Lesotho

Königreich in den Wolken

Foto: Brigitte Reinhardt
 

Als "Dach Afrikas" wird es gerne bezeichnet: das Königreich Lesotho, eine kleine, gebirgige Enklave inmitten der Republik Südafrika. Eine Festung auch, in der der legendäre König Moshoeshoe zu Beginn des 19. Jahrhunderts die verschiedenen Sotho-Gruppen gegen die Expansionsbestrebungen des Zulu-Herrschers Shaka vereinte. Er konnte sein Reich auch gegen die burischen Republiken behaupten,
stellte sich dann aber im britisch-burischen Konflikt unter britischen Schutz.

Nach dem Ende der Apartheid in Südafrika ist Lesotho dabei, seine Rolle in einer veränderten Region neu zu definieren. Die Wirtschaft ist ganz auf das Nachbarland ausgerichtet. Bis zur Hälfte der Erwerbstätigen arbeitet in Südafrika. Der wichtigste Exportartikel ist Wasser. Im Hochland entspringen viele große Flüsse. Ihre Wasser werden in einem umfangreichen, aber auch sozial wie ökologisch umstrittenen Dammsystem gesammelt und nach Gauteng, dem wirtschaftlichen Kernland Südafrikas, geleitet.

Staat und Verwaltung

Offizielle Bezeichnung Muso oa Lesotho (Sesotho); Kingdom of Lesotho (englisch); Königreich Lesotho
Unabhängigkeit 4. Oktober 1966 ( von Großbritannien)
Fläche 30.355 qkm
Landesnatur hügeliges, bergiges und plateaureiches Hochland; gemäßigtes Klima, kalte, trockene Winter und heiße, feuchte Sommer
Höchste Erhebung Thabana Ntlenyana (3.482 m)
Küste Binnenland, vollständig von Südafrika eingeschlossen
Umweltprobleme Überweidung, starke Bodenerosion, Bodenerschöpfung, Desertifikation
Einwohnerzahl 1.936.181 (Juli 2013 geschätzt)
Bevölkerungsdichte 63,8 Einwohner pro qkm Landfläche (eig. Berechnung)
Hauptstadt Maseru
Landessprachen Englisch, Sesotho (Amtssprachen), Zulu, Xhosa
Religionen mehrheitlich Christen, kleine muslimiche Minderheit
Staatsform konstitutionelle Monarchie
Verfassung 2. April 1993
Wahlrecht wahlberechtigt sind alle Bürger ab 18 Jahren
Exekutive Staatsoberhaupt: König Letsie III. (seit Februar 1996, ohne exekutive oder legislative Befugnisse); Regierungschef: Premierminister Tom Thabane (seit 8. Juni 2012); Nachfolge des Königs nach Erbrecht von Versammlung der Chiefs (Stammesoberhäupter) bestimmt; Regierungsoberhaupt wird Vorsitzender der stärksten Fraktion im Kabinetts
Legislative Zweikammernparlament: Senat (33 Mitglieder - 22 Chiefs, 11 weitere von der regierenden Partei bestimmte Abgeordnete); Nationalversammlung (120 Sitze); 80 der insg. 120 Sitze der Nationalversammlung durch Mehrheitswahl, 40 durch Verhältniswahl bestimmt
Parteien All Basotho Convention (ABC); Basotho Congress Party (BCP); Basotho Batho Democratic Party (BBDP); Basotho Democratic National Party (BDNP); Basotho National Party (BNP); Democratic Congress (DC); Lesotho Congress for Democracy (LCD); Lesotho People's Congress (LPC); Lesotho Workers Party (LWP); Marematlou Freedom Party (MFP); National Independent Party (NIP); Popular Front for Democracy (PFD)
Rechtssystem auf englischem und römisch-niederländischem Recht basierend
Justiz High Court (Richter vom König ernannt), Court of Appeal, Gericht des traditionellen Rechts
Verwaltungsgliederung 10 Distrikte: Berea, Butha-Buthe, Leribe, Mafeteng, Maseru, Mohales Hoek, Mokhotlong, Qacha's Nek, Quthing, Thaba-Tseka
Internationale Mitgliedschaften UNO und UN-Unterorganisationen; Afrikanische Union (AU); Entwicklungsgemeinschaft SADC; Afrika-Karibik-Pazifik-Staaten (AKP); Welthandelsorganisation (WTO); Internationaler Währungsfond (IMF); Weltbank
Internationale Länderkategorien LDC - Status, lower-middle-income economy
(8 der 15 SADC-Staaten gelten nach UN-Bestimmungen als Least Developed Countries (LDC) - "am wenigsten entwickelte Länder" - und bekommen besondere Mittelzuwendungen)

 

Wirtschaft

Währung

1 Loti (LSL) = 100 Listente

1 Loti = 1 Rand (ZAR)

Wechselkurs

1 US$ = 10,2550 LSL (August 2013)

aktueller Wechselkurs: OANDA


Export / Importgüter
- Wichtige Exportgüter Manufakturprodukte 75% (Kleidung, Schuhe, Fahrzeuge), Wolle und Mohair, Nahrung, lebende Tiere, Strom, Wasser, Diamanten
- Wichtige Importgüter Nahrungsmittel, Baumaterial, Fahrzeuge, Maschinen, Medizin, Petrolium-Produkte

Wichtige Handelspartner
- Export SACU-Zollunion (53,9%), USA (45,6%)
- Import SACU-Zollunion (89,5%), Asien (7%)

Infrastruktur
- Eisenbahn 2,6 km (im Besitz von Südafrika)
- Straßen 7.091 km (davon 1.404 km geteert)
- Flugplätze 24 (davon 3 mit befestigten Start- und Landebahnen)
- Häfen Binnenland

 

Weitere wirtschaftliche Indikatoren siehe Ländervergleich Wirtschaft
Soziale Indikatoren siehe Ländervergleich Soziales

Chronologie

Frühgeschichte
ca. 25.000 v. Chr. Nomadische Jäger und Sammler, die San, besiedeln das Gebiet des heutigen Lesotho. Die San hinterließen Tausende ihrer Höhlenmalereien im Südlichen Afrika, von denen schätzungsweise bis zu 5.000 in Lesotho zu finden sind, die bedeutendsten bei Ha Bakona.

Die Entstehung der Basotho-Nation
ca. 850 n. Chr. Erste Bantuvölker, die vom Tanganyikasee aufgebrochen sind, kommen mit den San von Lesotho in Kontakt.
ab 1250 Sotho- und verwandte Tswana-Gruppen, ebenfalls Bantuvölker, beginnen die San zu verdrängen. Die Bantu besitzen Wissen über Ackerbau, Viehzucht und Eisenverarbeitung.
um 1400 Im Zuge der allgemeinen Bantumigration aus dem Norden besiedeln erste Basotho-Gruppen das Hochland des heutigen Königreiches. In den folgenden Jahrhunderten entstehen zahlreiche Königreiche, deren wichtigstes wohl die Basotho-Konföderation ist, die das heutige Westlesotho und die östlichen Teile der südafrikanischen Provinz Free State umfassen.
um 1820 Die militärische Expansion der Zulu unter ihrem König Shaka bringt Unsicherheit und Schrecken unter den Völkern des Südlichen Afrika. Es kommt zu Völkerwanderungen. Die Epoche wird Difaqane oder Mfecane (erzwungene Wanderung) genannt.
1824 Moshoeshoe I. errichtet Festungen in Butha-Buthe und Thaba Bosiu. Er bietet den noch immer von den Angriffen der Zulu verunsicherten Clans Schutz an - unter der Voraussetzung, dass diese sich der Verteidigung seines Königreiches verpflichten.
1840 Die Basotho-Nation zählt mittlerweile 40.000 Anhänger. Außerhalb deren Territoriums siedeln Flüchtlinge, die die Festungen der Basotho beschützen und nach und nach von der Basotho-Nation aufgenommen werden.
1870 Als Moshoeshoe I. stirbt, gehören seiner Nation bereits 150.000 Menschen an, die sich als Basotho verstehen.

Lesotho unter britischer Herrschaft
1830 Auf der Suche nach Land für neue Siedlungen überqueren die Buren den im heutigen Südafrika fließenden Vaal.
1833 Die ersten Missionare erreichen das Hochland des heutigen Lesotho.
1836-1838 In Folge von Spannungen zwischen Buren und Briten am Kap ziehen die Buren gen Nordosten. Während der als "Großer Treck" bezeichneten Auswanderungswelle kommt es zu immer heftigeren Auseinandersetzungen der Europäer mit Moshoshoes Truppen.
1854 Die Briten ziehen sich aus dem Gebiet um Bloemfontein (Südafrika) zurück, so dass die Buren ungehindert ihren Oranje Vrystaat errichten können.
1858 Nach einigen Übergriffen auf das Gebiet der Basotho erkennt Moshoeshoe die Bedrohung durch die Buren.
1861 Moshoeshoe erbittet britischen Schutz vor den Buren.
1866 Die Briten annektieren das zu dieser Zeit so genannte Basutoland, dessen Autonomie König Moshoeshoe vorläufig bewahren kann.
1868 Basutoland wird zum britischen Protektorat ernannt.
1869 Die Grenzen des heutigen Lesotho werden in der Konvention von Aliwal North festgelegt. Die Basotho verlieren über die Hälfte des bestellbaren Landes westlich des Caledon, der zur Westgrenze des Landes wird.
1871 Die Gebietsverwaltung von Lesotho wird an die britische Kapkolonie übergeben.
1883 Die nationale Häuptlingsversammlung wird durch den so genannten National Council, zu dem auch einfache Bürger Zutritt haben, abgelöst. Er wirkt als Beratungsgremium für den Paramount Chief und den britischen Hochkommissar.
1884 Nachdem die Briten Teile Lesothos für europäische Siedler freigegeben haben, kommt es zu Aufständen. Um der Situation Herr zu werden, wird Lesotho der britischen Krone direkt unterstellt und damit zur Kronkolonie.
1910 Nach dem Burenkrieg (1899-1902) wir die Südafrikanische Union gegründet, der ein britischer Generalgouverneur, der zugleich als Hochkommissar für Basutoland zuständig ist, vorsteht. Basutoland wird nicht Teil der Südafrikanischen Union.

Die Unabhängigkeitsbewegung
1919 Die Lekhotla la Bafo (LLB; Rat des Volkes) gründet sich als erste politische Organisation, die auf demokratische Reformen gegenüber der Kolonialmacht und den Häuptlingen drängt.
1938 Die britische Regierung beschließt eine Verwaltungsreform, durch die die Zahl der Chiefs und deren Machtfülle drastisch beschnitten wird.
1944 Die neue Verwaltungsstruktur wird durch die Einführung von neun Distrikten gestärkt. Sie bilden noch heute die Verwaltungsgliederung Lesothos. Die Distrikträte wählen die Delegierten für den Nationalrat. Dieses Gremium hat die Aufgabe, interne Angelegenheiten zu diskutieren und die Kolonialverwaltung zu beraten.
1952 Unter Ntsu Mokhehle gründet sich der Basutoland African Congress (BAC), der nicht nur dem Namen nach Ähnlichkeit zum südafrikanischen African National Congress (ANC) aufweist. Sein Programm enthält sozialistische Elemente, Kampf gegen herrschende Gruppen, Häuptlinge, Händler und die katholische Kirche. Er rekrutiert Anhänger aus den politisch mobilisierten urbanen und protestantischen Schichten und bei den Wanderarbeitern.
1959 Die Basotho National Party (BNP) wird in direkter Opposition zum BAC gegründet. Die treibenden Kräfte waren die katholische Kirche, die Chiefs und die Händler. Die BNP spricht sich für eine pragmatische Akzeptanz des Apartheidregimes von Südafrika aus und erhält im Gegensatz zum BAC die Erlaubnis, unter den Wanderarbeitern in südafrikanischen Bergwerken zu werben.
1960 Der BAC benennt sich in Basutoland Congress Party (BCP) um. Mokheles Partei bestimmt die politische Agenda der 50er Jahre, während der Einfluss der einzelnen lokalen Häuptlingen abnimmt. Im gleiche Jahr wird der Paramount Chief Bereng Seeiso vom britischen Hochkommissar als König Moshoeshoe II. eingesetzt.
1965 Die britische Regierung gibt dem politischen Druck nach und lässt Wahlen auf Grundlage einer neuen Verfassung abhalten. Der Einfluss Moshoeshoes II. beschränkt sich auf den eines konstitutionellen Monarchen. Die Häuptlinge werden in einen Senat abgedrängt. Die konservative BNP unter Vorsitz von Leabula Jonathan gewinnt die Parlamentswahlen. Somit wird Jonathan zum ersten Premierminister von Lesotho.

Das unabhängige Königreich Lesotho
4. Okt. 1966 Das Königreich Lesotho erhält die Unabhängigkeit von Großbritannien. Moshoeshoe II. erklärt sich mit den Einschränkungen seines Amtes als konstitutioneller Monarch nicht einverstanden und löst eine Verfassungskrise aus.
1970 Da sich ein Wahlsieg der BCP abzeichnet, setzt Premierminister Jonathan die Verfassung außer Kraft und ruft den Notstand aus. Die Opposition wird verhaftet, woraufhin die BCP einen Guerillakampf beginnt. Moshoeshoe II. geht zeitweilig ins Exil.
1973 Der Ausnahmezustand wird für beendet erklärt und eine Übergangsverfassung tritt in Kraft.
1974 Ein Putschversuch von Mitgliedern der BCP scheitert, viele Anhänger der Partei werden ermordet.
1976 Lesotho lehnt die Anerkennung der Transkei und anderer südafrikanischer Homelands ab.
1980 Da Lesotho südafrikanischen Flüchtlingen Asyl bietet, verhängt die Apartheidregierung Südafrikas Sanktionen gegen das Königreich und übt so wirtschaftlichen, politischen und militärischen Druck auf Lesotho aus. Lesotho versucht gegen die südafrikanischen Pressionen einen unabhängigen Weg zu verfolgen. Es tritt der neuen Regionalgemeinschaft Southern African Development Coordination Conference (SADCC; der späteren Southern African Development Community; SADC) bei.
1986 Ein unblutiger Militärputsch unter Generalmajor Metsing Lekhanya löst die Interimsnationalversammlung auf und bildet einen Militärrat, der zunächst mit Moshoeshoe II. kooperiert.
1990 Alle Anhänger der Monarchie werden aus den Kabinett und dem Militärrat entlassen. Moshoeshoe II. geht unfreiwillig ins Exil nach London. Der Thronfolger, sein Sohn Mohato, wird unter dem Namen Letsie III. neuer König.
1991 Das Verbot von Oppositionsparteien wird aufgehoben.
1992 Im Juli kehrt Moshoeshoe II. nach Vermittlung des Commonwealth-Sekretariats aus dem Exil zurück. Er verpflichtet sich der politischen Enthaltsamkeit.
1993 Im März wird eine neue Verfassung verabschiedet: Die Rolle des Königs wird auf repräsentative Funktionen beschränkt und ein Mehrparteiensystem wird eingeführt. Aus den Parlamentswahlen geht die BCP als Gewinner hervor. Somit wird Dr. Ntsu Mokhele neuer Premierminister. Er kann jedoch die Struktur- und Entwicklungsprobleme des Landes nicht lösen.
1994 Nach einer Reihe von gewaltsamen Auseinandersetzungen löst König Letsie III. im August das Parlament auf und suspendiert Teile der Verfassung. Auf Druck einer Eingreiftruppe, die von Südafrika, Simbabwe und Botswana geschickt wird, bricht der Putsch zusammen, so dass die alte Regierung wieder eingesetzt werden kann.
1995 König Moshoeshoe II. kehrt auf den Thron zurück.
1996 Bei einem Autounfall kommt Moshoeshoe ums Leben. Sein Sohn, König Letsie III., wird erneut König von Lesotho.
1998

Aus den Wahlen im Mai geht der Lesotho Congress for Democracy (LCD) als überwältigender Sieger hervor. Auf Druck von drei der insg. zwölf Oppositionsparteien finden Neuwahlen unter Beobachtung der SADC-Staaten statt. Wiederum gewinnt der LCD.

Am 4. Juli wird die neue Regierung unter Prof. Pakalitha Mosili als Premier vereidigt. Die Oppositionsparteien nehmen das Wahlergebnis nicht hin. Im Juli-August kommt es zu blutigen Straßenkrawallen, zu Revolten innerhalb der Armee Lesothos und zur Lähmung des öffentlichen Lebens.

Auf Bitte der LCD-Regierung, die einen Putsch fürchtet, marschieren am 22. September Truppen der SADC-Staaten in Lesotho ein. An der Intervention beteiligen sich Truppen aus Südafrika und Botswana. Durch Vermittlung Südafrikas kommt es im Oktober zu einer Allparteienübereinkunft und zur Bildung einer Interimsregierung. Im Rahmen der Interim Political Authority (IPA) wird im Dezember ein so genanntes Memorandum of Agreement zwischen der Regierung und den Oppositionsparteien unterzeichnet.

2000 Im Mai werden die letzten südafrikanischen und botswanischen Interventionstruppen aus Lesotho abgezogen. Die Wahlen werden auf 2001 verschoben.
2001 Erneut werden die Wahlen um ein Jahr verschoben. Das Wahlrecht wird modifiziert. 80 Sitze werden wie bisher nach reinem Mehrheitswahlrecht vergeben, 40 nach Verhältniswahlrecht.
2002 Aus den Parlamentswahlen im Mai geht die LCD als Sieger hervor. Sie erringt eine absolute Mehrheit von 77 der 120 Sitze. Erneuter Premierminister wird Pakalitha Mosisili. Doch auf Grund des neu eingeführten Verhältniswahlrechtes haben auch Oppositionsparteien die Möglichkeit, ins Parlament einzuziehen. Das Wahlergebnis findet unter weiten Teilen der Bevölkerung Akzeptanz.
2005

Erstmals finden Wahlen auf kommunaler Ebene statt.

Mit Jahreswechsel ist das Welttextilabkommen ausgelaufen. Chinesische und südostasiatische Tochterfirmen in Lesotho schließen ihre Fabriken, da sie nun von ihren Heimatländern quotenfrei exportieren können. In Lesotho schließen im ersten Halbjahr sechs Fabriken, mehr als 7.000 Beschäftigte verlieren ihren Arbeitsplatz. Lesotho kann die Verluste relativ in Grenzen halten, da das Land auf Grund des US-amerikanischen Gestzes AGOA (African Growth and Opportunity Act) einen zollfreien Zugang zum US-Markt hat. Lesotho beliefert das Niedrigpreissegment.

2007 Bei den Parlamentswahlen am 17. Februar erreicht die LCD unter Mosilili 61 der 120 Sitze. Die Wahlen werden von Wahlbeobachtern als insgesamt frei und fair eingeschätzt. Allerdings bestehen Differenzen zwischen Regierung und Opposition hinsichtlich der Anerkennung des Wahlergebnisses fort. Streitpunkt sind vor allem die Wahlbündnisse von Parteien und die sich daraus ergebende Zuordnung der 40 Sitze nach repräsentativem Wahlrecht.
2009

Im Juli wird die SADC-Vermittlung durch den ehemaligen botswanischen Präsidenten Masire ohne Ergebnis beendet, insbesondere aufgrund der mangelnden Kooperation seitens der Regierung.

Im August nehmen auf Vermittlung von Kirchen- und Geschäftskreisen die Regierungs- und Oppositionsparteien die Gespräche wieder auf.

2012

Bei den Parlamentswahlen am 16. Mai geht der Democratic Congress von Premier Mosisili als stärkste Kraft hervor. Der erst vor einem Vierteljahr gegründete DC erhält 48 Sitze. Stärkste Oppositionspartei wird die All Basotho Convention mit 30 Sitzen. Nachdem Mosisili mit der Bildung einer Koalitionsregierung scheitert, tritt er am 30. Maii zurück.

Tom Thabane von der All Basotho Convention wird am 8. Juni neuer Premierminister. Er leitet eine Koalition aus ABC, LCD und BNP, die von der PFD, MFP und weiteren kleinen Parteien gestützt wird. Die ist die erste Koalitionsregierung in der Geschichte Lesothos.

2013

Die Gewerkschaften fordern die Einlösung der Versprechen der Koalitionsparteien, für Lohnerhöhungen und Arbeitsplätze zu sorgen. Sie verlangen die Entlassung des Arbeitsministers, der es nicht verstehe, bei den Unternehmern auch nur moderate Lohnerhöhungen durchzusetzen.. Die Regierung verweist darauf, dass sie in dieser Frage nur eine vermittelnde Rolle einnehmen könne.

Vorreiter des Drucks auf die Regierung ist die Textilgewerkschaft. Im Oktober 2013 hatten sie sich bereits mit Streiks organisiert. 60 Prozent des verarbeitenden Gewerbes werden von der Textilindustrie bestimmt. Wichtigstes Exportland ist die USA aufgrund des African Growth and Opportunity Act (AGOA). Die Ausfuhren dorthin können in diesem Jahr gesteigert werden.

Ein anderes Problem für den Arbeitsmarkt ist immer noch der Grenzverkehr für Wanderarbeiter nach Südafrika. Seit Juni 2010 hat Südafrika das Grenzregime verschärft. Die lesothische Regierung hat es bis dato nicht geschafft, Arbeitern und Arbeiterinnen mit den entsprechenden Dokumenten und Reisepässen auszustatten, die für eine Arbeitsaufnahme in Südafrika erforderlich sind. Nicht von ungefähr gewinnt die Frage nach Föderation mit Südafrika wieder an Bedeutung.

2014

Die Schätzungen für die Konjunktur 2014 sind günstig. Der Internationale Währungsfond IWF und auch andere renommierte Wirtschaftsinstitute erwarten erstmals seit zehn Jahren ein Wirtschaftswachstum über fünf Prozent. Das Baugewerbe erwartet einen Aufschwung. Der Bau eines Dammes und eines Wasserkraftwerkes beginnt in diesem Jahr. Die Textilindustrie erwartet noch einmal eine Absatzsteigerung in die USA. Allerdings läuft AGOA 2015 aus. Die Verhandlungen um eine mögliche Verlängerung müssen in diesem Jahr aufgenommen werden. Auf der anderen Seite muss mit einem weiteren Rückgang der Beschäftigung von Wanderarbeiter in Südafrika gerechnet werden. Zum Jahreswechsel fanden noch 37.000 lesothische Arbeitskräfte in Südafrika eine Stelle. Lesotho ist in hohem Maße von deren Überweisungen abhängig.

(Stand: Februar 2014)