Namibia

Der Name der Wüste

Dünen in der Naukluft. Foto: Yathin S. Krishnappa

Die Küstenwüste Namib hat dem insgesamt trockenem Land den Namen gegeben. Das Territorium wurde auf der Berliner Afrikakonferenz 1884/85 abgesteckt und dem Deutschen Kaiserreich als Kolonie überlassen. Der Widerstand wurde brutal und blutig unterdrückt – bis heute eine Belastung für die deutsch-namibischen Beziehungen. Nach dem 1. Weltkrieg erhielt Südafrika das Mandat des Völkerbundes über Namibia. Südafrika versuchte rechtswidrig, das Land als Provinz einzuverleiben. Nach langen blutigen Kämpfen erlangte Namibia 1990 die Unabhängigkeit.

Staat und Verwaltung

Offizielle Bezeichnung Republic of Namibia; Republik Namibia
Unabhängigkeit 21. März 1990 (von Südafrika-Mandat)
Fläche 824.292 km2
Landesnatur überwiegend Hochebene (über 1.000 m), im Westen Namib-Wüste, im Osten Kalahari-Trockensavanne; heißes und trockenes Klima, wenige Regen
Höchste Erhebung Königstein (2.606 m)
Küste 1.572 km; exklusive Wirtschaftszone: 200 nautische Meilen
Umweltprobleme knappe Trinkwasserressourcen, Versteppung durch Überweidung
Einwohnerzahl

2.678.191 (Juli 2021 geschätzt)

Bevölkerungsdichte 3,2 Einwohner pro km2 Landfläche (eig. Berechnung)
Hauptstadt Windhoek
Landessprachen Oshivambo 49,7 %, Nama/Damara 11 %, Kavango 10,4 %, Afrikaans 9,4 % (wichtige Verkehrssprache), Herero 9,2 %, Zambezi 4,9 %, Englisch 2,3 % (Amtssprache), Deutsch
ca. 1 % (Deutsch nur unter der weißen Bevölkerung 32 % ggü. 60 % Afrikaans und 7 % Englisch)
Religionen Christen 80-90 % (ca. 50 % Lutheraner), indigene Religionen 10-20 %
Staatsform Parlamentarische Demokratie mit Mehrparteiensystem
Wahlrecht allgemeines Wahlrecht ab 18 Jahren; Wahlen finden auf allen Ebenen (Präsident; Nationalparlament; Regionen, Kommunen) alle fünf Jahre statt
Exekutive

Staatspräsident: Präsident Hage Geingob (seit 21. März 2015); Vizepräsident: Nangola Mbumba (seit 8. Februar 2018); Premierminister: Saara Kuugongelwa-Amadhila (seit 21. März 2015)

Legislative Zweikammernparlament: Nationalrat (Regionalvertretung) mit 42 Sitzen (drei pro Region) und Nationalversammlung (104 Sitze, 96 direkt gewählt, 8 vom Präsidenten ernannt)
Parteien All People's Party (APP); Christian Democratic Voice (CDV); Landless People's Movement (LPM); National Unity Democratic Organization (NUDO); Namibian Economic Freedom Fighters (NEFF); Popular Democratic Movement (PDM, frühere DTA); Rally for Democracy and Progress (RDP); South West Africa National Union (SWANU); South West Africa People's Union (SWAPO, Regierungspartei); United Democratic Front (UDF); United People's Movement (UPM); Workers' Revolutionary Party (WRP)
Rechtssystem Grundlage: Römisch-Niederländisches Recht; Verfassung von 1990
Justiz Supreme Court als oberste Berufungsinstanz; Richter werden auf Empfehlung der Judical Service Commission vom Staatspräsidenten berufen
Verwaltungsgliederung 14 Regionen: Erongo, Hardap, //Karas, Kavango East, Kavango West, Khomas, Kunene, Ohangwena, Omaheke, Omusati, Oshana, Oshikoto, Otjozondjupa, Zambezi
Internationale Mitgliedschaften UNO und UN-Sonderorganisationen; Afrikanische Union (AU); Entwicklungsgemeinschaft SADC; Afrika-Karibik-Pazifik-Staaten (AKP); Welthandelsorganisation (WTO); Internationaler Währungsfond (IMF); Weltbank
Internationale Länderkategorien „quasi" LDC-Status (wird alle drei Jahre überprüft)
(9 der 16 SADC-Staaten gelten nach UN-Bestimmungen als Least Developed Countries - „am wenigsten entwickelte Länder". Als „quasi"-Land bekommt Namibia einen Teil der besonderen Mittelzuwendungen für LDC Staaten)

 

Wirtschaft

Währung 1 Namibia-Dollar (NAD) = 100 Cents = 0,06 Euro
Wechselkurs

1 Euro = 17,1381 N$ (20.05.2021)

aktueller Wechselkurs: OANDA


Export / Importgüter
- Wichtige Exportgüter Diamanten (22 %), Kupfer (19 %), Uran (11,4 %), Fisch (9,5 %), Gold (4,7 %), Kupferlegierungen (3,4 %), Schiffe (3 %), Zink(2,8 %), Rinder (1,7 %) (UN Comtrade 2019)
- Wichtige Importgüter

Kupfer einschl. Kupfererze und -legierungen (22 %), Erdöl (11 %), Diamanten (6,2 %), Fahrzeuge (4,4 %), Schiffe (1,4 %), Medikamente (1,1 %), Reifen (1 %) (UN Comtrade 2019)


Wichtige Handelspartner
- Export China (23 %), Südafrika (16,2 %), Botswana (9,7 %), Belgien (6,9 %), Spanien (4,7 %), Sambia (3,7 %), Vereinigte Arabische Emirate (3,3 %), DR Kongo (2,8 %), Niederlande (2,3 %) (UN Comtrade 2019)
- Import Südafrika (43 %), Sambia (14,8 %), China (3,9%), Bulgarien (3 %), Indien (2,8 %), Botswana (2,4 %), USA (2,1 %), Peru (1,6 %) (UN Comtrade 2019)

Infrastruktur
- Eisenbahn 2.628 km
- Straßen 48.875 km (davon 7.893 km geteert)
- Flugplätze

19 mit asphaltierter Landebahn (davon vier mit großer Landebahn)

93 ohne asphaltierter Landebahn

- Häfen Lüderitz, Walvis Bay

 

Weitere wirtschaftliche Indikatoren siehe Ländervergleich Wirtschaft
Soziale Indikatoren siehe Ländervergleich Soziales

Chronologie

Vor- und Frühgeschichte
vor ca. 1-10 Mio. Jahren In Berg Aukas wurden 1991 die Überreste einer Frühform des Menschen aus dem mittleren Miozän gefunden. Dieser Prähominide erhielt den Namen Otavipithecus Namibiensis.
vor 25.000 Jahren

Aber auch der moderne Mensch siedelte früh auf dem Territorium des heutigen Namibia. Die ältesten Kunstfunde Afrikas wurden in den Hunsbergen beim Fisch-Fluss entdeckt. Die Bilder zeigen Wild. Wer sie gemalt hat, wie diese Menschen lebten, wissen wir nicht.

Spätere Felsmalereien aus den Jahrhunderten vor unserer Zeitrechnung am Brandberg und anderen Orten stammen wahrscheinlich von Buschleuten. Sie lebten dort vor Jahrtausenden als Jäger und Sammler und förderten und verarbeiteten bereits Metall.

  In den folgenden Jahrhunderten wandern andere Völker zu: Die Khoi, von den Holländern wegen ihrer ungewohnten, an Klick- und Schnalzlauten reichen Sprache Hottentotten genannt, und Bantuvölker, die vom Norden her einwandern.

Ankunft der Europäer
1486 Portugiesen sind die ersten Europäer, die auf der Suche eines Seewegs nach Indien an der namibischen Küste landen. Diego Cao errichtet ein Steinkreuz bei Kreuzkap. Wenige Jahre später tut Bartolomeo Dias das Gleiche beim heutigen Lüderitz. Die unwirtliche Namib-Wüste bildet jedoch noch über dreihundert Jahre eine unüberwindbare Barriere zum Hinterland.
1796 bis 1868

Aus der Kapprovinz Südafrikas fliehen viele Einheimische vor den holländisch-burischen Kolonisten nach Norden. Es sind Oorlam, Khoi, darunter die berühmten Witboois, und Mischlinge wie die Baster, die sich in der Gegend von Rehoboth niederlassen und sich dort in der wechselvollen Geschichte des Landes behaupten.

Die Neuankömmlinge sind den Eingesessenen durch Gewehre, Pferde und Ochsengespanne überlegen. Zeitweilig beherrschen sie weite Teile Namibias, bauen Straßen und knüpfen Verbindungen zum Weltmarkt. Es entwickeln sich erste staatliche Strukturen in Namibia.

ca. 1840 Die heutige Hauptstadt Windhoek wird gegründet. Mit den Kap-Auswanderern kommen auch Händler, Missionare und Abenteurer aus Europa nach Namibia.

Beginn der europäischen Landnahme
1842 Die Rheinische Mission lässt sich in Namibia nieder und nimmt rasch entscheidenden Einfluss auf die weitere Entwicklung im Lande.
1878 Auf den Inseln vor der namibischen Küste wird Guano (Kot von Seevögeln) abgebaut. Walfischfänger nutzen die Walfischbucht als Station. Walvis Bay wird schließlich samt den vorgelagerten Inseln von Großbritannien annektiert.
1884 Namibia wird formal-juristisch Schutzgebiet des deutschen Kaiserreiches und erhält den Namen Deutsch Südwest-Afrika. Im Jahr zuvor haben die deutschen Kaufleute unter bewusster Ausnutzung der unterschiedlichen Rechtsauffassungen Ländereien in ihren Besitz gebracht. Es kommt in den Folgejahren zu sog. Schutzverträgen mit den lokalen Machthabern, die allerdings zu keinem Zeitpunkt Besitz- und Herrschaftsansprüche des Deutschen Reiches bestätigten. Die endgültigen Grenzen werden in verschiedenen Verträgen ausgehandelt. Dabei wird die Nordgrenze zu Angola in einem Abkommen mit der Kolonialmacht Portugal festgelegt.
1890 Im Helgoland-Sansibar-Vertrag wird mit Großbritannien der Caprivi-Zipfel, ein schmaler, 450 km langer Landstrich im Nordosten Namibias, im Tausch Helgoland gegen die britischen Ansprüche auf die Insel Sansibar im Indischen Ozean erworben. Er war als erstes Stück einer Landverbindung zwischen den deutschen Kolonien Südwest- und Ostafrika (Tansania) gedacht. Der schmale Landstreifen wird nach dem damaligen Reichskanzler L. von Caprivi benannt.
1893 Die erst nachträglich erkennbare koloniale Zielsetzung ruft den Widerstand der ansässigen Völker hervor. So schreibt der Nama Hendrik Witbooi an Hermanuns van Wyk in Rehoboth: "Die Deutschen haben das Land mit Brand überzogen und wollen ganz Namaqualand und Hereroland unterwerfen, weil sie unsere Ländereien haben und uns versklaven wollen. Deshalb, lieber Bruder, lasst uns im Interesse unseres Landes und unserer Nationen gegen die Deutschen aufstehen." Zu einem geschlossenen Widerstand kommt es jedoch nie.
1904 bis 1907 Der Aufstand der Herero kommt für die Kolonialmacht, die lange das Prinzip "Teile und Herrsche" erfolgreich durchhalten konnte, überraschend. Nach der Niederlage der Herero, deren rücksichtslose Verfolgung durch General Trotha nur als Völkermord bezeichnet werden kann, erheben sich die Nama. Der Guerilla-Krieg im Süden bringt außerordentliche militärische Strategen wie Hendrik Witbooi, Jakob Morenga und Simon Koper hervor. Sie werden sehr verlustreich geschlagen. Die Deutschen können ihre Kolonialherrschaft festigen.
1908 Östlich von Lüderitzbucht werden Diamanten gefunden. Binnen eines Vierteljahres werden 40.000 Karat im Wert von 1,1 Mio. Reichsmark gefördert. Die bis dahin defizitäre Kolonie wird über Nacht höchst profitabel.
1915 Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges kapitulieren die deutschen Schutztruppen in Südwest.
1917 Noch unter der militärischen Übergangsregierung kommt das Oberhaupt der Kwanyama-Ovambo im Norden des Landes, Mandume Ndemufayo, in Konflikt mit den portugiesischen und britisch-südafrikanischen Kolonialherren. Er erkennt die Grenze zwischen Angola und Namibia nicht an, da sie sein Volk trennt. Er kommt bei einem Gefecht mit den Südafrikanern um.

Die Mandatszeit
1920 bis 1922 Der Völkerbund überträgt der britischen Krone die Verantwortung für Namibia. Diese beauftragt Südafrika mit der Verwaltung des Mandats.
1925 Das Mandat sieht eine schrittweise Überführung Namibias in die Unabhängigkeit vor. Es werden jedoch keine Schritte in diese Richtung unternommen. So kommt es zu Aufständen der Bondelswarts und der Rehobother.
1934 Entgegen den Bestimmungen des Mandats spricht sich der "weiße Landesrat" für den Anschluss Namibias als fünfte Provinz an Südafrika aus.
1946 Die Vereinten Nationen übernehmen die Mandatskommission des aufgelösten Völkerbundes. Südafrika weigert sich jedoch, den Treuhandvertrag für Namibia anzuerkennen.
1949 Stattessen werden nach der Machtübernahme der Nationalpartei in Südafrika 1948 neue politische Strukturen für die weiße Siedlerschaft geschaffen, die eine engere Angliederung an den Apartheidstaat bedeutet.
1954 Die "Eingeborenenangelegenheiten" werden in die unmittelbare Verantwortlichkeit der südafrikanischen Regierung gestellt.

Vom Widerstand zur Unabängigkeit
1959 Südafrika führt schrittweise die Politik der "getrennten Entwicklung" auch in Namibia ein. Bei der Zwangsauflösung der Alten Werft in Windhoek und der Umsiedlung der Bewohner in das nach Ethnien getrennte Ghetto Katutura kommt es zu einem Blutbad. Das Ereignis löst eine neue Phase des Widerstandes aus.
1960 Kontraktarbeiter vor allem aus dem Ovamboland gründen die nationale South West African People´s Organisation, Swapo, ursprünglich unter dem Namen Ovamboland People´s Organisation, OPO. Sie ist kurze Zeit Mitglied im Bündnis South West African National Union, Swanu, verlässt das Bündnis jedoch wegen deren unentschiedener Haltung. Meinungsverschiedenheiten gibt es vor allem in der Frage, ob man auch einen bewaffneten Widerstand vorbereiten solle. Die Swanu lehnt eine solche Option ab.
1962 bis 1964 Südafrika beruft die Odendaal-Kommission ein. Sie soll die Weichen für eine "Bantustanisierung" Namibias stellen, d.h. eine klare Trennung zwischen weißem Territorium und einzelnen Stammesgebieten in eigener Verantwortung. Dieses Programm kommt - anders als in Südafrika - über Ansätze nie hinaus und wird stillschweigend fallen gelassen.
1966 Die Vereinten Nationen erklären die südafrikanische Mandatsherrschaft für beendet.
Die Swapo nimmt den bewaffneten Kampf auf. Im August kommt es zum ersten Gefecht.
1969 Mit einer weiteren Reduzierung der Machtbefugnisse der weißen Siedler wird Namibia faktisch fünfte Provinz Südafrikas.
1971 Der Internationale Gerichtshof in Den Haag bestätigt die Unrechtmäßigkeit der südafrikanischen Okkupation Namibias. Alle Lösungsversuche der Namibiafrage ohne Vermittlung der Vereinten Nationen werden für illegal erklärt. Zwei Jahre später wird die Swapo von den Vereinten Nationen als authentische Vertretung des namibischen Volkes anerkannt.
1977 Südafrika sucht die Kontrolle zu behalten und betreibt eine interne Lösung unter Ausschluß der Vereinten Nationen. Die Regierung in Pretoria setzt einen Prozess in Gang, dessen Ziel es ist, gemäßigte Kräfte im Lande politisch zu fördern und als zukünftige Regierungsverantwortliche aufzubauen, um dadurch den vom Exil aus operierenden radikalen Befreiungsbewegungen eine Alternative entgegenzusetzen. Die für eine Übergangsregierung durchgeführten Wahlen werden international nicht anerkannt.
1978

Eine sog. Kontaktgruppe aus fünf westlichen Staaten, darunter der Bundesrepublik Deutschland, sucht Wege einer internationalen Lösung. Plattform wird die Resolution 435 der Vereinten Nationen, die Wahlen unter internationaler Aufsicht vorsieht. Südafrika stimmt der Resolution zu, versteht es jedoch, sich der Umsetzung zu entziehen. Als wichtigstes Argument führt Südafrika dabei die kubanische Präsenz in Angola an.

Im Mai 1978 überfallen südafrikanische Truppen das namibische Flüchtlingslager Cassinga in Angola. Über 600 Menschen werden getötet. Damit wird eine internationale Lösung für ein Jahrzehnt blockiert.

1989 Das Ende des West-Ost-Konfliktes und die schweren Niederlagen der südafrikanischen Truppen in Südangola machen den Weg für eine internationale Lösung der Namibiafrage nach der Resolution 435 frei. Am 1. April tritt der Waffenstillstand in Kraft. Bei den Wahlen zur Verfassunggebenden Versammlung im November wird die Swapo die stärkste Kraft.

Die Unabhängigkeit
23. März 1990 Namibia wird offiziell unabhängig. Der Präsident der Verfassunggebenden Versammlung, Sam Nujoma, wird erster Staatspräsident. Die Swapo war mit absoluter Mehrheit in die Verfassunggebende Versammlung gewählt worden und stellt nun als stärkste Partei die Regierung.
1992 Der Hochsee-Hafen Walvis Bay wird von Südafrika an Namibia übergeben.
1993 Namibia führt eine eigene Währung ein, den Namibia-Dollar. Er bleibt an den südafrikanischen Rand gekoppelt.
1994 Bei den Wahlen legt die Swapo zu und gewinnt mehr als zwei Drittel der Mandate. Damit sind Verfassungsänderungen aus eigener Mehrheit möglich.
1998 Erste Änderungen der Verfassung werden mit Hinblick auf die Begrenzung der Amtszeit des Präsidenten auf zwei Perioden überlegt. Die Verfassung wird schließlich dahingehend ergänzt, dass ausschließlich dem Präsidenten Nujoma eine weitere Kandidatur gestattet wird. Die Ergänzung wird damit begründet, dass Nujoma seine erste Amtszeit auf Beschluss der Verfassunggebenden Versammlung angetreten und sein Amt nicht durch Präsidentschaftswahlen gewonnen hat.
1999 Bei den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen baut die Swapo ihren Vorsprung auf knapp 75% aus. Erstmals hat sich mit dem Congress of Democrats (CoD) eine Oppositionspartei den Wahlen gestellt, die nicht mit dem alten südafrikanischen Regime in Verbindung gebracht werden kann. Ihre Mitglieder rekrutieren sich zu einem erheblichen Teil aus enttäuschten Mitgliedern der Swapo, die sich nicht mit dem zunehmend autoritären Stil der Swapo-Führung abfinden wollen.
2002 Im Dezember lässt Nujoma bekannt geben, dass er - anders, als er lange angedeutet hatte - die Verfassung respektieren werde und für eine weitere Amtszeit nicht zur Verfügung steht.
2003

Im März einigen sich Namibia und Botswana auf den Grenzverlauf an den Flüssen Kwando, Linyabti und Chobe im Ost-Caprivi.

Im Oktober beginn der Prozess gegen hundertmutmaßliche Mitglieder der Caprivi Liberation Army. Ihnen wird vorgeworfen, 199 einen bewaffneten Sezessionsversuch unternommen zu haben. Von den damals Verhafteten waren bereits elf im Gefängnis verstorben. Der Prozess wurde auch nach zehn Jahren noch nicht abgeschlossen.

2004

Zwei Ereignisse bestimmen das Jahr: Die Wahlen im November, zu denen Sam Nujoma nicht mehr als Präsidentschaftskandidat antreten konnte, und das 100. Gedenkjahr der Vernichtung der Herero.

Am August bittet die deutsche Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul in Ohamakari, dem Ort der letzten Schlacht, die Herero um Entschuldigung für die Verbrechen der Kolonialtruppen. Sie nennt sie einen Genozid, wenn auch mit der Einschränkung „nach unserem heutigen Verständnis". Wiedergutmachungszahlungen werden weiterhin abgelehnt.

Bei den Wahlen Ende November können sich die Swapo wie Hifikepunye Pohamba wie erwartet durchsetzen und erziehlen über drei Viertel der Stimmen.

2005

Im März wird Hifikepunye Pohamba als Staatspräsident vereidigt, und die neue Regierung nimmt die Amtsgeschäfte auf. Kurz zuvor werden die Wahlergebnisse nach einer vom Obersten Gerichtshof angeordneten Neuauszählung bestätigt.

In seiner Antrittsrede sagt Pohamba der Korruption den Kampf an. Im Rahmen der Korruptionsbekämpfung muss im November der stellvertretende Minister für Arbeit und Kommunikation den Hut nehmen. Der Opposition, die von Sam Nujoma geschnitten wurde, bietet Pohamba eine faire Zusammenarbeit an.

Im September wird die erste kommerzielle Farm gegen Entschädigung enteignet. Juristen bemängeln die unklare gesetzliche Grundlage.

Die Irritationen über die Aufarbeitung der deutsch-namibischen Vergangenheit halten an. Entwicklungsministerin Wieczorek-Zeul kündigt im Mai eine Sonderinitiative – auch Versöhnungsinitiative genannt – an. Sie soll mit 20 Mio. Euro außerhalb der Entwicklungshilfe ausgestattet werden und vor allem Herero, Nama und Damara zugute kommen, die am ärgsten unter der deutschen Kolonialherrschaft gelitten hatten. Bei seinem Antrittsbesuch in Berlin im November wird Staatspräsident Pohamba der fertige Vertrag zur Unterschrift vorgelegt. Er weigert sich jedoch zu unterschreiben, da seine Regierung entgegen zwischenstaatlichen Gepflogenheiten zur Gestaltung des Vertrages nicht hinzugezogen worden ist.

2006

Wie überall auf dem Kontinent beginnt auch in Namibia China zu investieren und Handelsverträge abzuschließen. Der namibische Arbeitsminister beklagt sich jedoch, dass chinesische Unternehmen nicht die Arbeitsgesetze des Landes zu Mindestlöhnen, Arbeitszeiten und Urlaub sowie Feiertag respektieren.

2007

Die Links-Fraktion bringt im Juni im deutschen Bundestag einen Antrag auf Entschädigung ein. Er wird von den Regierungsparteien abgelehnt, aber auch den anderen Oppositionsparteien nicht unterstützt.

Die deutsch-namibische Versöhnungsinitiative, 2004 angestoßen durch die Bundesentwicklungsministerin, wird im Herbst umgesetzt. Im Zuge der jüngsten Regierungsverhandlungen stellt das BMZ 20 Millionen Euro bereit, die speziell der Verbesserung der Lebensbedingungen derjenigen Volksgruppen dienen, die vor 100 Jahren unter der deutschen Kolonialherrschaft besonders zu leiden hatten.

Sam Nujoma zieht sich aus der Politik zurück. Der erste Präsident und „Vater der Nation" hat den Delegierten des Parteikongresses der Swapo seinen Rücktritt als Präsident der Partei erklärt. Präsident Hifikepunye Pohamba wird auch Parteivorsitzender werden.

Im November wird eine neue Partei gegründet. Der ehemalige Außenminister Hidipo Hamutenya ist aus der Partei ausgetreten und hat sein Parlamentsmandat niedergelegt. Er gründet eine neue Partei, Rally for Democracy and Progress (RDP). Er zieht zur Beunruhigung der Swapo viele Anhänger herüber.

2008

Auch der 1999 gegründete CoD spaltet sich. Nach Querelen bei den Vorstandswahlen gründet eine Fraktion die All Peoples Party (APP).

Nach Dürre und anschließenden Überschwemmungen hat Präsident Pohamba in vier Nordregionen den Notstand ausgerufen und solidarische Hilfe erbeten. Dazu hat er sowohl die namibische Gesellschaft als auch internationale Partner angesprochen.

2009

Die Wahlen im Dezember bestätigten Pohamba und die Swapo mit etwa drei Vierteln der Stimmen. Die Oppositionsparteien reklamieren Unregelmäßigkeiten und werfen den Wahlsiegern Wahlfälschung vor.

2010

Auch eine gerichtlich angeordnete Neuauszühlung der Stimmen der Wahlen von 2009 bringt die Kritiker nicht zum Verstummen. Der Streit kann erst ein Jahr später juristisch beigelegt werden.

2011

Der Oberste Gerichtshof weist im Februar die Klagen von neun Oppositionsparteien wegen Wahlfälschung 2009 endgültig zurück.

Im Oktober trifft eine hochrangige Delegation von Regierungsmitgliedern und traditionellen Würdenträgern in Berlin ein, um in den Asservaten der Charité gelagerte Schädel in Ehren nach Namibia zurückzuführen. Diese Schädel wurden von den deutschen Kolonialherren an verschiedene Institute in Deutschland versandt, wo sie zur „Rassenforschung" dienen sollten. Die Herausgabe wird von Namibia schon seit Jahren verlangt. Die Versöhnungsgeste endet aufgrund von Nichtachtung seitens der deutschen Regierung mit einem Eklat.

2012

Im März lehnt die Bundesregierung Anträge der Opposition ab, den Kolonialkrieg gegen die Hereros als Völkermord anzuerkennen.

Im Juli macht eine Sensationsmeldung die Runde: In 200 Metern Tiefe wurde ein Süßwassersee mit 5 Mrd. Kubikmetern entdeckt. Er könnte für 400 Jahre den Wasserbedarf Namibias decken. Experten warnen jedoch, es fehle noch an einer Technik, das Wasser sicher zu fördern, ohne das Reservoir nachhaltig zu verunreinigen.

Im Dezember stellt ein Parteitag der Swapo Weichen für die Kandidatur des nächsten Staatspräsident. Hifikepunye Pohamba kann nach zwei Amtsperioden nicht mehr anteten. Auf seine Empfehlung hin wird sein Stellvertreter Hage Geingob als Vizepräsident der Partei bestätigt. Er hat damit beste Aussichten, für die Wahlen Ende 2014 zum Kandidaten für das Amt des Staatspräsidenten nominiert zu werden.

Nach seiner Wahl ernennt Pohamba Geingob umgehend zum Premierminister. Die Wahl Geingobs wird allgemein begrüßt. Sie könnte eine neue Ära einläuten, in der mit den Wahlen Ende 2014 wahrscheinlich erstmals jemand aus einer ethnisch-regionalen Minderheit das höchste Amt im Staate bekleiden wird. Er kann dabei auf ein jetzt schon konsolidiertes Team bauen.

2013

Viele Farmer haben bereits Ende Januar ihre Maisernte der Saison 2012/13 abgeschrieben. Es wird die schwerste Dürre seit dreißig Jahren. Etwa ein Drittel der Bevölkerung, 600.000 Menschen, sind davon direkt betroffen. Die Regierung fordert Nahrungsmittelhilfe an. Ab August werden damit über 470.000 Menschen versorgt. Die Knappheit aufgrund der Dürre wird sich bis März 2014 auswirken, vorausgesetzt, dass die Regenzeit der neuen Saison durchschnittliche Niederschläge beschert.

In Namibia steigt seit der Unabhängigkeit die Nachfrage nach Strom rasant an. Das Land ist in hohem Maße abhängig von Stromimporten. Sie kommen in erster Linie aus Südafrika. In den letzten Jahren wurden auch Kontingente aus Simbabwe und Sambia aufgeschaltet. Der Ausbau des Wasserkraftwerks von Ruacana am Kunene hat keine nennenswerte Entlastung gebracht. Bisher verfolgte die Regierung konkurrierende Pläne zur Ausweitung einer eigenen Stromproduktion und blockierte so konkrete Maßnahmen. Ein großes Wasserkraftwerk am Kunene war im Gespräch, der Neubau von Kohlekraftwerken und selbst der Bau eines Atomkraftwerkes wurde diskutiert. Die Regierung will sich nun auf ein Gaskraftwerk an der Mündung des Oranje konzentrieren. Vor der Küste liegt ein ergiebiges Gasfeld, das die Turbinen für mehr als 25 Jahre mit der nötigen energie versorgen und Stromimporte überflüssig machen könnte. Ein Teil des Gases könnte zudem verflüssigt und in die südafrikanische Provinz Westkap exportiert werden, wo eine hohe Nachfrage besteht.

Der Ausbau erneuerbarer Energien steckt noch in den Kinderschuhen. Namibia ist reich an Sonne und Wind. Es gibt zwar Insellösungen wie im abgelegenen Ort Tsumkwe oder einzelne zuschaltbare Photovoltaikanlagen in anderen Orten. Ansonsten bleibt die Erzeugung alternativer Energie privaten Anlegern auf Farmen und Tourismuseinrichtungen überlassen. Einem größeren Ausbau stehen nach Angaben des Energieministeriums Bürokratie und unzureichende Gesetzgebung im Wege.

Im August gibt Staatspräsident Pohamba eine Reihe von Namensänderungen von Regionen und Orten bekannt. Er kommt damit einer Empfehlung der Delimination Commission der nationalen Wahlkommission nach. Die Kommission hatte den Auftrag, im Hinblick auf die Wahlen 2014 den Zuschnitt der Regionen und Wahlkreise zu überprüfen. Die Region Kavango wir in einen Ost- und Westteil aufgeteilt, Namen anderer Regionen werden geändert: Die Regionen Karas und Khomas werden nun !Karas und //Khomas geschrieben. Damit wird orthographisch der Ursprung der Namen aus dem Khoekhoegowab berücksichtigt. Einen neuen Namen erhält die Region Caprivi, benannt nach den kaiserlichen Reichskanzler Leopold von Caprivi (siehe 1890). Sie heißt jetzt Zambezi. Eine solche „Entkolonisierung“ im Namen erfahren auch die Orte Schuckmannsburg im äußersten Nordosten, jetzt Luhonono, und Steinhausen in der Omaheke, jetzt Okarukambe. Der Wahlkreis Lüderitzbucht (vgl. 1983) heißt nun !Nami#Nus – der Nama-Name bedeutet „Ort zum Niederlassen“.

Der Umgang Deutschlands mit dem kolonialen Erbe bleibt ein leidiges Thema. Namibia fordert eine Anerkennung der Vernichtung von Herero und Nama als Völkermord und eine Entschuldigung des deutschen Souveräns – Bundespräsident, Bundestag oder Regierung. Der Entschuldigung müsse eine materielle Wiedergutmachung folgen. Die deutsche Seite bleibt stur. Im Januar belehrt der deutsche Botschafter Premier Geingob, die Forderung nach Reparationen sei dem deutsch-namibischen Verhältnis abträglich. Geongob weist den Ratschlag als deplatzierte Bevormundung zurück. Die namibischen Medien – mit Ausnahme der deutschsprachigen Allgemeinen Zeitung – empören sich und kritisieren die Einlassungen des Botschafters als Herrenmenschentum. Im Oktober machen namibische Delegierte aus Parlament und Genozidkomitee auf einer panafrikanischen Konferenz in München erneut auf den Skandal aufmerksam. Deutschland müsse sich seiner Verantwortung stellen und die Taten der Schutztruppen als Völkermord anerkennen, sich entschuldigen und Reparationen leisten. Die deutsche Seite zeige geradezu einen Widerwillen, diesen Forderungen nachzukommen.

2014

Im November stehen Wahlen für die Nationalversammlung und einen neuen Staatspräsidenten an. Der jetzige Amtsinhaber Hifikepunye Pohamba kann nach zwei Amtsperioden kein drittes Mal antreten.

Eine chinesische Firma übernimmt nach den finanziellen Schwierigkeiten den Uranbergbau Langer Heinrich. Die steigende Nachfrage in asiatischen Ländern wie China und Indien, aber auch in Japan, wird die Nachfrage wieder steigen lassen. Nach der Fukushima-Katastrophe war sie stark gefallen, sodass die Preise kaum noch die Produktionskosten gedeckt haben.

Am 2. Juni ist Kuaima Riruako im Alter von 79 Jahren gestorben. Er war Paramount-Chief der Herero, Abgeordneter und Präsident der Nudo (National Unity Democratic Organisation) und hartnäckiger Widerpart bundesdeutscher Regierungen. Sein Leben lang versuchte er eine Entschuldigung des deutschen Souveräns (Bundespräsident oder Bundestag) für den Genozid der kaiserlichen Truppen an den Herero sowie eine Wiedergutmachung zu erwirken, wurde jedoch fast ausschließlich enttäuscht.

Am 28. November werden das Parlament und der Staatspräsident neu gewählt. Die Wahlen verlaufen friedlich und größtenteils fair, die Wahlbeteiligung liegt bei 72 Prozent. Die regierende Swapo kan mit 80 Prozent der Stimmen ihre bisherige knappe Dreiviertelmehrheit weiter ausbauen. Mit 86,67 Prozent erhält ihr Kandidat für das Präsidentenamt, Hage Geingob, deutlich mehr Stimmen als seine Vorgänger. Mit ihrer Mehrheit kann die Swapo ihre Regierungsgeschäfte weiterführen und – wie schon zuvor – Verfassungsänderungen durchsetzen. Davon ausgenommen ist der Grundrechtekatalog, der durch keine Mehrheit außer Kraft gesetzt werden kann.

2015

Für die 46.000 Hausangestellten (71 % davon Frauen) soll es in Zukunft einen Mindestlohn geben. Viele arbeiten ohne Arbeitsvertrag und bekommen daher weniger als 1.000 N-Dollar (ca. 75 Euro) im Monat. Der Mindestlohn schreibt ein monatliches Gehalt von mindestens 1.218 N-Dollar (100 Euro) bei einer Vollzeitbeschäftigung vor.

Seit März hat Namibia neben dem Staatspräsidenten und dem Premierminister zusätzlich einen Vizepräsidenten und einen stellvertretenden Premierminister sowie 25 Minister mit jeweils einer Vertretung. Die Exekutive umfasst daher insgesamt 25 Ministerien mit 60 Ministern (teilweise zwei stellvertretende Minister pro Ministerium). Da jeder Minister einen Sitz der 104 Parlamentssitze innehat, haben sie dort die Mehrheit und kontrollieren faktisch die Legislative.

Am 21. März feiert Namibia seinen 25. Unabhängigkeitstag. Präsident Hifikepunye Pohamba, der nach seiner zweiten Amtszeit in Ruhestand geht, übergab die Macht an Dr. Hage Geingob.

Am 14. September werden Urteile im Hochverratsprozess gegen Personen verkündet, die wegen staatsfeindlicher Handlungen, Einsatz von Waffengewalt, versuchten Mordes und diverser weiterer Anklagepunkte angeklagt waren. Der Prozess zieht sich bereits über Jahre hin. Während der langen Untersuchungshaft sind 22 der ursprünglichen 123 Gefangenen verstorben. Menschenrechtler kritisierten Folter und die Inhaftierung von Personen aufgrund ihrer vermuteten politischen Gesinnung und ethnischen Zugehörigkeiten.

Bei den fünften Kommunal- und Regionalwahlen seit der Unabhängigkeit am 27. November gewinnen bei den Regionalwahlen landesweit die Swapo-Kandidaten, da die Oppositionsparteien nicht überall antraten. Auf kommunaler Ebene siegen sie in 54 der 57 Gemeinden.

Auf Empfehlung der Regierungspartei Swapo kündigt Namibia seine Mitgliedschaft beim Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag (IstGH/ICC). Es wirft dem ICC vor, sich in nationale Angelegenheiten einzumischen.

2016

Bei der ersten Parlamentssitzung im Jahr 2016 erklärt Präsident Geingob die Umsetzung seiner Politik. Vierzig Anträge auf Gesetzesnovellen und -änderungen werden gestellt, unter anderem den Staatshaushalt und neue Gesetzesgrundlagen zur verbindlichen Förderung schwarzer Wirtschaftsbeteiligung betreffend. Über die Einführung des landesweiten Grundeinkommens wird noch diskutiert. Die hohen Personalkosten für Staatsbedienstete sollen reduziert werden.

Durch den Bau einer nordkoreanischen Munitionsfabrik in der Hauptstadt Windhoek hat Namibia nicht gegen die UN-Sanktionen gegen Nordkorea verstoßen. Da der Bau bereits 2005 begann, also vor den Sanktionen, und die Kugeln ausschließlich in Namibia verwendet werden, habe das Land nicht gegen den Sicherheitsrat verstoßen, erklärt der Außenminister Netumbo.

Ende Juni ruft Präsident Geingob aufgrund der schweren Dürre im Land den nationalen Notstand aus. In deren Folge sind die Preise für Grundnahrungsmittel stark gestiegen, Landarbeiter haben ihre Arbeit verloren und Steuereinnahmen aus der Landwirtschaft sind gesunken. Hilfsgelder werden bereitgestellt, um die schwersten Folgen der Dürre zu lindern und etwa das Rindersterben zu stoppen und die Produktionseinbußen der Farmer abzufedern. Auch Wildtiere in den Nationalparks sollen von den Geldern Zusatzfutter erhalten, um die Dürre zu überleben. Bereits 2015 wurde ein Dürrehilfsprogramm aufgesetzt, das aktuelle Programm gilt bis März 2017.

Im September kommt es zu landesweiten Streiks der Lehrergewerkschaft Nantu, an denen über 95 Prozent aller Lehrer an den öffentlichen Schulen teilnehmen. Sie fordern eine Gehaltserhöhung von 8 Prozent, was die Regierung mit Blick auf das Dürrehilfsprogramm als unfinanzierbar zurückweist.

Ebenfalls im September stellt Umweltminister Teofilus Nghitila ein Unbedenklichkeitszertifikat für den marinen Phosphatabbau aus, was einer Genehmigung der Förderung vor Namibias Küste gleichkommt. Nach heftiger Kritik auch aus Reihen des Kabinetts wegen möglicher Schäden für Ökologie und Fischerei in den Küstengebieten wird die Genehmigung vorerst annuliert.

2017

Am 9. Juni stirbt der Mitbegründer der Swapo, Andimba Herman Toivo Ya Toivo, im Alter von 93 Jahren in seiner Wohnung in Windhoek. Der Freund und Weggefährte Nelson Mandelas entging als Kämpfer gegen die Apartheid und die völkerrechtswidrige Besatzung seines Landes durch Südafrika der Todesstrafe nur durch internationalen Druck und saß für seine Überzeugungen 18 Jahre lang auf Robben Island in Haft.

Es kommt zu Protesten der beiden Gewerkschaften NUNW (National Union of Namibian Workers) und der MUN (Mineworkers Union of Namibia), nachdem Pläne des Bergbauunternehmens Skorpion Zinc Mine bekannt wurden, Teile seiner Arbeit an das südafrikanische Unternehmen Basil Read auszulagern.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) bekennt sich erstmals zu den Verbrechen der Kirche in Namibia zur Kolonialzeit. In einer Erklärung im April bekennt sich die EDK „vor dem gesamten namibischen Volk und vor Gott zu dieser Schuld" und bittet die Nachfahren der Opfer um Vergebung.

Präsident Geingob kündigt eine Investition von 12,5 Mrd. US-Dollar in Krankenhäuser sowie in die Energie- und Wasserinfrastruktur an. Auch der Abbau von marinem Phosphat wurde nach jahrelangem Streit und trotz großer Kritik von Umweltschützern und Fischereiverbänden schließlich freigegeben. Die namibische Firma „Namibian Marine Phosphat" hat für 20 Jahre eine Schürflizenz erhalten und will jährlich 5,5 Mio. t Phosphat fördern.

2018

Der französische Konzern PSA baut ein Montagewerk seiner Tochter Opel im namibischen Walvis Bay, hierdurch sollen 50 direkte und 200 indirekte Arbeitsplätze entstehen.

Infolge der geringen Niederschläge hat die Hauptstadt Windhoek erneut eine Wasserkrise ausgerufen und hält Unternehmen an, Wasser zu sparen. Die drei umliegenden Staudämme, aus denen Windhoek sein Wasser bezieht, sind dem Wasserversorger NamWater zufolge nur noch zu knapp 30 Prozent gefüllt.

Ende August gibt Deutschland zum dritten Mal Gebeine von Opfern des Völkermords an den Herero und Nama zurück. Bereits 2011 und 2014 hatte Deutschland menschliche Gebeine an Namibia zurückgegeben. Vertreter der Opfer des Völkermords am Anfang des 20 Jahrhundert haben die Bundesrepublik vor einem Gericht in den USA verklagt und verlangen finanzielle Wiedergutmachung.

Im November bringt Justizminister Sacky Shanghala einen Gesetzentwurf ein, um 144 Gesetze aufzuheben, die aus der Zeit der Kolonialisierung und der Apartheid (1915-1992) stammen.

Die Regierung von Präsident Geingob erwägt eine Abkopplung des namibischen Dollars (NAD) vom Kurs des südafrikanischen Rands (ZAR). Die Bindung an die südafrikanische Währung besteht seit 25 Jahren, nachdem der Rand infolge des Handelskonflikts zwischen China und den USA im Vergleich zum US-Dollar ca. 14 Prozent verloren hatte. Eine Veränderung stünde zwar nicht unmittelbar bevor, da Namibia sich gerade erst von seiner ersten Rezession seit 14 Jahren erholt, doch die gesamte wirtschaftliche Integration mit Südafrika einschließlich Zollunion werde derzeit überprüft, äußerte sich Finanzminister Calle Schlettwein.

2019

Die namibische Regierung hat die Abgabe neugeborener Kinder an dafür ausgewiesene Stellen wie Polizeiwachen und Krankenhäuser entkriminalisiert. Abtreibungen sind aber weiterhin strafbar, außer nach Vergewaltigung und bei Lebensgefahr für die Mutter.

Nach 126 Jahren werden die Familienbibel und Peitsche des Nama-Anführers Hendrik Witbooi wieder an den Staat Namibia übegeben. Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer übergibt die im Jahr 1893 von deutschen Truppen erbeuteten Gegenstände am 28. Februar persönlich an Namibias Präsident Hage Geingob.

Namibias Lehrer und Staatsangestellte wollen neun Prozent mehr Lohn und eine zehnprozentige Erhöhung des Wohngeldes für dieses Haushaltsjahr. Die Lehrergewerkschaft Namibia National Teachers Union und die Namibia Public Workers Union, die zusammen 100.000 Staatsangestellte vertreten, wenden sich im April zur Schlichtung an die Arbeitskommission, nachdem ihre Forderungen nach einer Gehaltserhöhung für die nächsten drei Jahre nicht erfüllt wurden. Die Regierung lehnt angesichts der Witschaftskrise und Dürre im Land ihre Forderungen ab.

Laut dem Anfang Mai von Reporter ohne Grenzen herausgegebenen neusten Pressefreiheitsindex erfreut sich Namibia der freisten Presse Afrikas. Weltweit rangiert es auf einem guten 23. Platz von 180 Ländern, ein Rang, den im Vorjahr noch Ghana (jetzt 27.) belegt hatte. Präsident Hage Geingob verspricht noch für dieses Jahr die Verabschiedung eines Gesetzes zum Informationszugang. Ein solches Gesetz ist längst überfällig. Es würde zu mehr Transparenz und einer gesteigerten Rechenschaftspflicht der Regierung führen.

Nach den Ergebnissen einer dreimonatigen Auswertung von Daten der Bergwerkskammer Namibias, von Haushaltsdokumenten und Jahresberichten der Bergbaukonzerne hängt Namibia stark von einem einzigen Unternehmen ab, um seine hochverschuldete Staatskasse zu finanzieren. NamDeb Holdings, ein Diamanten-Konsortium, an dem die namibische Regierung und der südafrikanische De Beers-Konzern jeweils 50 Prozent Anteile halten, trägt zu rund 95 Prozent der Körperschaftssteuer in Höhe von 11 Mrd. NAD bei. Die übrigen Bergbaukonzerne zahlen dagegen kaum oder gar keine Steuern.

Über 850 Namibierinnen und Namibier, die als Flüchtlinge in Botswana gelebt haben, sollen nach Namibia abgeschoben werden. Botswana hat ihren Flüchtlingsstatus aufgehoben, nachdem ein Berufungsgericht in einem Urteil vom Juli 2019 die namibischen Staatsbürger im Dukwi-Flüchtlingslager in Botswana für illegale Einwanderer erklärt hat. Die meisten Flüchtlinge sind Mitglieder der in Namibia verbotenen United Democratic Party. Sie waren 1999 nach einem sezessionistischen Versuch, den nord-östlichen Caprivi-Zipfel, der seit 2013 zur Sambesi-Region gehört, von Namibia abzutrennen, ins benachbarte Botswana geflohen und hatten sich dort im Dukwi-Flüchtlingslager niedergelassen.

Nach einer Serie von Dürrejahren, den schlimmsten der vergangenen Jahrzehnte, ruft Präsident Geingbob Anfang Mai und erneut im September den Notstand aus. Große Teile von Nord-Namibia, Süd-Angola, Nord- und Süd-Botswana, Nord-West-Südafrika, Süd- und West-Sambia und Nord-West-Simbabwe haben die niedrigsten saisonalen Niederschlagsmengen seit mindestens 1981, als regionale, vergleichbare Aufzeichnungen begannen. Zwischen Oktober 2018 und April 2019, der sonst üblichen Regenzeit, sind wegen verspäteten und spärlichen Regenfalls über 30.000 Rinder in Namibia verendet. Die Dürre hat zu verringerten Anbau- und Weideflächen geführt, was sich auch auf die Tierproduktion auswirkt. Angesichts der katastrophalen Lage hat der deutsche Entwicklungsminister 10 Mio. Euro an Unterstützung zugesagt. Das Geld soll für neues Saatgut, für den Bau von Brunnen und für die Umschulung der Bauern in alternativen Anbaumethoden gebraucht werden.

Die Ratingagentur Fitch Ratings hat die Kreditwürdigkeit Namibias erneut herabgestuft. In einer Erklärung von Anfang Oktober heißt es, ohne eine Rückkehr zu wirtschaftlicher Erholung würden sich das Wirtschaftswachstum und der Staatshaushalt weiter verschlechtern. Bereits im Februar 2019 hatte die Ratingagentur Namibias Wirtschaft wegen des Risikos, seine Schulden nicht mehr bedienen zu können, von stabil auf negativ herabgestuft.

Bei den Wahlen am 27. November büßt die regierende Swapo mit 65 Prozent der Stimmen und 63 Sitzen ihre Zweidrittelmehrheit im Parlament ein. Nachdem die Swapo mit 80 Prozent der Stimmen bislang ein De-facto-Monopol in der National Assembly hatte, muss sie nun den Verlust von 14 Mandaten in Kauf nehmen. Hingegen steigen die Mandate für die insgesamt zehn nunmehr im Parlament vertretenen Oppositionsparteien von 19 auf 33. Überraschungsgewinner ist dabei die zur Popular Democratic Movement (PDM) umbenannte frühere Demokratische Turnhallen-Allianz (DTA), die ihren Anteil als größte Oppositionspartei mit 16,65 Prozent von fünf auf 16 Sitze mehr als verdreifachen konnte. Die neu gegründete Landless People's Movement (LPM) verbucht mit 4,75 Prozent erwartungsgemäß die meiste Unterstützung unter den Nama in den südlichsten Landesteilen, bleibt mit vier Mandaten aber als drittstärkste Kraft hinter den gehegten Erwartungen.

Bei den gleichzeitig abgehaltenen Präsidentschaftswahlen erhält Hage Geingob einen heftigen Dämpfer. Seine Wiederwahl erfolgt mit 56,25 Prozent der Stimmen – mehr als einem Drittel weniger als vor fünf Jahren. Damit erhält erstmals der Präsidentschaftskandidat weniger Stimmen als die Partei. Konkurrent Panduleni Ithula erreicht mit 30 Prozent einen Achtungserfolg. Er nutzte eine Lücke im Wahlgesetz, um trotz seiner Swapo-Mitgliedschaft als „unabhängiger" Bewerber anzutreten.

Der langjährige Fischereiminister Bernhard Esau und sein Kabinettskollege, Justizminister Sakeus Shangala, sind seit Ende November Untersuchungshaft. Ihnen wird vorgeworfen, Schmiergelder in Millionenhöhe eines isländischen Fischereiunternehmens entgegengenommen zu haben. Der als „Fishrot-Affäre" bekannte Korruptionsfall wurde durch mehr als 30.000 veröffentlichte Dokumente über die Plattform WikiLeaks bekannt. Auf Druck von Präsident Geingob treten beide Kabinettsmitglieder nur einen Tag nach der Veröffentlichung am 13. November zurück.

2020

Nachdem Oppositionsführer Panduleni Ithula das Ergebnis der Wahlen von November 2019 angefochten hatte, entscheidet das Verfassungsgericht am Februar, dass die elektronische Stimmabgabe ohne Ausdruck eines Belegs gegen das Wahlgesetz und damit gegen die Verfassung verstieß. Doch das Wahlergebnis wird nicht in Zweifel gezogen und eine Wiederholung der Präsidentschaftswahl verworfen. Öffentliche Proteste der Itula-Anhängerschaft fordern Geingob dennoch zum Rücktritt auf. Am 20. März entledigt sich die Swapo des internen Opponenten durch dessen Parteiausschluss.

Die Behörden Namibias beschlagnahmen Mitte Februar im Zuge der Ermittlungen um den Fishrot-Bestechungsskandal das Schiff „Heinaste" des isländischen Unternehmens Samherji. Dessen Interims-CEO Björgólfur Jóhannsson kündigt rechtliche Schritte dagegen an. Zwei Wochen später ziehen die Isländer aus eigenem Antrieb ein weiteres Schiff aus dem Verkehr. Die offizielle Begründung lautet, die „Saga" würde lediglich zu Reparaturarbeiten auf die Kanarischen Inseln gebracht, doch die 120 Besatzungsmitglieder des Kutters fürchten um ihre Arbeitsplätze und schalten die Gewerkschaft Nafau ein, die auf Gespräche mit Samherji gedrängt hatte. Das Unternehmen gibt an, zuletzt keine Fangerlaubnis mehr durch das Fischereiministerium erhalten zu haben und sich aus Namibia zurückzuziehen. Das Schiff solle jedoch zurückkehren und gemeinsam mit der Crew durch das namibische Unternehmen Tunacor übernommen werden, worum man Tunacor gebeten habe.

Am 14. März werden erste Covid-19-Fälle durch ein Paar aus Rumänien entdeckt. Flüge von und nach Katar, Äthiopien und Deutschland werden für 30 Tage untersagt. Am 17. März ruft Präsident Geingob wegen der Corona-Pandemie den nationalen Notstand aus. Veranstaltung ab 50 Personen sind untersagt. Für die Regionen Komas und Erongo tritt am 27. März eine 21-tägige Ausgangssperre in Kraft.

Percival Mensah, ehemaliges Besatzungsmitglied von Air Namibia, der 2016 versuchte, fast 10 Kilogramm Heroin im Wert von fünf Mio. Nam-Dollar von Namibia nach Deutschland zu schmuggeln, wird am 19. März vom Landgericht in Windhoek zu 10 Jahren Gefängnis wegen Besitzes von abhängigkeitsproduzierenden Drogen verurteilt, von denen fünf Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden. Das Gericht spricht ihn jedoch in der Hauptfrage des Drogenhandels frei.

Am 21. März tritt der bei den Wahlen Ende 2019 wiedergewählte Präsident Hage Geingob seine zweite Amtszeit an. Das Kabinett wird verschlankt, die Zahl der Ressorts von 25 auf 21 verringert und die Anzahl der Vizeminister reduziert. Geingobs erste Personalentscheidungen bleiben hinter den geweckten Erwartungen. Mit Nangolo Mbumba (Vize-Präsident), Saara Kuugongelwa-Amadhila (Premierministerin) und Netumbo Nandi-Ndaitwah als deren Stellvertreterin und Außenministerin bestätigt er seine Kerntruppe im Amt und versichert sich so des nötigen Rückhalts an der Spitze. Der gegen die Rezession und galoppierende Staatsverschuldung kämpfende Finanzminister Calle Schlettwein wird neuer Landwirtschaftsminister. Sein Nachfolger wird der Zentralbankchef Ipumbu Shiimi. Überraschend kommt die Berufung der Oppositionspolitikerin Ester Muinjangue als Vizeministerin für Gesundheit und soziale Dienste. Sie war erste Vorsitzende der National Unity Democratic Organisation of Namibia (Nudo), die ihre Basis unter den Ovaherero hat und als viertgrößte Partei mit 1,9 Prozent Stimmen und zwei Sitzen im Parlament vertreten ist. Muinjangue war als Vorsitzende der Ovaherero Genocide Foundation (OGF) eine prominente Kritikerin der bilateralen deutsch-namibischen Verhandlungen.

Laut der Tageszeitung New Era hat Präsident Hage Geingob am 4. Juni vor der Nationalversammlung angekündigt, Deutschland werde sich endlich für den Völkermord an den Herero und Nama zu Beginn des 20. Jahrhunderts entschuldigen. Mit dieser Enthüllung sorgt der Präsident während einer Frage- und Antwortrunde im Anschluss an seine Rede im Parlament für Verblüffung. Zuletzt sei Bewegung in die Angelegenheit gekommen, so Geingob auf die Frage von Esther Utjiua Muinjangue, Vorsitzende der Herero-Partei Nudo. Die deutsche Regierung hat es bislang vermieden, die Verbrechen der Jahre 1904-1908 als Genozid anzuerkennen, sondern lediglich ihre „moralische Verantwortung" bekundet. Aus der Anerkennung eines Völkermords können sich u.a. auch finanzielle Verpflichtungen wie Schadensersatzansprüche ergeben. Im August lehnt Präsident Geingob das deutsche Angebot, 10 Mill. Euro an Namibia zu zahlen und eine vorbehaltlose Entschuldigung auszusprechen, ab. Namibia besteht auf dem Begriff Reparationen.

Ungeachtet der vergleichsweise geringen Covid-19-Infektionen in Namibia, die erst ab Juli stärker angestiegen sind, haben die Maßnahmen der namibischen Regierung – u.a. Notstandsausrufung, Lockdowns in einigen Regionen sowie Reiseverbote für Besucher aus Hochrisikoländern – gegen das Coronavirus die Wirtschaft einbrechen lassen. Sie ist in das vierte Rezessionsjahr seit 2016 gestürzt. Die Exporterlöse und Einnahmen aus der Zollunion des südlichen Afrika (SACU) sind zurückgegangen und die öffentliche Schuldenquote sowie die Auslandsverschuldung gestiegen. Gleichzeitig steigen die Schuldendienstverpflichtungen gegenüber dem Ausland auf ein nicht länger tragfähiges Niveau. Gleichwohl hat Namibia den IWF seit seinem Beitritt im Jahr 1990 kein einziges Mal um Hilfe ersucht, und auch bei der Bekämpfung von Covid-19 wurde keine IWF-Unterstützung beantragt.

Die nationale Bewegung gegen sexuelle und geschlechtsspezifische Gewalt (SGBV) fordert im Oktober den Rücktritt der Ministerin für Gleichberechtigung der Geschlechter, Doreen Sioka, und ihrer Stellvertreterin Bernadette Jagger. Ihre dem Parlament überreichte Petition enthält eine Liste von 24 Forderungen. Hunderte junger Menschen, meist Frauen, gehen in Windhoek auf die Straße, schließen Einkaufszentren und fordern Unternehmen auf, sich dem Kampf anzuschließen.

Am 25. November finden in Namibia Regional- und Lokalwahlen statt. Weil der Einsatz elektronischer Wahlmaschinen laut dem Gerichtsbeschluss von Anfang des Jahres verfassungswidrig ist, wird mit Wahlzetteln abgestimmt. Die Ergebnisse zeigen einen verstärkten Trend unter der Wählerschaft weg von der Swapo. In den Regionalwahlen sinkt ihr Stimmenanteil im Landesdurchschnitt auf 57 Prozent (2015: 83 %) und bei den Kommunalwahlen sogar auf nur noch 40 Prozent (2015: 73 %). Nur in 20 Kommunalverwaltungen behält die Swapo die absolute Mehrheit. Besonders schmerzhaft für sie ist das Ergebnis in der Hauptstadt Windhoek. Von den 15 Sitzen hatte die Swapo 12. Davon bleiben noch fünf übrig. So raufen sich die anderen Parteien zu einer Koalition zusammen und wählen Job Amupanda zum Bürgermeister für ein Jahr.

2021

Entgegen den Warnungen von Umweltschützern hat Mitte Januar die erste von drei Probebohrungen der kanadischen Firma ReconAfrica im Okavango-Becken begonnen. ReconAfrica hatte bereits 2015 von Namibia Explorationsrechte erworben, um nach Öl und Gas zu bohren. Unterhalb des Einzugsgebiets des Okavango, der als Cubango aus verschiedenen Quellen im angolanischen Hochland entspringt, soll ein riesiges tiefgründiges Reservoir an Kohlenwasserstoffen lagern. Mit einem Potenzial von etwa 120 Milliarden Barrel ist es höchstwahrscheinlich das letzte unerschlossene Vorkommen dieser Größenordnung an Land und größer als selbst die texanischen Fördergebiete. Die Fridays-for-Future-Bewegung (FFF) in Namibia bezeichnet das Vorhaben als „Desaster für die Umwelt". Das Okavango-Delta ist eins der artenreichsten Ökosysteme des südlichen Afrika, das Binnendelta stellt ein weitläufiges Feuchtgebiet inmitten einer Trockenzone dar und ist von herausragender Bedeutung für die regionale Flora und Fauna, besonders für Vögel. Das Ökosystem ist äußerst fragil, da es keinen natürlichen Abfluss hat und Verunreinigungen, die flussaufwärts eingetragen werden, nur schwer abbaubar sind. Umweltschutzorganisationen protestieren daher vehement gegen die geplante Förderung und gegen die Verschwiegenheit der Regierungen Namibias und Botswanas. Das Projekt steht außerdem verschiedenen Interessen der lokalen Bevölkerung entgegen. So ist der Nordosten Namibias bislang die einzige landwirtschaftlich nutzbare Region des Wüstenstaats, während das Okavango-Delta für Botswana großen touristischen Wert hat.

Am 10. Februar 2021 beschließt die namibische Regierung das Ende der staatseigenen Luftfahrtlinie Air Namibia. Als Grund wurden anhaltend hohe finanzielle Verluste angegeben. Der Flugbetrieb wird noch am gleichen Tag eingestellt, Air Namibia geht in Liquidation. Die fast 650 Mitarbeiter:innen werden jeweils ein Jahresgehalt an Abfindung erhalten. Der Staat hatte in letzten 10 Jahren mit rund 500 Millionen US-Dollar Air Namibia subventioniert. Alle 10 Airbus-Flugzeuge der Flotte wurden zwischenzeitlich abgestellt und ausrangiert. Schon seit Jahren gab es immer wieder Spekulationen über das Ende der Airline sowie Kritik an der z.T. unverständlichen Flottenpolitik der Geschäftsführung. So wurden wohl einige Millionen US-Dollar durch das Leasing einer überdimensionierten Boeing 747-400 Combi in den Sand gesetzt. Bereits 2018 schrammte Air Namibia an einer Pleite vorbei.

Nachdem Namibia bereits im letzten Jahr von einer Heuschreckenplage heimgesucht wurde, scheint die zweite Welle im März das Land noch härter zu treffen. Besonders die nördlichen, östlichen und zentralen Regionen sind von Wanderheuschreckenschwärmen betroffen, die sich südwärts bewegen. Im vergangenen Jahr war es gelungen, die Schwärme, die im August entdeckt worden waren, noch im November durch das gezielte Versprühen von Insektiziden unter Kontrolle zu bringen, auch wenn dadurch eine erhebliche Umweltbelastung in Kauf genommen wurde. Bis dahin hatten die Insekten, damals die Rote Afrikanische Wanderheuschrecke, zwar eine beträchtliche, aber noch immer überschaubare Fläche von 500 ha Weideland unnutzbar hinterlassen. Diesmal haben die Heuschrecken etwa 719.000 ha Weideland sowie 1207 ha Anbaufläche vernichtet, das entspricht einem Quadrat von 84 mal 84 Kilometern Fläche oder knapp der Hälfte Schleswig-Holsteins. Daneben ist eine ähnlich große Fläche im Süden nahe der südafrikanischen Grenze teilweise beschädigt.

Während die isländische Fischereifirma Samherji, die im Zentrum der „Fishrot-Korruptionsermittlungen" steht, verdächtigt wird, die Färöer-Inseln zu nutzen, um die Zahlung von Einkommenssteuer für Mitarbeiter in Namibia zu vermeiden, hat der Oberste Gerichthof in Windhoek im Mai Anklage gegen 7 Männer und 11 mit ihnen verbundene Unternehmen und Trusts erhoben. Unter ihnen die ehemaligen Minister für Fischerei und Justiz. Namibia leitete ein Verfahren zur Auslieferung von 3 isländischen Staatsbürgern ein, die in der laufenden „Fishrot-Angelegenheit" wegen Geldwäsche und Steuerhinterziehung angeklagt sind.

In einem Rahmenabkommen von Mitte Mai erklärt sich Deutschland bereit, die Verbrechen an den Volksgruppen der Herero und Nama als Völkermord anzuerkennen, erstmals offiziell um Entschuldigung zu bitten und Entschädigung zu leisten. Ende Mai soll das Dokument von den Außenministern beider Länder in Namibia unterzeichnet werden.

(Stand: Mai 2019)