Heft 5/2024, Botsuana

Journalismus braucht staatliche Unterstützung

Der herkömmliche Journalismus ist durch das Aufkommen der digitalen Medien gefährdet. Zeitungen sterben aufgrund fehlender Abo- und Werbeeinnahmen, was sich im südlichen Afrika vor allem in Südafrika zeigt. Aber auch Botsuana ist davon betroffen. Nur durch staatliche Unterstützung kann der Journalismus vor dem Marktversagen gerettet werden, meint der Autor.
Von Kabo Ramasia

Was Sie jetzt lesen werden, mag umstritten sein. Aber ich kann Ihre Befürchtungen zerstreuen, denn ich habe das hier mit nüchternem Verstand geschrieben und möchte, dass Sie mit der gleichen Nüchternheit darüber nachdenken. Dies ist nicht nur eine theoretische Frage, sondern eine, die pragmatische Lösungen erfordert.

Haben wir alle unsere Gedanken ohne Übertreibungen geklärt, dann bleibt als traurige Realität, dass der Journalismus kränkelt. Der langsame Tod des Journalismus wurde durch die Einführung des Internets in den 1990er-Jahren und später durch die Ankunft großer Technologieunternehmen wie Google und Facebook verursacht. Das alles hat die Kommunikationslandschaft für immer verändert. Das rasante Aufkommen der Künstlichen Intelligenz (KI) und ihrer Algorithmen bereitet den Medieninhabern große Kopfschmerzen. Überall auf der Welt haben Medienhäuser Personal abgebaut, und die Krise wird durch die Entscheidung der Werbetreibenden, ihr Geld online zu investieren, noch verschärft. Was für eine Tragödie.

Digitale Übernahme

Botsuana ist ein Land mit geringer Forschungsleistung, daher gibt es keine Statistiken über den Niedergang des Mediensektors. Weltweit deuten die Zahlen jedoch auf eine Krise epischen Ausmaßes hin. Auch wenn man darüber streiten kann, so ist doch klar, dass jede Krise ein politisches Eingreifen erfordert. Im Juni konnte ich an einer Podiumsdiskussion teilnehmen, die von der Friedrich-Ebert-Stiftung und dem Botswana Chapter von Misa (Media Institute of Southern Africa) anlässlich der Veröffentlichung des African Media Barometer Botswana 2023 organisiert wurde. Die dort vorgestellte Analyse der Medienlandschaft Botsuanas stellte fest, dass die Medien nach wie vor nur teilweise frei sind und es Gesetze gibt, die die freie Meinungsäußerung und Chancen für die Zukunft einschränken. Ein Großteil der Diskussion drehte sich jedoch um das schrumpfende Medienbusiness. Der Geschäftsführer der Zeitung Mmegi, Titus Mbuya, meinte, es sei an der Zeit, dass die Regierung über eine Subventionierung der Medienbranche nachdenkt. Auf der anderen Seite beklagte ich die Ausbreitung digitaler Veröffentlichungen, die in diesem Zusammenhang als Segen und Fluch zugleich angesehen werden. Was meine ich damit?

Das Zusammenspiel von digitalen und traditionellen Medien hat sich als fatal erwiesen, aber vielleicht auch als genau das, was der Arzt verordnet hat, um den Status quo des heutigen Journalismus in einer schnelllebigen Ära in Frage zu stellen, in der die Akzeptanz von Technologie so hoch ist wie nie zuvor und der Zugang zu Nachrichten nur einen Klick entfernt ist. Dies hat sich jedoch negativ auf die Medien ausgewirkt. Print- und Rundfunkmedien trugen traditionell einen großen Teil zur Informationsverbreitung bei. Sie finanzierten sich ohne große Konkurrenz über Werbung in Radio, Fernsehen, Kabel und Satellit, Printmedien und auf Plakaten. Durch die nun fehlenden Mittel zur Aufrechterhaltung des Redaktionsbetriebs und die Unfähigkeit, in Spitzentechnologie zu investieren, ist der Journalismus in den meisten Teilen der Welt zu einem aussterbenden Beruf geworden. Der Niedergang des Journalismus ist somit größtenteils den digitalen Technologien zuzuschreiben.

Es mag zwar Stimmen geben, die sagen, der Journalismus müsse sich neu erfinden, um zu überleben oder um nachhaltig zu sein, Tatsache ist jedoch, dass die digitale Welt in dieser sogenannten vierten industriellen Revolution die Welt der Kommunikation übernommen hat und die nächste Revolution vielleicht sogar der letzte Schlag sein wird, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Aktuelle Aussichten

Laut Statista wird der weltweite Umsatz im Markt für digitale Zeitungen und Zeitschriften im Jahr 2024 voraussichtlich 40,23 Mrd. US-Dollar erreichen. 2029 wird ihr Marktwert auf 44,54 Mrd. US-Dollar geschätzt. Die Zahl der Nutzer wird bis 2029 voraussichtlich 1,6 Mrd. erreichen. Die Nutzerpenetration liegt nach den Statista-Angaben 2024 bei 17,7 Prozent und wird bis 2029 auf 20,4 Prozent ansteigen. Die USA werden ihren Anteil an den weltweiten digitalen Einnahmen steigern. Das zeigt eine große Verschiebung hin zu Online-Plattformen, die die Leserschaft dominieren und in absehbarer Zukunft weiter wachsen werden.

Die Wissenschaftler Anthony Utulu und Ogidi Odun vertreten in ihrer gemeinsam verfassten Studie zur Rolle der Werbung in traditionellen und digitalen Medien („Is the New media Superior to Traditional Media for Advertising?") die Ansicht, dass die neuen Medien zwar die Art und Weise verändert haben, wie Menschen Informationen verbreiten. Doch seien sie diesen nicht überlegen, sondern lediglich eine Erweiterung, insbesondere in sogenannten Entwicklungsländern. Werbung dient bekanntlich dazu, die Verbraucher zum Kauf bestimmter Produkte zu bewegen. Die Rundfunkanstalten konnten laut den beiden Wissenschaftlern mit Werbung auch auf Programme hinweisen und dabei sowohl traditionelle als auch neue Medienplattformen nutzen. Aufgrund ihrer geringeren Kosten, Zeit- und Raumersparnis seien die neuen Medien weltweit zu einer bevorzugten Werbeoption geworden. Allerdings, so die Autoren, sei die Internetanbindung im globalen Süden aufgrund der sozioökonomischen und politischen Unterschiede problematisch. Eine geringe Internetanbindung, eine unterbrochene Stromversorgung, eine beschädigte Wartung der digitalen Geräte und geringe Einkommen erschweren den Zugang zu den neuen Medien und die Nutzung digitaler Dienste. Fazit der Autoren: „Wenn der Informationsbedarf der größten Bevölkerungsgruppe der Welt, d. h. der Menschen in den ländlichen Gebieten der Entwicklungsländer, gedeckt werden soll, müssen traditionelle und neue Medien noch eine Weile koexistieren. Beide Medien sollten zusammenarbeiten und die komparativen Vorteile des jeweils anderen nutzen, um den Ereignissen im globalen Geschäftsumfeld zu begegnen."

Tod der Printmedien

Der Chefredakteur des südafrikanischen Nachrichten-Website News 24, Adriaan Basson, beschwerte sich im April 2024 vor der Wettbewerbskommission über die „verheerenden Auswirkungen von Google, Facebook und X (ehemals Twitter) auf unsere Redaktionen und den Journalismus". Basson argumentierte, dass in der Blütezeit der Zeitungen die Anzeigenkunden die größten Unterstützer der Meinungsfreiheit und unabhängiger Medien in Südafrika waren. Damals konnten sie Mitarbeiter einstellen und sie über das Land schicken, um über verschiedene Themen zu berichten. „In den 2000er-Jahren, mit dem Aufkommen des Internets, verlagerten immer mehr Anzeigenkunden ihr Geld ins Internet. Das war völlig verständlich, denn Werbung musste den Augen folgen. Die meisten Leser verließen die Printmedien und wandten sich Computern und Mobiltelefonen zu. Unser Journalismus tat das Gleiche; große Teams von Reportern begannen, in einer Umgebung zu arbeiten, in der die Digitalisierung im Vordergrund steht", stellte Basson fest.

Ein paar Jahre lang habe der Online-Werbekuchen die Medien gerettet, doch das Stück sei von Jahr zu Jahr kleiner geworden, bis es für die gesamte Medienbranche zu klein war, um es zu teilen. „Aufgrund ihrer schieren Größe war es für Werbetreibende auf den globalen digitalen Plattformen viel billiger, Millionen von Zuschauern zu erreichen. Wir mussten einen anderen Plan entwickeln", betonte er. Um zu überleben, führte News 24 im August 2020 einen Abonnementdienst ein, der globale Nachrichtenredaktionen wie die New York Times, die Financial Times und das Wall Street Journal zum Vorbild nimmt und von den Leser:innen eine geringe Gebühr verlangt, um Zugang zu monatlich 3000 Artikeln zu erhalten, die von investigativem Journalismus bis hin zu Wirtschafts-, Lifestyle- und Sportjournalismus reichen.

Leider hat Media 24 öffentlich bekannt gegeben, dass fünf Zeitungen geschlossen werden sollen und 400 Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen. Das Medienunternehmen erklärte, dass City Press, Rapport und Daily Sun nur noch digital erscheinen werden. Die gedruckten Ausgaben von Beeld, Rapport, City Press, Daily Sun und Soccer Laduma sowie die digitalen Ausgaben von Volksblad und Die Burger Oos-Kaap sowie den digitalen Hub SNL24 wird das Unternehmen schließen.

Im Laufe der Jahre hat Botsuana das gleiche Schicksal erlitten. Die größte Publikation des Landes, die Botswana Gazette, beschloss vor einigen Jahren, digital zu werden. Dasselbe geschah mit der Schwesterpublikation des Sunday Standard, The Telegraph, die nicht mehr gedruckt wird. Zuvor waren Bemühungen gescheitert, die einst gedruckte Global Post digital wiederzubeleben. Auch das Echo ging den gleichen Weg. Nicht zu vergessen Mmegi, in dessen Glanzzeit die Dikgang Publishing Group neben der Freitagsausgabe auch eine Tageszeitung herausgab.

All das ist nun Geschichte. Heute schießen digitale Publikationen wie Pilze aus dem Boden. Auch wenn die Zunahme der Plattformen im Hinblick auf Demokratie und die Kontrolle der Macht positiv ist: Wie im Falle Südafrikas werden auch die botsuanischen Medien um den kleineren digitalen Markt kämpfen, der aufgrund der Machtkonzentration durch Google, X, Facebook, Tik-Tok, Instagram und WhatsApp verbleibt. In den USA zeigen Untersuchungen, dass die Zahl der Arbeitsplätze in den Medien zwischen 2008 und 2020 von 71.000 auf 31.000 gesunken ist. Berichten zufolge soll CNN im Jahr 2022 hunderte von Journalist:innen entlassen haben. Digitale Plattformen haben die Situation weiter verschlimmert.

Journalismus als „öffentliches Gut"

Angesichts dieser ernüchternden Realität heutiger Zeit plädierte Patrick Walters, Assistenzprofessor am Institut für Journalismus und Massenkommunikation der Washington and Lee University, dafür, den Journalismus als ebenso „öffentliches Gut" zu finanzieren wie Straßen, Schulen und Brücken in den USA. Als ehemaliger Reporter der Associated Press meint Walters, dass der Journalismus die Unterstützung der Steuerzahler:innen verdiene. Man müsse verstehen, dass die „Krise" und der „Zusammenbruch" des Journalismus im letzten Jahrzehnt auf den Zerfall des freien Marktes zurückzuführen sei. Immer mehr Menschen in den USA würden einen staatlich finanzierten Journalismus fordern, obwohl es natürlich auch Gegenstimmen gebe. Er verwies darauf, dass die staatliche Finanzierung der Medien in den USA schon 1792 mit Subventionen für Postzeitungen begann.

Die Unterstützung könnte nach Meinung von Walters in der Einführung von Steuergutschriften bestehen, um die Nutzung von Nachrichtenagenturen zu fördern, oder durch die Gewährung von Steuerbefreiungen für Medienhäuser wie für Kirchen und öffentliche Schulen. Mit zweckgebundenen Steuereinnahmen von großen Technologieunternehmen könnten zudem unabhängige Medien unterstützt werden, deren Finanzierung durch ein öffentlich ernanntes Gremium beaufsichtigt wird. „Dies würde helfen, die Infrastruktur des staatlich geförderten Journalismus aufzubauen, anstatt etwas, das zu einem staatlichen Propaganda-Arm verkommen könnte."

Das traditionelle Werbemodell wird nie wieder zurückkehren. Das ist auch die Erkenntnis von Victor Pickard, die er in seinem vom Centre for International Governance Innovation veröffentlichten Artikel „In the Digital Era, Journalism should be Considered A Public Good" vertritt.

Auf einem Treffen zwischen MISA Botswana und einigen ungenannten Interessenvertretern habe ich dargelegt, dass die Medienkrise auch eine politische Frage ist. Sie erfordert ein Eingreifen der Regierungen, um den sterbenden Berufsstand zu retten. Wie jeder andere Wirtschaftszweig muss auch der Journalismus von der Politik unterstützt werden, um zu überleben. Ob dies nun ein Medienfonds für Start-ups, Steuererleichterungen, Subventionen oder generell eine medienspezifische Entwicklungsbank wäre, was auch immer möglich wäre, müsste länderübergreifend umgesetzt werden. Die Nachhaltigkeit der Medien ist aufgrund der digitalen Plattformen zunehmend bedroht, und die Notwendigkeit von Innovationen würde eine Kapitalspritze für die Nachrichtenagenturen erfordern, um mithalten zu können. Andernfalls müssten wir nach heutiger Analyse damit rechnen, dass die meisten Zeitungen in den nächsten zehn Jahren nicht mehr existieren werden. Laut Pickard sind neue Richtlinien zum stärkeren Schutz der Medien und der Demokratie mehr als überfällig.

„Die Verlagerung des Journalismus auf digitale Formate – wo Anzeigen nur einen Bruchteil des Preises traditioneller Printanzeigen erzielen – hat dazu geführt, dass die Werbeeinnahmen nicht mehr das Niveau der Nachrichtenmedien stützen, das sie einst taten. Selbst in seiner Blütezeit war dieses werbeabhängige Modell nie ideal dafür, alle Mitglieder der Gesellschaft angemessen mit Nachrichten und Informationen zu versorgen. Seitdem Facebook und Google den Großteil der digitalen Werbeeinnahmen einstreichen, ist dieses Modell unwiderruflich zusammengebrochen", resümiert Pickard.

Abgesehen von den größten überregionalen Zeitungen, Nachrichtenorganisationen mit globaler Reichweite oder starken Nischenangeboten bieten Werbung oder Aboeinnahmen keine ausreichende Unterstützung mehr. „Im Großen und Ganzen ist die kommerzielle Ära des Journalismus vorbei. Lokale Medieninstitutionen erbringen jedoch einen wesentlichen öffentlichen Dienst, den eine gesunde demokratische Gesellschaft braucht, unabhängig von der Profitabilität des Journalismus", argumentierte er.

In den USA wird das neoliberale Paradigma, das den Diskurs dahingehend dominiert hat, dass staatliche Eingriffe in die Medien fragwürdig seien, durch die Auslegung des Ersten Verfassungszusatzes in Frage gestellt. Aber was besagt dieser wirklich? Er geht davon aus, dass Journalismus öffentlichen Schutz und Investitionen benötigt, um sein Marktversagen zu verhindern.

Kabo Ramasia ist Journalist und Medienwissenschaftler aus Botsuana.
Übersetzt aus dem Englischen.