frauen, Jugendliche und indigene Gemeinschaften zu erreichen. Ich habe festgestellt, dass die Menschen in den Städten sich zwar der Problematik des Klimawandels bewusst sind und diese auch verstehen, in den Dörfern und auf dem Land aber noch viel mehr getan werden muss. Hier sind die Regierungen und Entwicklungspartner gefragt. Die Informationen müssen in lokale und indigene Sprachen übersetzt werden, damit die Menschen verstehen, was sie bedeuten. Auch die Aufklärung über den Klimawandel muss auf die verschiedenen Kontexte abgestimmt werden. Darüber hinaus müssen auch religiöse Führer in der Region eine Rolle bei der Verbreitung von Informationen über die Auswirkungen des Klimawandels spielen. Denn die Mehrheit der Menschen in der Region ist religiös.

Außerdem müssen die Maßnahmen auf der Gemeindeebene sicherstellen, dass sie sich auf bereits vorhandene indigene Wissenssysteme stützen. In verschiedenen Gemeinschaften der Region gibt es bereits indigene Mechanismen zur Bewältigung des Klimawandels. Anstatt fremde Modelle der Widerstandsfähigkeit zu übernehmen, muss in umfassende Studien und Forschungen zu indigenen Wissenssystemen investiert werden. Dies wird für die Umsetzung von Projekten zur Anpassung an den Klimawandel und zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit auf Gemeindeebene wichtig sein. Die Nutzung indigener Wissenssysteme wird auch dazu beitragen, das Bewusstsein für die Auswirkungen des Klimawandels in der Gemeinschaft zu schärfen, ohne dass sich die Menschen dagegen wehren.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass für die Menschen im südlichen Afrika viel auf dem Spiel steht, wenn die Welt nicht die notwendigen Schritte zur Bekämpfung des Klimawandels unternimmt. Die Vertragsparteien des UNFCCC müssen ihre ehrgeizigen Pläne zur Begrenzung der globalen Temperaturen auf unter 1,5 Grad Celsius umsetzen. Das südliche Afrika spürt bereits jetzt die harten Auswirkungen des Klimawandels und extremer Wetterbedingungen wie Überschwemmungen und Dürren. Wir müssen jetzt handeln, um die Lebensgrundlagen der Menschen zu schützen.

Collins Shava

Der Autor ist Geschäftsführer der Youth at All Africa Conference of Churches (AACC-CETA) in Simbabwe und Experte in Umwelt- und Klimafragen.
https://collinsshava.wordpress.com/