Mosambik

Wachstumsland am Indischen Ozean

Costa do Sol bei Maputo, Foto: Lothar Berger

Das südostafrikanische Land am Indischen Ozean galt nach seiner Unabhängigkeit 1975 als sozialistisches Gegenmodell zur Apartheid in Südafrika. Nach dem abrupten Tod seines ersten Präsidenten Samora Machel entwickelte sich Mosambik bald zum Musterland westlicher Entwicklungshilfe.  Der neu entdeckte Rohstoffreichtum hat dem Land ein anhaltendes Wirtschaftswachstum beschert, doch der Reichtum geht an der überwiegend ländlichen Bevölkerung vorbei. Mosambik bleibt trotz des Rohstoff-Bonanzas eines der ärmsten Länder der Region.

Staat und Verwaltung

Offizielle Bezeichnung República de Moçambique; Republik Mosambik
Unabhängigkeit 25. Juni 1975 (von Portugal)
Fläche 799.380 qkm (inkl. Binnengewässer)
Landesnatur ausgedehntes Tiefland an der Küste (44%), niederes (17%) und mittleres Plateau im Norwesten (26%), Bergland im Westen (13%); tropisches bis subtropisches Klima
Höchste Erhebung Monte Binga, Provinz Manica (2.436 m)
Küste 2.470 km (Sümpfe, Delta, Lagunen, Sand)
Umweltprobleme Dürren, Zyklone und Fluten; Entwaldung (Brennholz und Edelholzeinschlag), Kriegsfolgen, Elefantenjagd, Küstenerosion
Einwohnerzahl 24.692.144 (Juli 2014 geschätzt)
Bevölkerungsdichte 30,1 Einwohner pro qkm Landfläche (eig. Berechnung)
Hauptstadt Maputo (ca. 1 Mio. Einw.)
Landessprachen Portugiesisch (Amtssprache), Makhuwa (26,3%), Changana (11,4%), Lomwe (7,9%), Cisena (7%) u.a.
Religionen

Protestanten (27,7%), Katholiken (28,4%), Muslime (17,9%), andere (7,2%), keine (18,7%)

Staatsform Parlamentarische Republik; Mehrparteiendemokratie
Verfassung 30. November 1990
Wahlrecht Allgemeines Wahlrecht ab 18 Jahren; Wahl alle fünf Jahre; Verhältniswahlrecht
Exekutive Staatspräsident: Jacinto Nyusi (seit November 2014); Ministerpräsident und Regierungschef: Alberto Clementino Vaquina (seit Oktober 2012); Präsident vom Volk für fünf Jahre gewählt, Ministerpräsident vom Präsidenten ernannt
Legislative Einkammerparlament (Nationalversammlung) mit 250 Sitzen, alle fünf Jahre vom Volk gewählt
Parteien Frente de Libertacao de Mocambique (FRELIMO; Regierungspartei, 144 Abgeordnete seit Wahlen Oktober 2014); Resistencia Nacional de Mocambique (RENAMO; frühere Guerillabewegung, 89 Sitze; MDM (Demokratische Bewegung Mosambiks) 17 Sitze.
Rechtssystem Portugiesisches (angepasstes) Zivilrecht, traditionelles Recht
Justiz Oberstes Gericht (Tribunal Supremo), Richter teilweise vom Parlament gewählt, teilweise vom Präsidenten berufen
Verwaltungsgliederung 11 Provinzen (einschl. der Hauptstadt Maputo) mit Gliederung in Distrikten: Maputo, Maputo Cidade, Gaza, Inhambane, Sofala, Manica, Tete, Zambézia, Nampula, Niassa, Cabo Delgado; nach Verwaltungsreform bislang 43 Städte und Gemeinden
Internationale Mitgliedschaften UNO und Unterorganisationen; Afrikanische Union (AU), Entwicklungsgemeinschaft SADC; Afrika-Karibik-Pazifik-Staaten (AKP); Extrative Industries Transparency Initiative (EITI); Welthandelsorganisation (WTO); Internationaler Währungsfond (IMF); Weltbank
Internationale Länderkategorien LDC - Status, low-income economy
(8 der 15 SADC-Staaten gelten nach UN-Bestimmungen als Least Developed Countries - "am wenigsten entwickelte Länder" - und bekommen besondere Mittelzuwendungen)

Wirtschaft

Währung 1 Neuer Metical (MZN) = 100 Centavos
Wechselkurs

1 US$ = 29,565 MZN (August 2013)

aktueller Wechselkurs: OANDA


Export / Importgüter
- Wichtige Exportgüter Strom (51,3%), Aluminium, Erdgas, Granit, Agrarprodukte (13,8 %, darunter Tabak, Garnelen, Zucker, Baumwolle und Cashewnüsse)
- Wichtige Importgüter Maschinen und Ausrüstung, Fahrzeuge, Treibstoffe, Chemikalien, Metallprodukte, Getreide, Textilien

Wichtige Handelspartner
- Export Südafrika (30,9%), Belgien (12,8%), China (9%), Italien (7,8%), Spanien (6,25%), Indien (5,6%) (2012)
- Import Südafrika (30,7%), China (12,2%) , Indien (11,4%), USA (5,1%), Australien (4,4%) (2012)

Infrastruktur
- Eisenbahn 4.787 km
- Straßen 30.331 km (davon 6.303 km befestigt)
- Flughäfen 21 mit befestigter Landebahn, 79 ohne feste Landebahn
- Häfen Maputo, Beira, Nacala, Inhambane, Pemba, Quelimane

 

Weitere wirtschaftliche Indikatoren siehe Ländervergleich Wirtschaft
Soziale Indikatoren siehe Ländervergleich Soziales

Chronologie

Vor- und Frühgeschichte
ca. 3000 v. Chr. Spätestens seit dieser Zeit ist die Existenz von paläolithischen Jäger- und Sammlergruppen auf dem Gebiet des heutigen Mosambik bekannt. In kleinen Familienverbänden durchstreiften sie das Land und entwickelten über Jahrhunderte hinweg eine Art Halbnomadentum mit beginnendem Ackerbau.
ca. 300 n. Chr. Die paläolithische Kulturen werden durch Ackerbau und Viehzucht betreibende Bantu-Völker zurückgedrängt, die bereits Eisen verarbeiten. Die Bantu assimilieren die ansässigen Volksgruppen oder verdrängen sie in unwirtliche Siedlungsräume.
9./10. Jh. Ein ausgeprägtes Küstenhandelsnetz bildet sich am Indischen Ozean. Die Hafenstädte gewinnen eine Mittlerfunktion im Gold-, Elfenbein und Sklavenhandel zwischen Binnenstaaten und anderen Staaten am Indischen Ozean. Arabische Kaufleute lassen sich in den Hafenstädten (Sofala, Quelimane, Angoche, Ilha de Moçambique) nieder.
13. bis 15. Jh.

Blütezeit des Monomotapa-Reiches (Mwene Mutapa) und des Handels über mosambikanische Hafenstädte mit Indien und China. Das Monomotapa-Reich, das bis zum 18. Jahrhundert besteht, erstreckt sich über ein riesiges Territorium, das vom Südufer der Sambesi bis zum Save und in das heutige Simbabwe hineinreicht und zahlreiche ethnische Gruppen zu einem staatenähnlichen Gebilde zusammenfasst. Es gibt bereits eine fortgeschrittene Arbeitsteilung, der tributgebundene Staat besitzt ein Heer, eine Polizei und eine Art Steuerbehörde. Die Dorfgemeinschaften müssen monatlich sieben Tage für den Staat arbeiten.

Seit 1600 expandieren die Marave-Staaten nordöstlich des Monomotapa-Reiches in ein weites Gebiet zwischen Sambesi, Nyassa-See und dem Indischen Ozean. Auch hier hat die Aristokratie das Monopol über den Handel vorwiegend mit Eisen inne und beruft sich auf eine göttliche Macht.


Europäische Landnahme und Kolonisierung
1498 Eine portugiesische Handelsflotte unter Vasco da Gama landet auf dem Weg nach Indien in der Delagoa-Bucht (Maputo) und errichtet einen Handelsstützpunkt.
16./17. Jh. Der Verfall der Binnenreiche im Südlichen Afrika beginnt. Das Monomotapa-Reich wird u.a. wegen der reichen Goldvorkommen unter die portugiesische Krone gesetzt. Die portugiesische Siedlungspolitik versucht, eine halbfeudale Plantagenwirtschaft unter Ausnutzung afrikanischer Sklavenarbeit (Prazos-System) zu etablieren.
1752 Mosambik wird portugiesische Kronkolonie (Generalgouvernement). Der arabisch-portugiesische Vertrag legt die heute gültige Landesgrenze am Rio Rovuma in Cabo Delgado fest.
18./19. Jh. Sklaven werden zum wichtigsten Handelsgut der europäischen Kolonien. Schätzungen gehen von einer Gesamtzahl der exportierten Sklaven von 0,4 bis 2,8 Mio. aus. Bis heute sind Teile der Provinzen Niassa und Cabo Delgado weitgehend entvölkert. Ab 1870 geht der Sklavenhandel zurück, doch trotz Verbots werden bis 1912 Sklaven exportiert.
um 1820 Gründung des Gaza-Reiches durch Soshangane im Süden Mosambiks. Es erstreckt sich vom heutigen Maputo bis zum Sambesi. Soshanganes Thronfolger Gungunhana wird zum größten Feind der Portugiesen.
ab 1884/85 Nach der Berliner Kongo-Konferenz wird das gesamte Territorium durch Portugal militärisch besetzt.
1891 Trotz aller Versuche einer "echten" Kolonisierung liegt die Kontrolle über das Land in den Händen ausländischer Firmen. Rund ein Drittel des nationalen Territoriums wird als Konzession an die englischen Gesellschaften Niassa Company, Mozambique Company oder die British Sena Sugar Estates vergeben.
1896 Der antikoloniale Widerstand des Gaza-Reiches unter Gungunhana wird militärisch gebrochen.
1904 Barué-Aufstand gegen die Kolonisierung
1914-1918 Zehn Mosambikaner sterben im Kampf gegen das von Deutschland besetzte Tanganyika.
1926 Antonio Salazar putscht sich in Portugal an die Macht. Das Mutterland erhält das Handelsmonopol. Salazars Großmachtträume führen zur Einführung von Zwangsanbau von Baumwolle und Reis, Zwangsarbeit (chibalo) im Straßenbau und für Eisenbahnen, Kopf- und Hüttensteuern, Unterdrückung freier Meinungsäußerung, Erschießungen ohne Gerichtsverfahren und zu zahlreichen anderen Repressionen gegen die afrikanische Bevölkerung. Erst in dieser Zeit gelingt es Portugal, in allen Teilen Mosambiks präsent zu sein. Mit Unterstützung kooptierter oder eingesetzter traditioneller Führer zwingt die Kolonialmacht die Landbevölkerung zur Einhaltung der Gesetze.
1928 Mit der Südafrikanischen Union wird ein Vertrag über Wanderarbeiter aus Mosambik abgeschlossen.
1952 Die Kolonie Mosambik wird zur "Überseeprovinz" deklariert

Vom Widerstand zur Unabhängigkeit
1960 Am 16. Juni verüben die Portugiesen Mueda (Cabo Delgado) ein Massaker an der Bevölkerung. 600 unbewaffnete Demonstranten werden von portugiesischen Truppen erschossen. Das Massaker wird später als Beginn des Befreiungskampfes gesehen.
1962 Mit Unterstützung Julius Nyerere, dem ersten Präsidenten im unabhängigen Tansanias, schließen sich im Juni in Daressalam drei Widerstandsgruppen zur Frelimo (Frente de Libertacao de Mocambique) zusammen. Ihr Präsident wird Eduardo Mondlane aus der Gaza-Provinz.
1964 Ein Frelimo-Angriff auf eine portugiesische Garnison in der Nordprovinz Cabo Delgado läutet am 25. September den bewaffneten Befreiungskampf ein.
1969 Am 3. Februar wird der Frelimo-Präsident Eduardo Mondlane durch eine Briefbombe getötet. Der ebenfalls aus Gaza stammende Samora Machel tritt seine Nachfolge an.
1974 24. April: Mit einem Staatsstreich durch junge Offiziere um den Sozialisten Mario Soares, die so genannte "Nelkenrevolution", wird Portugals Diktator Caetano gestürzt. Die neue Regierung in Lissabon will sich schnell von ihren Kolonien trennen und es werden Verhandlungen mit der Frelimo aufgenommen.

Unabhängigkeit - Die Volksrepublik Mosambik
1974 Das Abkommen von Lusaka vom 7. September regelt die friedliche Übergabe Mosambiks an eine Frelimo-geführte Regierung. Eine Übergangsregierung übernimmt die Macht.
25. Juni 1975 Proklamation der Unabhängigkeit Mosambiks. Erster Präsident wird Samora Moises Machel.
1975/1976 Das Erziehungs-, Gesundheits- und Rechtswesen sowie der Mietshäuser werden verstaatlicht. Die Hauptstadt Lourenço Marques wird in Maputo umbenannt.
1976 Mosambik beschließt Sanktionen gegen die weiße Minderheitenregierung in Rhodesien. Als Reaktion finden bald erste Angriffe der rhodesischen Armee sowie der vom rhodesischen Geheimdienst gegründeten MNR (später Renamo, Resistencia Nacional de Mocambique) statt.
1977 Auf ihrem Dritten Kongress im Februar erklärt die Frelimo sich zur marxistisch-leninistischen Avantgardepartei.

Destabilisierung und Bürgerkrieg
1980 Nach der Unabhängigkeit Simbabwes werden die MNR/Renamo-Angriffe vorübergehend eingestellt. Südafrika übernimmt die Unterstützung der Renamo und baut sie für seinen Destabilisierungskrieg gegen die sozialistische Regierung aus.
1981 Südafrikanische Kommandoeinheiten überfallen im Januar den Maputo-Vorort Matola. 20 Menschen werden dabei getötet.
1983

Im Mai bombadieren südafrikanische Flugzeuge Vororte von Maputo, in denen sie ANC-Mitglieder vermuten.

In der umstrittenen "Operation Produktion" deportiert die Frelimo Arbeitslose von den Städten aufs Land im Norden Mosambiks. Ganze Familien werden getrennt, ihre Rückführung erfolgt erst 20 Jahre später.

1984 Nach starkem Druck aus Südafrika schließt Präsident Machel im März einen Nichtangriffspakt mit dem Apartheidstaat (Nkomati-Abkommen). Südafrika schickt zuvor noch etliche Renamo-Kämpfer über die Grenzen nach Mosambik und bricht den Vertrag später immer wieder.
Im selben Jahr tritt Mosambik dem Internationalen Währungsfond und der Weltbank bei.
1986 Am 19. Oktober kommt Samora Machel bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Ein Mordanschlag Südafrikas gilt als wahrscheinlich. Sein Nachfolger wird Joaquim Alberto Chissano, der frühere Außenminister.
1987

Einführung des Strukturanpassungsprogramms PRE und Abkehr von der Planwirtschaft als Wirtschaftsmodell. Die "Invasion" Mosambiks durch internationale Hilfsorganisationen beginnt.

Im Juli schrecken Bilder vom Massaker von Homoine nicht nur die mosambikanische Öffentlichkeit auf. Bald darauf nimmt die Regierung erste Kontakte mit der Renamo zur Vorbereitung direkter Friedensgespräche auf. Eine Amnestie für Renamo-Soldaten wird beschlossen.


Frieden und Demokratisierung
1990 Das Parlament verabschiedet am 30. November eine neue demokratische Verfassung, die ein Mehrparteiensystem sowie die Trennung von Staat, Partei und Militär vorsieht.
1992

Nach zweijährigen zähen Verhandlungen, die von der Gemeinschaft San Egidio vermittelt wurden, wird am 4. Oktober in Rom ein Friedensabkommen unterzeichnet.

Im Dezember beschließt der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen die Entsendung von Friedenstruppen (Unomoz).

1992-94 Die Rückführung von rund 1,5 Mio. Flüchtlingen und 3 Millionen intern Vertriebenen (deslocados) sowie die Demobilisierung von 110.000 Soldaten beider Seiten wird vorangetrieben.
1994 Im Oktober finden die ersten freien Präsidentschafts- und Parlamentswahlen Mosambiks statt. Sie stehen unter internationaler Beobachtung und werden als frei und fair eingestuft. Chissano und die Frelimo gehen als Sieger hervor. Während die Frelimo die Süd- und Nordprovinzen gewinnt, kann sich die Renamo in den Zentralprovinzen durchsetzen. Gleichwohl berücksichtigt dort Präsident Chissano die Opposition bei der Ernennung der Gouverneursposten nicht.
1996 Eine Verfassungsänderung über eine kommunale Neugliederung wird im Dezember verabschiedet.
1997 Das Gesetz zur Neuregelung der Landnutzung tritt im Dezember in Kraft.
1998 In 33 Städten und Gemeinden werden im Juni Kommunalwahlen abgehalten. Die Renamo boykottiert die Wahlen.
1999 Die zweiten Präsidentschafts- und Parlamentswahlen im Dezember bestätigen die Frelimo-Mehrheit sowie die Renamo-Hochburgen im Zentrum des Landes.
2000

Zu Beginn des Jahres erlebt Mosambik eine Jahrhundertflutkatastrophe, die durch die Zyklone "Eline" und "Gloria hervorgerufen wird. Die Bilder von Rettungsaktionen gehen durch die Welt und bescheren dem Land eine beispiellose Hilfswelle.

Präsident Chissano ernennt im Juli neue Provinzgouverneure, wieder bleibt die Renamo unberücksichtigt. Demonstrationen gegen die Regierung führen im November zu blutigen Zusammenstößen in mehreren Orten.

Der bekannte Journalist Carlos Cardoso, der den Korruptionsskandal im Bankensektor aufgedeckt hat, wird am 22. November ermordet. Die Täter werden in Kreisen vermutet, die bis in die Regierung hineinreichen.

2002 Armando Guebuza wird im Juni von der Frelimo zum Generalsekretär und potenziellen Nachfolger Präsident Chissanos gekürt, der bei den nächsten Wahlen nicht mehr antreten will.
2003

Der viel beachtete Prozess gegen die Mörder von Carlos Cardoso endet im Februar mit hohen Haftstrafen für alle sechs Angeklagten. Der von den Medien übertragene Prozess erhöht das Ansehen der Justiz.

Das Parlament verabschiedet im April ein neues Familiengesetz, das die Rechte der Frau stärken soll.

Am 19. November finden in 33 Städten und Gemeinden erneute Kommunalwahlen statt. Die regierende Frelimo geht als klarer Gewinner aus den Wahlen hervor. Die oppositionelle Renamo stellt zum ersten Mal Bürgermeister in fünf Städten, darunter in der zweitgrößten Stadt Beira. Unabhängige Kandidaten und kleine Parteien spielen kaum eine Rolle.

2004

Präsident Chissano ernennt die international anerkannte Fachfrau Luisa Diogo im Februar zur neuen Premierministerin. Sie tritt die Nachfolge von Pascoal Mucumbi an, der nach zehn Jahren im Amt zurückgetreten ist und im Mai das Amt des Hochkommissars in einer neu geschaffenen internationalen Gesundheitsbehörde (EDCTP) antritt. Bis zu den Wahlen, die auf den 3. Dezember terminiert wurden, bleibt Luisa Diogo gleichzeitig auch Finanzministerin des Landes. Mit der Übergabe des Premierministeramtes an Diogo zeichnet sich ein Generationswechsel in der mosambikanischen Politik ab.

Die Frelimo gewinnt die dritten Parlamentswahlen im Dezember. Ihr Kandidat Armando Guebuza setzt sich bei den Präsidentschaftswahlen klar gegen Afonso Dhlakama (Renamo) durch und tritt die Nachfolge von Präsident Joaquim Chissano an, der nicht mehr kandidierte. Die Frelimo kann die Provinzen Tete, Niassa und Nampula von der Renamo zurückgewinnen. Diese spricht von Wahlbetrug.

2005 Am 2. Februar 2005 tritt Armando Guebuza sein Amt als neuer Präsident Mosambiks an. Seine ersten Maßnahmen gelten der Bekämpfung des "Schlendrians" in Politik und Bürokratie. Zudem will er gezielter gegen Korruption vorgehen.
2006

Das Parlament beschließt im November einstimmig eine Gesetzesvorlage zur Einführung von direkt gewählten Provinzparlamenten. Die Wahl müsste laut Verfassungänderung von 2004 vor Februar 2008 stattfinden.

Im gleichen Monat hält die Frelimo ihren 9. Kongress in Quelimane ab. Guebuza wird als Parteivorsitzender bestätigt und geht ebenso wie die Partei, die sich die Bekämpfung der absoluten Armut zum vorrangigen Ziel gesetzt hat, gestärkt aus dem Parteitag hervor.

2008

Am 5. Februar erlebt die mosambikanische Hauptstadt Maputo zum ersten Mal einen Aufstand der Armen. Auslöser für die Straßenkämpfe sind drastige Fahrpreiserhöhungen für die täglichen Minibusse (chapas). Die Polizei setzt Gummigeschosse und Tränengas, aber auch scharfe Munition ein. Drei Tote und 268 Verletzte sind zu beklagen. Noch am gleichen Abend einigen sich sich die Regierung und das Transportunternehmen, die Fahrpreiserhöhung zurückzunehmen.

Präsident Guebuza bildet im März sein Kabinett um. Die Ministerien für Verteidigung (Filipe Nhussi), Auswärtiges (Oldemiro Baloi), Umwelt (Alcinda Abreu, zuvor Außenministerin), Transport (Paulo Zucula) und Justiz (Maria Benvinda Levi) werden neu besetzt. Mit der Umbildung will der Präsident mehr Effektivität in die Regierungspolitik bringen.

Im Zuge der Kommunalreform werden im Apri zehn weitere Ortschaften bestimmt, welche einen Munizipal-Status erhalten sollen. Damit steigt die Zahl der Munizipalitäten auf 43.

Bei den ursprünglich für Dezember 2007 angesetzten, dann aber auf den 9. November 2008 verschobenen Kommunalwahlen kann sich die Frelimo in 41 der 43 Kommunen deutlich behaupten. In Beira gewinnt der ehemalige Renamo-Bürgermeister Daviz Simango als Unabhängiger.

2009

Anfang März hat sich die Demokratische Bewegung Mosambiks (MDM) in Beira gegründet und Daviz Simango zu ihrem Präsidenten gewählt.

Die spektakuläre Verhaftung von Innenminister Almerino Manhenje im September weist auf einen Machtkampfes in der Rgierung hin. Sein Nachfolger José Pacheco wirft ihm Geldwäsche in großem Stil vor. Zusammen mit Manhenje werden acht weitere Beamte des Innenministeriums verhaftet.

Am 28. Oktober 2009 finden die vierten Präsidentschafts- und Parlamentswahlen statt. Guebuza gewinnt mit 75 Prozent der Stimmen deutlich vor Dhlakama (16,4 %) und Daviz Simango (8,6 %). Die Frelimo erhält knapp 75 Prozent und verfügt damit über eine Zweidrittelmehrheit im Parlament. Die MDM (3,9 %) wurde nur in vier Provinzen zugelassen, was ihre Chancen, die Renamo (17,7 %) als stärkste Opposition abzulösen, erheblich schwächte.

Zur gleichen Zeit finden auch die lange verschobenen Provinzwahlen statt. Die Frelimo gewinnt in allen zehn Provinzen und verbucht 137 der insgesamt 141 Distrikte für sich.

2010

Der bisherige Kulturminister Aires Ali wird im Januar neuer Ministerpräsident. Seine Vorgängerin Luisa Diogo bleibt Abngeordnete ohne Regierungsamt.

Im September kommt es erneut zu blutigen Hungerrevolten in Maputo und Matola, nachdem die Regierung eine 25-prozentige Erhöhung für Grundnahrungsmittel wie Brot angekündigt hatte. Die Polizei greift hart durch und löst eine Blockade mit scharfer Munition auf, mindestens 10 Tote, darunter ein Kind, und 288 Verletzte werden beklagt.

Im Oktober reagiert Präsident Guebuza auf die wachsende Armut und die Krise nach den Hungeraufständen in Maputo und entlässt seine Wirtschaftsminister. Neuer Landwirtschaftsminister ist Jose Pacheco, Mitglied der Politischen Kommission der Frelimo und zuvor Innenminister. Sein Nachfolger als Innenminister ist Alberto Ricardo Mondlane. Neuer Industrie- und Handelsminister wird Armando Inroga.

2011

Am 5. Januar stirbt der Maler Malangatana Valente Ngwenya im Alter von 74 Jahren. Malangatana war nicht nur der bekannteste Maler Mosambiks, er gehörte auch zu den bedeutendsten Künstlern Afrikas.

Der frühere Innenminister Manhenje, gegen den in 49 Fällen ermittelt wurde, wird im März zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Das Strafmaß gegen den früheren Transportminister Antonio Munguambe, der im Februar 2010 wegen Bestechung zu 20 Jahren Haft verurteilt wurde, wird auf vier Jahre reduziert.

Bei Nachwahlen im Dezember in drei Städten gibt es in Quelimane, Provinzhauptstadt von Zambezia, eine Überraschung: Es siegt der Kandidat der oppositionellen MDM. In Cuamba ud Pemba setzt sich jeweils der Kandidat der Regierungspartei durch.

2012

Ein neues Gesetz vom April, das dritte in einem Paket von fünf Anti-Korruptionsgesetzen, verbietet Mitgliedern der Regierung ein weiteres Gehalt in öffentlichen oder halböffentlichen Unternehmen. Mit dem zukünftigen "Ethik-Kodex" für den öffentlichen Dienst reagiert die Regierung auf den Druck von ausländischen Gebern, Korruption zu bekämpfen.

Auf dem 10. Parteitag der Frelimo im September n Pemba kann Präsident Guebuza nicht alle seine Kandidaten durchbringen. Mit der Begrenzung seiner Macht durch die Wahl auch kritischer Stimmen wie Pascoal Mocumbi ins Zentralkomitee beweist die Frelimo ihre Demokratietauglichkeit.

Guebuza setzt im Oktober Aires Ali als Premierminister ab und ersetzt ihn durch Alberto Vaquina, zuvor Gouverneur der Provinz Tete.

Im geleichen Monat verlegt Renamo-Führer Afonso Dhlakama seinen Sitz nach Santujira in den Gorongosa-Berge, wo die Renamo früher ihr Hauptquartier hatte.

2013

Bei den schwersten Überschwemmungen seit 2000 werden im Januar weite Teile der Gaza-Provinz verwüstet. Die Stadt Chokwe muss evakuiert werden. Im Norden bricht cie Cholera-Epidemie aus. Insgesamt sind über 200.000 Menschen von den starken Regenfällen betroffen.

Im April gibt es bei Kämpfen zwischen den ehemaligen Rebellen der Renamo und der Polizei im Zentrum des Landes fünf Tote und dreizehn Verletzte gegeben. Neue Nahrung hat die Angst vor einem erneuten Bürgerkrieg durch anhaltende Anschläge auf der strategisch wichtigen Nationalstraße EN 1 erhalten.

Im Juni sammeln sich mehr als 1000 schwer bewaffnete Soldaten im Zentrum, um eine Offensive auf das Hauptquartier der Renamo in Gorongosa vorzubereiten. Die Zahl der Toten bei den Auseinandersetzungen ist auf 16 Personen gestiegen.

Lourenco do Rosario, Rektor des Instituto Superior Politecnico e Universitário (ISPU), fungiert als Mittler zwischen Präsident Guebuza und Renamo-Chef Dhlakama. Anfang Juli trifft er gemeinsam mit dem anglikanischen Bischof Dinis Sengulane Dhlakama in dessen Hauptquartier.

Der Druck auf die Presse wird stärker: Im August wird der langjährige Chefredaktuer der staatlichen Tageszeitung Noticias, im September der Chefredakteur der wichtigsten unabhängigen Tageszeitung O Pais entlassen. Auch als Nachrichtenchef des privaten Fernsehsenders STV wird er abgesetzt. Beide galten als zu kritisch gegenüber der Frelimo.

Am 21. Oktober bombadieren Regierungstruppen das Renamo-Hauptquartier und nehmen es ein. Dhlakama kann entkommen und kündigt das Friedensabkommen von 1992 auf.

Bei den vierten Kommunalwahlen am 20. November gewinnt die Frelimo in 50 der 53 Kommunen. Die oppositionelle MDM stellt den Bürgermeister in Beira, Quelimane und zum ersten Mal in Nampula, wo wegen verschiedener Unregelmäßigkeiten erst am 1. Dezember gewählt wird. In vielen Gemeinden erzielt die MDM beachtliche Ergebnise. Die Ranamo boykottiert die Wahlen, kann sie aber nicht stören.

2014

Die nächsten Präsidentschafts-, Parlaments- und Regionalwahlen sind für den 15. Oktober 2014 vorgesehen. Präsident Guebuza kann nach zwei Amtszeiten nicht mehr kandidieren. Das Zentralkomitee der Frelimo wählt auf seiner Sitzung Anfang März Verteidigungsminister Fillipe Nyussi zum Präsidentschaftskandidaten der Partei. Nyussi setz sich mit 135 zu 61 Stimmen für Luisa Diogo durch.

Bei Nachwahlen zum Kommunalparlament und dem Bürgermeisteramt am 8. Februar in Gurué in der Zambezia-Provinz kann sich die Demokratische Bewegung Mosambiks (MDM) durchsetzen. Der MDM-Kandidat Orlando Janeiro erhält 55 Prozent der Stimmen und ist damit der vierte Oberbürgermeister, den die MDM landesweit stellt. Die Nachwahl war erforderlich geworden, weil der Verfassungsrat beim Urnengang im November 2013 „flagrante Gesetzesverletzungen“ durch Wahlleiter festgestellt hatte und eine Wahlwiederholung anordnete.

Nach heftigen Protesten der Zivilgesellschaft streicht der Verfassungsausschuss des Parlaments umstrittene Paragraphen aus einem Entwurf zur Neufassung des Strafgesetzbuches. Stein des Anstoßes war insbesondere ein Paragraph, nach dem ein Vergewaltiger die Strafe erlassen bekommt, wenn er sein Opfer heiratet. Dieser und ähnliche frauenfeindliche Paragraphen sind aus dem 1886 von den Portugiesen eingeführten Strafgesetz zunächst ungeprüft übernommen und jetzt gestrichen worden.

Regierung und Renamo einigen sich auf einen Waffenstillstand, der am 24. August 2014 in Kraft tritt. Die Friedensvereinbarungen sehen Straffreiheit für die Kämpfer und die Integration der Renamo-Soldaten in die Armee ein. Die Regierung setzt durch, dass keine Partei mehr bewaffnete Truppen unterhalten darf.

Bei den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen am 15. Oktober setzt sich erneut die Frelimo durch. Mit knapp 56 Prozent der Stimmen büßt sie gegenüber 2009 fast 20 Prozent ein. Entgegen manchen Prognosen erholt sich die Renamo mit 32,5 Prozent und bleibt stärkste Oppositionskraft. Die MDM erringt nur etwas über 8 Prozent. Neuer Präsident Mosambiks wird Jacintio Nyusi, der sich mit 57 Prozent gegenüber Afonso Dhlakama (36,6 Prozent) und Daviz Simango (6,4 Prozent) durchsetzt. Die Wahlen verlaufen friedlich, werden aber von zahlreichen Unregelmäßigkeiten und manchen Fälschungen überschattet. Dhlakama erkennt in einer ersten Reaktion das Wahlergebnis nicht an und fordert eine Experten-Regierung mit Renamo-Beteiligung.

(Stand: November 2014)