Swasiland

Wo des Königs Wort Gesetz ist

Königstochter Foto: Amada/Wikipedia

Swasiland ist ein absolutes Königreich. Diese politische Verfassung spaltet das Land. Das führt immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen. Die Menschen auf dem Lande, wo die Mehrheit der Bevölkerung lebt, halten an den traditionellen Hierarchien fest. Die Menschen in den Städten und auf den Plantagen und Industrien fordern bürgerliche Freiheiten und Rechte. Moderate setzen sich für die Umwandlung in einer konstitutionelle Monarchie ein. Immer mehr aber fordern angesichts der unbeweglichen Haltung des Königs seinen Rücktritt und die Umwandlung Swasilands in eine Republik.

Staat und Verwaltung

Offizielle Bezeichnung Umbuso we Swatino; Kingdom of Swaziland; Königreich Swasiland
Unabhängigkeit 6. September 1968 (von Großbritannien)
Fläche 17.364 qkm
Landesnatur hügeliges, bergiges Land mit einigen leicht abfallenden Ebenen; das Klima variiert zwischen tropischen und temperierten Temperaturen
Höchste Erhebung Emlembe (1.862 m)
Küste Binnenland mit Grenzen zu Südafrika und Mosambik
Umweltprobleme limitierte Verfügbarkeit von Trinkwasser; Wildtierpopulationen auf Grund zu starker Jagd erschöpft; Überweidung, Bodendegradation, Bodenerosion
Einwohnerzahl 1.403.362 (Juli 2013 geschätzt)
Bevölkerungsdichte 80,8 Einwohner pro qkm Landfläche (eig. Berechnung)
Hauptstadt Mbabane
Landessprachen Englisch, siSwati (Amtssprachen)
Religionen christlich orientierte afrikanische Religionen (40%), Katholiken (20%), Muslime (10%), andere (30%)
Staatsform Monarchie
Verfassung unterschrieben: Juli 2005; in Kraft getreten: 8 Februar 2006 
Wahlrecht wahlberechtigt sind alle Bürger ab 18 Jahren
Exekutive Staatsoberhaupt: King Mswati III. (seit 25. April 1986), Regierungschef: Premierminister Sibusiso Barnabas Dlamini, Kabinett: Empfehlung durch Premierminister und bestätigt durch den Monarchen, Wahlen: keine
Legislative Zweikammernparlament oder Libandla (Beirat), der aus den Senatsitzen (30, davon 10 von der Versammlung, 20 vom König ernannt) und den Versammlungsabgeordneten (65 Sitze, 10 vom König ernannt, 55 gewählt) besteht
Parteien laut Verfassung nicht erlaubt, wird jedoch diskutiert
Rechtssystem basiert auf südafrikan. römisch-niederländischem Recht; in traditionellen Gerichten gelten swasische traditionelle Gesetze und Gebräuche
Justiz Supreme Court, High Court, Court of Appeal (Richter vom Monarchen ernannt)
Verwaltungsgliederung vier Distrikte: Hhohho, Lubombo, Manzini, Shiselweni
Internationale Mitgliedschaften UNO und Unterorganisationen; Afrikanische Union (AU); Entwicklungsgemeinschaft SADC; Handelsgemeinschaft COMESA; Afrika-Karibik-Pazifik-Staaten (AKP); Welthandelsorganisation (WTO); Internationaler Währungsfond (IMF); Weltbank
Internationale Länderkategorien LDC-Status
(8 der 15 SADC-Staaten gelten nach UN-Bestimmungen als Least Developed Countries - "am wenigsten entwickelte Länder" - und bekommen besondere Mittelzuwendungen)

 

Wirtschaft

Währung 1 Lilangeni (SZL) = 100 Cents

1:1 gekoppelt an südafrikanischen Rand

Wechselkurs

1 US$ = 9,85001 SZL (August 2013)

aktueller Wechselkurs: OANDA


Export / Importgüter
- Wichtige Exportgüter Getränkekonzentrate, Zucker, Zellstoff, Baumwollgarn, Gefriertruhen, Dosen-Zitrusfrüchte
- Wichtige Importgüter Motorfahrzeuge, Maschinen, Transportausstattung, Nahrungsmittel, Petroleum, Chemikalien

Wichtige Handelspartner
- Export Südafrika (72%), EU (12%), Großbritannien (6%), Mosambik (4%), USA (4%)
- Import Südafrika (89%), EU (5%), Japan (2%), Singapur (2%)

Infrastruktur
- Eisenbahn 301 km
- Straßen 3.594 km (davon 1.078 km geteert)
- Flugplätze 15 (davon zwei mit befestigter Start- und Landebahn)
- Häfen Binnenland

 

Weitere wirtschaftliche Indikatoren siehe Ländervergleich Wirtschaft
Soziale Indikatoren siehe Ländervergleich Soziales

Chronologie

Frühgeschichte
spätes Steinzeitalter Nomadische Buschmänner, die San, besiedeln das Gebiet. Neuzeitliche Forscher entdeckten bis zu 20 Felszeichnungen in Swasiland, von denen die wohl bekannteste Nsangwini in der Nähe von Pigg's Peak (im Norden Swasilands) ist.

Die Bantumigration und -expansion
um Christi Geburt Die ersten Bantu kommen in das Gebiet Swasilands. Sie sind Verwandte der noch heute im Süden Afrikas lebenden Nguni. Aus Norden und Nordwesten kommend, siedeln die Vorfahren der Swasi zunächst auf dem Gebiet des heutigen Mosambik.
um 1750 Ngwane III. vom Clan der Dlamini führt sein Volk weiter ins Innere des Landes und gründet dort das kleine Königreich auf dem Gebiet des heutigen südlichen Swasiland.
1820er Die militärische Expansion der Zulu unter ihrem König Shaka, die unter dem Namen difaqane oder mfecane bekannt wurde, veranlasst Ngwanes Nachfolger Sobhuza I., die Hauptstadt des Königreiches ungefähr an der Stelle der heutigen Hauptstadt Mbabane neu zu gründen. In den folgenden Jahren vereint Sobhuza die Verbliebenen unterschiedlicher Gruppen, die von Angriffen der Zuluarmee fast völlig zerstört wurden, stärkt somit seine Verteidigungskräfte und kann, vor allem mit Hilfe friedlicher Diplomatie, die Grenzen seines Königreiches erweitern.
1840 bis 1868 Sobhuzas Sohn Mswati II. übernimmt das Amt seines Vaters. Er führt die Politik seines Vaters, wenngleich gewaltsamer, fort und vereint die Oberhäupter der Stämme, um eine Nation zu gründen, die den Zulu unter dem Namen Mswati-Mswazi bekannt ist. Wie sein Vater unterlässt es auch Mswati II., die militärisch überlegenen Zulu anzugreifen. Die Swasi sind als Volk der Diplomatie und Harmonie bekannt. Der regierende Clan der Dlamini versucht, über Verträge, Bündnisse und Heiraten den Staat zu sichern und zu vergrößern. Ende der 1860er Jahre steht das Königreich der Swasi in seiner Blüte. Erst die Kolonisierung vernichtet diese soziale Flexibilität bei der Neuordnung von politischen Einheiten, die die genuine Struktur vieler afrikanischer Gesellschaften auszeichnet.

Europäische Herrschaft und Kolonialismus
Ende des 19. Jh. Eingeschlossen von den Buren (Transvaal), den Briten (Natal) und den Zulu, sehen die Swasi in den Zulu ihre stärksten Feinde. So verbünden sie sich mit den Europäern gegen ihre afrikanischen Nachbarn. Verträge zwischen Engländern und Buren erkennen einerseits die Existenz des von einem Paramount Chief regierten Swasiland an, stellen es andererseits jedoch unter ihre Verwaltung. Sie verfügen nach Belieben über Umfang und politische Zuordnungen des kleinen Königreiches. So muss Swasiland vergleichsweise große Gebiete an den Transvaal und Natal abgeben.
1879 In den Bergen Swasilands werden Gold und Kohle gefunden (die Bodenschätze mit den größten Vorkommen Asbest und Eisen werden erst rund 50 Jahre später entdeckt). Ein Strom von Abenteurern flutet in das Land und wird vom König willkommen geheißen. Die Entdeckung der Goldvorkommen ändert aber das Machtverhältnis zwischen Europäern und Swasis, deren Herrschaftsstrukturen mehr und mehr untergraben werden.
1880er Portugiesen, Buren und Engländer legen durch Verträge die Grenzen ihrer Kolonien zu Swasiland fest.
1881 und 1884 In zwei Verträgen legen die Briten und Buren die Unabhängigkeit Swasilands fest. Doch entsprechen die im Vertrag festgelegten Grenzen keineswegs denen des Königreiches. So fallen tausende Swasi unter die Verwaltung der Transvaal-Regierung. Die garantierte Unabhängigkeit wird zudem systematisch von den Buren verletzt, die ihren Plan von der Annexion Swasilands nie aufgeben.
1890 Auf der Ersten Swasiland-onvention wird beschlossen, dass das Königreich gemeinsam von Großbritannien und den Buren verwaltet werden soll.
1893 Großbritannien gibt dem Druck der Buren nach und übergibt alle Verwaltungsrechte über Swasiland an die Südafrikanische Republik. Dies stößt bei der Regierung Swasilands auf heftigen, jedoch ungehörten Widerstand. Ein Jahr später, 1894, bekräftigt Großbritannien seinen Entschluss, Swasiland der Burenrepublik zu überlassen.
1899 bis 1902 Der so genannte Burenkrieg tobt zwischen den Briten und Buren in Südafrika. Nach der Niederlage der Buren übernimmt Großbritannien erneut die Kontrolle über das Königreich Swasiland.
1907 Das Protektorat Swasiland erhält einen Resident Commissioner. Das System dualer Verwaltung wird in Swasiland eingeführt: Der britische Resident Commissioner und seine District Officers kooperieren mit dem König, dem Nationalrat und den lokalen Oberhäuptern.
1914 In Form eines Teilungsvertrags verlieren die Swasi bis zu zwei Drittel ihres Territoriums. Viele Swasi werden gezwungen, in die über das Land verstreuten 32 Reservate abzuwandern, die als Swazi Nation Land bekannt werden. In diesen Reservaten wird das Land kommunal genutzt. Andere Swasi müssen als Arbeitskräfte mit den neuen Landherren ein Übereinkommen finden. Somit hat das Gebiet Swasilands eine ähnliche Aufteilung wie das von weißen Siedlern beherrschte Südrhodesien (Simbabwe): Die fruchtbarsten Gebiete sind in Besitz privater Siedler und europäischer Minengesellschaften und die Reservate der Afrikaner müssen billige Arbeitskräfte liefern. Die Einführung von Steuern, die höher als in anderen Teilen Afrikas ausfallen, übt zusätzlichen Druck auf die afrikanische Bevölkerung aus, ihre Arbeitskraft den europäischen Siedlern unter Vertrag zu stellen.
1921

Sobhuza II. übernimmt die Regentschaft, die seit 1899 - als er den Thron im Alter von sechs Monaten bestieg - von seiner Großmutter geführt wurde. Sie garantierte eine Politik des harmonischen Ausgleichs nach innen und außen, bemühte sich um die Bildung ihres Volkes, v. a. mit der Gründung eines Swasi Nationalfonds. Mit der Unterstützung der in Johannesburg gegründeten Zeitschrift Abantu-Batho und des South African Native National Congress, dem späteren African National Congress (ANC), bezeugte sie ihren Widerstand zur Herrschaft der europäischen Siedler.

Während in der ersten Zeit der Kolonialisierung die traditionellen Institutionen an Boden und Gehalt verlieren, kommt es nach Machtantritt Sobhuzas II. zu einer Form der Ethnic Mobilisation. Er belebt und integriert traditionelle Formen in neuen Kontexten wieder wie z. B. Ncwala, ein jährliches Ritual, das Fruchtbarkeit, Königsmacht und nationale Einheit zugleich realisiert. Somit wird es der Swasi-Aristokratie ermöglicht, den Absichten der Briten in den 20er und 30er Jahren des 20. Jh., das sogenannte System des Indirect Rule auch in Swasiland einzuführen, entgegenzukommen, ohne sich als bezahlte Funktionäre der Kolonialmacht einverleiben zu lassen. Die Aristokraten und der König selbst nutzen ihre Stellung, um sich als Händler und Geschäftsleute zu etablieren. Die Wanderarbeiter leisten Abgaben an einen Fonds, der den Rückkauf von Land aus dem Besitz der Kolonialherren ermöglicht. Der König und die Stammesoberhäupter verwalten die Native Areas. Liqoqo, der Rat der Chiefs, und Libandla, die Volksversammlung, werden wieder aktiviert. Der Swazi National Council entwickelt sich allmählich zu einer Art Parlament, zu dem das gemeine Volk jedoch kaum Zugang erhält.

1930er und 1940er Die britische Regierung erkennt die Kompetenzen des Königs und des Swazi National Council an: So behalten die Swasi alle Rechte bei der Ernennung von Oberhäuptern und bekommen einen Teil des Budgets in Eigenverwaltung zuerkannt.
nach 1945 Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges sieht sich die regierende Swasi-Elite vor allem durch bisher vernachlässigte Gruppen herausgefordert: Landlose, Arbeitsmigranten, Frauen und Gebildete. So verbünden sie sich mit den europäischen Siedlern und Unternehmern im Land. Diese haben durch einen so genannten European Advisory Council weitgehend Einfluss auf die Kolonialverwaltung.
1959/60 Die Swasi-Elite und der European Advisory Council stellen sich gemeinsam gegen die Einführung des allgemeinen Wahlrechts für den Legislativrat und präsentieren ein "multirassisches Modell" mit einem Anteil von je 50% der Abgeordneten, die von dem König und dem Swazi National Council einerseits und von der europäischen Minderheit andererseits gewählt werden sollen. So will der König versuchen, seine Macht vor eventuell starken neuen bürgerlichen Parteien zu schützen.
1960 Aus der bereits 1929 gegründeten Progressive Association entsteht die Swaziland Progressive Party. Jedoch zerfällt die Partei nach nur kurzer Zeit wieder.
1963 Als Nachfolgeorganisation der Swaziland Progressive Party gründet sich der Ngwane National Liberatory Congress (NNLC) unter Dr. Ambrose Zwane. Sein Programm gilt als panafrikanisch und linksgerichtet, obwohl Zwane selbst diese Kategorisierung ablehnt. Großbritannien stimmt dem Konzept der Swasi-Elite und europäischen Siedler nicht zu. Es kommt zu einem Kompromiss: Acht der 24 Sitze werden nach der Tradition der Swasi bestimmt, acht Sitze für die europäische Minderheit reserviert und acht Sitze in allgemeiner Wahl besetzt. Da das Konzept keiner der beteiligten Parteien gefällt, die Kolonialregierung jedoch hart bleibt, kommt es im Juni des Jahres zu organisierten Streiks und Demonstrationen. Daraufhin werden Zwane sowie einige seiner Anhänger, die mit den Streiks in Zusammenhang gebracht werden, verhaftet. Nun gründet der König selbst eine parteiähnliche Vereinigung: die Imbokodvo. Auch die europäischen Siedler schließen sich in einer Partei zusammen: die United Swaziland Association (USA). Beide Organisationen haben die Unterstützung Südafrikas beim Kampf gegen die nationalistischen Parteien der afrikanischen Bevölkerung.
1964 Bei den Wahlen herrscht allgemeine Unwissenheit in der swasischen Bevölkerung über die Inhalte der einzelnen Programme. So gewinnt die königliche Imbokodvo die Wahlen. Die USA gewinnt alle acht der den europäischen Siedlern vorbehaltenen Sitze. Der Sieg der Königspartei stärkte das Selbstbewusstsein der Afrikaner. Somit ging sie in die nächsten Verfassungsgespräche mit Forderungen wie: "Independence now!“, "one man, one vote“ und "no special written guarantees for any racial group“.
1967 Diesmal gewinnt die Königspartei alle 24 Parlamentssitze, da die europäischen Unternehmer im Vertrauen auf die Königspartei auf Teilnahme an den Wahlen verzichteten. Der NNLC bekommt als stärkste Oppositionspartei zwar 14% der Stimmen (deren Wähler sich aus Bewohnern der Städte rekrutieren), hat aber auf Grund des Mehrheitswahlrechts keine Abgeordneten im Parlament.
6. September 1968 Swasiland erhält die Unabhängigkeit von Großbritannien, die Verfassung orientiert sich an dem "Westminster-Modell". Den Schuldkomplex der Kolonialmacht können die Swasi zwar nicht nutzen, um Entschädigung für das an die Europäer abgetretene Land zu erlangen, doch können sie ihre Rechte auf Bodenschätze ausbauen, deren Abbau vor allem zur persönlichen Bereicherung der königlichen Elite genutzt wird.

Das unabhängige Königreich Swasiland
1970er Nach der Unabhängigkeit will die Regierung die Opposition ausschalten. Unter zunehmendem Druck sehen sich die Oppositionführer gezwungen, ins Exil zu flüchten.
1972 Die NNCL gewinnt bei den Wahlen in drei Wahlbezirken, in denen vornehmlich Arbeiter und Bauern mit eigenem Land den Großteil der Bevölkerung ausmachen.
1973 Sobhuza setzt im April die Verfassung außer Kraft und verhängt ein Verbot für alle Parteien. Dieser Schritt richtet sich nicht nur gegen oppositionelle Parteien, sondern auch gegen reformistische Bewegungen in den eigenen Reihen und Gewerkschaften. Er schafft das Recht der Versammlungs- und Meinungsfreiheit ab.
1974 Im September erhält Swasiland eine eigene Landeswährung, den Lilangeni.
1978 Im Oktober wird eine neue Verfassung verkündet, in der der totalitäre und traditionelle Machtanspruch des Königs verankert ist, aber auch ein paar geringe Zugeständnisse an die demokratischen Reformbewegungen gemacht werden. Das Parteienverbot bleibt jedoch erhalten. Mit der Ersetzung der von den Briten inspirierten Verfassung durch seine eigene betont Sobhuza seinen Anspruch, die traditionelle Swasi-Kultur erhalten zu wollen.
1982 Sobhuza II. kommt verunglückt tödlich. Sein Erbe, Prinz Makhosetive, ist allerdings zu jung, um die Regierungsgeschäfte übernehmen zu können. So wird die Königinmutter, Dzeliwe, älteste der 60 Witwen Sobhuzas, vorübergehendes Staatsoberhaupt, später jedoch auf Grund von unüberwindbaren Streitigkeiten innerhalb der Königsfamilie des Amtes enthoben.
1986 Um dem Streit ein Ende zu setzen, wird Makhosetive, zu dieser Zeit noch immer minderjährig, am 25. April als König Mswati III. inthronisiert. Er setzt die totalitäre Politik seines Vaters fort und unterstützt das Apartheidregime Südafrikas nicht nur durch repressives Verhalten gegenüber ANC-Mitgliedern.
1989 Der König entlässt den Premier Sotsha Dlamini wegen "Ungehorsams" und ersetzt ihn durch Obed Dlamini, Mitglied der Gewerkschaftsbewegung, wohl um die Bevölkerung, die sich zu dieser Zeit in starkem Widerstand zur absoluten Monarchie sah, zu beruhigen.
Anfang der 90er Jahre Die Veränderungen in Südafrika und zunehmender Druck vor allem aus den USA führen zu Neugründungen von politischen Organisationen innerhalb von Swasiland. So treten alte Parteien wie die Imbokodvo, die Swaziland Progressive Party und der Ngwane National Liberatory Congress sowie neue wie z. B. die Human Rights Association of Swaziland, die der Exilbewegung People's United Democratic Organisation (PUDEMO) nahe steht, auf der politischen Bühne auf. Die PUDEMO fordert eine Aufhebung des Parteienverbots und die Einberufung eines Nationalkonvents aller politischen Parteien. Der Monarch begegnet der zunehmenden Politisierung des Öffentlichen jedoch mit Gewalt und diktatorischen Rechtsmitteln.
1993 Nach den direkten Parlamentswahlen im September tritt Premier Obed Dlamini im November zurück und eine neue Regierung wird gebildet.
1995 Die Proteste, vor allem der Gewerkschaften, verstärken sich. Mit dem Ende der Apartheid in Südafrika liegt die industrielle Produktion brach, die häufig nur von Südafrika nach Swasiland verlagert worden war, um den internationalen Sanktionen zu entgehen. Arbeitslosigkeit und Armut beherrschen das Land.
1996 Es kommt im Februar zu einem achttägigen Generalstreik, in dessen Folge der König den Vorbereitungen zu einer neuen Verfassung zustimmt.
1997 Da dies von den Gewerkschaften jedoch eher als eine Strategie des Hinhaltens anstatt der Bereitschaft zur Demokratisierung angesehen wurde, kommt es zu einem erneuten Generalstreik, der von der Mandela-Regierung Südafrikas und dem dortigen Gewerkschaftsbund COSATU Unterstützung findet - und dennoch scheitert. Die königliche Regierung antwortet mit Zensur der Medien, Verbot politischer Bewegungen und Polizeigewalt.
1998 Zu den Wahlen im Oktober lassen sich nach einem Boykottaufruf der Gewerkschaften nur 200.000 der insgesamt eine Millionen Swasi eintragen. Weiterhin lehnt Mswati III. deutliche Reformen ab, da er in der absoluten Monarchie die einzige Garantie für politische Stabilität für sich, sein Volk und sein Königreich sieht.
1999 Eine Kommission zur Erarbeitung einer neuen Verfassung wird eingesetzt. Diese kommt jedoch nicht voran, da der König jede entschiedene Demokratisierung verweigert. Oppositionelle verlassen nach und nach die Kommission, da ihre Vorstellungen keine Berücksichtigung finden. Im August scheitert ein Misstrauensvotum gegen die Regierung.
2000/01

Gegen Jahresende 2000 kommt es zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei. Der Vorsitzende der oppositionellen PUDEMO, Mario Masuku, wird wegen Anstiftung zur politischen Aufruhr verhaftet. Er fordert die Umwandlung der absoluten Monarchie in eine konstitutionelle und die Zulassung politischer Parteien. Massenproteste folgen.

Im Juni 2001 wird der Ausnahmezustand aufgehoben.

2002

Nachdem 40% der Bevölkerung vom Hunger bedroht sind, bittet die Regierung im März internationale Organisationen um Hilfe.

Der König erlässt ein Gesetz zum Verbot jeglicher Form von politischer Kundgebung. Wer die Farben politischer Organisationen trägt, soll mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden oder umgerechnet 1.000 Euro Strafe zahlen. Wer sich an Streiks oder Boykotts beteiligt, muss für ein Jahr ins Gefängnis, 20 Jahre, wer im Ausland an "revolutionären Ausbildungen" teilnimmt.

Trotz des Verbots folgen im Dezember 4000 Arbeiter einem Streikaufruf der Gewerkschaften, um gegen den Kauf eines luxuriösen Privatjets des Königs zu demonstrieren.

2003

Die Proteste gegen die Regierung halten unvermindert an. Im April kann nur massiver Armee- und Polizeieinsatz eine Kundgebung des Gewerkschaftsbundes und von PUDEMO unterbinden. Deren Jugendkongress SWAYOCO droht mit bewaffneten Aktionen gegen die politische Unterdrückung.

Ende Mai stellt Mswati III. den Entwurf einer neuen Verfassung für Swasiland vor. Gleichzeitig löst er für die anstehenden Wahlen im Oktober das Parlament auf. Im Verfassungsentwurf verzichtet der König auf eine Herrschaft per Dekret, er bleibt jedoch die entscheidende Person in der Exekutive. Politische Parteien bleiben in dem Entwurf weiterhin unerwähnt. Die Oppositionsparteien lehnen den Verfassungsentwurf im Juni ab, die Bürgerbewegung Swaziland Coalition of Concerned Civil Organisations (SCCCO) sieht in ihm aber einen "ersten Schritt in die richtige Richtung".

Am 1. Oktober enthebt der König seinen Premierminister Sibusiso Dlamini des Amtes.

2004

Die südlichen Landesteile werden von anhaltenden Dürre geplagt. Die Regierung ruft im Februar kurz vor der Erntezeit den nationalen Notstand aus. Die Ernährungssicherung des Landes wird zusätzlich von einer fortschreitenden Bodenerosion verschlimmert.

Trotz der schwierigen finanzielle Lage hält der König an seinen Plänen fest, für seine zehn Frauen Paläste in Höhe von umgerechnet 14 Mio. US-Dollar zu bauen. 

2005 In der letzten Monarchie Afrikas haben die Gewerkschaften zu einem zweitägigen Generalstreik gegen einen Verfassungsentwurf aufgerufen, der die Macht des König festschreibt. Sie fordern demokratische Reformen. 
2006

Im Januar rufen die Gewerkschaften zu einem zweitägigen Generalstreik gegen einen Verfassungsentwurf auf. Er verfestigt die Macht des König. Die Gewerkschaften fordern demokratische Reformen.

Im Februar werden in der Hauptstadt Attentate mit Molotowcocktails gegen öffentliche Gebäude verübt, darunter auch zwei Polizeistationen.

Im April blockieren 500 Demonstranten – überwiegend Angehörige des südafrikanischen Gewerkschaftsverbandes Cosatu – die Grenze zu Swasiland. Die südafrikanische Polizei löst die Blockade mit Gewalt auf. Die Cosatu unterstützt öffentlich die Oppositionellen im Königreich.

Trotz der Proteste billigen beide Parlamentskammern im Juni die neue Verfassung. Sie gibt dem König eine fast absolute Gewalt und entzieht ihn jeder Gerichtsbarkeit. Die Reform der Zuckermarktordnung der EU sieht einen schrittweisen Abbau der Subventionen für europäische Zuckerproduzenten vor. Damit sinkt der Zuckerpreis für die Abnahmequoten aus Swasiland um 37 Prozent. Die Senkung ist für die Zuckerrohrbauern und für Wirtschaft des Landes existenzbedrohend. Swasiland exportiert Zucker für 637 Mio. Euro jährlich.

Swasiland hat mit Mosambik ein Abkommen über den freien Personen- und Warenverkehr abgeschlossen. Es tritt mit Jahreswechsel in Kraft. Ähnliche Abkommen sollen mit Südafrika, Tansania und Sambia ausgehandelt werden. 

2007 Der härteste Winter seit Jahren und eine schlechte Ernte machen das Leben für die Bevölkerung schwierig. 40% der Menschen sind auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Ein UN-Bericht nennt ungenügenden Regenfall und nicht angepasste Anbaumethoden als Ursachen. Im Oktober folgt eine extrem lange Dürreperiode. Industrieunternehmen drohen, sich wegen Wassermangel aus dem Land zurückzuziehen. 
2008

Im September protestieren Gewerkschaften und verbotene Parteien gegen die anstehenden Wahlen. Sie seien angesichts fehlender demokratischer Rechte ein Hohn und lediglich eine Bestätigung von Leuten, die dem König hörig sind.

Nach der Verkündigung der Wahlergebnisses erfolgt ein Bombenanschlag in der Nähe des königlichen Palastes. Dabei kommen zwei der Attentäter bei der unvorhergesehen Explosion des Sprengkörpers ums Leben.

Auch die Frauen gehen auf die Straße. In Mbabane protestieren sie gegen die Extravaganz des Königshauses und die Millionen, die des Königs Geburtstag und die Unabhängigkeitsfeier kosten sollen, während zwei Drittel der Bevölkerung Hungerhilfe braucht und das Gesundheitssystem unter der Belastung der HIV/Aids-Pandemie zusammengebrochen ist. Der Gouverneur weist sie zurück: Die Frauen sollten ihren Unmut durch ihre Männer ausdrücken. Die Frauen bestehen auf ihrem Recht, selbst zu sprechen. 

2010 In Südafrika wachsen Entrüstung und Proteste gegen den totalitären König Mwsati III, der weder Gewerkschaften noch politische Parteien zulassen will. Die Menschenrechtslage verschlechtert sich, während Macht und Wohlstand sich in den Händen Weniger häufen. Die Situation sei schlimmer als in Simbabwe. Unterstützt vom ANC und einigen Kirchen will der einflussreiche südafrikanische Gewerkschaft Cosatu gegen das Swasi-Regime agitieren, um es international zu isolieren. 
2011

Die Demokratiebewegung in Ägypten gibt der Opposition in Swasiland neuen Schwung. Verschiedene Oppositionsgruppen beschließen für den 12. April Aktionen gegen das Regime von König Mswati III.. Sie erwarten starken Zulauf, da tiefgreifende Kürzungen im Haushaltsplan zu reduzierten Gehältern und bis zu 7.000 Entlassungen führen könnten. Die mächtige südafrikanische Gewerkschaft Cosatu will sich solidarisch zeigen und in Scharen zur gemeinsamen Grenze marschieren, um die Bürger in ihrem Kampf um Freiheit und Demokratie zu unterstützen.

Dem Aufruf zur Demonstration folgen Tausende. Der öffentliche Verkehr wird völlig lahmgelegt. Die Polizei geht mit Tränengas, Wasserwerfern, Gummigeschossen und Schlagstöcken gegen die Demonstranten vor, etwa 100 Personen verhaftet. Nach zwei Tagen werden die Proteste abgebrochen, aber manche Aktivisten drängen auf weitere Kundgebungen, um den Rücktritt der Regierung, die Wiederzulassung der Parteien und ein menschenwürdiges Leben für alle zu erreichen.

Trotz der schwierigen Lage hält der König an Plänen zu Feier des silbernen Jubiläums seiner Thronbesteigung im September fest. Umgerechnet 1,7 Mio. US-Dollar soll die Party kosten. Sie wird angesichts der ernsten Finanzkrise jedoch bis auf weiteres verschoben. Aber auch öffentliche Proteste haben die Absage bestimmt. So haben etwa 10.000 Angestellte des öffentlichen Dienstes die Hauptstadt Mbabane lahmgelegt. Sie protestieren gegen die Einfrierung ihrer Gehälter und verlangen den Rücktritt der Regierung. Das kleine Land ist von Armut und Krankheit geplagt; 70 Prozent der Bevölkerung müssen mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen. Im letzten Drittel des Jahres müssen die Schulen aus Geldmangel geschlossen bleiben. Südafrika sieht den Verfall Swasilands mit Sorge. Im Juni geht Swasiland das Geld aus, um seine Beamten zu bezahlen.

Südafrika wünscht sich einen stabilen Nachbarn, zögert jedoch zunächst mit finanziellen Zusagen, solange der absolute Monarch seinen verschwenderischen Lebensstil weiter verfolgt und jede Demokratiebewegung zerschlägt. Im August jedoch gewährt die südafrikanische Regierung gegen den Protest der Opposition dem zahlungsunfähigen Land Kredite in Höhe von 335 Millionen Dollar. Sie verbindet die Zusage mit der Forderung, dass wirtschaftliche und politische Reformen in Gang gesetzt werden.

Sollte Swasiland einen totalen wirtschaftlichen und sozialen Zusammenbruch erleiden, wird Südafrika nach Expertenaussagen unmittelbar die Folgen spüren. Befürchtet wird, dass aufgrund von Flüchtlingen die sozialen Dienstleistungen in den nahe Swasiland gelegenen Provinzen Südafrika überfordern und zu neuen Ausbrüchen von Fremdenhass führen könnten. 

2012

Im Juni nimmt Mswati mit anderen gekrönten Häuptern am Jubiläumsdiner von Königin Elizabeth in Schloss Windsor, teil - sehr zum Ärger von Swasis im Exil und Menschenrechtlern. Sie fordern einen internationalen Boykott des Königs, der wenig Widerhall findet.

Auch das Kulturfest in Mbabane wird trotz mancher Absagen ein Erfolg. Die Swasi sind für Ratschläge von außen nicht sehr empfänglich und sehen ihre Identität in dem traditionellen Führer.

Im Juli kommt es zu erneut zu heftigen Demonstrationen. Die Polizei ist mit Tränengas und Wasserwerfern unaufhörlich im Einsatz, um Proteste von Studenten, Beamten und anderen Gruppen zu zerschlagen,. Das öffentliche Leben kommt fast zum Stillstand. 

2013

In vielen Regionen Swasilands herrscht große Dürre. Um trotzdem Landwirtschaft betreiben zu können, haben sich ca. 10 Frauenkooperationen zusammengeschlossen und produzieren dürreresistentes Saatgut. Zu den wichtigsten Kunden gehört die Welternährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO, die das Saatgut für ihr Versuchsgelände kaufen will.

Im September lässt der König wählen. Überlegungen, mit einer neuen Verfassung sein absolutes System zu öffnen, hat er verworfen. Er sei König von Gottes Gnaden, und das begründe die bestehende Herrschaftsform.

Bei den Wahlen setzen sich alle Kandidaten des Königs durch, einzige Ausnahme ist der oppositionelle Gewerkschafter Jan Sithole, der als unabhängiger Kandidat angetreten ist. Parteien sind im Königreich weiterhin verboten.

Der Widerstand gegen die absolute Herrschaft des Königs wächst, bleibt aber immer noch begrenzt auf die Städte, die Arbeiterschaft und eine kleine akademische Schicht. Sie verfolgen unterschiedliche Ziele. Eine Gruppe setzt sich für eine konstitutionelle Monarchie ein, in der die Rolle des König auf repräsentative Aufgaben beschränkt wird. Eine andere arbeitet auf eine republikanische Verfassung hin, in der der König keine Rolle mehr spielt.

Unterstützung findet der König auf dem Land, wo die Mehrheit der Bevölkerung lebt. Hier geben die Chiefs den Ton an; sie verfügen über die Nutzungsrechte von Land. Die Chiefs wiederum sind abhängig vom Königshaus.

(Stand: 31. Dezember 2013)