Heft 6/2023, Mosambik

Flüssiggas aus dem Kriegsgebiet

Westliche Energiekonzerne schielen auf Mosambiks immense, noch unerschlossene Gasvorkommen – die liegen allerdings in der umkämpften Provinz Cabo Delgado

Von Stefano Liberti

Der Konflikt habe mit der Unterzeichnung der Gasförderverträge begonnen, sagt Armando John. „Wenn das Zufall gewesen sein sollte, dann war es zumindest ein merkwürdiger Zufall." Wir sitzen in einer Bar an der Strandpromenade von Pemba, der Provinzhauptstadt von Cabo Delgado, und sprechen über den blutigen Krieg, der seit Jahren hier im Norden von Mosambik tobt.

Der Aufstand der islamistischen Ansar al-Sunna Wa Jamma (ASWJ) begann im Oktober 2017. Seitdem führen die Rebellen, die sich selbst als „al-Shabaab" (Jugend) bezeichnen, in Cabo Delgado einen zerstörerischen Kampf gegen die Zentralregierung. Sie greifen Dörfer an, plündern Häuser, entführen Frauen und Kinder und ermorden Zivilisten. Ein großer Teil der Provinz ist inzwischen verwüstet. Laut Angaben des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) wurden in dem Konflikt bereits 5000 Menschen getötet und rund 1 Million vertrieben (Stand September 2023).

Der Aktivist Armando John, der früher im Stadtrat von Pemba saß, hat seine eigene Sicht der Dinge: „Es kam zum Krieg, weil die Erträge aus den regionalen Bodenschätzen nicht verteilt werden." Tatsächlich ist der blutige Konflikt ein klassisches Beispiel für das, was oft als „Fluch der Bodenschätze" bezeichnet wird: In der abgehängten Region eines hochverschuldeten Landes lässt die Entdeckung wertvoller Ressourcen eine Fata Morgana des Reichtums entstehen, die das leicht entzündliche Gemisch der Gegensätze zur Explosion bringt. ...

Aus dem Italienischen von Andreas Bredenfeld

Stefano Liberti ist freier Journalist, Filmemacher und Autor.
Sein Beitrag erschien erstmals in Le Monde diplomatique vom September 2023.

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