Namibia

Der Name der Wüste

Dünen in der Naukluft. Foto: Yathin S. Krishnappa

Die Küstenwüste Namib hat dem insgesamt trockenem Land den Namen gegeben. Das Territorium wurde auf der Berliner Afrikakonferenz 1884/85 abgesteckt und dem Deutschen Kaiserreich als Kolonie überlassen. Der Widerstand wurde brutal und blutig unterdrückt – bis heute eine Belastung für die deutsch-namibischen Beziehungen. Nach dem 1. Weltkrieg erhielt Südafrika das Mandat des Völkerbundes über Namibia. Südafrika versuchte rechtswidrig, das Land als Provinz einzuverleiben. Nach langen blutigen Kämpfen erlangte Namibia 1990 die Unabhängigkeit.

Staat und Verwaltung

Offizielle Bezeichnung Republic of Namibia; Republik Namibia
Unabhängigkeit 21. März 1990 (von Südafrika-Mandat)
Fläche 825.418 qkm
Landesnatur überwiegend Hochebene (über 1.000 m), im Westen Namib-Wüste, im Osten Kalahari-Trockensavanne; heißes und trockenes Klima, wenige Regen
Höchste Erhebung Königstein (2.606 m)
Küste 1.572 km; exklusive Wirtschaftzone: 200 nautische Meilen
Umweltprobleme knappe Trinkwasserressourcen, Versteppung durch Überweidung
Einwohnerzahl

2.182.852 (Juli 2013 geschätzt)

Bevölkerungsdichte 2,6 Einwohner pro qkm Landfläche (eig. Berechnung)
Hauptstadt Windhoek
Landessprachen Englisch (Amtssprache), Afrikaans (lingua franca), Deutsch (32%), Oshivambo, Herero, Nama
Religionen Christen (80-90%; ca. 50% Lutheraner), indigene Religionen (10-20%)
Staatsform Parlamentarische Demokratie mit Mehrparteiensystem
Wahlrecht allgemeines Wahlrecht ab 18 Jahren; Wahlen finden auf allen Ebenen (Präsident; Nationalparlament; Regionen, Kommunen) alle fünf Jahre statt
Exekutive

Staatspräsident: Präsident Hifikepunye Pohamba (seit 21 März 2005) ernennt Premierminister und Minister

Legislative Zweikammernparlament: Nationalversammlung mit 72 Sitzen; Nationalrat (Regionalvertretung) mit 26 Sitzen (zwei pro Region)
Parteien Congress of Democrats (COD); Democratic Turnhalle Alliance (DTA); Monitor Action Group (MAG); South West Africa People's Union (SWAPO; Regierungspartei); United Democratic Front (UDF)
Rechtssystem Grundlage: Römisch-Niederländisches Recht; Verfassung von 1990
Justiz Supreme Court als oberste Berufungsinstanz; Richter werden auf Empfehlung der Judical Service Commission vom Staatspräsidenten berufen
Verwaltungsgliederung 13 Regionen: Caprivi, Erongo, Hardap, Karas, Khomas, Kunene, Ohangwena, Okavango, Omaheke, Omusati, Oshana, Oshikoto, Otjozondjupa
Internationale Mitgliedschaften UNO und UN-Sonderorganisationen; Afrikanische Union (AU); Entwicklungsgemeinschaft SADC; Afrika-Karibik-Pazifik-Staaten (AKP); Welthandelsorganisation (WTO); Internationaler Währungsfond (IMF); Weltbank
Internationale Länderkategorien "quasi" LDC-Status (wird alle drei Jahre überprüft)
(8 der 15 SADC-Staaten gelten nach UN-Bestimmungen als Least Developed Countries - "am wenigsten entwickelte Länder". Als "quasi"-Land bekommt Namibia einen Teil der besonderen Mittelzuwendungen für LDC Staaten)

 

Wirtschaft

Währung 1 Namibia-Dollar (NAD) = 100 Cents = 0,08 Euro
Wechselkurs

1 US$ = 9,19516 N$ (April 2013)

aktueller Wechselkurs: OANDA


Export / Importgüter
- Wichtige Exportgüter Diamanten, Buntmetalle, Uran, Fleisch, Fisch
- Wichtige Importgüter

Petrochemische Produkte und Treibstoffe, Maschinen, Ausrüstung, Lebensmittel


Wichtige Handelspartner
- Export Großbritannien (43%), Südafrika (26%), EU (20%)
- Import Südafrika (81%), EU (7%), USA (4%)

Infrastruktur
- Eisenbahn 2.626 km
- Straßen 64.189 km (davon 5.477 km geteert)
- Flugplätze

19 mit asphaltierter Landebahn (davon vier mit großer Landebahn)

94 ohne asphaltierter Landebahn

- Häfen Lüderitz, Walvis Bay

 

Weitere wirtschaftliche Indikatoren siehe Ländervergleich Wirtschaft
Soziale Indikatoren siehe Ländervergleich Soziales

Chronologie

Vor- und Frühgeschichte
vor ca. 1-10 Mio. Jahren In Berg Aukas wurden 1991 die Überreste einer Frühform des Menschen aus dem mittleren Miozän gefunden. Dieser Prähominide erhielt den Namen Otavipithecus Namibiensis.
vor 25.000 Jahren

Aber auch der moderne Mensch siedelte früh auf dem Territorium des heutigen Namibia. Die ältesten Kunstfunde Afrikas wurden in den Hunsbergen beim Fisch-Fluss entdeckt. Die Bilder zeigen Wild. Wer sie gemalt hat, wie diese Menschen lebten, wissen wir nicht.

Spätere Felsmalereien aus den Jahrhunderten vor unserer Zeitrechnung am Brandberg und anderen Orten stammen wahrscheinlich von Buschleuten. Sie lebten dort vor Jahrtausenden als Jäger und Sammler und förderten und verarbeiteten bereits Metall.

  In den folgenden Jahrhunderten wandern andere Völker zu: Die Khoi, von den Holländern wegen ihrer ungewohnten, an Klick- und Schnalzlauten reichen Sprache Hottentotten genannt, und Bantuvölker, die vom Norden her einwandern.

Ankunft der Europäer
1486 Portugiesen sind die ersten Europäer, die auf der Suche eines Seewegs nach Indien an der namibischen Küste landen. Diego Cao errichtet ein Steinkreuz bei Kreuzkap. Wenige Jahre später tut Bartolomeo Dias das Gleiche beim heutigen Lüderitz. Die unwirtliche Namib-Wüste bildet jedoch noch über dreihundert Jahre eine unüberwindbare Barriere zum Hinterland.
1796 bis 1868

Aus der Kapprovinz Südafrikas fliehen viele Einheimische vor den holländisch-burischen Kolonisten nach Norden. Es sind Oorlam, Khoi, darunter die berühmten Witboois, und Mischlinge wie die Baster, die sich in der Gegend von Rehoboth niederlassen und sich dort in der wechselvollen Geschichte des Landes behaupten.

Die Neuankömmlinge sind den Eingesessenen durch Gewehre, Pferde und Ochsengespanne überlegen. Zeitweilig beherrschen sie weite Teile Namibias, bauen Straßen und knüpfen Verbindungen zum Weltmarkt. Es entwickeln sich erste staatliche Strukturen in Namibia.

ca. 1840 Die heutige Hauptstadt Windhoek wird gegründet. Mit den Kap-Auswanderern kommen auch Händler, Missionare und Abenteurer aus Europa nach Namibia.

Beginn der europäischen Landnahme
1842 Die Rheinische Mission lässt sich in Namibia nieder und nimmt rasch entscheidenden Einfluss auf die weitere Entwicklung im Lande.
1878 Auf den Inseln vor der namibischen Küste wird Guano (Kot von Seevögeln) abgebaut. Walfischfänger nutzen die Walfischbucht als Station. Walvis Bay wird schließlich samt den vorgelagerten Inseln von Großbritannien annektiert.
1884 Namibia wird formal-juristisch Schutzgebiet des deutschen Kaiserreiches und erhält den Namen Deutsch Südwest-Afrika. Im Jahr zuvor haben die deutschen Kaufleute unter bewusster Ausnutzung der unterschiedlichen Rechtsauffassungen Ländereien in ihren Besitz gebracht. Es kommt in den Folgejahren zu sog. Schutzverträgen mit den lokalen Machthabern, die allerdings zu keinem Zeitpunkt Besitz- und Herrschaftsansprüche des Deutschen Reiches bestätigten. Die endgültigen Grenzen werden in verschiedenen Verträgen ausgehandelt. Dabei wird die Nordgrenze zu Angola in einem Abkommen mit der Kolonialmacht Portugal festgelegt.
1890 Im Helgoland-Sansibar-Vertrag wird mit Großbritannien der Caprivi-Zipfel, ein schmaler, 450 km langer Landstrich im Nordosten Namibias, im Tausch Helgoland gegen die britischen Ansprüche auf die Insel Sansibar im Indischen Ozean erworben. Er war als erstes Stück einer Landverbindung zwischen den deutschen Kolonien Südwest- und Ostafrika (Tansania) gedacht. Der schmale Landstreifen wird nach dem damaligen Reichskanzler L. von Caprivi benannt.
1893 Die erst nachträglich erkennbare koloniale Zielsetzung ruft den Widerstand der ansässigen Völker hervor. So schreibt der Nama Hendrik Witbooi an Hermanuns van Wyk in Rehoboth: "Die Deutschen haben das Land mit Brand überzogen und wollen ganz Namaqualand und Hereroland unterwerfen, weil sie unsere Ländereien haben und uns versklaven wollen. Deshalb, lieber Bruder, lasst uns im Interesse unseres Landes und unserer Nationen gegen die Deutschen aufstehen." Zu einem geschlossenen Widerstand kommt es jedoch nie.
1904 bis 1907 Der Aufstand der Herero kommt für die Kolonialmacht, die lange das Prinzip "Teile und Herrsche" erfolgreich durchhalten konnte, überraschend. Nach der Niederlage der Herero, deren rücksichtslose Verfolgung durch General Trotha nur als Völkermord bezeichnet werden kann, erheben sich die Nama. Der Guerilla-Krieg im Süden bringt außerordentliche militärische Strategen wie Hendrik Witbooi, Jakob Morenga und Simon Koper hervor. Sie werden sehr verlustreich geschlagen. Die Deutschen können ihre Kolonialherrschaft festigen.
1908 Östlich von Lüderitzbucht werden Diamanten gefunden. Binnen eines Vierteljahres werden 40.000 Karat im Wert von 1,1 Mio. Reichsmark gefördert. Die bis dahin defizitäre Kolonie wird über Nacht höchst profitabel.
1915 Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges kapitulieren die deutschen Schutztruppen in Südwest.
1917 Noch unter der militärischen Übergangsregierung kommt das Oberhaupt der Kwanyama-Ovambo im Norden des Landes, Mandume Ndemufayo, in Konflikt mit den portugiesischen und britisch-südafrikanischen Kolonialherren. Er erkennt die Grenze zwischen Angola und Namibia nicht an, da sie sein Volk trennt. Er kommt bei einem Gefecht mit den Südafrikanern um.

Die Mandatszeit
1920 bis 1922 Der Völkerbund überträgt der britischen Krone die Verantwortung für Namibia. Diese beauftragt Südafrika mit der Verwaltung des Mandats.
1925 Das Mandat sieht eine schrittweise Überführung Namibias in die Unabhängigkeit vor. Es werden jedoch keine Schritte in diese Richtung unternommen. So kommt es zu Aufständen der Bondelswarts und der Rehobother.
1934 Entgegen den Bestimmungen des Mandats spricht sich der "weiße Landesrat" für den Anschluss Namibias als fünfte Provinz an Südafrika aus.
1946 Die Vereinten Nationen übernehmen die Mandatskommission des aufgelösten Völkerbundes. Südafrika weigert sich jedoch, den Treuhandvertrag für Namibia anzuerkennen.
1949 Stattessen werden nach der Machtübernahme der Nationalpartei in Südafrika 1948 neue politische Strukturen für die weiße Siedlerschaft geschaffen, die eine engere Angliederung an den Apartheidstaat bedeutet.
1954 Die "Eingeborenenangelegenheiten" werden in die unmittelbare Verantwortlichkeit der südafrikanischen Regierung gestellt.

Vom Widerstand zur Unabängigkeit
1959 Südafrika führt schrittweise die Politik der "getrennten Entwicklung" auch in Namibia ein. Bei der Zwangsauflösung der Alten Werft in Windhoek und der Umsiedlung der Bewohner in das nach Ethnien getrennte Ghetto Katutura kommt es zu einem Blutbad. Das Ereignis löst eine neue Phase des Widerstandes aus.
1960 Kontraktarbeiter vor allem aus dem Ovamboland gründen die nationale South West African People´s Organisation, Swapo, ursprünglich unter dem Namen Ovamboland People´s Organisation, OPO. Sie ist kurze Zeit Mitglied im Bündnis South West African National Union, Swanu, verlässt das Bündnis jedoch wegen deren unentschiedener Haltung. Meinungsverschiedenheiten gibt es vor allem in der Frage, ob man auch einen bewaffneten Widerstand vorbereiten solle. Die Swanu lehnt eine solche Option ab.
1962 bis 1964 Südafrika beruft die Odendaal-Kommission ein. Sie soll die Weichen für eine "Bantustanisierung" Namibias stellen, d.h. eine klare Trennung zwischen weißem Territorium und einzelnen Stammesgebieten in eigener Verantwortung. Dieses Programm kommt - anders als in Südafrika - über Ansätze nie hinaus und wird stillschweigend fallen gelassen.
1966 Die Vereinten Nationen erklären die südafrikanische Mandatsherrschaft für beendet.
Die Swapo nimmt den bewaffneten Kampf auf. Im August kommt es zum ersten Gefecht.
1969 Mit einer weiteren Reduzierung der Machtbefugnisse der weißen Siedler wird Namibia faktisch fünfte Provinz Südafrikas.
1971 Der Internationale Gerichtshof in Den Haag bestätigt die Unrechtmäßigkeit der südafrikanischen Okkupation Namibias. Alle Lösungsversuche der Namibiafrage ohne Vermittlung der Vereinten Nationen werden für illegal erklärt. Zwei Jahre später wird die Swapo von den Vereinten Nationen als authentische Vertretung des namibischen Volkes anerkannt.
1977 Südafrika sucht die Kontrolle zu behalten und betreibt eine interne Lösung unter Ausschluß der Vereinten Nationen. Die Regierung in Pretoria setzt einen Prozess in Gang, dessen Ziel es ist, gemäßigte Kräfte im Lande politisch zu fördern und als zukünftige Regierungsverantwortliche aufzubauen, um dadurch den vom Exil aus operierenden radikalen Befreiungsbewegungen eine Alternative entgegenzusetzen. Die für eine Übergangsregierung durchgeführten Wahlen werden international nicht anerkannt.
1978

Eine sog. Kontaktgruppe aus fünf westlichen Staaten, darunter der Bundesrepublik Deutschland, sucht Wege einer internationalen Lösung. Plattform wird die Resolution 435 der Vereinten Nationen, die Wahlen unter internationaler Aufsicht vorsieht. Südafrika stimmt der Resolution zu, versteht es jedoch, sich der Umsetzung zu entziehen. Als wichtigstes Argument führt Südafrika dabei die kubanische Präsenz in Angola an.

Im Mai 1978 überfallen südafrikanische Truppen das namibische Flüchtlingslager Cassinga in Angola. Über 600 Menschen werden getötet. Damit wird eine internationale Lösung für ein Jahrzehnt blockiert.

1989 Das Ende des West-Ost-Konfliktes und die schweren Niederlagen der südafrikanischen Truppen in Südangola machen den Weg für eine internationale Lösung der Namibiafrage nach der Resolution 435 frei. Am 1. April tritt der Waffenstillstand in Kraft. Bei den Wahlen zur Verfassunggebenden Versammlung im November wird die Swapo die stärkste Kraft.

Die Unabhängigkeit
23. März 1990 Namibia wird offiziell unabhängig. Der Präsident der Verfassunggebenden Versammlung, Sam Nujoma, wird erster Staatspräsident. Die Swapo war mit absoluter Mehrheit in die Verfassunggebende Versammlung gewählt worden und stellt nun als stärkste Partei die Regierung.
1992 Der Hochsee-Hafen Walvis Bay wird von Südafrika an Namibia übergeben.
1993 Namibia führt eine eigene Währung ein, den Namibia-Dollar. Er bleibt an den südafrikanischen Rand gekoppelt.
1994 Bei den Wahlen legt die Swapo zu und gewinnt mehr als zwei Drittel der Mandate. Damit sind Verfassungsänderungen aus eigener Mehrheit möglich.
1998 Erste Änderungen der Verfassung werden mit Hinblick auf die Begrenzung der Amtszeit des Präsidenten auf zwei Perioden überlegt. Die Verfassung wird schließlich dahingehend ergänzt, dass ausschließlich dem Präsidenten Nujoma eine weitere Kandidatur gestattet wird. Die Ergänzung wird damit begründet, dass Nujoma seine erste Amtszeit auf Beschluss der Verfassunggebenden Versammlung angetreten und sein Amt nicht durch Präsidentschaftswahlen gewonnen hat.
1999 Bei den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen baut die Swapo ihren Vorsprung auf knapp 75% aus. Erstmals hat sich mit dem Congress of Democrats (CoD) eine Oppositionspartei den Wahlen gestellt, die nicht mit dem alten südafrikanischen Regime in Verbindung gebracht werden kann. Ihre Mitglieder rekrutieren sich zu einem erheblichen Teil aus enttäuschten Mitgliedern der Swapo, die sich nicht mit dem zunehmend autoritären Stil der Swapo-Führung abfinden wollen.
2002 Im Dezember lässt Nujoma bekannt geben, dass er - anders, als er lange angedeutet hatte - die Verfassung respektieren werde und für eine weitere Amtszeit nicht zur Verfügung steht.
2003

Im März einigen sich Namibia und Botswana auf den Grenzverlauf an den Flüssen Kwando, Linyabti und Chobe im Ost-Caprivi.

Im Oktober beginn der Prozess gegen hundertmutmaßliche Mitglieder der Caprivi Liberation Army. Ihnen wird vorgeworfen, 199 einen bewaffneten Sezessionsversuch unternommen zu haben. Von den damals Verhafteten waren bereits elf im Gefängnis verstorben. Der Prozess wurde auch nach zehn Jahren noch nicht abgeschlossen.

2004

Zwei Ereignisse bestimmen das Jahr: Die Wahlen im November, zu denen Sam Nujoma nicht mehr als Präsidentschaftskandidat antreten konnte, und das 100. Gedenkjahr der Vernichtung der Herero.

Am August bittet die deutsche Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul in Ohamakari, dem Ort der letzten Schlacht, die Herero um Entschuldigung für die Verbrechen der Kolonialtruppen. Sie nennt sie einen Genozid, wenn auch mit der Einschränkung „nach unserem heutigen Verständnis". Wiedergutmachungszahlungen werden weiterhin abgelehnt.

Bei den Wahlen Ende November können sich die Swapo wie Hifikepunye Pohamba wie erwartet durchsetzen und erziehlen über drei Viertel der Stimmen.

2005

Im März wird Hifikepunye Pohamba als Staatspräsident vereidigt, und die neue Regierung nimmt die Amtsgeschäfte auf. Kurz zuvor werden die Wahlergebnisse nach einer vom Obersten Gerichtshof angeordneten Neuauszählung bestätigt.

In seiner Antrittsrede sagt Pohamba der Korruption den Kampf an. Im Rahmen der Korruptionsbekämpfung muss im November der stellvertretende Minister für Arbeit und Kommunikation den Hut nehmen. Der Opposition, die von Sam Nujoma geschnitten wurde, bietet Pohamba eine faire Zusammenarbeit an.

Im September wird die erste kommerzielle Farm gegen Entschädigung enteignet. Juristen bemängeln die unklare gesetzliche Grundlage.

Die Irritationen über die Aufarbeitung der deutsch-namibischen Vergangenheit halten an. Entwicklungsministerin Wieczorek-Zeul kündigt im Mai eine Sonderinitiative – auch Versöhnungsinitiative genannt – an. Sie soll mit 20 Mio. Euro außerhalb der Entwicklungshilfe ausgestattet werden und vor allem Herero, Nama und Damara zugute kommen, die am ärgsten unter der deutschen Kolonialherrschaft gelitten hatten. Bei seinem Antrittsbesuch in Berlin im November wird Staatspräsident Pohamba der fertige Vertrag zur Unterschrift vorgelegt. Er weigert sich jedoch zu unterschreiben, da seine Regierung entgegen zwischenstaatlichen Gepflogenheiten zur Gestaltung des Vertrages nicht hinzugezogen worden ist.

2006

Wie überall auf dem Kontinent beginnt auch in Namibia China zu investieren und Handelsverträge abzuschließen. Der namibische Arbeitsminister beklagt sich jedoch, dass chinesische Unternehmen nicht die Arbeitsgesetze des Landes zu Mindestlöhnen, Arbeitszeiten und Urlaub sowie Feiertag respektieren.

2007

Die Links-Fraktion bringt im Juni im deutschen Bundestag einen Antrag auf Entschädigung ein. Er wird von den Regierungsparteien abgelehnt, aber auch den anderen Oppositionsparteien nicht unterstützt.

Die deutsch-namibische Versöhnungsinitiative, 2004 angestoßen durch die Bundesentwicklungsministerin, wird im Herbst umgesetzt. Im Zuge der jüngsten Regierungsverhandlungen stellt das BMZ 20 Millionen Euro bereit, die speziell der Verbesserung der Lebensbedingungen derjenigen Volksgruppen dienen, die vor 100 Jahren unter der deutschen Kolonialherrschaft besonders zu leiden hatten.

Sam Nujoma zieht sich aus der Politik zurück. Der erste Präsident und „Vater der Nation" hat den Delegierten des Parteikongresses der Swapo seinen Rücktritt als Präsident der Partei erklärt. Präsident Hifikepunye Pohamba wird auch Parteivorsitzender werden.

Im November wird eine neue Partei gegründet. Der ehemalige Außenminister Hidipo Hamutenya ist aus der Partei ausgetreten und hat sein Parlamentsmandat niedergelegt. Er gründet eine neue Partei, Rally for Democracy and Progress (RDP). Er zieht zur Beunruhigung der Swapo viele Anhänger herüber.

2008

Auch der 1999 gegründete CoD spaltet sich. Nach Querelen bei den Vorstandswahlen gründet eine Fraktion die All Peoples Party (APP).

Nach Dürre und anschließenden Überschwemmungen hat Präsident Pohamba in vier Nordregionen den Notstand ausgerufen und solidarische Hilfe erbeten. Dazu hat er sowohl die namibische Gesellschaft als auch internationale Partner angesprochen.

2009

Die Wahlen im Dezember bestätigten Pohamba und die Swapo mit etwa drei Vierteln der Stimmen. Die Oppositionsparteien reklamieren Unregelmäßigkeiten und werfen den Wahlsiegern Wahlfälschung vor.

2010

Auch eine gerichtlich angeordnete Neuauszühlung der Stimmen der Wahlen von 2009 bringt die Kritiker nicht zum Verstummen. Der Streit kann erst ein Jahr später juristisch beigelegt werden.

2011

Der Oberste Gerichtshof weist im Februar die Klagen von neun Oppositionsparteien wegen Wahlfälschung 2009 endgültig zurück.

Im Oktober trifft eine hochrangige Delegation von Regierungsmitgliedern und traditionellen Würdenträgern in Berlin ein, um in den Asservaten der Charité gelagerte Schädel in Ehren nach Namibia zurückzuführen. Diese Schädel wurden von den deutschen Kolonialherren an verschiedene Institute in Deutschland versandt, wo sie zur „Rassenforschung" dienen sollten. Die Herausgabe wird von Namibia schon seit Jahren verlangt. Die Versöhnungsgeste endet aufgrund von Nichtachtung seitens der deutschen Regierung mit einem Eklat.

2012

Im März lehnt die Bundesregierung Anträge der Opposition ab, den Kolonialkrieg gegen die Hereros als Völkermord anzuerkennen.

Im Juli macht eine Sensationsmeldung die Runde: In 200 Metern Tiefe wurde ein Süßwassersee mit 5 Mrd. Kubikmetern entdeckt. Er könnte für 400 Jahre den Wasserbedarf Namibias decken. Experten warnen jedoch, es fehle noch an einer Technik, das Wasser sicher zu fördern, ohne das Reservoir nachhaltig zu verunreinigen.

Im Dezember stellt ein Parteitag der Swapo Weichen für die Kandidatur des nächsten Staatspräsident. Hifikepunye Pohamba kann nach zwei Amtsperioden nicht mehr anteten. Auf seine Empfehlung hin wird sein Stellvertreter Hage Geingob als Vizepräsident der Partei bestätigt. Er hat damit beste Aussichten, für die Wahlen Ende 2014 zum Kandidaten für das Amt des Staatspräsidenten nominiert zu werden.

Nach seiner Wahl ernennt Pohamba Geingob umgehend zum Premierminister. Die Wahl Geingobs wird allgemein begrüßt. Sie könnte eine neue Ära einläuten, in der mit den Wahlen Ende 2014 wahrscheinlich erstmals jemand aus einer ethnisch-regionalen Minderheit das höchste Amt im Staate bekleiden wird. Er kann dabei auf ein jetzt schon konsolidiertes Team bauen.

2013

Viele Farmer haben bereits Ende Januar ihre Maisernte der Saison 2012/13 abgeschrieben. Es wird die schwerste Dürre seit dreißig Jahren. Etwa ein Drittel der Bevölkerung, 600.000 Menschen, sind davon direkt betroffen. Die Regierung fordert Nahrungsmittelhilfe an. Ab August werden damit über 470.000 Menschen versorgt. Die Knappheit aufgrund der Dürre wird sich bis März 2014 auswirken, vorausgesetzt, dass die Regenzeit der neuen Saison durchschnittliche Niederschläge beschert.

In Namibia steigt seit der Unabhängigkeit die Nachfrage nach Strom rasant an. Das Land ist in hohem Maße abhängig von Stromimporten. Sie kommen in erster Linie aus Südafrika. In den letzten Jahren wurden auch Kontingente aus Simbabwe und Sambia aufgeschaltet. Der Ausbau des Wasserkraftwerks von Ruacana am Kunene hat keine nennenswerte Entlastung gebracht. Bisher verfolgte die Regierung konkurrierende Pläne zur Ausweitung einer eigenen Stromproduktion und blockierte so konkrete Maßnahmen. Ein großes Wasserkraftwerk am Kunene war im Gespräch, der Neubau von Kohlekraftwerken und selbst der Bau eines Atomkraftwerkes wurde diskutiert. Die Regierung will sich nun auf ein Gaskraftwerk an der Mündung des Oranje konzentrieren. Vor der Küste liegt ein ergiebiges Gasfeld, das die Turbinen für mehr als 25 Jahre mit der nötigen energie versorgen und Stromimporte überflüssig machen könnte. Ein Teil des Gases könnte zudem verflüssigt und in die südafrikanische Provinz Westkap exportiert werden, wo eine hohe Nachfrage besteht.

Der Ausbau erneuerbarer Energien steckt noch in den Kinderschuhen. Namibia ist reich an Sonne und Wind. Es gibt zwar Insellösungen wie im abgelegenen Ort Tsumkwe oder einzelne zuschaltbare Photovoltaikanlagen in anderen Orten. Ansonsten bleibt die Erzeugung alternativer Energie privaten Anlegern auf Farmen und Tourismuseinrichtungen überlassen. Einem größeren Ausbau stehen nach Angaben des Energieministeriums Bürokratie und unzureichende Gesetzgebung im Wege.

Im August gibt Staatspräsident Pohamba eine Reihe von Namensänderungen von Regionen und Orten bekannt. Er kommt damit einer Empfehlung der Delimination Commission der nationalen Wahlkommission nach. Die Kommission hatte den Auftrag, im Hinblick auf die Wahlen 2014 den Zuschnitt der Regionen und Wahlkreise zu überprüfen. Die Region Kavango wir in einen Ost- und Westteil aufgeteilt, Namen anderer Regionen werden geändert: Die Regionen Karas und Khomas werden nun !Karas und //Khomas geschrieben. Damit wird orthographisch der Ursprung der Namen aus dem Khoekhoegowab berücksichtigt. Einen neuen Namen erhält die Region Caprivi, benannt nach den kaiserlichen Reichskanzler Leopold von Caprivi (siehe 1890). Sie heißt jetzt Zambezi. Eine solche „Entkolonisierung“ im Namen erfahren auch die Orte Schuckmannsburg im äußersten Nordosten, jetzt Luhonono, und Steinhausen in der Omaheke, jetzt Okarukambe. Der Wahlkreis Lüderitzbucht (vgl. 1983) heißt nun !Nami#Nus – der Nama-Name bedeutet „Ort zum Niederlassen“.

Der Umgang Deutschlands mit dem kolonialen Erbe bleibt ein leidiges Thema. Namibia fordert eine Anerkennung der Vernichtung von Herero und Nama als Völkermord und eine Entschuldigung des deutschen Souveräns – Bundespräsident, Bundestag oder Regierung. Der Entschuldigung müsse eine materielle Wiedergutmachung folgen. Die deutsche Seite bleibt stur. Im Januar belehrt der deutsche Botschafter Premier Geingob, die Forderung nach Reparationen sei dem deutsch-namibischen Verhältnis abträglich. Geongob weist den Ratschlag als deplatzierte Bevormundung zurück. Die namibischen Medien – mit Ausnahme der deutschsprachigen Allgemeinen Zeitung – empören sich und kritisieren die Einlassungen des Botschafters als Herrenmenschentum. Im Oktober machen namibische Delegierte aus Parlament und Genozidkomitee auf einer panafrikanischen Konferenz in München erneut auf den Skandal aufmerksam. Deutschland müsse sich seiner Verantwortung stellen und die Taten der Schutztruppen als Völkermord anerkennen, sich entschuldigen und Reparationen leisten. Die deutsche Seite zeige geradezu einen Widerwillen, diesen Forderungen nachzukommen.

2014

Im November/Dezember stehen Wahlen für die Nationalversammlung und einen neuen Staatspräsidenten an. Der jetzige Amtsinhaber Hifikepunye Pohamba kann nach zwei Amtsperioden kein drittes Mal antreten.

(Stand: 6. Januar 2014)