Die vielen Krisen unserer Zeit rufen nach Wandel – ökonomisch, ökologisch, gesellschaftlich. Es ist an der Zeit, zerstörerische Irrwege zu verlassen und sich auf andere Wege in die Zukunft zu begeben, in der die Wegweiser Nachhaltigkeit und soziale Inklusion heißen. Die Rufe sind lauter und spürbarer denn je, doch der menschliche Wandel ist träge, hängen doch zu viele Interessen am Jetzt, an dem, was man vermeintlich besitzt. Und wenn es nur die Gewohnheit ist. Vielleicht auch vor Angst, vor dem, was „das Andere" bringen mag. Vor allem aber blockiert die Macht den Wandel – Macht, die von Ungleichheit und Extraktivismus profitiert.
Dennoch ist der Wandel unabdingbar. Ohne Wandel keine Zukunft, denn ein „weiter so" ist keine Option. Eigentlich ist dies allen klar. Und eigentlich gehört der Wandel zum Leben dazu. Dinge verändern sich, entwickeln sich, z. B. von der Raupe zum Schmetterling und in Kreisläufen. Sie bewegen sich in einem Netzwerk. „Vergesst nicht", formuliert es Rose Ausländer, „es ist unsere gemeinsame Welt, die ungeteilte, ach die geteilte, die uns aufblühen lässt, die uns vernichtet, diese zerrissene, ungeteilte Erde, auf der wir gemeinsam reisen."
Gemeinsam ist das Stichwort. Doch die Spaltung nimmt zu – in wessen Interesse? Es ist an der Zeit, es anders zu machen, Gewohntes zu hinterfragen. Dafür braucht es Verständnis für „das Andere" und für Zusammenhänge. Es ist also an der Zeit, sich mit „dem Anderen" auseinanderzusetzen und sich die Auswirkungen des eigenen Denkens und Handelns bewusst zu machen. Denn nur so können wir anders handelnd und sprechend eingreifen in die sich zunehmend unversöhnliche Welt. Gleichzeitig passiert bereits an vielen Stellen im Kleinen gesellschaftlicher Wandel aufeinander zu. Lassen wir ihn zu? Lassen wir uns ehrlich darauf ein? Schauen wir hin! Hören wir zu! Dann können wir hinausgehen, uns einschalten, Abwege unterbrechen und miteinander andere Wege finden oder an anderen Pfaden anknüpfen. Dann können wir austreten und neue Geschichten erzählen, in denen jede*r relevant ist und diese mitgestaltet.
Wandel bei der issa
Als Informations- und Diskursraum bringt die issa mit afrika süd seit über 50 Jahren unterschiedliche Perspektiven und Südstimmen ein. Die Stärke der issa war immer die Wandlungsfähigkeit, Perspektiven zu wechseln und die Ausrichtung umzustellen, ohne die Hauptaufgabe der Informationsaufbereitung zum Südlichen Afrika aus dem Blick zu verlieren, wie es Hein Möllers 2019 in einem Interview herausstellte: „Wir haben uns auch nie gescheut, mal über den regionalen Tellerrand hinauszublicken und Parallelen z. B. zu Brasilien aufzugreifen sowie die globale Sicht kontrovers zu begleiten."
Parallel dazu hat sich die issa erneut auf den Weg gemacht, eigene Strukturen zu hinterfragen und eine Wirkungsorientierung einzunehmen. Was wollen wir heute bewirken? Was bewirken wir? Wen erreichen wir? Aber auch, wer will das (noch) wissen? Denn die mediale Aufmerksamkeitsökonomie befördert ein Medienverhalten, in dem kurze und wenig komplexe, aber oft emotionalisierte Informationsschnipsel umfassenden Analysen vorgezogen werden. Zudem sinkt in einer Zeit der Abschottung das Interesse an Auslandsberichterstattung. Angesichts solcher gesellschaftlicher Entwicklungen stellt sich die Frage, welche Relevanz und Perspektive südnord-journalistische Informationsangebote haben.
Gleichzeitig wird es in einer global vernetzten Welt immer wichtiger, Vielfalt zu respektieren, vorherrschende Machtstrukturen aufzubrechen und Menschen zu Engagement für eine global nachhaltige, friedliche und gerechte Weltordnung zu ermutigen. Was wäre, wenn die südnord-politische Berichterstattung mit Stimmen aus den Ländern des Globalen Südens verstummt? Lassen wir uns also von der Einfältigkeit das Heft nicht aus der Hand nehmen. Wie kann man aber heute Komplexität attraktiv kommunizieren? Wie mehr Sichtbarkeit und Engagement erwirken? Wie können wir neue und andere Erzählungen prägen?
Im Prozess
Diese Doppelausgabe von afrika süd Nr. 5/6 zeigt, dass sich nach der optischen Veränderung nun auch strukturell etwas ändern wird. Ab 2025 werden 4 statt 6 Ausgaben von afrika süd erscheinen – dafür aber jeweils inklusive einem Schwerpunkt und einer ergänzenden Online-Veranstaltung.
Wir haben uns auf den Weg gemacht – als issa und als Teil einer Gruppe von Südnord-Medien, unsere Arbeit und Entwicklungen zu hinterfragen und im Zusammenwirken die Wahrnehmung von „Süd-Themen" zu erhöhen. Dies wollen wir auch mit Ihnen und Euch tun, in interaktiven Formaten. Lesen Sie uns wie gewohnt. Schauen Sie vorbei – insbesondere auch online. Und diskutieren Sie mit.
Anna Balkenhol

