Malawi

Im Herzen der Region

Nationalpark Malawisee Foto: Kevin Walsh/Oxford England

Malawi ist kein Land, das viel Aufhebens von sich macht – es sei denn, dass es das erste Land der Region ist, dass von einer Frau regiert wird. Das kleine Land am großen Malawisee ist kein reiches Land. Bodenschätze gibt es kaum oder lohnen den Abbau nicht. Die Landwirtschaft ist der wichtigste Erwerbszweig und Devisenbringer. 81 Prozent der Malawier leben auf dem Lande. Sie bauen Mais, Maniok und Hülsenfrüchte für die Selbstversorgung an. Das Bevölkerungswachstum von knapp drei Prozent stellt das Land allerdings zunehmend vor Probleme bei der Ernährungssicherung der Bevölkerung.

Staat und Verwaltung

Offizielle Bezeichnung Dziko la Mala?i (Chichewa); Republic of Malawi (englisch); Republik Malawi
Unabhängigkeit 6. Juli 1964 (von Großbritannien)
Fläche 118.484 qkm
Landesnatur eng gestrecktes Plateau mit Flachland, Hügeln und einigen wenigen Bergen; subtropisches Klima
Höchste Erhebung Sapitwa (Mount Mulanje; 3.002 m)
Küste Binnenland mit Grenzen zu Sambia, Tansania und Mosambik
Umweltprobleme Entwaldung, Landdegradierung, Wasserverschmutzung, Verschlammung gefährdet Fischpopulationen
Einwohnerzahl 16.777.547 (Juli 2013 geschätzt)
Bevölkerungsdichte 141,6 Einwohner pro qkm Landfläche (eig. Berechnung)
Hauptstadt Lilongwe
Landessprachen Englisch (Amtssprache), Chichewa (Amtssprache), andere wichtige regionale Sprachen
Religionen Christen (82,7%, davon Protestanten 52%, Römisch-Katholische 42%, andere Kirchen 5%), Muslime (13%), Anhänger indigener Religionen (3%), andere (1,9%)
Staatsform Präsidialrepublik mit Mehrparteiensystem
Verfassung 18. Mai 1994
Wahlrecht wahlberechtigt sind alle Bürger ab 18 Jahren
Exekutive Staatsoberhaupt: Präsidentin Joyce Banda (seit 7.4.2012); Vizepräsident: Khumbo Kachali (seit 11.4.2012); Kabinett: 36-Mitglieder-Kabinett ernannt durch Präsidenten; Wahlen: Präsident vom Volk für fünf Jahre gewählt
Legislative Einkammer-Nationalversammlung mit 193 auf fünf Jahre gewählten Abgeordneten
Parteien Alliance for Democracy (AFORD); Democratic Progressive Party (DPP); Malawi Congress Party (MCP); Malawi Democratic Party (MDP); Malawi Forum for Unity and Development (Mafunde); New Labour Party (NLP); New Republican Party; People's Party (PP); People's Progressive Movement (PPM); People's Transformation Movement (PETRA); United Democratic Front (UDF)
Rechtssystem basiert auf englischen Recht und traditionellem Recht
Justiz Supreme Court of Appeal, High Court, Magistrate's Court
Verwaltungsgliederung 28 Distrikte: Balaka, Blantyre, Chikwawa, Chiradzulu, Chitipa, Dedza, Dowa, Karonga, Kasungu, Likoma, Lilongwe, Machinga, Mangochi, Mchinfi, Mulanje, Mwanza, Mzimba, Neno, Ntcheu, Nkhata Bay, Nkhotakota, Nsanje, Ntchisi, Phalombe, Rumphi, Salima, Thyolo, Zomba
Internationale Mitgliedschaften UNO und Unterorganisationen; Afrikanische Union (AU); Entwicklungsgemeinschaft SADC; Handelsgemeinschaft COMESA; Afrika-Karibik-Pazifik-Staaten (AKP); Welthandelsorganisation (WTO); Internationaler Währungsfond (IMF); Weltbank
Internationale Länderkategorien LDC - Status, low-income economy
(8 der 15 SADC-Staaten gelten nach UN-Bestimmungen als Least Developed Countries (LDC) - "am wenigsten entwickelte Länder" - und bekommen besondere Mittelzuwendungen)

 

Wirtschaft

Währung 1 Malawi-Kwacha (MWK) = 100 Tambala
Wechselkurs

1 US$ = 320,161 MWK (Juni 2013)

aktueller Wechselkurs: OANDA


Export / Importgüter
- Wichtige Exportgüter Tabak (53%), Tee, Zucker, Baumwolle, Kaffee, Erdnüsse, Holzprodukte
- Wichtige Importgüter Nahrungsmittel, Petroleum, Halbfabrikate, Konsumgüter, Transportausstattung

Wichtige Handelspartner
- Export Kanada (12,4%), Simbabwe (8,9%), Deutschland (8,8%), Südafrika (6,4%), USA (6,1%), Russland (6%), Ägypten (5%), Großbritannien (4,2%), China (4,1%)
- Import Südafrika (31%), Indien (10,6%), Sambia (9,4%), China (8,7%), Tansania (5,7%), USA (5,1%)

Infrastruktur
- Eisenbahn 797 km
- Straßen 15.451 km (davon 9.956 geteert)
- Flugplätze 31 (davon 7 mit befestigten Start- und Landebahnen)
- Häfen Chipoka, Monkey Bay, Nkhata Bay, Nkhotakota, Chilumba

 

Weitere wirtschaftliche Indikatoren siehe Ländervergleich Wirtschaft
Soziale Indikatoren siehe Ländervergleich Soziales

Chronologie

Frühgeschichte
vor über 2 Mio. Jahren Vermutlich besiedelten Verwandte des Homo Rudolfensis das Ufer des Nyassasees. Bei Ausgrabungen im Jahr 1993 stieß man auf Knochenfunde, die darauf hinweisen.
25.000 v. Chr. San, nomadische Jäger und Sammler, besiedeln das Gebiet des heutigen Malawi. Später nutzen auch Khoikhoi das Land zur Weidung ihrer Rinder und Schafe. Es wird sogar angenommen, dass Pygmäen-Buschleute aus dem Kongobecken am Ufer des Malawisees (Nyassasees) siedelten.

Die Besiedlung durch Bantuvölker
um 300 n. Chr. Khoi und San werden von Bantuvölkern vertrieben. Auf Grund der Kenntnisse der Bantu im Bereich der Eisenverarbeitung, Landwirtschaft und Fischerei kann das Land urbar gemacht werden. Es entstehen Siedlungen am Ufer des Malawisees.
bis 1300 Einige der Bantusiedlungen wachsen zu Königreichen heran: So das der Chewa im Süden des heutigen Malawi, der Undi im heutigen Zentralmalawi und der Tumbuka im Norden Malawis.
16./17. Jh. Das Königreich Marawi erlebt seine Blütezeit. Der Namen der heutigen Republik Malawi ist auf das Marawi-Königreich zurückzuführen. Er bedeutet "widerspiegelndes Licht" - vermutlich eine Anspielung auf die Sonnenspiegelung im Wasser des Malawisees.
frühes 19. Jh. Auf dem Gebiet der heutigen Regionen Blantyre und Zomba lassen sich Yao (Migranten aus dem benachbarten Mosambiks) nieder. Sie betreiben Handel mit Elfenbein, Kupfer und Sklaven. Dies zieht arabische und ostafrikanische Händler an, mit deren Ankunft in Malawi der Sklavenhandel expandiert. Die Sklavenhändler haben zwei Dhows (arabische Segelschiffe) auf dem See stationiert, auf dem die Sklaven an das andere Ufer transportiert werden.
20er Jahre des 19. Jh. Die gewaltsame Ausbreitung des Zulureiches unter deren König Shaka, bekannt als Epoche der Difaqane/Mfecane, treibt Nguni-Flüchtlinge in die Regionen Dedza, Mzimba und Dowa.
um 1876 Die Yao beherrschen anstelle der Araber das Gebiet südlich des Malawisees. Durch den Handel besitzen sie moderne Schußwaffen. Sie bekämpfen sich mit den Zuluvölkern aus dem Hochland und treiben auf diese Weise das Land in den Ruin.

Europäische Landnahme
frühes 19. Jh. Portugiesische Händler aus Mosambik starten Expeditionen in das Gebiet Malawis.
1859 Der schottische Missionar David Livingstone entdeckt den von ihm so genannten Nyassasee und weckt das Interesse seiner Landsmänner mit Erzählungen über den "See der Sterne". Daraufhin kommt es zu sporadischen Siedlungen von britischen Missionaren und Händlern. Der britische Einfluss wird in der Region Malawis ausgebaut.
1878 Die African Lakes Company wird von schottischen Geschäftsleuten als Handels- und Transportunternehmen gegründet, das in enger Kooperation mit den Missionaren arbeitet. Sie richtet ihren Sitz in Blantyre ein und setzt es sich zum Ziel, den Sklavenhandel durch legalen Handel mit natürlichen, landwirtschaftlichen Waren unattraktiv zu machen.
1883 Zum Schutz der britischen Siedler - damals 32 Personen - und zur Wahrnehmung der britischen Interessen wird ein britischer Konsul ernannt mit dem Titel "Consul to the territories of the African kings and chiefs in the districts adjacent to the lake Nyasa".
1884/5 Auf der Berliner Kongo-Konferenz werden die Spielregeln für das so genannte Scramble for Africa festgelegt: Nicht historische, von Küstenregionen abgeleitete Rechte sollen für die Aufteilung Innerafrikas maßgebend sein, sondern das Okkupationsrecht, d. h. die mit den Afrikanern vertraglich vereinbarte permanente Besetzung eines Gebietes. Für das Gebiet des heutigen Malawi ist Sir Henry Johnston einer der einflussreichsten Personen der Kolonialgeschichte. Als britischer Konsul zunächst in Mosambik tätig, schließt er derartige Verträge im unteren Shiregebiet (Südmalawi), im Shirehochland und am Westufer des Malawisees.
Ende der 1880er Die Deutschen haben mittlerweile fast ganz Tanganyika erobert und wollen ihren Einfluss auf das Gebiet am gegenüberliegenden Ufer des Malawisees ausbreiten. Die Portugiesen planen Ähnliches und drängen von Südwesten in das Land. Die in Malawi siedelnden Briten fühlen sich dadurch bedroht.
1889/91 Die Ängste der britischen Siedler führen zu Verhandlungen mit den Deutschen und Portugiesen. Diese werden mit dem Anglo-German Agreement von 1889 und dem Anglo-Portugese Treaty von 1891 abgeschlossen.
1891 Nachdem das Angebot Cecil Rhodes, das Gebiet Malawis unter Hoheit der British South Africa Company (BSAC) zu stellen, von Missionaren und Siedlern gleichermaßen abgelehnt wird, gründet sich im Mai des Jahres das Britische Zentralafrika-Protektorat, das später in Protektorat Nyassaland umbenannt wird. Hier, wenn auch später als in vielen anderen britischen Kolonien, wird das System des so genannten Indirect Rule eingeführt: Die Kolonie wird von afrikanischen Stammesoberhäuptern regiert, die unter Hoheit der britischen Regierung stehen.
1907 Das Protektorat wird in die Kolonie Nyassaland umgewandelt.
frühes 20. Jh. Um Lohnarbeitskräfte für die Plantagen im Süden des Protektoratsgebiets und in anderen Teilen des Südlichen Afrika zu gewinnen, den marktorientierten Anbau der Afrikaner zu fördern und den Staatshaushalt zu tragen, hat man bereits 1892 für die im Süden lebenden Afrikaner eine Kopfsteuer eingeführt, die 1904 durch die Hüttensteuer für das ganze Land abgelöst wird. Die Besteuerung zwingt zum Erwerb von Bareinkommen, dessen Folge ein Strom von Wanderarbeitern in die Südregion des Protektorats und nach Simbabwe und Südafrika ist.

Die Zeit der Unabhängigkeitsbewegung
1915 Eine erste, isolierte Rebellion der afrikanischen Bevölkerung unter John Chilembwe gegen die britische Bevormundung wird blutig niedergeschlagen.
1940er Die Unzufriedenheit mit der britischen Hoheit sowie die Opposition dagegen finden ihren Ausdruck in der Gründung von Wohlfahrtsorganisationen und politischen Parteien, v.a. des Nyasaland African Congress (NAC).
1953 Die Eingliederung Nyassalands in die Zentralafrikanische Föderation mit Nord- und Südrhodesien stößt auf Widerstand der afrikanischen Bevölkerung und der Missionare im Land. Der Zusammenschluss bedeutet eine enorme Stärkung der europäischen Herrschaft. In Nyassaland leben die Afrikaner vergleichsweise frei; Passzwang oder eine Einschränkung in der Bewegungsfreiheit gibt es nicht. Ein wichtiger Grund für die Opposition zur Föderation besteht in der Hoffnung, unter der Kolonialregierung über kurz oder lang die Unabhängigkeit erwarten zu können. Unter der Föderationsregierung bestehen dafür nur geringe Chancen. Man befürchtete die Herrschaft weißer Siedler wie in Südrhodesien.
1957 Dr. Hastings Banda wird zum Vorsitzenden des NAC ernannt. Es kommt zu heftigen Streiks, Demonstrationen und Aufständen.
1959 Der Ausnahmezustand wird ausgerufen, der NAC verboten und Banda sowie zahlreiche andere Führer der Unabhängigkeitsbewegung verhaftet.
1960 Kurz nach seiner Entlassung im April wird Banda Vorsitzender der neu gegründeten Malawi Congress Party (MCP). Zwei Untersuchungskommissionen geben den Anstoß, Nyassaland die weitere Mitgliedschaft in der Zentralafrikanischen Föderation freizustellen. Eine neue Verfassung gewährt die Ausweitung des Wahlrechts und erweiterte Selbstbestimmung der afrikanischen Bevölkerung.
1961 Aus den Wahlen vom August des Jahres geht die MCP als Sieger hervor.
6. Juli 1964 Malawi wird von Großbritannien in die Unabhängigkeit entlassen. Staatspräsident wird Kamuzu Hasting B. Banda.

Das autoritäre Regime Bandas
1964 Schon im September werden die ersten Minister des Kabinetts ins Exil getrieben.
1966 Malawi wird in eine Präsidialrepublik innerhalb des Commonwealth und zum Einparteienstaat umgewandelt.
1971 Statt Parlamentswahlen abhalten zu lassen, nominiert Banda die Abgeordneten. Im gleichen Jahr ernennt er sich zum Präsidenten auf Lebenszeit. Unter Banda ist Malawi ein Polizeistaat und eine antikommunistisch eingestellte Diktatur. Als solche erfreut sie sich in Zeiten des Kalten Krieges der Unterstützung des Westens. Zudem unterhält Banda als einziger Regierungschef der so genannten Frontstaaten enge Beziehungen zum Aprtheidregime in Südafrika.
1970er und 80er Jahre Politische Opposition ist unter Banda verboten, Kritiker der Regierung werden unnachgiebig verfolgt. Dabei tun sich die paramilitärisch organisierten Young Pioneers der MCP besonders hervor. Selbst im Exil sind Mitglieder verschiedener Oppositionsbewegungen (The Socialist League of Malawi, The Malawi Freedom Movement, The Congress of the Second Republic) vor Verfolgung durch malawische Geheimdienste nicht sicher.
1992 Nach blutigen Unruhen setzen die katholischen Bischöfe im März einen kritischen Hirtenbrief mit der Forderung nach umfassenden Reformen auf. Dieser ermutigt zahlreiche Menschen, sich mit dem Ruf nach Demokratie zu erheben. Die Verhaftung des populären Gewerkschaftfunktionärs Chakufwa Chihana sowie die allgemeine Unzufriedenheit führen zu Streiks, öffentlichen Demonstrationen und Plünderungen. Mehrere Dutzend Menschen werden von Sicherheitskräften erschossen.
1993 In einem Referendum entscheiden sich im Juni die Wähler mit deutlicher Mehrheit für ein Mehrparteiensystem und leiten damit den friedlichen Demokratisierungsprozess ein.

Die demokratische Republik Malawi
1994 Am 17. Mai finden die ersten freien Präsidentschafts- und Parlamentswahlen Malawis statt. Die neu gegründete United Democratic Front (UDF) erhält die Mehrheit der Stimmen. Bakili Muluzi (früherer Generalsekretär der MCP) wird am 21. Mai als neuer Präsident vereidigt.
1995 Die Verfassungsreform vom Mai sieht 177 Sitze in der Nationalversammlung, Legislaturperioden von jeweils fünf Jahren und eine Direktwahl des Präsidenten vor.
1999 Am 15. Juni finden zum zweiten Mal freie Wahlen statt. Präsident Bakili Muluzi wird in seinem Amt bestätigt. Auch die Sitzverteilung im auf 193 Sitze erweiterten Parlament bleibt weitestgehend gleich: Die UDF stellt die stärkste Fraktion, die MCP und die Alliance for Democracy (Aford) bleiben in der Opposition.
2001/02 Präsident Muluzi kann nach gültiger Verfassung nur zwei Legislaturperioden im Amt verweilen. Versuche der Regierungspartei, die Verfassung zu ändern und Muluzi zu einer dritten Amtsperiode zu verhelfen, haben zu landesweiten Protesten geführt. Die Stimmung in der Bevölkerung gegen eine dritte Amtszeit verhilft Brown Mpinganjira, der Ende 2000 nach Korruptionsvorwürfen aus der UDF ausgeschlossen wurde, zu einem politischen Comeback. Seine 2001 gegründete National Democratic Alliance (NDA) versteht er als "pressure group" gegen die Regierungspolitik. Ihr Antrag auf Parteibildung ist noch anhängig.
Juli 2002 Die umstrittene Vorlage zur Verfassungsänderung (Open Term Bill), mit der Muluzi eine dritte Amtsperiode ermöglicht werden soll, scheitert an der Parlamentsmehrheit, nachdem die zuvor von der Regierung eingekaufte Oppositionsfraktion um John Tembo umgefallen ist.
2003

Nach einer erneut sich abzeichnenden Abstimmungsniederlage im Parlament wird im Februar eine modifizierte Gesetzesvorlage (Third Term Bill) zurückgezogen. Muluzi zeigt sich bereit, nicht mehr zu kandidieren. Durch eine Veränderung des Parteienstatuts versucht er, sich über den Parteivorsitz erheblichen Einfluss auf die Regierungspolitik zu sichern.

Auf dem Parteitag der UDF im August wird der von Muluzi ins Spiel gebrachte politische Außenseiter Bingu wa Mutharika zum Präsidentschaftskandidaten der Partei für die 2004 anstehenden Wahlen gekürt. Muluzi erhält ohne Gegenstimmen das neu geschaffene Amt des Parteivorsitzenden.

2005 Die für 2005 vorgesehenen Wahlen wurden in den letzten Jahren immer wieder verschoben und sollen nun im Jahr 2014 zeitgleich mit den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen durchgeführt werden. Im Parlament vertreten sind die 2005 neu gegründete Partei des Staatspräsidenten DPP (Democratic Progessive Party), die über eine große Mehrheit verfügt, sowie die UDF (United Democratic Front) und die MCP (Malawi Congress Party). Die früher im Norden starke AFORD (Alliance for Democracy) und zwei weitere Parteien stellen jeweils einen Abgeordneten. Außerdem sind 24 unabhängige Abgeordnete im Parlament vertreten.
2009 Die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen am 19. Mai verlaufen friedlich und genügen nach Feststellung internationaler Wahlbeobachter demokratischen Prinzipien. Bingu wa Mutharika landet mit 66 Prozent einen Erdrutschsieg bei den Präsidentschaftswahlen.
2010 Präsident Mutharika schließt seine Stellvertreterin Joyce Banda im Dezember aus der Regierungspartei DPP aus. Sie hatte sich mit Mutharika über die Kandidatenauswahl für die im Jahr 2014 anstehenden Präsidentenwahl überworfen. Mutharika, der selbst nach der Verfassung nach zwei Amtsperioden nicht wieder antreten darf, setzte die Kandidatur seines Bruders Außenminister Peter Mutharika durch. Banda verbleibt aber in ihrem Amt als Vizepräsidentin. Sie gründet in der Folge die People's Party.
2011 Seit dem Sommer durchläuft das Land eine innenpolitische und wirtschaftliche Krise. Die anhaltende Devisenknappheit führt zu Engpässen in der Versorgung von Importgütern wie Treibstoff, Düngemittel und Medikamenten. Proteste gegen die wirtschaftliche Lage und die Regierungsführung enden im Juli 2011 blutig, es kommt zu schweren Übergriffen der Sicherheitsorgane und mehreren Toten.
2012 Kurz vor Ostern stirbt Präsident Bingu wa Mutharika an einem Herzinfarkt. Die Amtsgeschäfte übernimmt nach einem internen Machtkampf am 7. April Vizepräsidentin Joyce Banda. Das Militär hat sich im Machtgerangel hinter Banda gestellt. In einer ihrer ersten Amtshandlungen hebt sie die Preisbindung des Kwacha auf und kündigt an, den von Mutharika angeschafften teuren Präsidentenjet zu verkaufen und sich von 60 Mercedes für die Abgeordneten zu trennen. Zudem will sie die umstrittenen Strafgesetze gegen Homosexuelle einer Revision unterziehen.
2013

Anfang des Jahres versteigert Staatspräsidenbtin Joyce Banda im Zuge der Sparmaßnahmen den Privatjet ihres Vorgängers. Außerdem reduziert sie ihren eigenen Lohn um 30 Prozent. Der Kauf des Privatjets durch ihren Vorgänger Mutharika hatte Proteste ausgelöst und Geber ihre Fördermittel kürzen lassen. Der Erlös aus dem Verkauf soll für die Grundversorgung der Armen genutzt werden.

Im Jahrzehnte alten Streit um den Grenzverlauf des Malawisees zwischen Tansania und Malawi, der 2012 zu eskalieren drohte, scheitern Ende März die Vermittlungsbemnühingen der Regionalgemeinschaft SADC. Die malawische Regierung wil nun den internationalen Gerichtshof in Den Haag anrufen.

Malawi vereinbart mit Südkorea die Entsendung von Wanderarbeitern. 100.000 junge Malawier sollen in südkoreanischen Fabriken und auf Farmen arbeiten. Die Opposition kritisiert die Übereinkunft. Das Arbeitsministerin beruft sich auf Studien, nach denen 80 Prozent der Schulabgänger wieder in ihre Dörfer zurückgehen, weil es an Arbeitschancen oder Mitteln zur Selbstbeschäftigung fehlt.

Im Oktober wird ein schwerer Fall von Korruption aufgedeckt, in den Ministerien und Staatsbedienstete verwickelt sind. Im so genannten Cashgate-Skandal sind umgerechnet 2,5 Mio. US-Dollar in dunklen Kanälen der Verwaltung versickert. Staatspräsidentin Joyce Banda reagiert unverzüglich und entlässt das gesamte Kabinett. Die Gehaltszahlungen an staatliche Bedienstete werden ausgesetzt. Der Cashgate-Skandal geht auf die Vorgänger Bandas zurück.

Die Geberländer drohen nun, dem Land die Gelder zu sperren, sie fordern eine unverzügliche Aufklärung des Skandals. 40 Prozent des Staatshaushaltes werden von Gebergeldern gedeckt.

2014

Im Mai stehen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen an.

(Stand: 6. Januar 2014)