Heft 5/2024, Globale Finanzen

Vom Bretton-Woods-System zur Finanzmarktliberalisierung – eine Geschichte der Asymmetrie

In den meisten Ländern zeichnet sich ein ähnliches Bild ab: Während multinationale Unternehmen angesichts zunehmender Krisen profitieren, schwindet in vielen Ländern langsam aber sich der Mittelstand. Andere fühlen sich schon lange abgehängt.
Es ist ein Zustand, der keineswegs dem Zufall entspringt. Er lässt sich auf die Gesetzmäßigkeiten einer Marktwirtschaft zurückführen, die frei von staatlicher Kontrolle einen Eigenantrieb entwickelt hat und die bestehenden Machtverhältnisse nicht nur zementiert, sondern auch verstärkt. Eine zentrale Rolle hat dabei insbesondere die Liberalisierung des Finanzsystems in den 1970er-Jahren gespielt, die den Aufstieg multinationaler Unternehmen und deren Marktdominanz maßgeblich begünstigt hat. Ein historischer Einblick verdeutlicht die Zusammenhänge der heutigen Weltordnung.

Von Sinisha Pfeifer

Bis in die frühen 1970er-Jahre ist das internationale Finanzsystem noch stark reguliert. Nach dem zweiten Weltkrieg strebt die internationale Staatengemeinschaft nach Sicherheit und einem Neuanfang. Die Vertragspartner der internationalen Währungsordnung Bretton Woods, überwiegend Industrienationen, verpflichteten sich daher, feste Wechselkurse festzulegen, die nur geplant und kontrolliert angepasst werden konnten. Diese waren zwar vorteilhaft für den internationalen Handel und langfristige Investitionen, erschwerten jedoch den freien Kapitalverkehr. Darüber hinaus führten viele Länder strenge Kapitalverkehrskontrollen ein, um ihre Volkswirtschaften vor spekulativen Kapitalflüssen zu schützen. Die Zu- und Abflüsse von Devisen wurden durch die Zentralbanken akribisch überwacht. ...

Sinisha Pfeifer ist Student der Politikwissenschaften und Philosophie an der Universität Bremen und war als Praktikant bei der issa tätig.

Sie möchten gerne weiterlesen?

Bestellen Sie das Einzelheft oder ein Abonnement von afrika süd.