Heft 6/2019, Editorial

COP25: Herber Rückschlag

Ein Großteil der positiven Euphorie aus der Pariser Klimakonferenz von 2015 war bei der COP 25, die im Dezember in Madrid stattfand, längst verflogen und einer eher düsteren Realität gewichen. Die Politik von US-Präsident Trump und anderen populistisch orientierten Staatschefs hat sicherlich viel dazu beigetragen. Obwohl der afrikanische Kontinent weniger als vier Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verursacht, ist Afrika seit Jahren am stärksten vom Klimawandel betroffen. Während in westlichen Ländern junge Klimaaktivisten Freitags demonstrieren, um ihren CO2-Fußabdruck künftig zu verringern, verläuft die Debatte in Afrika anders. Hier ist die Klimaikone Greta Thunberg noch von geringer Relevanz.

Für uns in Afrika geht es darum, Wege zu finden, um die Folgen der zunehmenden klimabedingten Katastrophen zu verringern und gleichzeitig eine wirtschaftliche Entwicklung mit geringen CO2-Emissionen zu erreichen. Für beide Ziele bedarf es jedoch erheblicher Ressourcen, die sich Afrikas Staaten nicht leisten können. Schon vor Beginn von COP25 warnten Wissenschaftler, dass es in Bezug auf die CO2-Emissionen nicht mehr „fünf vor zwölf" ist. Es ist eigentlich schon zu spät. In Madrid wurde erneut deutlich, wie unterschiedlich die Prioritäten der Interessensgruppen oder Kontinente sind: Afrikas Agenda bezieht sich vor allem auf die Klimaanpassung, denn der Klimawandel ist auf dem afrikanischen Kontinent längst tägliche Realität. Eine UN-Studie schätzt, dass allein Afrika südlich der Sahara bis 2050 Mittel für die Klimaanpassung in Höhe von rund 50 Mrd. US-Dollar pro Jahr benötigt. Tosi Mpanu Mpanu (DR Kongo), Afrikas Chefunterhändler in Madrid, fordert diese Mittel neben Technologietransfer und Kapazitätsaufbau nun ein.

Die meisten Länder Afrikas rechnen kaum damit, dass diese Mittel von den reichen Ländern jemals in ausreichendem Maße kommen. Wirklich gerechtfertigt ist diese Befürchtung nicht: Laut OECD, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, ist die Klimafinanzierung aus Industrieländern in Entwicklungsländer von 37,9 Mrd. Dollar im Jahr 2013 auf 54,5 Mrd. Dollar im Jahr 2017 gestiegen. Die OECD führte schlechte Regierungsführung und Korruption in einigen Ländern als Gründe für ineffektives Nutzen der Klimafonds an.

Alle Experten sind sich einig, dass die Anpassung Afrikas an extreme Wetterereignisse, die fast alle mit den Auswirkungen des Klimawandels zusammenhängen, immer dringlicher wird. Sie verweisen auf aktuelle Beispiele von Zyklonen, Überschwemmungen und schwere Dürren in Simbabwe, Mosambik, Südafrika, aber auch in Kenia. Real betrachtet sind die Gesundheit, der Lebensunterhalt und die Ernährungssicherheit der Menschen im südlichen Afrika stark vom Klimawandel beeinträchtigt. Die Weizen- und Maisproduktion in den SADC-Staaten liegt bereits darnieder, ebenso wie die Fischerei in den Großen Seen und im Kariba-Damm an der Grenze zwischen Sambia und Simbabwe.

Die großen CO2-Emittenten müssen ihre Emissionen jetzt unverzüglich und drastisch reduzieren, um eine gefährliche Erwärmung zu verhindern. Leider ist das Ergebnis des Madrider Gipfels für Afrika jedoch mehr als enttäuschend. Es ist ein herber Rückschlag.

Die internationale Gemeinschaft scheut sich, Verantwortung für Afrika zu übernehmen. Als Konsumenten von Produkten sind wir gut genug, aber nicht mehr. Nach einstimmiger Meinung vieler afrikanischer Delegierter ist das Vertrauen der Frustration gewichen. Von der gesamten Klimafinanzierung der reichen Länder wurden 2017 weniger als 20 Prozent für Anpassungsprojekte ausgegeben. Vielleicht haben die Pessimisten Recht mit ihrer These, dass der Hauptgrund für die unzureichende Klimafinanzierung darin besteht, dass die meisten internationalen Finanzinstitutionen sie nicht als „bankfähig" betrachten, weil sie keinen kurzfristigen Profit abwerfen – ein schlechter Deal für die reichen Länder.

Als ehemaliger Direktor der Rural Foundation of South Africa weiß ich, dass Afrika immer noch weitgehend eine Agrarwirtschaft ist und dass es hauptsächlich um Kleinbauern geht, an die sich trotz hoher Verwaltungskosten die Finanzierung richten müsste. Die kommerzielle Landwirtschaft in Südafrika leidet ebenso wie Kleinbauern. Die Ernten brechen ein und die Farmer gehen pleite. Die Selbstmordrate bei Landwirten ist erschreckend hoch. Ohne Niederschlag trocknet die Vegetation aus und Schafe und andere Rinder sterben. Landarbeiter haben ihre Arbeit verloren und sind ohne Einkommen.

Madrid hat auch darin versagt, robuste Entschädigungsmechanismen für von klimabedingten Verlusten betroffene Länder zu schaffen – die Forderung wurde nicht anerkannt. Letztendlich bleibt Afrika keine andere Wahl, als seine kohlenstoffintensive wirtschaftliche Entwicklung fortzusetzen und fossile Brennstoffe von größtenteils schlechter Qualität zu verbrennen. Madrid war, gelinde gesagt, ein weiterer Talkshop ohne praktische Lösungen für die Weltkatastrophe. COP 25 war eine weitere Enttäuschung für Afrika und seine Jugend. Wieder keine gute Zeit für Afrika!

Herman Bailey

Der Autor war lange Zeit Bürgermeister der Coloured-Gemeinde Wellington, Vorstandsmitglied South African Broadcasting Corporation und Direktor der Rural Foundation of South Africa.