Heft 5/2021, Südafrika: Plünderungen

Wer steckt hinter den Plünderungen?

Die Aufstände und Plünderungen in Südafrika begannen am 12. Juli 2021. Bereits vier Tage später sprach Präsident Cyril Ramaphosa davon, dass die Vorkommnisse ein bewusster, koordinierter und gut geplanter Angriff auf die südafrikanische Demokratie gewesen seien. Das Ziel der Aufstände sei gewesen, die Wirtschaft des Landes sowie den sozialen Zusammenhalt zu destabilisieren – u. a. durch die Unterbrechung von Lieferketten – sowie den demokratischen Staat zu schwächen oder gar umzustürzen. „Anarchie und Unruhe in unserem Land" werde man nicht gestatten, beschwor Ramaphosa.

Doch wer steckt hinter der Planung der Aufstände? Brett Herron, Generalsekretär der Good Party, hat bereits kurz nach Beginn der Unruhen Informationen über drei WhatsApp-Gruppen (Ethekwini Shutdown, INK Shutdown, Free Zuma Information) bekannt gegeben. Diese wurden allesamt kurz nach der Inhaftierung des ehemaligen Präsidenten Jacob Zuma am 7. Juli eingerichtet und sollen genutzt worden sein, um die Aufstände zu organisieren. Neben der sozialen und wirtschaftlichen Destabilisierung Südafrikas sollte durch die Aufstände auch die Forderung nach der Freilassung Zumas untermauert werden. Insbesondere „Free Zuma Information" (vormals „Free Zuma co-ordinators") gilt hierbei als wichtigstes Kommunikationsmittel vor und während der Aufstände.

Mitglieder des regierenden ANC haben der Good Party weitere Informationen über die WhatsApp-Gruppen zugespielt. Diese Informationen waren so brisant, dass Herron am 4. August einen USB-Stick an die Abteilung für Staatskriminalität der Direktion für vorrangige Verbrechensbekämpfung (Hawks) ausgehändigt hat. Auf diesem sind Informationen gespeichert, die beweisen sollen, dass 26 WhatsApp-Gruppenmitglieder primär für die Organisation der Aufstände verantwortlich sind: „Let's be the terrorists of South Africa."

Bei den Verdächtigten handelt es sich fast ausschließlich um ANC-Mitglieder, die dem Zuma-Lager angehören, darunter gelten Carl Niehaus, ehemaliger Sprecher des ANC, sowie Andile Lungisa, ehemaliger Vizepräsident der African National Congress Youth League (ANCYL), als offiziell identifiziert.

Africa Confidential unterteilt die Involvierten in zwei Gruppen: jene, die durch ihre Intelligenz, ihre Machtposition sowie finanzielle Mittel für die Planung und Koordination zuständig waren. Die offenkundige Anstiftung ist durch verschiedenste WhatsApp-Nachrichten belegt. So soll ein ANC-Mitglied offen zur Zerstörung des Hafens von Durban aufgerufen haben. Dieser wurde schlussendlich am 12. Juli aufgrund der schwerwiegenden Zerstörung und Plünderung geschlossen. Des Weiteren wurden innerhalb der WhatsApp-Gruppen Treffen geplant, bei denen Personen selbst Hand angelegt haben – sowohl bei der Zerstörung als auch der Plünderung. Während der Unruhen wurden Randalierer förmlich zu noch mehr Gewalt angefeuert. Gleichzeitig wurden durchgeführte Taten per Text-, Audio- oder Videonachricht dokumentiert und offen die Freude über geglückte Aufstände und Zerstörungen kundgetan: „Kameraden, es kommt nichts mehr rein und es kommt nichts mehr raus aus der Bay area. Es ist fest verschlossen."

Auch wenn derweil bereits über 2550 Verdächtige festgenommen wurden und diese Fälle nun priorisiert behandelt werden sollen, ist laut Herron nicht bestätigt, dass unter ihnen eine der 26 genannten Personen ist. Somit bleibt unklar, ob sie sich ihrer Verantwortung stellen müssen und juristisch belangt werden.

Annika Heck