Simbabwe

Von der Kornkammer zum Empfänger von Nothilfe

Foto: Rita Schäfer

Die frühere Siedlerkolonie Rhodesien wurde 1980 nach einem langen Befreiungskampf politisch unabhängig. Lange Zeit galt Simbabwe als Kornkammer der Region und hat auch weiterhin das Potenzial dazu. Doch gerade die Landwirtschaft war nach anfänglich erfolgreicher Politik in den letzten zwei Jahrzehnten mehr und mehr zum Spielball des Machthabers Mugabe verkommen. Ganze Landesteile wurden von humanitärer Hilfe abhängig. Mugabe konnte sich nur noch mit Terror und Gewalt an der Macht halten. Nach seiner Entmachtung durch das Militär hat es auch unter seinem Nachfolger Mnangagwa kaum spürbare Verbesserungen gegeben.

Staat und Verwaltung

Offizielle Bezeichnung Republic of Zimbabwe; Republik Simbabwe
Unabhängigkeit 18. April 1980 (von Großbritannien)
Fläche 390.757 km2
Landesnatur Hochplateau mit höherem Zentralplateau, im Osten bergig; tropisches, durch Höhenlage moderates Klima, Regenzeit November bis März
Höchste Erhebung Inyangani (2.592 m)
Küste Binnenland mit Grenzen zu Sambia, Malawi, Mosambik, Südafrika und Botswana
Umweltprobleme Bodenerosion, Abholzung (Brennstoff), Wasserverschmutzung, Dürre, Überschwemmungen
Einwohnerzahl 14.829.988 (Juli 2021 geschätzt)
Bevölkerungsdichte 38 Einwohner pro km2 Landfläche(eig. Berechnung)
Hauptstadt Harare
Landessprachen Englisch (Amtssprache), Shona (offizielle Sprache, am weitesten verbreitet), Ndebele (offizielle zweithäufigste Sprache) sowie 13 weitere offizielle Sprachen (darunter Chewa, Chibarwe, Kalanga, Koisan, Nambya, Ndau, Shangani, Sotho, Tonga, Tswana, Venda und Xhosa)
Religionen Protestanten 74,8 % (darunter Methodisten, Anglikaner, Presbyterianer und evangelikale Pfingstgemeinden); Römisch-katholische Christen 7,3 %; andere Christen 5,3 %; traditionelle Religionen 1,5 %; Muslime 0,5 %
Staatsform Republik mit Präsidialverfassung
Verfassung 21. Dezember 1979, neue Verfassung am 9. Mai 2013 vom Parlament verabschiedet
Wahlrecht wahlberechtigt sind alle Bürger-/innen ab 18 Jahren
Exekutive Staatsoberhaupt und Regierungschef: Emmerson Dambudzo Mnangagwa (seit 28. Dezember 2017); Vizepräsidenten: Constantino Chiwenga und Kembo Mohadi (seit 28. Dezember 2017); Kabinett: vom Präsidenten ernannt und der Nationalversammlung verantwortlich; Präsidentschaftskandidaturen bei Vorlage einer Unterschriftenliste mit mind. 10 Unterschriften von registrierten Wähler/innen (mind. 1 aus jeder Provinz) zugelassen, Präsident wird durch eine absolute Mehrheit in zwei Wahlgängen für eine fünfjährige Amtszeit direkt gewählt (keine Amtszeitbegrenzung)
Legislative Zweikammernparlament: House of Assembly (Unterhaus) mit 270 Sitzen, von denen 210 direkt per einfacher Mehrheit gewählt werden, dazu 60 Sitze für Frauen vorgesehen; Senat (Oberhaus) mit 80 Sitzen, von denen 60 direkt gewählt werden, dazu 16 indirekt gewählte Provinzgouverneure, 2 Nationalratsleiter und 2 Personen mit Behinderung
Parteien

Regierungspartei: Zimbabwe African National Union-Patriotic Front (ZANU-PF); Größte Oppositionspartei: Movement for Democratic Change – Alliance (MDC-Alliance); National People's Party (NPP); National Patriotic Front (NPF); Zimbabwe African Peoples Union (ZAPU)

Rechtssystem Kombination aus römisch-niederländischem und englischem Recht
Justiz Supreme Court (Verfassungsgericht), High Court
Verwaltungsgliederung Acht Provinzen: Manicaland, Mashonaland Central, Mashonaland East, Mashonaland West, Masvingo, Matabeleland North, Matabeleland South, Midlands; zwei selbständige Städte mit Provinzstatus: Bulawayo, Harare
Internationale Mitgliedschaften UNO und Unterorganisationen, Afrikanische Union (AU), Entwicklungsgemeinschaft SADC, Gemeinsamer Markt COMESA, Welthandelsorganisation (WTO; Internationaler Währungsfond (IMF); Weltbank
Internationale Länderkategorien kein LDC-Status
(9 der 16 SADC-Staaten gelten nach UN-Bestimmungen als Least Developed Countries (LDC) - "am wenigsten entwickelte Länder" - und bekommen besondere Mittelzuwendungen)

 

Wirtschaft

Währung 1 Simbabwe-Dollar (ZWL) = 100 Cents
1 Euro = 454 ZWL (07.06.2021)
aktueller Wechselkurs: OANDA
Da der Simbabwe-Dollar wegen einer Hyperinflation im Jahr 2009 bedeutungslos wurde, war der US-Dollar das gängige Zahlungsmittel. Seit dem 24. Juni 2019 ist der Simbabwe-Dollar wieder offizielles Zahlungsmittel und löst den bisher gültigen Real-Time Gross Settlement Dollar (RTGS-Dollar) ab. Jegliche Fremdwährungen wurden als Zahlungsmittel verboten.

Export / Importgüter
- Wichtige Exportgüter Gold (24 %), Tabak (18.2 %), Nickelerze (17,2 %), Eisenlegierungen (16,7 %), Schmuckwaren (3,7 %), Diamanten (2,7 %), Zucker (1,4 %), Platin (1,4 %), Chromerze (1 %), Baumwolle (UN Comtrade 2019)
- Wichtige Importgüter Erdöl (27 %), Maschinen, Fahrzeuge und Transportausstattung (7,1 %), Medikamente (3,4 %), Dünger (2,4 %), Insektizide (1,8 %), Sojaöl (1,5 %) (UN Comtrade 2019)

Wichtige Handelspartner
- Export Südafrika (49 %), Vereinigte Arabische Emirate (19,4 %), Mosambik (8,3 %), Belgien (1,4 %), Sambia (3,7%), Botswana (1,4 %), Kenia (1 %), Swasiland, Namibia (UN Comtrade 2019)
- Import Südafrika (38 %), Singapur (25 %), China (8,6 %), Indien (2,9 %), Mauritius (2,8 %), Großbritannien (2 %), Sambia (2 %), Mosambik(1,9 %), Vereinigte Arabische Emirate (1,6 %), Japan (1,2 %) (UN Comtrade 2019)

Infrastruktur
- Eisenbahn 3.427 km
- Straßen 97.267 km (davon 18.481 km geteert)
- Flugplätze

Harare International Airport mit Anschluss an den Weltflugverkehr, 196 weitere Flughäfen (davon 17 mit befestigten Start- und Landebahnen)

- Häfen Binga, Kariba (Binnenhäfen am Sambesistausee)

 

Weitere wirtschaftliche Indikatoren siehe Ländervergleich Wirtschaft
Soziale Indikatoren siehe Ländervergleich Soziales

Chronologie

Frühzeit
ca. 50.000 - 10.000 v. Chr. Archäologische Funde belegen, dass Jäger und Sammler/innen bereits zu diesem frühen Zeitpunkt im südafrikanischen Subkontinent, zu dem auch das heutige Simbabwe gehört, siedeln. Sie leben in kleinen, mobilen Familienverbänden.
ca. 7.000 bis 100 v .Chr. In dieser von Archäologen als "Wilton-Kultur" bezeichneten Periode leben in Simbabwe Menschen, die als Vorfahren der Buschleute (Khoisan-Völker) gelten, die sich dann über Botswana bis nach Namibia ausbreiten und dort hochspezialisierte Gemeinschaften entwickeln. Felsbilder aus dieser Zeit weisen darauf hin, dass sie bereits über eine entwickelte Viehzucht und Töpferei verfügten. Vieles spricht dafür, dass sich in dieser Zeit ein Wechsel vom Nomadentum zum Halbnomadentum vollzieht.

Große gesellschaftliche Umwälzungen
bis 800 n. Chr. Bantu sprechende Völker wandern in das Gebiet zwischen Sambesi und Limpopo ein. Sie sind Viehzüchter und Bauern, die Wanderhackbau betreiben. Sie entwickeln die Eisenverarbeitung. Es gibt bereits ein gewisses Maß an Arbeitsteilung (Töpferei, Eisenverarbeitung). Die Menschen leben in kleinen Gemeinschaften auf dem Zentralplateau.
ca. 1.000 n. Chr. Vom Norden wandern Menschen ein, deren Nachfahren im 19. JH. orientiert an einer Sprachgemeinschaft "Shona" genannt werden. Um diese Zeit verändern sich die Gesellschaften rasch, was auf verstärkte Wanderbewegungen und auf regen Erfahrungsaustausch mit Nachbarvölkern hindeutet.

Die Großreiche
1250 Im Gebiet zwischen den heutigen Staaten Botswana und Mosambik erlangt ein Fernhandelsreich mit dem Herrschersitz in Great Zimbabwe (Groß-Simbabwe) beachtliche Bedeutung. Von seiner Existenz zeugen heute noch gewaltige Steinbauten. Der Name Simbabwe leitet sich von den Shona-Wörtern dzimba gza mabwe (Steinhäuser) oder dzimba woye (verehrungswerte Häuser) ab. Weberei und Töpferei entwickeln eine außerordentliche Qualität. Great Zimbabwe basiert auf dem Goldhandel zwischen Landesinnerem und Indischen Ozean. Das Reich geht im 15. Jh. aus bisher noch ungeklärten Gründen plötzlich unter.
1450 Das wirkliche Monomotapa-Reich im Norden des heutigen Simbabwe erlebt bis 1650 seine Blüte.
1480 Das Torwa-Reich im Westen des Landes verzeichnet einen großen Aufstieg und konkurriert mit dem Monomotapa-Reich.
1684 Das Rozwi-Reich erstarkt im Westen des Landes und verdrängt die Reiche Monomotapa und Torwa. Es besteht bis 1830.

Große Umbrüche im Südlichen Afrika und Beginn der Kolonisation
1827

Das Viehzüchtervolk der Ndebele wandert vom Süden her in den Westen des heutigen Simbabwe ein. Die Ndebele sind Zulu-sprachig, sie fliehen wegen kriegerischer Konflikte im Königreich unter Shaka Zulu im heutigen KwaZulu-Natal und unter dem Druck der vordringenden burischen Menschenfänger, Viehdiebe und Siedler. Sie siedeln in dem nach ihnen benannten Matabeleland und verlangen von einigen Shona-sprachigen Gruppen Tributleistungen.

1853 Ndebele-König Mzilikazi wird von Vertretern der neu gegründeten Burenrepublik Transvaal gezwungen, den Buren Zugang zum Matabeleland zu gewähren (Potgieter-Silkaats-Vertrag).
1855 Der schottische Missionar David Livingstone erreicht als erster weißer Mann die Wasserfälle des Sambesi, die von den dort Lebenden Mosi oa Tunya (Donnernder Rauch) genannt werden. Livingston benennt die Fälle nach der britischen Königin Victoria.
1857 Der schottische Missionar John Moffat erhält von König Mzilikazi die Erlaubnis zur Einrichtung einer Missionsstation. Weiße Missionare, Händler und Jäger folgen.
1868-1872 Nach dem Tod Mzilikazis brechen Erbfolgekriege aus, in denen sich sein Sohn Lobengula durchsetzt. Er setzt die Politik seines Vaters fort.
1887 Lobengula schließt mit dem burischen Gesandten einen Vertrag, der ihn zum Verbündeten der Burenrepublik macht. Die Buren leiten daraus Schürfrechte an Bodenschätzen ab.
1888 Der englische Minen-Magnat Cecil Rhodes hintergeht die Buren und lässt sich von Lobengula zusichern, dass dieser ohne Zustimmung der Briten kein Land veräußert. Im gleichen Jahr vergibt Lobengula die ersten Schürfrechte an den englischen Abenteurer Charles Rudd, der sie an Rhodes weiterverkauft.
1889 Mit diesem Pfand in der Hand erhält Rhodes für seine British South Africa Company (BSAC) einen königlichen Schutzbrief für die Ausbeutung von Bodenschätzen im Matabeleland, was im Vertrag mit Lobengula nicht vorgesehen ist.
1890 Gegen den Protest der Buren schafft Rhodes durch die Entsendung von BSAC-Polizisten Fakten. Sie dringen bis ins Shona-Territorium vor.
1891 Um deutschen und portugiesischen Ansprüchen zuvorzukommen, wird das Gebiet zum britischen Protektorat erklärt und der Verwaltung der BSAC unterstellt. In den Folgejahren setzen die Briten ihre Schürfrechte und vor allem die landwirtschaftliche Nutzung des Bodens mit Gewalt durch. Die BSAC verfolgt die Eroberung des noch nicht besetzten Matabelelandes und auch des Shona-Gebietes.
1893 Im Oktober bricht zwischen Lobengula und der BSAC ein Krieg aus. Lubengulas Truppen werden in drei Schlachten geschlagen, der König stirbt auf der Flucht. Die Viehherden der Ndebele werden von 200.000 auf 14.000 Stück dezimiert. Damit sind die Ndebele ihrer wirtschaftlichen Existenzgrundlage beraubt.
1894 Das unter den europäischen Siedlern aufgeteilte Land erhält den Namen Rhodesien.
1896/97 Die Ndebele und Shona erheben sich gegen die weiße Vorherrschaft, es beginnt der erste Chimurenga (Befreiungskrieg). Zu diesem Zeitpunkt sind fast sämtliche militärischen Kräfte der BSAC Rhodesiens in Südafrika tätig, um die Burenrepublik Transvaal zu stürzen und in das rohstoffreiche Land vordringen zu können. Die Ndebele gehen im August einen trügerischen Friedensvertrag ein. Die Shona, inspiriert von ihren Geistmedien Kaguvi und Mbuya Nehanda, kämpfen bis zu ihrer militärischen Unterwerfung verzweifelt weiter. Die Häuptlinge und Geistermedien werden von den Kolonialtruppen gefangen genommen und exekutiert.

Die Kolonie Rhodesien
1923 Die weißen Siedler entscheiden sich in einem Referendum gegen den Anschluss an Südafrika. Rhodesien wird britische Kolonie. Als weiße Siedlerkolonie erhält das Land die volle Selbstverwaltung der inneren Angelegenheiten.
1931 Ein Landgesetz (Land Apportionment Act) teilt das Land in schwarze Reservate und weiße Siedlungsgebiete. Der schwarzen Bevölkerungsmehrheit wird lediglich ein knappes Drittel des Landes, zumeist auf den weniger fruchtbaren Böden, zugewiesen.
1936 Nach dem Native Registration Act muss jeder männliche Afrikaner über 16 Jahre einen Pass mit Namen, Herkunft und Arbeitsplatz bei sich tragen. Er dokumentiert die Berechtigung zur Arbeitssuche außerhalb der Reservate. Verstöße werden mit Zwangsarbeit geahndet.
1946 Aus Wahlen, die nur Weißen vorbehaltenen sind, geht die burische Liberal Party mit Hilfe von Rassentrennungsparolen siegreich hervor. Das Land heißt fortan Südrhodesien.
1951 Der Native Land Husbandry Act verschärft die Bewirtschaftungsvorschriften über Agrarland für Schwarze. Jede Familie darf auf ihren höchstens 3,2 ha umfassenden Nutzflächen nur noch Vieh in beschränkter Zahl weiden. Die Rechte der Häuptlinge auf Landzuteilung werden beschnitten. Das Gesetz zwingt viele Schwarze in die Städte, wo sie separaten Townships wohnen müssen und weißen Unternehmern als billige Arbeitskräfte zur Verfügung stehen.
1953

Süd- und Nordrhodesien (das spätere Sambia) sowie das Protektorat Nyassaland (Malawi) bilden die Zentralafrikanische Föderation, die sich 1963 wieder auflöst.

1954 Die Eisenbahnergewerkschaft unter Joshua Nkomo ist die stärkste Organisation der afrikanischen Bevölkerung.
1957 bis 1961 Unter Nkomos Führung wird 1957 der Southern Rhodesia African National Congress gegründet. Nach dessen Verbot 1959 tritt die National Democratic Party (NDP) Anfang 1960 an seine Stelle. Auch sie wird im Dezember 1961 verboten.
1961 Eine neue Verfassung mit sehr begrenzten Rechten für Afrikaner wird gegen vehemente Proteste der Afrikaner verabschiedet.
1961 Nach dem Verbot der NDP, der u. a. Joshua Nkomo und Robert Mugabe angehören, wird die politische Oppositions- und Widerstandsbewegung Zimbabwe African People's Union (ZAPU) gegründet. Sie übt über internationale Kanäle Druck auf Großbritannien aus, eine wirkliche Verfassungsreform zu beginnen.
1962 Die ZAPU beginnt mit Sabotageakten.
1963 Nach Meinungsverschiedenheiten in der ZAPU spaltet sich als zweite Widerstandsbewegung die Zimbabwe African National Union (ZANU) ab. Als Ziele proklamiert sie die Umverteilung des Landes, freie Bildung für alle, Abschaffung der rassistischen Gesetze und die Verstaatlichung von Schlüsselindustrien.

Einseitige Unabhängigkeitserklärung
1964 Die weiße Rhodesian Front unter Ian Smith übernimmt die Regierung.
1965 Am 11. November erklärt die Regierung ohne Einbeziehung Großbritanniens einseitig die Unabhängigkeit Rhodesiens. Großbritannien und später auch die Vereinten Nationen verhängen Sanktionen.
1966/67 In den ersten bewaffneten Auseinandersetzungen erleiden die Guerilla-Verbände von ZANU und ZAPU schwere Niederlagen.
1970 Rhodesien erklärt sich zur Republik.
1971 Großbritannien und Rhodesien vereinbaren Prinzipien für eine neue Verhandlungslösung ohne Mitwirkung der Afrikaner. Diese lehnen eine solche Lösung ab und verhindern erfolgreich deren Umsetzung.
Im Dezember des Jahres wird der African National Council unter Führung von Bischof Abel Muzorewa gegründet.

Kampf um die Unabhängigkeit / Der zweite Chimurenga (Befreiungskrieg)
1972 Die ZANU eröffnet von Mosambik aus den Befreiungskrieg.
1976 Nach Verhandlungen mit den USA und Südafrika akzeptiert Smith im Prinzip die Bildung einer Interimsregierung mit einer schwarzen Mehrheit innerhalb von zwei Jahren. Großbritannien beruft alle Parteien zu einer Rhodesien-Konferenz nach Genf ein. Sie scheitert.
1976/77 ZANU und ZAPU schließen sich zur Patriotischen Front (PF) zusammen und verstärken ihre militärischen Operationen.
1978 Smith bildet ein Bündnis mit gemäßigten schwarzen Führern wie Bischof Abel Muzorewa, um eine so genannte interne Lösung voranzutreiben.
1979

Bei Wahlen ohne ZANU und ZAPU wird Muzorewa Ministerpräsident einer Übergangsregierung von Simbabwe-Rhodesien. Sie wird von der britischen Regierung nicht anerkannt.

Der britischen Premierministerin Margaret Thatcher gelingt es Anfang August, alle beteiligten Parteien zu einer Verfassungskonferenz ins Lancaster-House nach London einzuladen. Die Verhandlungen beginnen im September und enden im Dezember mit der Unterzeichnung eines Friedensplanes zur Unabhängigkeit Simbabwes. Die Parteien einigen sich in London auf eine neue Verfassung sowie freie und allgemeine Wahlen. Das Land wird vorübergehend unter britische Verwaltung gestellt.


Das unabhängige Simbabwe
1980 An den ersten demokratischen Wahlen nehmen über 93 Prozent der Wahlberechtigten teil. Aufgrund des nie überwundenen Misstrauens treten ZANU und ZAPU getrennt an. Die ZANU gewinnt mit deutlicher Mehrheit und erhält 57 Sitze im 100-köpfigen Parlament (20 Sitze sind nach dem Lancaster-House-Abkommen für Weiße reserviert). Premierminister wird Robert Mugabe von der ZANU. Er beruft Joshua Nkomo von der ZAPU sowie zwei Weiße in sein Kabinett.
18. April 1980 Simbabwe wird politisch unabhängig.
1982 Auseinandersetzungen zwischen Anhängern von ZANU und ZAPU sowie Funde von Waffenlagern auf Farmen von führenden ZAPU-Mitgliedern führen zu einer Regierungsumbildung. Nkomo verliert sein Ministeramt.
1983 In Matabeleland wird die von Nordkoreanern ausgebildete 5. Brigade gegen so genannte Dissidenten und ZAPU-Anhänger eingesetzt. Es kommt zu schweren Übergriffen und Massakern (bis 1987 mindestens 20.000 Tote). Nkomo bringt sich außer Landes in Sicherheit.
1985 Trotz der angespannten Lage werden die Wahlen zum Repräsentantenhaus durchgeführt. Sie bestätigen die regionalen Stärken von ZANU (Shona-Provinzen) und ZAPU (Matabeleland). Die ZANU verfehlt die Zweidrittelmehrheit.
1987 Die Verfassung wird geändert. Die in London vereinbarte Reservierung von 20 Sitzen im Parlament für Weiße läuft aus. Eine vom ZANU-Kongress 1984 befürwortete Schaffung eines Einparteienstaates lässt sich bei den Mehrheitsverhältnissen nicht durchsetzen. Es wird jedoch der Zusammenschluss von ZANU und ZAPU zur ZANU/PF (Patriotische Front) vereinbart, der 1989 erfolgt. Ein Präsidialsystem wird eingeführt, bei der Präsidentenwahl gewinnt Robert Mugabe.
1990 Die Wahlen zum Repräsentantenhaus stärken die Regierungspartei ZANU-PF.
Im Juli wird der von Ian Smith im Jahre 1965 verhängte Ausnahmezustand aufgehoben. Nkomo wird Vizepräsident.
1991 Die neue Regierung sieht sich unter dem Druck internationaler Kreditgeber (Internationaler Weltwährungsfonds) gezwungen, der prekären außenwirtschaftlichen Lage Rechnung zu tragen. Ein Programm der Liberalisierung ESAP (Economic Structural Adjustment Programme) soll die Wirtschaft fördern. Drastische Reduzierungen der Staatsausgaben z.B. im Gesundheits-, Bildungs- und Agrarsektor haben vielfältige Probleme zur Folge.
1995 Die ZANU/PF gewinnt die Parlamentswahlen im April (118 der 120 Sitze).
1996 Mugabe wird im März erneut unangefochten zum Staatspräsidenten gewählt.
1997 Im Oktober verkündet Mugabe, dass fünf Millionen Hektar Land von weißen Farmern ohne Kompensation enteignet werden sollen.Veteranen aus dem Unabhängigkeitskrieg erhalten nach langen Protesten über ihre desolate Lage finanzielle Kompensationen.
1998

Nach einer Welle von Preiserhöhungen erlebt Harare im Januar gewaltsame Protestkundgebungen.

Der Ruf nach einer neuen Verfassung wird laut. Das Mehrheitswahlrecht nach britischem System soll durch ein Verhältniswahlrecht abgelöst werden, um eine angemessenere Repräsentation der Bevölkerung und einen Regierungswechsel zu ermöglichen. Organisationen der Zivilgesellschaft bilden eine Verfassungsversammlung. Die Regierung antwortet mit einer eigenen Kommission.

Das militärische Eingreifen der simbabwischen Armee in der Demokratischen Republik Kongo zwischen 1998 und 2002 sichert den Regierungen unter Laurent und Josef Kabila die Macht. Im Gegenzug erhalten ranghohe simbabwische Militärs Zugang zu mineralischen Ressourcen in der DR Kongo.

1999

Am 1. Juli stirbt Vizepräsident Joshua Nkomo.

Im September bildet sich aus der bürgerlichen Verfassungsversammlung eine neue Partei, die Bewegung für Demokratischen Wandel MDC (Movement for Democratic Change). Ihr steht der Gewerkschaftsführer Morgan Tsvangirai vor.

2000

In einem Referendum im Februar entscheidet sich die Mehrheit der Bevölkerung gegen die von der Regierungskommission vorgelegte Verfassungsreform.

Begleitet von Landbesetzungen wird im März das fast track-Programm zur Landumverteilung verkündet und gewaltsam durchgesetzt. Neun von zehn kommerziellen Farmen werden konfisziert.

Bei den Parlamentswahlen im Juni verliert die MDC nur knapp gegen die ZANU. Im Wahlkampf war es zu massiven Einschüchterungen Oppositioneller und gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den Parteien gekommen.

2001 Simbabwes Wirtschaft erlebt eine immer stärkere Talfahrt, die Auslandsschulden belaufen sich auf 4,5 Mrd. US$, die Inflation steigt über 55%. In den Folgejahren kommt es zur Hyperinflation. IWF und Weltbank stellen wegen der fehlenden rechtsstaatlichen Verhältnisse ihre Zahlungen für Simbabwe ein. Aufgrund der Landbesetzungen fällt die Ernte um ca. 42% geringer aus als im Vorjahr. Obwohl eine Million Menschen an Hunger leiden, verbietet Mugabe im November internationalen Hilfsorganisationen per Dekret, Nahrungsmittelhilfe zu verteilen.
2002

Die Regierung erhöht die Repression. Das Parlament billigt im Januar das umstrittene Informations- bzw. Mediengesetz, das alle Medien einer strikten Kontrolle unterwirft. Im Februar verhängt die EU Sanktionen gegen Simbabwe.

Bei den Präsidentschaftswahlen im März setzt sich Robert Mugabe gegen seinen Herausforderer Morgan Tsvangirai von der MDC knapp durch. Der Wahlkampf wird von gewaltsamen Auseinandersetzungen begleitet. Internationale Beobachter sprechen von Wahlfälschungen. Die Opposition erkennt das offizielle Ergebnis nicht an. Morgan Tsvangirai und zwei weitere MDC-Mitglieder werden im April wegen Hochverrats angeklagt.

2003

Zu Jahresbeginn erlebt Simbabwe Hungerrevolten. In Bulawayo und Chitungwiza kommt es zu Zusammenstößen der Demonstranten mit der Polizei. Während der Hochverratsprozess gegen Tsvangirai beginnt, beschließt die EU im Februar die Fortführung der Sanktionen. Auf einen erfolgreichen Generalstreik im März folgt eine Welle von Verhaftungen.

Der regionale und internationale Druck auf die Regierung wächst. Im Mai treffen sich die Staatschefs Südafrikas, Nigerias und Malawis in Harare mit Präsident Mugabe und Oppositionsführer Tsvangirai, um Wege zur Überwindung der andauernden Krise auszuloten. Im Juni wird Tsvangirai erneut verhaftet und des Hochverrats angeklagt.
Die MDC, die nach einem erfolgreichen Generalstreik im März bereits Nachwahlen in Harare gewonnen hatte, erringt im August einen deutlichen Sieg bei Kommunalwahlen in zwölf Städten.

2005

Die Wahlen zum Repräsentantenhaus sind laut EU-Wahlbeobachter weder frei noch fair verlaufen. Bei der so genannten „Operation Murambatsvina“ (den Müll wegkehren) werden 700.000 Menschen obdachlos. Im Staatsauftrag zerstören Bulldozer Häuser und Unterkünfte in den Städten. Dort haben u.a. vertriebene Farmarbeiter Zuflucht gesucht. Sie werden verdächtigt, die Oppositionspartei gewählt zu haben. Verfassungsänderungen schaffen das Einspruchsrecht bei Landenteignungen ab.

2006

Die MDC-M unter Arthur Mutambara spaltet sich von der MDC unter Morgan Tsvangirai ab.

2007

Erneute Verhaftungen von MDC-Politikern, u.a. von Morgan Tsvangirai, sind Ausdruck der verschärften Repression. Er kommt erst durch internationalen Druck frei.

2008

Ein Indigenisierungsgesetz wird verabschiedet: Ausländische Unternehmen müssen fortan mindestens 51% simbabwischer Kapitalanteile vorweisen.

Bei den Wahlen zum Repräsentantenhaus gewinnt die MDC die meisten Stimmen. Die Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen werden über Monate geheim gehalten. Zwischenzeitlich verüben staatliche Sicherheitskräfte u.a. in Regionen, in denen Oppositionswähler vermutet werden, zahlreiche Gewaltakte. Ihr Vorgehen ist Teil der „Operation Mavhotera Papi“ – „Wen hast Du gewählt?“ Morgan Tsvangirai lehnt eine Stichwahl ab. Die EU und die USA verschärfen ihre Sanktionen. Auf Druck des früheren südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki einigen sich ZANU-PF, MDC und MDC-M in einem Abkommen zur Machtteilung (Global Political Agreement). Wegen einer Cholera-Epidemie mit mehreren tausend Toten wird der nationale Notstand ausgerufen.

2009

Der Zimbabwe-Dollar wird durch den US-Dollar und andere ausländische Währungen ersetzt. Die Versorgungskrise dauert an, 7 Millionen Menschen erhalten Nahrungsmittelhilfe. ZANU-PF, MDC und MDC-M bilden eine Regierung der nationalen Einheit. Morgan Tsvangirai wird Premierminister, Robert Mugabe bleibt Präsident.

2011-12

Die Gewalt staatlicher Sicherheitskräfte gegen MDC-Vertreter/innen und Menschenrechtsaktivisten/innen dauert an. Die staatlichen Sicherheitskräfte werden kaum reformiert. Es gibt Auseinandersetzungen über die Lockerungen der EU-Sanktionen und die Inhalte des Verfassungsentwurfs.

2013

In einem Referendum akzeptiert die wahlberechtigte Bevölkerung die neue Verfassung. Anschließend wird sie vom Parlament verabschiedet. Der Zeitpunkt der nächsten Parlamentswahlen ist strittig und wurde mehrfach verschoben.

Die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen finden am 31. Juli statt, kurz darauf erklären die ZANU-PF und der 89-jährige Präsident Robert Mugabe ihren Sieg. Die nationale Wahlkommission verkündet, die ZANU-PF habe 61 Prozent der Stimmen und eine Zweidrittelmehrheit im Parlament erhalten. Der  Herausforderer Morgan Tsvangirai von der Movement for Democratic Change unterliegt mit 34 Prozent; er bezeichnet die Wahl als Farce und kündigte an, gegen das Ergebnis gerichtlich vorzugehen. Beobachtermissionen von SADC und AU erklären die Wahlen trotz Unregelmäßigkeiten für "friedlich, frei und fair". In ersten Vorberichten fehlte jedoch das Prädikat „fair“. Die regierende Zanu-PF kontrolliert die elektronischen und Printmedien und verfügt über die Polizei, die mehrfach Veranstaltungen der Opposition behinderte, gelegentlich auch untersagte.

Im Dezember wählen die Regionalverbände der Regierungspartei Zanu-PF neue Vorstände. Die Zusammensetzung erlaubt erste Aufschlüsse über die Nachfolge von Partei- und Staatschef Robert Mugabe. In acht von neun Verbänden setzen sich die Anhänger von Joyce Mujuru durch, nur in einem Verband siegt die Fraktion von Emmerson Mnangagwa.

Mnangagwa ist altgedienter Minister in verschiedenen Regierungen Mugabes und derzeit Verteidigungsminister. Mujuru ist seit 2004 Mugabes Stellvertreterin in Staat und Partei. Bei einem Tod Mugabes fiele ihr gemäß der Verfassung die Nachfolge im Staatspräsidentenamt zu. Emmerson Mnangagwa gilt als strammer Gefolgsmann Mugabes; von ihm wird keine Änderung der innenpolitischen Konfrontation erwartet. Joyce Mujuru gilt als offener und bereit für Gespräche mit der Opposition, um das Lagerdenken zu überwinden.

2014

Die Fraktion um Emmerson Mnangagwa bezweifelt die Ergebnisse und wirft Mujuru Wahlfälschung und Missbrauch von Parteigeldern vor, ebenso wie persönliche Feinseligkeiten. Vor allem in der Provinz Midlands sollen Stimmen gekauft und Wähler unter Druck gesetzt worden sein. Schlussendlich löst das Zanu-PF-Kommissariat Ende Januar die Parteiexekutive in der Midlands-Provinz auf, weil Vertreter der verfeindeten Fraktionen keine Einigung erzielen konnten. Der im November gewählte Zanu-PF-Parteivorsitzende habe die Kontrolle verloren, heißt es.

Viele Geber ziehen sich wegen der politischen Dauerkrise im Land zurück, sodass für Nichtregierungsorganisationen immer weniger finanzielle Mittel zur Verfügung haben. Außerdem gibt es fortwährende Kontrollen von staatlichen Sicherheits- und Geheimdiensten. Mit Besorgnis wird beobachtet, dass medizinische, soziale und menschenrechtliche Arbeit immer schwieriger wird. Die Regierung kürzt den Bildungsetat für das Rechnungsjahr 2014/15 von 73 Mio. US-Dollar auf 15 Mio. US-Dollar. Außerdem erhöht das Gesundheitsministerium die Behandlungskosten der Patienten. 35 US-Dollar sind nun pro Arztbesuch fällig, Folgebesuche kosten 30 US-Dollar und 70 US-Dollar werden für Nachtbesuche veranschlagt. Menschenrechtsorganisation protestieren dagegen und verweisen auf das Recht von Gesundheit in der Verfassung, da sie befürchten, dass sich viele Arme nun keine medizinischen Behandlung mehr leisten können.

Nach einem Staatsbesuch in China von Präsident Mugabe Ende August wird ein Rettungspaket von ca. 3,9 Mrd. US-Dollar erlassen, das das Wirtschaftsprogramm ZimAsset unterstützen soll. Diese Maßnahme soll der steigenden Staatsverschuldung von 9,9 Mrd. US-Dollar, den Handelsdefiziten von über 4 Mrd. US-Dollar sowie der daraus erfolgten Deflation entgegenwirken. China wiederum wird weiterer Zugang zu mineralischen Ressourcen gestattet und profitiert von geplanten Infrastrukturprojekten.

Anfang Dezember findet der Jahreskongress der Regierungspartei Zanu-PF statt. Dabei wird Mugabes Frau Grace zur Vorsitzenden der Frauenliga gewählt. Damit gehört sie nicht nur dem Politbüro an, sondern hat sich auch eine günstige Ausgangssituation für die Nachfolge des Präsidentenamts gesichert. Die aussichtsreiche Gegnerin Joice Mujuru wird ihres Postens als Vizepräsidentin enthoben. Mit wochenlangen Hetzkampagnen warf man ihr neben Korruption auch ein Mordkomplott am Staatspräsidenten vor.

2015

Innerhalb der Zanu-PF eskalieren die Fraktionskämpfe, unter anderem aufgrund der Absetzung der Vizepräsidentin Mujuru. Die verfeindeten Lager bestehen um Mugabe/Mutasa und Vize Emmerson Mnangagwa. Mutasa bekleidete Jahrzehnte lang hohe Posten in der Partei, wird aber Mitte Februar aus der Partei ausgeschlossen; Mujuru Anfang April. Die Chancen für Mnangagwa, das Präsidentenamt zu beerben, steigen somit.

Mitte Juni gehen staatliche Sicherheitskräfte gegen die NGO Southern Africa Crisis Management (SACMA) in Harare vor und konfiszieren Dokumente. Das Vorgehen gilt hauptsächlich der Einschüchterung von Nichtregierungsorganisationen, die Bezüge zu Basisinitiativen haben und die Verteilung staatlicher Hilfsleistungen beobachten. Außerdem gehen Vertreter der regierungsnahen Zanu-PF-Jugendliga gegen Unterstützer unabhängiger Kandidaten vor. Erstattete Anzeigen wegen verwüsteter Marktstände, Körperverletzung und Drohungen werden von der Polizei nicht verfolgt.

Die Wirtschaftszweige der Landwirtschaft, Minen, der Industrie und des Dienstleistungssektors schrumpfen, sodass sämtliche Wachstumsprognosen nach unten korrigiert werden müssen. Trotz ständiger Beteuerungen der Regierung, die lokale Produktion zu fördern, wird weiterhin übermäßig importiert. Mehr als 76 Prozent aller Familien leben bereits von weniger als 200 US-Dollar (die Armutsgrenze liegt bei 500 US-Dollar).

Im September entscheidet die Europäische Union über finanzielle Hilfen von insgesamt 89 Mio. Euro für Simbabwe. Die Staatsverschuldung liegt währenddessen bei etwa 7,1 Mrd. US-Dollar.

Am 11. September kommt es zur Kabinettsumbildung. 14 Minister werden ausgewechselt, weitere Zanu-PF-Günstlinge fürchten um ihre Posten und Gehälter.

Die Ex-Unabhängigkeitskämpferin Joice Mujuru gründet am 8. September eine neue Partei, die wie die Regierungspartei Zanu-PF heißt. Dabei steht PF für „people first" und nicht für „patriotic front". Politische Beobachter gehen davon aus, dass sie noch etliche Unterstützer in ranghohen Positionen hat. Sie soll unter anderem dafür verantwortlich sein, dass der Präsident im September versehentlich eine bereits im August gehaltene Rede hielt. Demnach habe sie der Öffentlichkeit seine Altersschwäche vorführen wollen.

2016

Während die EU ihre Sanktionen gegen Regierungsvertreter teilweise aussetzt, werden einzelne Sanktionen gegen Robert Mugabe und seine Frau aufrechterhalten, ebenso das Waffenembargo und Restriktionen gegen die Zimbabwe Defence Industries.

Im März erhält die Regierung, aufgrund der durch das Wetterphänomen El Niño verursachten Dürre, internationale Nahrungsmittelhilfe, auch durch das Welternährungsprogramm WFP. Nicht-Mitglieder der Zanu-PF werden teilweise vom Zugang zur Nahrungsmittelhilfe ausgeschlossen.

Gegen Proteste aufgrund ausbleibender Gehälter staatlicher Angestellter sowie der schlechten Versorgungslage geht die Polizei gewaltsam vor. Laut zivilgesellschaftlicher Beobachter werden allein im Juli etwa 100 Demonstranten inhaftiert. Zeitweise blockiert die Regierung die elektronische Kommunikation, da Online-Kampagnen wie #thisflag gegen die wirtschaftliche und politische Situation im Internet Erfolg zeigen. Der am 9. März verschleppte politische Aktivist und Journalist Itai Dzambara ist immer noch spurlos verschwunden.

Im September sagt die Weltbank Simbabwe einen Kredit in Höhe von 400 Mio. US-Dollar zu. Aufgrund der anhaltenden wirtschaftlichen Krise gelten zudem ab Oktober im Land Schuldscheine (bond notes), die als Bargeldersatz dienen und de facto den gleichen Wert wie US-Dollar besitzen sollen.

Vizepräsident Mnangagwa stellt im November vor dem UN-Menschenrechtsrat (UN-OHCHR) den Regierungsbericht vor und spricht von Fortschritten. Währenddessen beklagen simbabwische Menschenrechtsorganisationen die Lage im Land und weisen auf Folter, das Verschwindenlassen von Personen und die Beschränkungen der Versammlungs-, Meinungs- und Pressefreiheit hin. Vieles deutet darauf hin, dass Mnangagwa den Machtkampf in der Regierung gewinnen wird, da sich die Generäle deutlich zu ihm bekannt haben. Aufgrund gesundheitlicher Probleme Mugabes wird vermutet, dass er bereits im Hintergrund die Fäden in der Hand hält.

2017

In den ersten fünf Monaten des Jahres 2017 beträgt das Handelsdefizit Simbabwes insgesamt 1,01 Mrd. US-Dollar. Trotz Mais-Importstopps im Februar wird Mais im Wert von 82 Mio. US-Dollar importiert, um den Grundbedarf im Land zu decken. Privatpersonen dürfen nur noch 50 US-Dollar am Tag abheben, geschäftliche Auslandsüberweisungen werden auf 1000 US-Dollar täglich beschränkt.

Anfang des Jahres werden bereits über 20 Krankheits- und 130 Verdachtsfälle von Typhus registriert. Marode Abwasser- und Wasserleitungen gelten als Ursachen. Des Weiteren verkündet die Regierung, das Land enteigneter weißer Farmer an Kriegsveteranen vergeben zu wollen. Oppositionelle werfen ihr Patronage und Instrumentalisierung der Veteranen vor.

Auf oppositioneller Seite entschließen sich das Movement for Democratic Change (MDC-T) mit dem Vorsitzenden Morgan Tsvangirai und die National People's Party mit Gründerin Joice Mujuru zukünftig zusammenzuarbeiten.

In Folge der Regierungsankündigung, Hinterbliebenen des Massakers Gukurahundi Anfang der 1980er-Jahre Personaldokumente auszustellen, entbrennt sich eine Debatte im Matabeleland. Jahrzehnte lang waren diese ihnen verweigert worden. Kritikern zufolge sei dies eine Wahlkampftaktik, fehlen würde eine offizielle Entschuldigung der Regierung zu dem Mord der Eliteeinheit 5. Brigade an über 20.000 Zivilisten.

In der Nacht vom 14. auf den 15. November wird Präsident Robert Mugabe schließlich durch das Militär entmachtet. Der in der Woche zuvor entlassene Vizepräsident Emmerson Mnangagwa übernimmt in Folge dessen die Regierungsgeschäfte. Die Machtübernahme, von internationalen Medien als „Putsch" bezeichnet, verläuft friedlich. Mugabe wird unter Hausarrest gestellt und tritt eine Woche später offiziell zurück. Es herrscht Aufbruchstimmung im Land.

2018

Der neue Präsident Mnangagwa wandelt Anfang des Jahres Todesurteile von Strafgefangenen in lebenslange Haft um, die bereits seit über zehn Jahren im Todestrakt auf die Vollstreckung ihres Urteils warten. Die Regierung veröffentlicht des Weiteren eine Liste mit über 1800 Namen, die illegal Gelder ins Ausland geschafft haben sollen. Die meisten Fonds wurden nach China ausgelagert, vielfach werden Bergbau- und Einzelhandelsunternehmen verantwortlich gemacht. In Mugabes Nachfolger werden große Hoffnungen gesetzt.

Am 14. Februar verstirbt Oppositionsführer Morgan Tsvangirai und langjähriger Konkurrent Mugabes nach einer Krebserkrankung. Neuer Präsident des MDC und Nachfolger Tsvangirais wird Nelson Chamisa.

Mit einer minimalen Mehrheit wird Emmerson Mnangagwa am 30. Juli offiziell zum neuen Präsidenten Simbabwes gewählt. Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften nach der Wahl kosten mindestens sechs Menschen das Leben. Oppositionspolitiker und ehemaliger Finanzminister Tendai Biti wird vorübergehend festgenommen und Anstiftung zu Gewalt vorgeworfen. Das erste Mal nach 16 Jahren werden wieder internationale und regionale Wahlbeobachter zugelassen (EU, Commonwealth, USA, AU, SADC). Die Oppositionspartei MDC Alliance ficht das Ergebnis der Wahl vor dem Verfassungsgericht an; dieses bestätigt schließlich Mnangagwa im Amt.

In den Monaten nach der Wahl protestiert der Simbabwische Gewerkschaftskongress (ZCTU) gegen Steuererhöhungen. Preiserhöhungen führten zu „Panikkäufen" und Engpässen bei Kraftstoff und anderen Gütern. Kritikern zufolge war der Putsch im vergangenen Jahr einzig ein Mittel, um die Köpfe in der Führungsriege der Zanu-PF auszutauschen und keine wirkliche Veränderung herbeizuführen. Die Forderung Chamisas nach einer nationalen Übergangsregierung lehnt Präsident Mnangagwa ab.

Das Verfassungsgericht verbietet Abschnitt 27 des umstrittenen Gesetzes über öffentliche Ordnung und Sicherheit (POSA), in dem Demonstrationen ohne Genehmigung der Polizei untersagt sind.

2019

Durch Mnangagwas Reise nach Russland Anfang des Jahres erhofft sich die Regierung russische Kredite und Waffenlieferungen.

Anfang Januar sterben mehrere Menschen bei Protesten gegen eine Verdopplung der Benzinpreise. Mnangagwa kehrt vorzeitig von seiner Auslandsreise zurück. Der Oppositionelle Pastor Evan Mawarire wird festgenommen. Ihm wird Anstiftung zu Gewalt über Online-Medien vorgeworfen. Trotz dem blutigen Ende der Proteste rufen Lehrergewerkschaften Anfang Februar erneut zu Protesten auf und fordern Lohnerhöhungen und Auszahlung des Lohns in Dollar. Eine Vereinbarung mit der Regierung beendet die Proteste nach einigen Tagen.

Simbabwes Vizepräsident General Constantino Chiwenga wird Anfang Mai in einem indischen Krankenhaus behandelt. Offiziell handelt es sich um abdominale Beschwerden, Gerüchte kursieren, er sei während des Putsches 2017 mit Polonium-210 vergiftet worden. Zeitgleich versetzt Mnangagwa vier Generäle in den Ruhestand, die bisher gemeinsam mit Chiwenga wohl die eigentlichen Machthaber in Simbabwe waren.

Das umstrittene Gesetz, der Access to Information and Protection of Privacy Act (AIPPA), soll abgeschafft werden, verkündet die Ministerin für Information, Öffentlichkeitsarbeit und Rundfunkdienste, Monica Mutsvangwa, Mitte Februar.

Zwischen 60 und 70 Minenarbeiter kommen bei einer Überflutung von zwei Bergbauschächten bei Mhondoro-Ngezi nahe Kadoma ums Leben. Die Regierung lässt verlauten, sie wolle ihre Bergbaupolitik überarbeiten.

Anfang April überfällt die simbabwische Polizei die Büros der Online-Nachrichtenseite 263 Chat und schießt Tränengas in die Nachrichtenzentrale. Sie hat den Reporter Lovejoy Mtongwiza bis zu den Nachbarbüros von 263 Chat verfolgt. Mtongwiza hat zuvor die Vertreibung von Straßenhändlern durch die Polizei in der Hauptstadt Harare gefilmt.

Nach jahrzehntelangem Schweigen über die Gräueltaten, die in der Säuberungsaktion „Gukurahundi" in den 80er-Jahren im Südwesten des Landes begangen wurden, hat Präsident Mnangagwa im April der Exhumierung und Neubestattung der Opfer zugestimmt. Bis zu 20.000 Menschen, meist Zivilisten, sind damals umgekommen und wurden in Massengräbern verscharrt oder in Minenschachte geworfen. Staatliche Zuschüsse sollen den Prozess erleichtern und den noch traumatisierten Überlebenden medizinische und notarische Hilfe zukommen lassen.

Der niedrige Wasserstand am Kariba-Staudamm hat die simbabwischen Behörden dazu veranlasst, für täglich 10 Stunden den Strom zu sperren. Damit soll ein Komplettausfall der Stromversorgung in den kommenden vier Monaten vermieden werden. Die spärlichen Regenfälle der letzten Regenzeit gehören zu den geringsten innerhalb von 40 Jahren. Dabei ist der Wasserspiegel im Karibasee noch wesentlicher von Regenfällen im Kongo und in Sambia abhängig. Zu vergleichbaren Stromsperren war es zuletzt 2016 aufgrund der Dürre gekommen. Nur 40 Prozent der Bevölkerung Simbabwes haben Zugang zur Stromversorgung.

Um den spekulativen Währungshandel und die dreistufige Preisgestaltung von Waren und Dienstleistungen, die sich aus der Diskrepanz zwischen dem offiziellen Wechselkurs und dem informellen Parallelmarktkurs speiste, zu beenden, hat die Regierung das Multi-Währungsregime aufgegeben und den Simbabwe-Dollar als einziges gesetzliches Zahlungsmittel für alle lokalen Transaktionen mit Wirkung vom 24. Juni eingeführt. Die Währungsreformen werden als entscheidend für die makroökonomische und Preisstabilität angesehen.

Bei Protesten gegen die verheerende Wirtschaftspolitik werden Mitte August in Harare über 100 Oppositionelle zusammengeschlagen, die sich trotz Polizeiverbot versammelt haben. Im Anschluss daran werden auch Proteste in Bulawayo und Gweru unterdrückt. Nachdem bereits sechs Aktivisten entführt, gefoltert und zum Teil getötet wurden, wird die unter dem Künstlernamen „Gonyeti" bekannte Komikerin Samantha Kureya am 21. August von Bewaffneten aus ihrem Haus gezerrt und geschlagen. Sie hatte eine Skizze über das Verbot von Protesten angefertigt, in denen sie Polizei und Regierung kritisierte.

Am 6. September stirbt Ex-Präsident Robert Mugabe im Alter von 95 Jahren in einem Krankenhaus in Singapur. Mugabe war im November 2017 nach 37 Jahren Regierung unter dem Jubel der Bevölkerung aus dem Amt geputscht worden. Die Trauerfeier für den früheren Langzeitpräsidenten wird von deutlich weniger Einwohnern des Landes besucht als erwartet. Bei der Zeremonie in dem 60.000 Besucher fassenden Stadion in Harare sind es die Staatschefs und Ex-Präsidenten aus afrikanischen Ländern, die Simbabwes langjährigem Präsidenten die letzte Ehre erweisen, während auf den Straßen normaler Alltag herrscht. Mugabe soll auf dem National Heroes Acre in Harare beerdigt werden, sobald das geplante Mausoleum für ihn fertiggestellt ist.

Simbabwe erhält vom Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria 500 Millionen US-Dollar für den Zeitraum von 2020 bis 2022. Die Geldzusagen folgen auf eine Konferenz im Oktober, der Präsident Emmerson Mnangagwa persönlich beiwohnte. Damit erhält Simbabwe ein Viertel aller Hilfsgelder des Globalen Fonds, die an afrikanische Staaten fließen. Der Löwenanteil der Hilfsmittel fließt mit 425 Mio. US-Dollar in die Bekämpfung von HIV und Aids, 24 Mio. US-Dollar in Tuberkulose-Medikamente sowie 51 Mio. US-Dollar in die Eindämmung der Malaria. Angesichts von gegenwärtigen Haushaltseinnahmen in Höhe von ca. 3,8 Mrd. US-Dollar pro Jahr sind diese Summen für Simbabwe keineswegs irrelevant.

Simbabwes Stromversorger ZESA, der mit 77 Mio. US-Dollar Schulden belastet ist, hat säumige Zahler vom Netz getrennt. Südafrika hat zudem die letzte flugfähige Maschine von Air Zimbabwe wegen nicht bezahlter Gebühren beschlagnahmt. Präsident Mnangagwa hat den 25. Oktober als Anti-Sanktionstag ausgerufen, um von der tiefen Wirtschaftskrise abzulenken. Dem Aufruf, gegen die US- und EU-Sanktionen zu demonstrieren, folgen allerdings nur wenige Menschen. Die US-Regierung kündigt zugleich Sanktionen gegen den Sicherheitsminister an wegen „schwerwiegender Menschenrechtsverletzungen", die auch nach Mugabes Ära immer weiter gehen.

Ein großer Ärztestreik führt die Krise im Gesundheitswesen drastisch vor Augen. Mit nicht einmal 100 Euro im Monat sind Simbabwes Ärzte nicht nur deutlich unterbezahlt, die Krankenhäuser leiden auch an fehlenden Medikamenten und Geräten, an Strom und Wasser, ohne die eine sichere Behandlung der Patienten nicht gewährleistet werden kann. Im September gehen die Ärzte in den Streik. Sie fordern bessere Löhne, die wegen der steigenden Inflation an den US-Dollar gebunden werden soll. Mitte des Monats wird Dr. Peter Makombeyi, Chef der Ärztevereinigung, von einer Gruppe von Männern entführt, weil er den Streik geplant haben soll. Im November gehe auch die Mitglieder des öffentlichen Dienstes auf die Straße. Nachdem bis Anfang Dezember über 400 Ärzte gefeuert werden, haben sich die leitenden Ärzte den streikenden jüngeren Kollegen angeschlossen. Der Kollaps des Gesundheitswesens, für den die Misswirtschaft, die rasante Inflation und die horrende Korruption verantwortlich gemacht wird, hat dazu geführt, dass Millionen Simbabwer haben keinen Zugang zu medizinischer Behandlung haben, weil die Preise hochgeschnellt sind und die meisten Bürger keine Krankenversicherung haben.

2020 Wohl über 150 Menschen wurden innerhalb von nur drei Monaten bei gewaltsamen Auseinandersetzungen in der Umgebung der Bergbaugemeinde Kagoma und den angrenzenden Bezirken auf bestialische Weise ermordet. Dies geht aus einem Bericht des Zimbabwe Peace Project (ZPP) hervor, einer lokalen NGO, die Menschenrechtsverletzungen in Simbabwe aufzeichnet und dokumentiert. Simbabwe hat sich zu einer Hochburg für illegale Goldförderung entwickelt. Das Gold bzw. goldhaltige Erden werden zum Teil von Hand abgebaut und dann ausgewaschen, immer öfter überfallen aber auch schwer bewaffnete Banden existierende und lizensierte Goldbergwerke. Die „Zimbabwe Human Rights Commission" (ZHRC) geht Mitte Januar davon aus, dass die Goldschürf-Banden Hunderte von Toten zu verantworten haben. Laut dem ZPP-Bericht stammt die Mehrheit der Macheten-Killerkommandos, bekannt als „MaShurugwi" und „al-Shabaab", aus den Midlands, der Heimatprovinz von Präsident Emmerson Mnangagwa. Die Polizei vermochte die Gewalt der Banden bislang nicht zu stoppen oder zu kontrollieren. Polizeibeamte werden auch beschuldigt, mit den Banden zusammenzuarbeiten, nachdem sie Bestechungsgelder erhalten hatten.

Ende Januar ist der viermonatige Medizinerstreik beendet. Die jungen Ärzte sind an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt, nachdem Strive Masiyiwa, Econet-Gründer, Milliardär und Philanthrop, sich bereit erklärte, für ein halbes Jahr jedem von rund 2000 Ärzten monatlich ein Unterhaltsgeld von 300 Dollar zu zahlen und den Transport zur Arbeit zu ermöglichen. Der Streik hatte eine Gesundheitskrise ausgelöst, die einer unbekannten Zahl von Menschen das Leben kostete. Man sprach von einem „stillen Völkermord".

Nach weniger als einem Jahr wird Anfang März der US-Dollar wieder eingeführt. Bestimmte Sektoren wie der Tourismus und die Treibstoffindustrie dürfen den Dollar wieder nutzen. Seit Juni letzten Jahres galt nur noch der Zim-Dollar als Währung, in südafrikanischem Rand, US-Dollar, chinesischen Yuan oder dem Euro durfte nicht mehr bezahlt werden.

Am 17. März erklärt Präsident Emmerson Mnangagwa wegen der weltweiten Corona-Pandemie den Ausnahmezustand mit Reiserestriktionen und Verbot von größeren Versammlungen. Am 20. März wird ein erster Covid-19-Fall eines Mannes, der am 15. März aus Großbritannien über Südafrika einreiste, gemeldet. Am 24. März setzt Mnangagwa eine elfköpfige Task Force ein, die später Vizepräsident General Constantino Chiwenga leitet. Mit Wirkung vom 30. März gilt eine dreiwöchige Ausgangssperre.

Ein Urteil des Obersten Gerichtshofs vom 31. März hat den Führungsstreit der Oppositionspartei Movement for Democratic Change (MDC) neu entfacht. Nach dem Urteil ist Nelson Chamisa nicht der rechtmäßige Parteichef der MDC. Das Gericht bestätigt damit das frühere Urteil einer niederen Instanz, wonach Thokozani Khupe rechtmäßige Interimspräsidentin der Partei sei. Es ordnet Chamisa an, innerhalb von drei Monaten einen außerordentlichen Kongress zur Wahl einer neuen Führung einzuberufen. Bis dahin muss die MDC zu den Strukturen zurückkehren, die 2014 bestanden, als die Partei unter dem damaligen Namen MDC-T (für Tsvangirai) ihren letzten Kongress abhielt. Damals wurde Khupe zur Stellvertreterin des inzwischen verstorbenen MDC-Gründungsvorsitzenden und Ex-Premierministers Morgan Tsvangirai gewählt. Dieser hatte Chamisa und Elias Mudzuri allerdings 2016 zu Co-Vizepräsidenten ernannt und damit Khupe gleichgestellt.

Drei Aktivistinnen der MDC-Allianz sind Opfer schweren sexuellen Missbrauchs geworden, wie MDC-Führer Nelson Chamisa am 15. Mai mitteilt. Unter den Frauen ist auch eine Parlamentsabgeordnete, die am 13. Mai spurlos verschwand, bevor sie tags darauf bewusstlos und mit Spuren schwerer Folter aufgefunden wurde. Die Frauen berichten, sie seien zum zentralen Polizeirevier von Harare gebracht worden, aus dem sie später mit verbundenen Augen weggebracht wurden. Sie seien von mutmaßlichen Staatssicherheitsbeamten in eine Erdgrube geworfen und dann gefoltert worden. Dabei erlebten die drei Aktivistinnen schwerste sexuelle Misshandlungen. Die großen Kirchen und Amnesty International verurteilen die Übergriffe aufs Schärfste.

Seit Einführung der Vorschriften zur Eindämmung des Coronavirus im März wurden in Simbabwe landesweit 106.000 Menschen wegen Verstößen gegen Corona-Auflagen festgenommen, allein 1000 innerhalb von zwei Tagen Ende Juli. Mit ihrem harten Durchgreifen will die Regierung gegen die Opposition vorgehen und Aktivisten und Demonstranten von der Straße halten. Am 20. Juli werden der Journalist Hopewell Chin'ono und der Oppositionsführer Jacob Ngarivhume verhaftet. Versuche ihrer Anwälte, ihnen eine Kaution zu sichern, werden abgelehnt. Beide werden wegen „Volksverhetzung" angeklagt.

Opposition und zivilgesellschaftliche Gruppen haben für den 31. Juli landesweite Proteste gegen die Korruption der Regierung organisiert. Doch die Proteste werden von der Polizei vereitelt, die eine Hexenjagd gegen politische und Menschenrechtsaktivisten startet. Zu den Verhafteten gehören die bekannte Schriftstellerin Tsitsi Dangarembga und die Sprecherin der Opposition, Fadzayi Mahere. Wenige Tage zuvor wird der 22-jährige Student Tawanda Muchechiwa, Neffe des Herausgebers der Online-Boulevardzeitung ZimLive, entführt und gefoltert, weil er angeblich Anti-Regierungsdemonstrationen in Bulawayo geplant haben soll.

In den ersten August-Tagen hat sich der Hashtag #ZimbabweanLivesMatter als Reaktion auf das brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte rasch in den sozialen Medien in aller Welt verbreitet. Berühmtheiten wie die Rapper Ice Cube, AKA und Lecrae sowie die Schauspielerinnen Thandie Newton und Pearl Thusi haben ihre Unterstützung für die Basis-Kampagne gegen die Regierung bekundet. Am 7. August wird zu Protesten vor simbabwischen Botschaften und Konsulaten in aller Welt aufgerufen.

Die Regierung hat Anfang September mit sofortiger Wirkung den gesamten Bergbau im Hwange-Nationalpark verboten. Die beiden chinesischen Unternehmen Zhongxin Mining Group und Afrochine Smelting hatten Lizenzen erhalten, um im größten Wildreservat Simbabwes nach Kohle zu suchen. Naturschützer und die Zivilbevölkerung hatten einen Dringlichkeitsantrag gestellt, in dem sie argumentierten, dass jede Art des Bergbaus die akute Gefahr einer irreversiblen ökologischen Schädigung darstelle und die Tourismusindustrie des Landes zerstören könne. Das Kabinett einigt sich auch auf ein Verbot des Bergbaus im Flussbett und im Schwemmland, mit Ausnahme der Flüsse Save und Angwa, wo dies, wenn auch unter sehr strengen Auflagen, erlaubt sein wird.

Laut einem Bericht von Spotlight Zimbabwe vom 18. September fordern führende Kräfte von Südafrikas Regierungspartei ANC angeblich, dass Simbabwes Vizepräsident General Chiwenga auf Basis eines nationalen politischen Übergangsplans vor den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen im Juli 2023 die Macht von Emmerson Mnangagwa übernimmt, um die politischen und wirtschaftlichen Probleme Harares zu beheben. Pretoria sei überzeugt davon, dass eine Übergangsregierung der einzige Weg zur Lösung der gegenwärtigen Krise Simbabwes sei, um die Wunden aus dem Militärputsch von 2017, der Präsident Robert Gabriel Mugabe stürzte, zu heilen.

Simbabwes Polizei hat den prominenten Investigativjournalisten Hopewell Chin'ono wegen Verstoßes gegen Kautionsauflagen am 3. November erneut festgenommen. Dem 49-Jährigen wird vorgeworfen, mit einem Beitrag im Kurznachrichtendienst Twitter absichtlich die Würde von Simbabwes Oberstem Richter Luke Malaba verletzt zu haben, erklärt eine Sprecherin der Menschenrechtsorganisation Zimbabwe Lawyers for Human Rights, die Chin'ono vertritt.

Finanzminister Mthuli Ncube hat Anfang Dezember für alle wichtigen Flughafeneinrichtungen des Landes ein Sanierungsprogramm bekannt gegeben, da mit einem Boom im Tourismus und im Luftverkehr gerechnet wird. China hat ein Darlehen zur Instandsetzung des Haupstadtflughafens gegeben. Luftfahrtexperten warnen seit langem, dass das veraltete Flugverkehrskontrollsystem das Leben der Passagiere in Gefahr bringt. Von 1997-2007 haben mehr als zwanzig internationale Linienfluggesellschaften wie Air France oder Lufthansa den Flugbetrieb in Simbabwe eingestellt.

Das Welternährungsprogramm (WFP) warnt gegen Jahresende vor einer Hungersnot in Simbabwe. Etwa 6,9 Millionen Menschen sind von dem Dürrejahr, zunehmender Hyperinflation und den Folgen der Corona-Pandemie betroffen. Dabei blüht auch der Goldschmuggel. Durch den illegalen Handel entgehen dem Staat schätzungsweise 100 Millionen Dollar pro Monat an Einnahmen.

2021

Am 8. Januar wird der Journalist Hopewell Chin'ono zum dritten Mal innerhalb des letzten halben Jahres verhaftet. Dieser erneute Schlag gegen die freie Meinungsäußerung seitens der Behörden erfolgt auf Grund eines Videos, das Chin'ono auf der Kurznachrichtenplattform Twitter geteilt hatte und mit dem er auf die massive Polizeigewalt im Land aufmerksam machen wollte. Chin'onos professionell recherchierte Berichte über den Beschaffungsbetrug im Gesundheitsministerium haben zur Verhaftung und Entlassung von Gesundheitsminister Moyo geführt. Für das Mnangagwa-Regime Anlass genug, die wiederholte Verhaftung von Chin'ono anzuordnen. Bisher konnte sich der Investigativjournalist durch das Zahlen von Kautionen freikaufen. Aktuell verweigert das Gericht ihm diese Möglichkeit jedoch und beruft sich dabei auf eine immer noch bestehende Anklage aus dem Juli letzten Jahres.

Der tropische Wirbelsturm Eloise ist in der dritten Januarwoche von Mosambik, wo er schwere Schäden hinterlassen hat, nach Simbabwe herübergezogen. Schwere Regenfälle haben zu Überschwemmungen, Schlammlawinen und Zerstörung der Infrastruktur in den Provinzen Manicaland, Mashonaland East und Central, Matabeleland South und Masvingo geführt. Mindestens 3 Menschen müssen ihr Leben lassen.

Am 20. Januar stirbt der Außen- und Handelsminister Sibusiso Moyo 61-jährig an Covid-19. Zwei Tage später stirbt Verkehrsminister Joel Matiza (60) ebenfalls an dem Virus. Damit hat Simbabwe das vierte Regierungsmitglied an Covid-19 verloren, nachdem Landwirtschaftsminister Perrance Shiri (65) bereits im Juni 2020 ebenso dem Virus erlag wie am 15. Januar die Ministerin für Angelegenheiten der Provinz Manicaland, Ellen Gwaradzimba (60).

Am 8. Februar tritt Frederick Shava die Nachfolge von Sibusiso Moyo als Außenminister Simbabwes an. Vor seiner Ernennung diente er als Vertreter Simbabwes bei den Vereinten Nationen. Als früherer Minister für wirtschaftliche und soziale Angelegenheiten (1981-86) und als Staatsminister für politische Angelegenheiten (1987) unter Robert Mugabe wurde Shava verhaftet, vor Gericht gestellt und wegen Korruption im Willowgate-Motorskandal von 1988/89 verurteilt, bei dem es um den illegalen Weiterverkauf von Autos durch Regierungsmitglieder ging. Die anschließende Untersuchung führte zum Rücktritt von fünf Mitgliedern des Kabinetts von Präsident Robert Mugabe. Frederick Shava wurde später vom Präsidenten begnadigt.

Der international bekannte simbabwische Künstler David Ngwerume hat eine Steinskulptur geschaffen, die für die Covid-19-Impfung wirbt. Mit der Skulptur, die aus schwarzem und weißem Quellstein besteht und einen Mann mit einer chirurgischen Maske zeigt, der seine Covid-19-Impfung erhält, willl Ngwerume die Menschen ermutigen, sich impfen zu lassen. Simbabwe hat bis Ende April 0,3 % der Bevölkerung vollständig geimpft. Den Sinopharm-Impfstoff hat die Regierung von China erhalten.

Mitte Mai entscheidet der Oberste Gerichtshof Simbabwes, dass die umstrittene Verlängerung der Amtszeit des „Chief Justice" durch Präsident Mnangagwa illegal ist. Mnangagwa hatte die Amtszeit von Luke Malaba um fünf Jahre verlängert, nur wenige Stunden bevor der Oberste Richter in den Ruhestand gehen sollte. Laut dem Grundsatzurteil endete die Amtszeit von Malaba, als er 70 Jahre alt wurde. Dies stehe in Übereinstimmung mit der Verfassung von 2013. Präsident Mnangagwas Handlung wird als Schritt gesehen, seine Macht zu konsolidieren.

(Stand: Juni 2021)