Malawi

Im Herzen der Region

Nationalpark Malawisee Foto: Kevin Walsh/Oxford England

Malawi ist kein Land, das viel Aufhebens von sich macht – es sei denn, dass es das erste Land der Region ist, das von einer Frau regiert wurde, und in dem das Oberste Gericht später eine Wahl wegen Unregelmäßigkeiten wiederholen ließ. Das kleine Land am großen Malawisee ist kein reiches Land. Bodenschätze gibt es kaum oder lohnen den Abbau nicht. Die Landwirtschaft ist der wichtigste Erwerbszweig und Devisenbringer. 81 Prozent der Malawier leben auf dem Land. Sie bauen Mais, Maniok und Hülsenfrüchte für die Selbstversorgung an. Das Bevölkerungswachstum von knapp drei Prozent stellt das Land allerdings zunehmend vor Probleme bei der Ernährungssicherung der Bevölkerung.

Staat und Verwaltung

Offizielle Bezeichnung Dziko la Malaŵi (Chichewa); Republic of Malawi (englisch); Republik Malawi
Unabhängigkeit 6. Juli 1964 (von Großbritannien)
Fläche 118.484 km2
Landesnatur eng gestrecktes Plateau mit Flachland, Hügeln und einigen wenigen Bergen; tropisches bis subtropisches Klima
Höchste Erhebung Sapitwa (Mount Mulanje; 3.002 m)
Küste Binnenland mit Grenzen zu Sambia, Tansania und Mosambik
Umweltprobleme Entwaldung, Landdegradierung, Wasserverschmutzung, Verschlammung gefährdet Fischpopulationen
Einwohnerzahl 20.308.502 (Juli 2021 geschätzt)
Bevölkerungsdichte 171,4 Einwohner pro km2 Landfläche (eig. Berechnung)
Hauptstadt Lilongwe
Landessprachen Englisch (Amtssprache), Chichewa (Amtssprache), andere wichtige regionale Sprachen
Religionen Christen 77,3 % (davon Protestanten 33,5 %, Römisch-Katholische 17,2 %, andere christl. Kirchen 26,6 %), Muslime 13,8 %, Anhänger indigener Religionen 1,1 %, andere 5,6 %
Staatsform Präsidialrepublik mit Mehrparteiensystem
Verfassung 18. Mai 1994
Wahlrecht wahlberechtigt sind alle Bürger ab 18 Jahren
Exekutive Staatsoberhaupt: Präsident und Regierungschef: Lazarus Chakwera (seit 28. Juni 2020); Vizepräsident: Saulos Chilima (seit 3. Februar 2020); Kabinett: 21-Mitglieder-Kabinett ernannt durch Präsidenten; Wahlen: Präsident vom Volk für fünf Jahre gewählt
Legislative Einkammer-Nationalversammlung mit 193 auf fünf Jahre gewählten Abgeordneten
Parteien Democratic Progressive Party (DPP); Malawi Congress Party (MCP); People's Party (PP); United Democratic Front (UDF); United Transformation Movement (UTM)
Rechtssystem basiert auf englischen Recht und traditionellem Recht
Justiz Supreme Court of Appeal, High Court, Magistrate Courts, Industrial Relation Court
Verwaltungsgliederung 28 Distrikte: Balaka, Blantyre, Chikwawa, Chiradzulu, Chitipa, Dedza, Dowa, Karonga, Kasungu, Likoma, Lilongwe, Machinga, Mangochi, Mchinfi, Mulanje, Mwanza, Mzimba, Neno, Ntcheu, Nkhata Bay, Nkhotakota, Nsanje, Ntchisi, Phalombe, Rumphi, Salima, Thyolo, Zomba
Internationale Mitgliedschaften UNO und Unterorganisationen; Afrikanische Union (AU); Entwicklungsgemeinschaft SADC; Handelsgemeinschaft COMESA; Afrika-Karibik-Pazifik-Staaten (AKP); Welthandelsorganisation (WTO); Internationaler Währungsfond (IMF); Weltbank
Internationale Länderkategorien LDC - Status, low-income economy
(9 der 16 SADC-Staaten gelten nach UN-Bestimmungen als Least Developed Countries (LDC) - "am wenigsten entwickelte Länder" - und bekommen besondere Mittelzuwendungen)

 

Wirtschaft

Währung 1 Malawi-Kwacha (MWK) = 100 Tambala
Wechselkurs

1 Euro = 940,452 MWK (18.05.2021)

aktueller Wechselkurs: OANDA


Export / Importgüter
- Wichtige Exportgüter Tabak (54 %), Zucker (9,4 %), Tee (8,8 %), Erdnüsse und andere Nüsse (7,8 %), Hülsenfrüchte (4,3 %), Ölkuchen, Sojabohnen, Holzprodukte, Baumwolle (UN Comtrade 2019)
- Wichtige Importgüter Postwertzeichen, Banknoten und Formulare (9 %), Erdöl und Mineralölprodukte (7,2 %), Düngemittel (7 %), Medikamente (4,5 %), Halbfabrikate, Fahrzeuge, Transportausstattung (UN Comtrade 2019)

Wichtige Handelspartner
- Export Belgien (16,5 %), Kenia (7,4 %), Ägypten (7,2 %), Südafrika (6,7 %), USA (5,5 %), Niederlande (4 %), China (3,9%), Russland (3,6 %), Tansania (3,5 %), Sambia (3,4 %) (UN Comtrade 2019)
- Import China (18,4 %), Südafrika (16,6 %), Vereinigte Arabische Emirate (9,5 %), Indien (8,7 %), Großbritannien (7,6 %), Sambia (3,6%), Japan (3,4 %), Kuweit (2,9 %), Norwegen (2,8 %), Tansania (2,1 %) (UN Comtrade 2019)

Infrastruktur
- Eisenbahn 767 km
- Straßen 15.452 km (davon 4.074 geteert)
- Flugplätze 32 (davon 7 mit befestigten Start- und Landebahnen)
- Häfen Chipoka, Monkey Bay, Nkhata Bay, Nkhotakota, Chilumba

 

Weitere wirtschaftliche Indikatoren siehe Ländervergleich Wirtschaft
Soziale Indikatoren siehe Ländervergleich Soziales

Chronologie

Frühgeschichte
vor über 2 Mio. Jahren Vermutlich besiedelten Verwandte des Homo Rudolfensis das Ufer des Nyassasees. Bei Ausgrabungen im Jahr 1993 stieß man auf Knochenfunde, die darauf hinweisen.
25.000 v. Chr. San, nomadische Jäger und Sammler, besiedeln das Gebiet des heutigen Malawi. Später nutzen auch Khoikhoi das Land zur Weidung ihrer Rinder und Schafe. Es wird sogar angenommen, dass Pygmäen-Buschleute aus dem Kongobecken am Ufer des Malawisees (Nyassasees) siedelten.

Die Besiedlung durch Bantuvölker
um 300 n. Chr. Khoi und San werden von Bantuvölkern vertrieben. Auf Grund der Kenntnisse der Bantu im Bereich der Eisenverarbeitung, Landwirtschaft und Fischerei kann das Land urbar gemacht werden. Es entstehen Siedlungen am Ufer des Malawisees.
bis 1300 Einige der Bantusiedlungen wachsen zu Königreichen heran: So das der Chewa im Süden des heutigen Malawi, der Undi im heutigen Zentralmalawi und der Tumbuka im Norden Malawis.
16./17. Jh. Das Königreich Marawi erlebt seine Blütezeit. Der Namen der heutigen Republik Malawi ist auf das Marawi-Königreich zurückzuführen. Er bedeutet "widerspiegelndes Licht" - vermutlich eine Anspielung auf die Sonnenspiegelung im Wasser des Malawisees.
frühes 19. Jh. Auf dem Gebiet der heutigen Regionen Blantyre und Zomba lassen sich Yao (Migranten aus dem benachbarten Mosambiks) nieder. Sie betreiben Handel mit Elfenbein, Kupfer und Sklaven. Dies zieht arabische und ostafrikanische Händler an, mit deren Ankunft in Malawi der Sklavenhandel expandiert. Die Sklavenhändler haben zwei Dhows (arabische Segelschiffe) auf dem See stationiert, auf dem die Sklaven an das andere Ufer transportiert werden.
20er Jahre des 19. Jh. Die gewaltsame Ausbreitung des Zulureiches unter deren König Shaka, bekannt als Epoche der Difaqane/Mfecane, treibt Nguni-Flüchtlinge in die Regionen Dedza, Mzimba und Dowa.
um 1876 Die Yao beherrschen anstelle der Araber das Gebiet südlich des Malawisees. Durch den Handel besitzen sie moderne Schußwaffen. Sie bekämpfen sich mit den Zuluvölkern aus dem Hochland und treiben auf diese Weise das Land in den Ruin.

Europäische Landnahme
frühes 19. Jh. Portugiesische Händler aus Mosambik starten Expeditionen in das Gebiet Malawis.
1859 Der schottische Missionar David Livingstone entdeckt den von ihm so genannten Nyassasee und weckt das Interesse seiner Landsmänner mit Erzählungen über den "See der Sterne". Daraufhin kommt es zu sporadischen Siedlungen von britischen Missionaren und Händlern. Der britische Einfluss wird in der Region Malawis ausgebaut.
1878 Die African Lakes Company wird von schottischen Geschäftsleuten als Handels- und Transportunternehmen gegründet, das in enger Kooperation mit den Missionaren arbeitet. Sie richtet ihren Sitz in Blantyre ein und setzt es sich zum Ziel, den Sklavenhandel durch legalen Handel mit natürlichen, landwirtschaftlichen Waren unattraktiv zu machen.
1883 Zum Schutz der britischen Siedler - damals 32 Personen - und zur Wahrnehmung der britischen Interessen wird ein britischer Konsul ernannt mit dem Titel "Consul to the territories of the African kings and chiefs in the districts adjacent to the lake Nyasa".
1884/5 Auf der Berliner Kongo-Konferenz werden die Spielregeln für das so genannte Scramble for Africa festgelegt: Nicht historische, von Küstenregionen abgeleitete Rechte sollen für die Aufteilung Innerafrikas maßgebend sein, sondern das Okkupationsrecht, d. h. die mit den Afrikanern vertraglich vereinbarte permanente Besetzung eines Gebietes. Für das Gebiet des heutigen Malawi ist Sir Henry Johnston einer der einflussreichsten Personen der Kolonialgeschichte. Als britischer Konsul zunächst in Mosambik tätig, schließt er derartige Verträge im unteren Shiregebiet (Südmalawi), im Shirehochland und am Westufer des Malawisees.
Ende der 1880er Die Deutschen haben mittlerweile fast ganz Tanganyika erobert und wollen ihren Einfluss auf das Gebiet am gegenüberliegenden Ufer des Malawisees ausbreiten. Die Portugiesen planen Ähnliches und drängen von Südwesten in das Land. Die in Malawi siedelnden Briten fühlen sich dadurch bedroht.
1889/91 Die Ängste der britischen Siedler führen zu Verhandlungen mit den Deutschen und Portugiesen. Diese werden mit dem Anglo-German Agreement von 1889 und dem Anglo-Portugese Treaty von 1891 abgeschlossen.
1891 Nachdem das Angebot Cecil Rhodes, das Gebiet Malawis unter Hoheit der British South Africa Company (BSAC) zu stellen, von Missionaren und Siedlern gleichermaßen abgelehnt wird, gründet sich im Mai des Jahres das Britische Zentralafrika-Protektorat, das später in Protektorat Nyassaland umbenannt wird. Hier, wenn auch später als in vielen anderen britischen Kolonien, wird das System des so genannten Indirect Rule eingeführt: Die Kolonie wird von afrikanischen Stammesoberhäuptern regiert, die unter Hoheit der britischen Regierung stehen.
1907 Das Protektorat wird in die Kolonie Nyassaland umgewandelt.
frühes 20. Jh. Um Lohnarbeitskräfte für die Plantagen im Süden des Protektoratsgebiets und in anderen Teilen des Südlichen Afrika zu gewinnen, den marktorientierten Anbau der Afrikaner zu fördern und den Staatshaushalt zu tragen, hat man bereits 1892 für die im Süden lebenden Afrikaner eine Kopfsteuer eingeführt, die 1904 durch die Hüttensteuer für das ganze Land abgelöst wird. Die Besteuerung zwingt zum Erwerb von Bareinkommen, dessen Folge ein Strom von Wanderarbeitern in die Südregion des Protektorats und nach Simbabwe und Südafrika ist.

Die Zeit der Unabhängigkeitsbewegung
1915 Eine erste, isolierte Rebellion der afrikanischen Bevölkerung unter John Chilembwe gegen die britische Bevormundung wird blutig niedergeschlagen.
1940er Die Unzufriedenheit mit der britischen Hoheit sowie die Opposition dagegen finden ihren Ausdruck in der Gründung von Wohlfahrtsorganisationen und politischen Parteien, v.a. des Nyasaland African Congress (NAC).
1953 Die Eingliederung Nyassalands in die Zentralafrikanische Föderation mit Nord- und Südrhodesien stößt auf Widerstand der afrikanischen Bevölkerung und der Missionare im Land. Der Zusammenschluss bedeutet eine enorme Stärkung der europäischen Herrschaft. In Nyassaland leben die Afrikaner vergleichsweise frei; Passzwang oder eine Einschränkung in der Bewegungsfreiheit gibt es nicht. Ein wichtiger Grund für die Opposition zur Föderation besteht in der Hoffnung, unter der Kolonialregierung über kurz oder lang die Unabhängigkeit erwarten zu können. Unter der Föderationsregierung bestehen dafür nur geringe Chancen. Man befürchtete die Herrschaft weißer Siedler wie in Südrhodesien.
1957 Dr. Hastings Banda wird zum Vorsitzenden des NAC ernannt. Es kommt zu heftigen Streiks, Demonstrationen und Aufständen.
1959 Der Ausnahmezustand wird ausgerufen, der NAC verboten und Banda sowie zahlreiche andere Führer der Unabhängigkeitsbewegung verhaftet.
1960 Kurz nach seiner Entlassung im April wird Banda Vorsitzender der neu gegründeten Malawi Congress Party (MCP). Zwei Untersuchungskommissionen geben den Anstoß, Nyassaland die weitere Mitgliedschaft in der Zentralafrikanischen Föderation freizustellen. Eine neue Verfassung gewährt die Ausweitung des Wahlrechts und erweiterte Selbstbestimmung der afrikanischen Bevölkerung.
1961 Aus den Wahlen vom August des Jahres geht die MCP als Sieger hervor.
6. Juli 1964 Malawi wird von Großbritannien in die Unabhängigkeit entlassen. Staatspräsident wird Kamuzu Hasting B. Banda.

Das autoritäre Regime Bandas
1964 Schon im September werden die ersten Minister des Kabinetts ins Exil getrieben.
1966 Malawi wird in eine Präsidialrepublik innerhalb des Commonwealth und zum Einparteienstaat umgewandelt.
1971 Statt Parlamentswahlen abhalten zu lassen, nominiert Banda die Abgeordneten. Im gleichen Jahr ernennt er sich zum Präsidenten auf Lebenszeit. Unter Banda ist Malawi ein Polizeistaat und eine antikommunistisch eingestellte Diktatur. Als solche erfreut sie sich in Zeiten des Kalten Krieges der Unterstützung des Westens. Zudem unterhält Banda als einziger Regierungschef der so genannten Frontstaaten enge Beziehungen zum Aprtheidregime in Südafrika.
1970er und 80er Jahre Politische Opposition ist unter Banda verboten, Kritiker der Regierung werden unnachgiebig verfolgt. Dabei tun sich die paramilitärisch organisierten Young Pioneers der MCP besonders hervor. Selbst im Exil sind Mitglieder verschiedener Oppositionsbewegungen (The Socialist League of Malawi, The Malawi Freedom Movement, The Congress of the Second Republic) vor Verfolgung durch malawische Geheimdienste nicht sicher.
1992 Nach blutigen Unruhen setzen die katholischen Bischöfe im März einen kritischen Hirtenbrief mit der Forderung nach umfassenden Reformen auf. Dieser ermutigt zahlreiche Menschen, sich mit dem Ruf nach Demokratie zu erheben. Die Verhaftung des populären Gewerkschaftfunktionärs Chakufwa Chihana sowie die allgemeine Unzufriedenheit führen zu Streiks, öffentlichen Demonstrationen und Plünderungen. Mehrere Dutzend Menschen werden von Sicherheitskräften erschossen.
1993 In einem Referendum entscheiden sich im Juni die Wähler mit deutlicher Mehrheit für ein Mehrparteiensystem und leiten damit den friedlichen Demokratisierungsprozess ein.

Die demokratische Republik Malawi
1994 Am 17. Mai finden die ersten freien Präsidentschafts- und Parlamentswahlen Malawis statt. Die neu gegründete United Democratic Front (UDF) erhält die Mehrheit der Stimmen. Bakili Muluzi (früherer Generalsekretär der MCP) wird am 21. Mai als neuer Präsident vereidigt.
1995 Die Verfassungsreform vom Mai sieht 177 Sitze in der Nationalversammlung, Legislaturperioden von jeweils fünf Jahren und eine Direktwahl des Präsidenten vor.
1999 Am 15. Juni finden zum zweiten Mal freie Wahlen statt. Präsident Bakili Muluzi wird in seinem Amt bestätigt. Auch die Sitzverteilung im auf 193 Sitze erweiterten Parlament bleibt weitestgehend gleich: Die UDF stellt die stärkste Fraktion, die MCP und die Alliance for Democracy (Aford) bleiben in der Opposition.
2001/02 Präsident Muluzi kann nach gültiger Verfassung nur zwei Legislaturperioden im Amt verweilen. Versuche der Regierungspartei, die Verfassung zu ändern und Muluzi zu einer dritten Amtsperiode zu verhelfen, haben zu landesweiten Protesten geführt. Die Stimmung in der Bevölkerung gegen eine dritte Amtszeit verhilft Brown Mpinganjira, der Ende 2000 nach Korruptionsvorwürfen aus der UDF ausgeschlossen wurde, zu einem politischen Comeback. Seine 2001 gegründete National Democratic Alliance (NDA) versteht er als "pressure group" gegen die Regierungspolitik. Ihr Antrag auf Parteibildung ist noch anhängig.
Juli 2002 Die umstrittene Vorlage zur Verfassungsänderung (Open Term Bill), mit der Muluzi eine dritte Amtsperiode ermöglicht werden soll, scheitert an der Parlamentsmehrheit, nachdem die zuvor von der Regierung eingekaufte Oppositionsfraktion um John Tembo umgefallen ist.
2003

Nach einer erneut sich abzeichnenden Abstimmungsniederlage im Parlament wird im Februar eine modifizierte Gesetzesvorlage (Third Term Bill) zurückgezogen. Muluzi zeigt sich bereit, nicht mehr zu kandidieren. Durch eine Veränderung des Parteienstatuts versucht er, sich über den Parteivorsitz erheblichen Einfluss auf die Regierungspolitik zu sichern.

Auf dem Parteitag der UDF im August wird der von Muluzi ins Spiel gebrachte politische Außenseiter Bingu wa Mutharika zum Präsidentschaftskandidaten der Partei für die 2004 anstehenden Wahlen gekürt. Muluzi erhält ohne Gegenstimmen das neu geschaffene Amt des Parteivorsitzenden.

2005 Die für 2005 vorgesehenen Wahlen wurden in den letzten Jahren immer wieder verschoben und sollen nun im Jahr 2014 zeitgleich mit den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen durchgeführt werden. Im Parlament vertreten sind die 2005 neu gegründete Partei des Staatspräsidenten DPP (Democratic Progessive Party), die über eine große Mehrheit verfügt, sowie die UDF (United Democratic Front) und die MCP (Malawi Congress Party). Die früher im Norden starke AFORD (Alliance for Democracy) und zwei weitere Parteien stellen jeweils einen Abgeordneten. Außerdem sind 24 unabhängige Abgeordnete im Parlament vertreten.
2009 Die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen am 19. Mai verlaufen friedlich und genügen nach Feststellung internationaler Wahlbeobachter demokratischen Prinzipien. Bingu wa Mutharika landet mit 66 Prozent einen Erdrutschsieg bei den Präsidentschaftswahlen.
2010 Präsident Mutharika schließt seine Stellvertreterin Joyce Banda im Dezember aus der Regierungspartei DPP aus. Sie hatte sich mit Mutharika über die Kandidatenauswahl für die im Jahr 2014 anstehenden Präsidentenwahl überworfen. Mutharika, der selbst nach der Verfassung nach zwei Amtsperioden nicht wieder antreten darf, setzte die Kandidatur seines Bruders Außenminister Peter Mutharika durch. Banda verbleibt aber in ihrem Amt als Vizepräsidentin. Sie gründet in der Folge die People's Party.
2011 Seit dem Sommer durchläuft das Land eine innenpolitische und wirtschaftliche Krise. Die anhaltende Devisenknappheit führt zu Engpässen in der Versorgung von Importgütern wie Treibstoff, Düngemittel und Medikamenten. Proteste gegen die wirtschaftliche Lage und die Regierungsführung enden im Juli 2011 blutig, es kommt zu schweren Übergriffen der Sicherheitsorgane und mehreren Toten.
2012 Kurz vor Ostern stirbt Präsident Bingu wa Mutharika an einem Herzinfarkt. Die Amtsgeschäfte übernimmt nach einem internen Machtkampf am 7. April Vizepräsidentin Joyce Banda. Das Militär hat sich im Machtgerangel hinter Banda gestellt. In einer ihrer ersten Amtshandlungen hebt sie die Preisbindung des Kwacha auf und kündigt an, den von Mutharika angeschafften teuren Präsidentenjet zu verkaufen und sich von 60 Mercedes für die Abgeordneten zu trennen. Zudem will sie die umstrittenen Strafgesetze gegen Homosexuelle einer Revision unterziehen.
2013

Anfang des Jahres versteigert Staatspräsidenbtin Joyce Banda im Zuge der Sparmaßnahmen den Privatjet ihres Vorgängers. Außerdem reduziert sie ihren eigenen Lohn um 30 Prozent. Der Kauf des Privatjets durch ihren Vorgänger Mutharika hatte Proteste ausgelöst und Geber ihre Fördermittel kürzen lassen. Der Erlös aus dem Verkauf soll für die Grundversorgung der Armen genutzt werden.

Im Jahrzehnte alten Streit um den Grenzverlauf des Malawisees zwischen Tansania und Malawi, der 2012 zu eskalieren drohte, scheitern Ende März die Vermittlungsbemnühingen der Regionalgemeinschaft SADC. Die malawische Regierung wil nun den internationalen Gerichtshof in Den Haag anrufen.

Malawi vereinbart mit Südkorea die Entsendung von Wanderarbeitern. 100.000 junge Malawier sollen in südkoreanischen Fabriken und auf Farmen arbeiten. Die Opposition kritisiert die Übereinkunft. Das Arbeitsministerin beruft sich auf Studien, nach denen 80 Prozent der Schulabgänger wieder in ihre Dörfer zurückgehen, weil es an Arbeitschancen oder Mitteln zur Selbstbeschäftigung fehlt.

Im Oktober wird ein schwerer Fall von Korruption aufgedeckt, in den Ministerien und Staatsbedienstete verwickelt sind. Im so genannten Cashgate-Skandal sind umgerechnet 2,5 Mio. US-Dollar in dunklen Kanälen der Verwaltung versickert. Staatspräsidentin Joyce Banda reagiert unverzüglich und entlässt das gesamte Kabinett. Die Gehaltszahlungen an staatliche Bedienstete werden ausgesetzt. Der Cashgate-Skandal geht auf die Vorgänger Bandas zurück.

Die Geberländer drohen nun, dem Land die Gelder zu sperren, sie fordern eine unverzügliche Aufklärung des Skandals. 40 Prozent des Staatshaushaltes werden von Gebergeldern gedeckt.

2014 In Malawi sind Kinderehen weit verbreitet. Obwohl die Verfassung Eheschließungen ab dem 15. Lebensjahr erlaubt, werden viele Mädchen vor diesem Alter verheiratet. Oftmals können sie dadurch auch nicht die Schule beenden und erleben körperliche Gewalt und emotionale Misshandlungen, ebenso wie ihre Kinder.

Die Wahlen am 20. Mai verlaufen chaotisch. In mehreren Wahlbüros werden mehr Stimmen abgegeben, als Wahlberechtigte registriert waren. Außerdem versagt das Computerprogramm bei der Auszählung der Stimmen, sodass von Hand gezählt werden muss. Als sich die Niederlage der bis dato amtierenden Präsidentin Joyce Banda abzeichnet, versucht sie auf juristischem Wege die Wahlergebnisse anzufechten. Am 30. Mai ordnet der Oberste Gerichtshof die Bekanntgabe der Wahlergebnisse an. Wenige Tage zuvor hatte die Wahlkommission angekündigt, die Stimmzettel erneut auszählen zu lassen, was mehrere Wochen in Anspruch nehmen würde. Mehrere Parteien, Kirchen und Menschenrechtsorganisationen befürworteten dieses Vorhaben, wohingegen der Oberste Gerichtshof eine erneute Auszählung nicht für notwendig hält. Gewalttätige Proteste mit drei Todesopfern sind die Folge.

Am 30. Mai wird Peter Mutharika von der DPP (Demokratic Progressive Party) mit 36,4 % der Stimmen zum Wahlsieger. Das zweitbeste Wahlergebnis erzielt Lazarus Chakwera mit 27,8 %, er gehört der Kongresspartei MCP an. Joyce Banda kann mit ihrer 2011 gegründeten Volkspartei PP 20,2 % der Stimmen gewinnen. Die Wahlbeteiligung liegt bei 70,8 %. Am 1. Juni legt der 74-jährige Peter Mutharika seinen Amtseid ab.

2015 Im Januar protestieren in Lilongwe tausende Menschen gegen die Korruption. Grund dafür ist ein Geldtransfer von 120.000 US-Dollar der nationales Aids-Kommission an zwei regierungsnahe Wohltätigkeits- und Kulturvereine der Präsidentengattin. Das Geld wurde jedoch nicht für HIV-/ Aids-Aktivitäten eingeplant. Nach einer Kontroverse zwischen verschiedenen Vertretern zivilgesellschaftlicher Gruppen künden einige weitere Proteste an. Sie verlangen ein Ende des Nepotismus, der Politisierung para-staatlicher Organisationen sowie eine Wahlrechtsreform.

Bei den Korruptionsvorfällen spricht man bereits im Februar über mindestens 40 Millionen Euro, die veruntreut worden seien. Über 200 Personen in Regierungsämtern und im Staatsdienst sollen profitiert haben. Neun davon stellten sich vergangenes Jahr zu Wahl, darunter Joyce Banda. Hinzu kommen 16 Unternehmen, die irreguläre Zahlungen erhalten haben, ebenso wie Banken, die gestohlenes Geld ins Ausland transferieren.

Ende Juni musste die Regierung einen Bericht über veruntreute Gelder veröffentlichen. Zwischen Januar 2009 und Dezember 2014 veruntreute die Regierung in Malawi 1,4 Milliarden US-Dollar (577,2 Mrd. Kwacha).

Durch den Starkregen und Überflutungen zu Beginn des Jahres kommt es zu Ernteeinbußen. In der Versorgung fehlen vor allem Grundnahrungsmittel wie Mais, Reis und Sorghum. Fast 20 % der Bevölkerung des Landes sind von dem Nahrungsmittelmangel betroffen.

Am 17. August hat Präsident Mutharika sein Kabinett umgebildet. Ausgetauscht wurden unter anderen Minister für Landwirtschaft, ländliche Entwicklung und Lokalverwaltung. Über die Gründe kann in der Presse nur gemutmaßt werden.

Die ehemalige malawische Präsidentin Joyce Banda hält sich weiterhin in Südafrika auf mit der Begründung, dass ihre Sicherheit in Malawi nicht gewährleistet wäre. Kritiker gehen davon aus, dass Banda sich anlässlich des Korruptionsskandals nicht zurücktraut. In ihrer Amtszeit sind 48 Mio. US-Dollar verschwunden.

2016 Durch Ernteeinbußen aufgrund von Dürren und mangelnden Exporterlösen durch den Verkauf von Tabak kommt es zu Finanzproblemen in Malawi. Seit der Präsidentschaft von Peter Mutharika ist der Kwacha von 715 auf 160 im Vergleich zum US-Dollar gefallen. Die Inflation stieg von März 2015 bis März 2016 von 18 % auf 25 %. Vor allem die arme Bevölkerung ist von den steigenden Grundnahrungsmittelpreisen betroffen.

In der Folge ruft die Regierung den nationalen Notstand aus. Im Juni beschließt der IWF, seine Kredite für Malawi auf 77 Mio. US-Dollar auszuweiten. Laut malawischem Landwirtschaftsministerium erhält über die Hälfte der Bevölkerung Lebensmittelhilfen, Mais werde im großen Stil importiert. Die Wachstumsprognose halbiert sich unterdessen von 6,2 auf 3 %.

Der frühere Justizminister Ralph Kasambara wird am 30. August in einem vielbeachteten Verfahren zu 13 Jahren Haft verurteilt. Das Oberste Gericht befindet den ehemaligen Generalstaatsanwalt für schuldig, den Mord an seinem Amtsvorgänger Paul Mphwiyo in Auftrag gegeben zu haben. Beide waren in den „Cashgate"-Skandal verwickelt. Nachdem Mphwiyo gedroht hatte, Kasambaras Beteiligung publik zu machen, ließ dieser ihn ermorden.

2017 Am 13. Januar lässt die malawische Steuerbehörde das private Medienunternehmen Times Group aufgrund von angeblichen Steuerrückständen schließen, die regierungskritische Berichterstattung der Times Group scheint allerdings der wahre Grund dahinter zu sein. Geräte und Fahrzeuge werden beschlagnahmt und die Räumlichkeiten versiegelt. Der Chefredakteur geht gerichtlich gegen die Aktion vor und erhät Recht.

Ebenfalls im Januar kündigt der Leiter des Antikorrupionsbüros, Lucas Kondowe, Ermittlungen zum überteuerten Import von Mais aus Sambia an. Die Kosten waren von erwarteten 22 Mio. US-Dollar auf über 34 Mio. US-Dollar gestiegen, während die Preise für die Verbraucher um 250 % höher lagen als im Vorjahr. Das sorgte im von der Dürre getroffenen Malawi für viel Empörung, denn für weite Teile der Bevölkerung war der dringend benötigte und eigens importierte Mais viel zu teuer.

2018 Nach vier Jahren selbst gewählten Exils kehrt die ehemalige Präsidentin Joyce Banda (2012-2014) in ihre Heimat zurück. Nach Aussagen von Nowa Chimpeni, Sprecher der von Banda gegründeten PP, dient ihre Rückkehr der Reorganisation der Partei und der Vorbereitung der Wahlen im Mai 2019. Es liegt ein Haftbefehl gegen Banda aufgrund der Verstrickung in die Cashgate-Affäre vor, dessen Vollstreckung allerdings unklar ist.

Malawis Regierung unter Präsident Peter Mutharika plant eine Änderung des Gesetzes über Nichtregierungsorganisationen. Das Gesetz sieht vor, nicht-konforme NGOs mit Geldstrafen belegen oder verbieten zu können. Betroffen davon sind besonders Menschenrechtsorganisationen.

2019

Infolge einer Entscheidung des Obersten Gerichtshofes im vergangenen Jahr werden im Februar 267 Jugendliche aus Strafanstalten für Erwachsene entlassen. Sie werden in Jugendhaftanstalten oder in die Obhut der Eltern gegeben. Malawi verfügt nur über insgesamt zwei Jugendgefängnisse im ganzen Land, die chronisch überbelegt sind.

Mitte März gab gibt Joyce Banda überraschend bekannt, ihre Kandidatur für die Mai-Wahlen zurückzuziehen, nachdem ihr Versuch gescheitert war, mit Vizepräsident Saulos Chilima, der im Juni 2018 aus der regierenden DPP ausgetreten war, ein Vier-Parteien-Bündnis zu schließen.

Am 28. Mai wird Peter Mutharika zu seiner zweiten und damit verfassungsrechtlich letzten Amtszeit vereidigt. Die vorangegangene Wahl vom 21. Mai hat er mit 39 Prozent der Stimmen gewonnen. Der für ihn gefährlichste Gegenkandidat Lazarus Chakwera kam auf 35 Prozent. Vizepräsident wird Evarton Chimulirenji. Die Wahlen führen zu einer Welle gewalttätiger Proteste. Oppositionsführer wollen das Ergebnis wegen Unregelmäßigkeiten vor Gericht anfechten. Sie streben eine Annullierung der Präsidentschaftswahlen an.

Bei Demonstrationen, die Malawi seit den Wahlen vom 21. Mai erschüttern, ist es in der Hauptstadt Lilongwe mutmaßlich zu schweren sexuellen Übergriffen der Polizei gegenüber weiblichen Protestierenden gekommen. Die Frauenrechtsorganisation „Gender Coordinating Network" sagt in einer Erklärung, man habe Beweise von mehreren Opfern aufgenommen, darunter von drei Mädchen, die angaben, zu Hause von der Polizei vergewaltigt worden zu sein. Am 25. Oktober veranstalten Frauenrechtsaktivistinnen Straßenproteste in der Hauptstadt Lilongwe und fordern eine gründliche Untersuchung der Vorkommnisse sowie die sofortige Verhaftung der beteiligten Polizisten. Beobachter bezweifeln die Unabhängigkeit der polizeilichen Untersuchung.

Gegen Ende des Jahres kündigt die malawische Regierung an, dass in den ersten drei Wochen des neuen Jahres ein umfassendes Verbot von dünnen Kunststoffen und Einwegplastik in Kraft treten wird. Bei Verstößen drohen Bußgelder in Höhe von 5 Millionen Kwacha (ca. 6200 Euro), das entspricht dem Vierfachen der bisherigen Strafe. Die Regierung folgt damit mit leichter Verspätung einem Urteil des Obersten Gerichts, das Plastikverbote angeordnet hatte. Dem Gerichtsurteil ging ein jahrelanger Rechtsstreit mit Kunststoffherstellern voraus, der 2015 begonnen hatte.

2020

Überraschend wird die Präsidentschaftswahl des letzten Jahres am 3. Februar vom Lilongwe High Cort annulliert. Auf Grund von Wahlunregelmäßigkeiten, wie zum Beispiel des Einsatzes einer signifikanten Menge von Korrekturflüssigkeit, wird eine Wiederholung innerhalb der nächsten 150 Tage angeordnet. In der Zwischenzeit übernimmt Evarton Chimulirenji das Präsidentenamt.

Ende Februar verabschiedet das Parlament die sogenannte Cannabis Regulation Bill. Darin wird Anbau, Produktion, Besitz und Vermarktung von Cannabis zu industriellen und medizinischen Zwecken legalisiert. Cannabis als Rauschmittel bleibt jedoch weiterhin illegal. Malawi folgt damit seinen Nachbarländern Sambia, Simbabwe und Lesotho sowie Südafrika, das 2018 noch einen Schritt weiterging und Cannabis vollständig legalisierte.

Als Sieger der Wahlen am 23. Juni geht mit einer absoluten Mehrheit der Oppositionskandidat Lazarus Chakwera hervor. Mit ihm steht zum ersten Mal nach Ende der Diktatur 1994 ein Politiker der ehemaligen Einheitspartei Malawi Congress Party (MCP) an der Staatsspitze. Der Theologe und Pastor Chakwera kam als politischer Seiteneinsteiger 2013 an die Spitze der MCP und gilt in Hinblick auf die frühere Banda-Diktatur als unbelastet. Allerdings hat die MCP mit ihrem Gründungsvater, dem Diktator Banda, nicht gebrochen. Im Gegenteil: Er wird als Staatsgründer weiter offiziell verehrt und glorifiziert. Abgesehen davon ist die heutige MCP mit der Einheitspartei nicht mehr vergleichbar. Bei seiner Vereidigung verspricht Chakwera, das Land wieder zu vereinigen und Armut und Korruption zu bekämpfen.

Das Hohe Gericht im Bezirk Kasungu hat Ende September zwei Männer, darunter den Vater des Kindes, zum Tode verurteilt, weil sie im April 2016 ein fast 2 Jahre altes Kind mit Albinismus getötet haben. Albinismus gilt in Malawi als Fluch für die Familie, Menschen mit Albinismus sind einem großen Risiko ausgesetzt, da ihre Körperteile für Hexerei verkauft werden. Menschenrechtsgruppen haben in den letzten fünf Jahren 150 Fälle von Morden und anderen schweren Übergriffen gegen Albinos dokumentiert. Die Todesstrafe ist in Malawi nicht abgeschafft, wird aber nur selten verhängt.

2021

Malawi erlebt zu Jahresbeginn seine zweite Covid-19-Welle. Die Gesamtzahl der im Land gezählten Covid-19-Infektionen hat sich im Januar vervierfacht, die Zahl der Toten ist Ende Januar von 191 auf 702 gestiegen. Als Reaktion auf die steigenden Zahlen und den Tod zweier Kabinettsmitglieder hat Präsident Chakwera am 18. Januar einen Lockdown über das Land verhängt. Der erste Lockdown, den Ex-Präsident Peter Mutharika im April 2020 verfügt hatte, wurde durch das Verfassungsgericht vor seinem Inkrafttreten gekippt.

Die malawische Bewegung National Federation Movement (Nafemo) unter Leitung von Dr. Bina Shaba hat sich im Januar als offizielle Interessengruppe registrieren lassen. Damit kann die Bewegung ihre Arbeit nun auch ganz formell aufnehmen. Die Nafemo ist ein Zusammenschluss von Malawiern aus allen Bevölkerungsschichten. Ziel der Bewegung ist es, das Land zu einem föderalen Staat umzugestalten. Aus Enttäuschung über das aktuelle Regierungssystem, welches es nicht geschafft habe, Ressourcen und Dienstleistungen auf gerechte Art dem ganzen Land zuteil werden zu lassen, fordert sie die Dezentralisierung der Regierung und die Einführung einer fortschrittlichen Demokratie.

Eine Debatte über Vorschläge zur Lockerung der Abtreibungsbeschränkungen wird Mitte März von Abgeordneten blockiert. Ein vor fünf Jahren vorgelegter Gesetzesentwurf war bei kirchlichen Gruppen auf starken Widerstand gestoßen. Malawi erlaubt derzeit eine Abtreibung nur dann, wenn sie notwendig ist, das Leben einer Frau zu retten; eine Reform würde Abbrüche in Fällen von Vergewaltigung, Inzest oder wenn die Schwangerschaft die körperliche oder geistige Gesundheit der Mutter gefährdet, erlauben. Unsichere Schwangerschaftsabbrüche tragen zu einer der höchsten Müttersterblichkeitsraten der Region bei.

Präsident Lazarus Chakwera kündigt am 20. April zur Eröffnung der Tabakverkaufssaison im südmalawischen Blantyre an, dass sich das Land in den kommenden Jahren schrittweise vom Tabakanbau verabschieden würde und u.a. verstärkt auf den Anbau von Cannabis setzen würde. Die Landwirte sollen vom Tabakanbau abrücken und auf andere „Cash-Crops" wie Cannabis umsteigen, das 2020 für den industriellen und medizinischen Gebrauch legalisiert wurde. Wegen der geringen weltweiten Nachfrage und der laufenden weltweiten Anti-Raucher-Kampagnen sind die Preise für Tabak stark gefallen. Der Export von Tabak ist bislang für ca. 60 Prozent der malawischen Deviseneinnahmen verantwortlich. Viele Tabakbäuerinnen und -bauern haben Vorbehalte, auf andere Cash Crops umzusteigen. Der Ökonom Betchani Tchereni von der University of Malawi begrüßt hingegen Chakweras Ankündigung. Auf die Dauer sei der Anbau von Erdnüssen, Bohnen und Industriehanf deutlich lukrativer, auch wenn die Umstellungsphase wohl schwierig werde.

Ende April entscheidet das Oberste Gericht, dass die Todesstrafe verfassungswidrig ist und gegen internationale Menschenrechtsstandards verstößt. Von nun an wird eine lebenslange Haft die höchste Strafe in Malawi sein. Insgesamt sind in Malawi 27 zum Tode verurteilte Personen inhaftiert, deren Gerichtsurteile nun revidiert werden müssen. Die lokale Menschenrechtskommission sieht das Urteil als Fortschritt. Seit 1975 hat es keine Hinrichtungen mehr im Land gegeben. Die Todesstrafe hätte sowieso keine abschreckende Wirkung und hat meist die Ärmsten getroffen, die sich keine rechtliche Vertretung leisten konnten. Malawi ist das 22. Land südlich der Sahara, das die Todesstrafe abschafft.

(Stand: Mai 2021)